Afrika [2]


Afrika [2]

Afrika (Geogr.), Erdtheil, zwischen dem 1–69° östlicher Länge von Ferro, u. dem 34° südlicher Breite bis 35° nördlicher Breite, von Europa getrennt durch das Mittelmeer u. die Straße von Gibraltar, von Asien durch die Straße Bab el Mandeb, mit diesem durch die Landenge Suez zusammenhängend, sonst von dem Atlantischen u. Indischen Ocean umgeben. Flächengehalt: 534,200 mit den Inseln 544,700 QM., getheilt in das südliche, ein großes Dreieck bildende Hoch-A., die Wüste Sahara u. Nord-A. Gebirge: in Nord-A: Atlas-, Ghuriano- u. Wahryagebirge, Schwarzer u. Weißer Harusch, die Suhdaberge, Schwarze Berge (Gebel Ahood) etc., in dem Hochlande die Abessinischen Gebirge, Beth- u. Lupatagebirge, Furagebirge, Drakenberg (Guathlambagebirg), Zwarteberge, nach Westen die Amboserberge u. das Konggebirg; im Innern die große Sandwüste Sahara. An den Küsten viele Vorgebirge, als Bon, Ceuta etc. (im Mittelmeer), Blanco, Cantin, Bojador, Cap Verde, Roxo, Sierra-Leona, Mesurado, Palmas, Tres Puntas, Formosa, Lopez, Negro, Frio, Voltas, Cap der guten Hoffnung etc. (im Atlantischen Meere), Cap Aguthas (Nadelvorgebirg), Corrientes, Delgado, Guardafui (im Indischen Ocean), Affease, Calmez, Juzreal, Bernos (im Rothen Meere); u. Busen, als Sydra (im Mittelmeer), Bai von Guinea mit Bai von Biafra, Wallfischbai, Tafelbai (im Atlantischen), Algoabai, Lagoa etc. (im Indischen Meer). Gewässer: im Allgemeinen ist A. wasserarm, die wichtigsten, zum Theil nach ihrem ganzen Lauf noch nicht bekannten Flüsse sind: Nil, entstehend aus dem Blauen (Bahr el Asrak) u. Weißen Nil (Bahr el Abiad), mit dem Rebenfluß Tacäzze, mündet in das Mittelmeer; Senegal, Gambia, Rio Grande, Niger (Joliba), Zaire (Congo), Cuenza, Sumbi, Kalumbela, Quenina, Cuanene, Angra, Orange, Elephantenfluß in das Atlantische Meer; Gambos, Tugela, Pongola, Inhambana, Govora, Safala, Zambese (dessen oberer Theil der Liambey genannt wird), Quillimani, Lufidschi, Ruwu u. v. a. ins Indische Meer; im Innern z.B. der Luapula mit vielen Nebenflüssen, der in den Njassisee mündet. Seen: Tschad, Morawi, Achelunda, Lowdeah, Tzana, Njassi, Ngami u. a. Das Klima ist an den Küsten, bes. an der westlichen, ungesund, in der Wüste wechselt große Hitze am Tage mit Kälte in den Nächten; die heißen Winde (Samum, Harmattan) wehen häufig u. wühlen in der Wüste den Sand zu Bergen auf od. führen ihn über sonst fruchtbare Gegenden, an den Küsten thun Gewitterwirbelstürme (Tornados) oft großen Schaden; in den Terassenländern ist eine angenehme Temperatur u. in den Gebirgsgegenden eine gesunde Luft. Naturproducte; Thiere: Giraffe, Zebra, das äthiopische Schwein, einige Antilopenarten (Gnu), Quagga, Elephanten, Rhinoceros, Flußpferd; außerdem Kameele, Büffel, Antilopen u. Gazellen, Affen, Löwen, Tiger, Schakal, Flamingo, Ibis, Hyänen, Panther, ferner europäische Hausthiere, Papagaien, Honigkukuk, viel anderes Geflügel, Schwalben, Wachteln (beide hier überwinternd), Strauße; ferner Krokodile, Schlangen, Eidechsen, Bienen, Termiten, Ameisen, Heuschrecken (zur Landplage wie zum Genuß); Gewächse: Getreide, Mais, Maniok, Affenbrodbaum, vielerlei Palmen (Cocos, Datteln), Gummibäume, Farbehölzer, Ebenholz, Drachenbaum, Tabak, Zucker, Kaffee, Baumwolle, Gewürze verschiedener Art (Pfeffer), Indigo, Apotheker- u. Räucherwaaren, Wein u. europäische Südfrüchte (in Nord-A.). Mineralien: Gold, Silber, Kupfer, Eisen, Blei, Edelsteine (doch keine Diamanten), Salz, Salpeter, Natrium etc., doch sind die Schätze des Mineralreiches noch nicht alle bekannt. Einwohner werden von 60 Mill. bis 100 u. mehr Mill. geschätzt, doch kann bei der noch geringen Bekanntschaft des inneren Landes die Zahl nicht einmal annähernd angegeben werden; auf eine nicht geringe Bevölkerung deutet die immer noch fortdauernde Sklavenausfuhr (in 250 Jahren gegen 40 Mill. Eingeborene); sie sind theils Neger (außer den eigentlichen Negern noch Kaffern, Bedschuanen, Fulahs, Fellatas, Hottentotten, Buschmänner etc.), theils Kaukasier (zu diesen die Kopten, Mauren, Berbern, Araber, Abessinier, Nubier etc.); auf Madagaskar wohnen Malaien, in Nordosten, Westen u. Süden auch Europäer. Die Sprachen. Afrikanische Sprachen. Der religiösen Cultur nach sind die Ureingeborenen sämmtlich Fetischanbeter; so weit Araber eingedrungen sind, herrscht der Islam, das Christenthum ist nur in den europäischen Niederlassungen eingeführt, außerdem, wie das Judenthum, hier u. da unter den Muhamedanern geduldet, u. wird jetzt vielfach von Missionären unter den Heiden gepredigt. Die Beschäftigung ist sehr verschieden; der Ackerbau steht auf einer niederen Stufe; Viehzucht wird mehr betrieben; die Industrie einiger Völker bereitet Leder, gewebte Waaren, Metallgeräth, doch ist sie im Ganzen sehr gering; der Handel theils im Innern (meist Karawanenhandel), theils nach Außen sehr ausgebreitet, doch noch vielfach gehindert, erstreckt sich auf Goldkörner, Elfenbein, Gewürze, Getreide, Baumwolle, Gummi, Färbe- u. Arzneikräuter, Straußenfedern, Ebenholz, Wachs, Aloe, Menschen (durch die Wachsamkeit der Engländer sehr beschränkt, s. Sklaverei), u. nimmt von den Europäern, die den äußeren Handel fast gänzlich an sich gerissen haben, bunte Baumwollenzeuge, Waffen, Spielsachen, Spirituosen etc. Regierungsverfassungen haben von einheimischen Staaten außer. den unter türkischer Oberherrschaft stehenden (Ägypten, Tripoli, Tunis), nur noch Marokko u. Habesch; die der übrigen sind verschieden, von der despotischen bis zur patriarchalischen. Eintheilung: A) Atlasland: a) Marokko, b) Sidi-Heschem, c) Algerien, d) Tunesien; B) das Land von Tripolis; C) Ägypten; D) Nubien; E) Abessinien od. Habesch; F) die Ostspitze des afrikanischen Continents (Somâliland); G) das östliche Süd-A.: a) das Suaheliland, b) Mozambique, c) Sofala, d) Natal, e) Kaffraria; im Innern: f) Transvaalsche Republik, g) Orangefluß-Republik; H) das Capland; I) das westliche Süd-A.: a) das Land der Groß-Namaqua, b) das Land der Bundavölker; K) Guinea; L) Senegambien; M) die Sahara; N) das Binnenland von Nord-A. (Nigerland); O) das Binnenland von Süd-A.; P) die Westafrikanischen Inseln: a) Tristao de Cunha (d'Acunha), b) St. Ascension, c) St. Helena, d) die Guineainseln, e) die Inseln des Grünen Vorgebirges (Cap-Verdische [169] Inseln), f) die Canarischen Inseln, g) Madeira u. Porto-Santo, h) die Azoren; Q) die Ostafrikanischen Inseln: a) Madagaskar u. sein Archipel, b) die Comoren, c) die Mascarenischen Inseln, d) die Mahe- od. Séchellesinseln, e) die Admiralitätsinseln, f) die Insel Rodriquez, g) die Inseln zwischen den Mascarenen u. Sechellen, i) Socotara. Vergleicht man die neuesten, 1856 von Petermann nach den neuesten Reisen revidirten Karten von A. mit den früheren, so sieht man deutlich, wie weit die Kenntniß dieses Erdtheils gewachsen ist. Ein großer Theil der früher fast unbekannten Ostküste vom 10° nördlicher Breite bis zum Äquator, u. auf der Westküste vom 5° nördlicher Breite bis zum 28° südlicher Breite sind jetzt mehr oder weniger durchforscht worden, doch sind im Innern dieses großen Continents allerdings noch jetzt ungeheuere Strecken von keinem Europäer betreten worden, s. Afrika (gesch. Geogr.).


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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