Aiguillon [2]


Aiguillon [2]

Aiguillon (spr. Ägiiljóng), 1) Marie Madeleinede Vignerod, Duchesse d'A., geb. um 1600, Tochter von René de Vignerod u. der Schwester des Cardinal Richelieu, Françoise Duplessis, ward durch ihren Oheim Dame d'adour der Königin Marie Medicis, heirathete Antoine du Roure de Combalet, ward bald Witwe u. in den Streitigkeiten Richelieus mit der Königin Mutter von dieser vom Hofe fortgeschickt. Als Frau von hohem Sinne genoß sie das ganze Vertrauen ihres Oheims u. auch die Zuneigung Ludwigs XIII. Nachdem eine Heirath mit dem Grafen von Soissons (Enkel des Prinzen Cendé) u. eine andere mit dem Cardinal von Lothringen mißlungen war, kaufte ihr Richelieu das Herzogthum Aiguillon; nach seinem Tode 1642 widmete sie sich ganz der Frömmigkeit u. Wohlthätigkeit u. st. 1675. Ihre Erbin war ihre Schwester Therese Vignerod u. dann ihr Neffe: [229] 2) Arnaud Vignerod Duplessis Richelieu, Duc d'A, geb. 1710, lebte am Hofe Ludwigs XV., u. da dessen Maitresse, die Herzogin von Chateauroux, ihn liebte, so schickte ihn der König zur Armee nach Italien; hier bei Chateau Dauphin verwundet, ward er Gouverneur vom Elsaß u. Commandirender in Bretagne, wo es seinen Truppen 1658 gelang, eine Landung der Briten bei St. Cast zurückzuschlagen; da er selbst während des Kampfes sich in eine Mühle verkrochen hatte, verlor er die Achtung seiner Untergebenen u. gerieth mit dem Parlament der Betragne in einen ärgerlichen Streit, der sich mit seiner Entsetzung zu enden schien, als ein königlicher Machtspruch, durch die Dubarry erschlichen, die Sache niederschlug. Er wurde nach dem Sturze Choiseuls, seines Gegners, 1771 selbst Minister der Auswärtigen Angelegenheiten. Unter ihm verlor Frankreich seinen auswärtigen Einfluß so, daß die 2. Theilung Polens vor sich ging, ohne daß man in Paris davon etwas wußte. Kurz vor Ludwigs XV. Tode wurde er noch Kriegsminister, nach demselben verlor er aber seine Ministerien u. ward wegen seiner Oppozition gegen die österreichische Allianz 1775 vom Hofe verbannt; er st. 1782. Er schr.: Recueil des pièces choisies, Ancona (Paris) 1735; Suite de la nouvelle Cyropedie, 1728. 3) Armand Vignerod Duplessis Richelieu, Duc d'A., Sohn des Vor., als Deputirter des Adels von Agen Mitglied der Reichsversammlung von 1789, Gegner Ludwigs XVI. u. Aufhetzer des Herzogs von Orleans, forderte in der nächtlichen Sitzung vom 4 August den Adel mit zur Entsagung seiner Privilegien auf, übernahm 1792 Custine's Armeecomnando, emigrirte jedoch bald u. st. 1800 zu Hamburg.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • aiguillon — [ egɥijɔ̃ ] n. m. • XIIIe; aguillon XIIe; lat. médiév. aculeo, onis, class. aculeus 1 ♦ Long bâton muni d une pointe de fer servant à piquer les bœufs. Fig. Stimulant. « L amour, l aiguillon tout puissant de nos activités » (Michelet). 2 ♦ Dard… …   Encyclopédie Universelle

  • Aiguillon — steht für: Aiguillon (Lot et Garonne), eine Gemeinde im Département Lot et Garonne, Frankreich Aiguillon (Cèze), einen Fluss in Frankreich, Nebenfluss der Cèze (1918) Aiguillon, ein Asteroid des Hauptgürtels, der nach der Stadt benannt ist Col de …   Deutsch Wikipedia

  • aiguillon — AIGUILLON. s. m. (On fait sentir l U dans ce mot et dans ses dérivés.) Il se dit proprement d Une pointe de fer qui est au bout d un grand bâton, et dont on se sert pour piquer les boeufs. L aiguillon d un Bouvier. On pique les boeufs avec un… …   Dictionnaire de l'Académie Française 1798

  • aiguillon — Aiguillon. s. m. Pointe qui sert seulement à piquer. L Aiguillon d un bouvier, on pique les boeufs avec un aiguillon pour les faire marcher. les mouches à miel ont un aiguillon dont elles piquent quand elles sont irritées. Aiguillon, Se dit… …   Dictionnaire de l'Académie française

  • Aiguillon — puede referirse a: Cuerpos celestes (1918) Aiguillon, asteroide. Poblaciones  Francia Aiguillon, comuna de Lot y Garona …   Wikipedia Español

  • Aiguillon [1] — Aiguillon (spr. Ägiiljóng, sonst Acilia), Stadt u. Schloß im Bezirk Agen des französischen Departements Lot u. Garonne, Schloß, Handel; 2000 Ew. Es gab dem Herzogthum A. den Namen, s.d. Folg …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Aiguillon [1] — Aiguillon (spr. ägwijóng), 1) Stadt im franz. Depart. Lot et Garonne, Arrond. Agen, am Lot, nahe an seinem Zusammenfluß mit der Garonne und an der Südbahn, mit römischen Mauerresten und (1901) 1565 (als Gemeinde 2988) Einw., die bedeutenden Tabak …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Aiguillon [2] — Aiguillon (spr. ägwijóng), Armand Vignerot Duplessis Richelieu, Herzog von, franz. Minister, geb. 1720, gest. 1782, erhielt 1756 das Gouvernement der Bretagne. Hier machte er sich allgemein verhaßt, ward von dem dortigen Parlament wegen… …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Aiguillon — (spr. ägüijóng), Stadt im franz. Dep. Lotet Garonne, (1901) 2988 E …   Kleines Konversations-Lexikon

  • Aiguillon [2] — Aiguillon (spr. ägüijóng), Armand Vignerot Duplessis Richelieu, Herzog von, geb. 1720, gest. 1782, durch die Gunst der Gräfin Dubarry 1771 74 Ludwigs XV. Minister der auswärtigen Angelegenheiten …   Kleines Konversations-Lexikon