Alaun


Alaun

Alaun (Alumen), ein aus Alaun- od. Thonerde, Schwefelsäure, Wasser u. eine Alkali (Kali od. Ammoniak) zusammengesetztes Doppelsalz von eigenthümlich süßlichem, zusammenziehendem Geschmack, das in einigen südlichen Gegenden natürlich vorkommt, meist aber fabrikmäßig bereitet wird. Man unterscheidet mineralogisch: a) gemeimen A. (Alaunsalz), gewöhnlich als Octaëder, auch als Hexaëder, auch beide combinirt krystallisirt, mit meist glatter Oberfläche, enthält Thon (Kali), Eisenoxyd, Schwefelsäure u. Wasser u. a.; dazu aa) der Kali-A., mit 10 Theilen Kali, stänglig, faserig, knollig, als Beschlag; letztere bes. auf Thonschiefer (Alaunschiefer), aus Schweden, Norwegen, Schlesien; bb) Ammoniak-A., mit 41/2 Theilen Ammoniak, in Böhmen bei Tschermig zwischen Braunkohle; cc) Natrou-A., mit 11/2 Theil Natron, von der Insel Milo; dd) Magnesia-Mangan-A., mit 33/4 Magnesia, 21/4 Mangan, vom Cap. b) Alaunsteine (Alumit, Alaunhaloid), rhomboëdrisch krystallisirt, glatt, spec. Gew. = 21/2, ritzt Kalkspath, ist unschmelzbar, meist röthlich bestäubt, zeigt sich bei der Krystallisation fast ganz eisenfrei, aus den Alaun lagern bei Puzzuola in der Solfatera im Kirchenstaate (daher römischer A., röthlich, sehr oft verfälscht u. nur röthlich gefärbt), Ungarn, Milo u. a. c) Aluminit, knollig, nierenförmig, auch derb. u. zerreiblich, undurchsichtig, weiß, wiegt 11/2, enthält Thonerde (30 Theile), Schwefelsäure (231/3), Wasser (462/3), zuerst in u. bei Halle, dann in Frankreich u. England gefunden. Unter dem römischen A. finden sich oft kuhische Krystalle (kubischer A.), die auch aus dem gemeinen A. durch vollständige Neutralisation desselben mittelst kohlensaurem Kali od. kohlensaurer Thonerde u. allmählige Verdunstung des Wassers an der Luft hergestellt werden können. Die über denselben bleibende Flüssigkeit enthält neutralen A. Durch Kochen einer Alaunlösung mit Thonerdehydrat gewinnt man basischen, im Wasser unlöslichen A., aus 1 At. A., 2 At. Thonerdehydrat bestehend, durch schwaches Glühen zersetzt werdend. Beim Erhitzen in einem irdenen Gefäß schmilzt der A., bläht sich sehr auf, verliert sein Krystallisationswasser u. wird in eine porösleichte, schwammige Masse verwandelt, die als gebrannter A. (Alumen ustum) officinell ist, u. nur durch längere Berührung mit Wasser seine Auflöslichkeit in demselben wieder gewinnt. Der A. wird als Heilmittel in Pulverform od. in Wasser aufgelöst als blutstillendes od. auch als zusammenziehendes Mittel gebraucht, in welch letzterer Eigenschaft er vorzugsweise zu Gurgelwasser bei entzündlichen Anschwellungen der Mandeln, des Zäpfchens der Zunge u. des Zahnfleisches dient; bei Schleimflüssen der weiblichen Geschlechtstheile, auch bei männlichem Tripperfluß wird seine Auflösung zu Einspritzungen benutzt. Lothweise in den Magen gebracht wirkt er giftig, s. Alaunvergiftung. Auch dient der A. zu mehreren technischen Zwecken u. wird bei Bereitung des weißen Handschuhleders, weißen Chagrins, überhaupt des sogenannten alaungaren Leders, zum Leimen des Papieres, in Färbereien u. Kattundruckereien als Beizmittel, zur Bereitung des Berlinerblaus, der Lackfarben, bei der Glasmalerei u. zur Herstellung mehrerer chemischer Producte, zum Klären der Trinkwasser, zum Färben des Goldes etc. angewendet. Durch A-holz feuerfest zu machen, war schon den Römern bekannt. Die Fabrikation des A. s. u. Alaunwerke.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.