Analŏgie


Analŏgie

Analŏgie (v. gr.), Verhältnißmäßigkeit, Übereinstimmung von Dingen in bekannten Eigenschaften, bes. in bekannten Verhältnissen, sofern sich darauf die Annahme gründet, daß auch in anderer Beziehung gleiche Übereinstimmung Statt finden werde. Das Wort A. ist ein Kunstwort fast in allen Wissenschaften: 1) in der Grammatik die Gleichmäßigkeit der Wortbildung, im Gegensatz der Anomalie derselben; 2) in den schönen Künsten die Einheit u. Gleichförmigkeit der Darstellung etc.; 3) in der Hermeneutik die Übereinstimmung des Sinnes einer Stelle mit den bekannten Grundsätzen u. der Schreibart eines Schriftstellers, mit seiner Vorstellungsweise, seinen Sitten etc., die zur Zeit, wo er schrieb, u. unter der Nation, zu der er gehörte, herrschend waren etc. 4) In der Philosophie sind Analogien der Erfahrung Verstandesgrundsätze zur Erkenntniß von Erfahrungsgegenständen, die als solche nie zu völliger Gewißheit, sondern nur zur Wahrscheinlichkeit führen können. Die Schlußfolge nach A. drückt überhaupt aus, daß man in Erfahrungswissenschaften, also in dem ganzen Bereich der Naturlehre, bei vorhandener Ähnlichkeit u. unter übereinstimmenden Verhältnissen, dasselbe in nicht erkannten Bestimmungen (nach Wahrscheinlichkeit) erwartet od. voraussetzt; wo man[449] dann das Gegentheil erfährt, bezeichnet man dieses als Ausnahmen. 5) In der Mathematik bezieht sich A. rein auf Größenverhältnisse u. bezeichnet die Übereinstimmung dieser; s. Proportion. 6) In der Dogmatik die Analogie des Glaubens (Analogĭa fidĕi, Glaubensanalogie), aus Röm. 12, 6 entlehnt, bezieht sich auf einzelne Aussprüche der Bibel u. ist das gegenseitige Verhältniß derselben, nach welchem sich. dieselben nicht widersprechen, vielmehr gegenseitig sich erläutern, bestimmen u. begründen, od. die innere Übereinstimmung der wesentlichen Glaubensartikel. Die Analogie der heiligen Schrift bezieht sich auf alle Aussprüche der Bibel u. ist die Übereinstimmung der einzelnen Aussprüche in derselben, wonach die einen durch die andern erläutert u. bestimmt werden. 7) Die Rechts-A. in der Jurisprudenz leitet die Bestimmung des Rechts, beim Mangel eines wirklichen Gesetzes, aus der Vergleichung wirklicher Entscheidungen in einem ähnlichen Falle ab, deren Gegensatz dann Antinomie ist. 8) In der Medicin bedient man sich häufig der A., um bei Ähnlichkeit von Krankheitserscheinungen Übereinstimmungen derselben ihrer Natur nach vorauszusetzen, od. von, einander ähnlichen Heilstoffen gleiche Wirkung in ihrer Anwendung zu erwarten; sie ist, sofern sie nur Wahrscheinlichkeit zum Resultat hat, eine nur unvollkommene Induction. Daher Analogismus (Analogistik), Theorie u. Heilmethode, welche sich auf Analogien stützt; wesentlich die empirische.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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  • analogie — ANALOGIE. s. f. Rapport, ressemblance, proportion. Il s emploie un peu diversement en Mathématiques et en Philosophie. Dans les premières, il signifie, Rapport exact et rigoureux. Il y a la même analogie de deux à trois, que de six à neuf. La… …   Dictionnaire de l'Académie Française 1798

  • analogie — ANALOGÍE, analogii, s.f. Asemănare (parţială) între două sau mai multe noţiuni, situaţii, fenomene etc. ♦ (lingv.) Fenomen care constă în modificarea formei sau uneori a sensului unui cuvânt sub influenţa alteia dintre formele sale sau sub… …   Dicționar Român

  • Analogie — steht für: Analogie (Rhetorik), ein Stilmittel, das ähnliche Strukturen oder Zusammenhänge verwendet Analogie (Biologie), funktionsgleiche Strukturen, ohne Verwandtschaftsbeziehungen Analogie (Recht), die Anwendung einer Norm auf vergleichbare… …   Deutsch Wikipedia

  • analogie — ANALOGIE. s. f. Terme dogmatique, Rapport, ressemblance, conformité, proportion d une chose à une autre. La partie basse de la montagne s appelle pied par analogie au pied de l homme. analogie geometrique. analogie grammaticale. le mot… …   Dictionnaire de l'Académie française

  • Analogie — bezeichnet die Uebereinstimmung eines Dinges mit einem andern in bestimmten Eigenschaften oder Verhältnissen, und darauf wird vielfach der Schluß gegründet, daß diese Uebereinstimmung auch in anderen Eigenschaften und Verhältnissen stattfinde,… …   Herders Conversations-Lexikon

  • Analogie — Sf Ähnlichkeit erw. fach. (15. Jh.) Entlehnung. Entlehnt aus l. analogia, dieses aus gr. analogía Übereinstimmung, Gleichung, Verhältnis , wie das Adjektiv análogos eine Zusammenbildung von gr. anà lógon dem Verhältnis entsprechend . Ein Adjektiv …   Etymologisches Wörterbuch der deutschen sprache

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  • Analogie — Analogie, nicht homologe – d.h. nicht auf stammesgeschichtlich gemeinsamer Herkunft beruhende – Strukturen führen bei unterschiedlichen systematischen Gruppen die gleiche Funktion aus. Beispiele: schaufelförmige Grabbeine des Maulwurfs und der… …   Deutsch wörterbuch der biologie


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