Antmionialmittel


Antmionialmittel

Antmionialmittel (Antimonialĭa, Pharm.), Antimon als Haupttheil enthaltende Mittel. Das Spießglanz (s. Antimon), der Mineralkermes (s. Antimon), Goldschwefel, Antimonsulfid, das schweißtreibende Antimon, die Antimonbutter, Antimonseife (Sapo antimonialis s. Sapostibiatus, Sulfur aurat, saponat.), weißlich aschgraue, in Wasser lösliche, bei dem Zusatz von Säuren Antimonsulfid (Goldschwefel) fallen lassende u. Schwefelwasserstoffgas entwickelnde Seife, durch Vermischung einer Auflösung des Goldschwefels in Ätzlauge mit medicinischer Seife u. Abdampfen bis zur gehörigen Consistenz bereitet. Antimonseifenauslösung od. Tropfen (Liquor saponis stibiati, Sulphur auratum liquidum, Tinctura antimonii Jacobi), zu der Auflösung einer Unze Antimonsulfid in ätzender Kalilauge werden 3 Unzen medicinische Seife, von jedem 6 Unzen in Alkohol u. destillirtes Wasser gemischt,[566] des Ganze durch Digestion vereinigt, filtrirt u. so eine klare, braungelbe Flüssigkeit gewonnen. Beide zersetzen sich schon beim Zutritt der Luft u. werden nur noch selten verordnet. Scharfe Spießglanztinctur, s. Kalitinctur. Tartarisirte Spießglanztinctur, aus zusammengeschmolzenem 1 Theil Spießglanz, 2 Theilen Kali durch Digestion mit Alkohol bereitet, enthält Schwefelantimon u. Schwefelkalium, den Alkohol zum Theil in Schwefeläthyl umgewandelt, daher der knoblauchähnl. Geruch der Flüssigkeit. Models schwarze Spießglanztinctur, aus geschmolzenem, mit Salpeter verpufftem u. geglühtem Spießglanz durch Digestion mit ätzender Lauge u. Alkohol erhaltene, dunkele, bittere Flüssigkeit, enthält antimonsaures Kali. Thedens Spießglanztinctur enthält fast blos essigsaures Kali in Weingeist aufgelöst; absolet. Antimonwein (Vinum sibiatum), durch Auflösung von 20 Gran Brechweinstein in 10 Unzen Malagawein bereitet, wird, wie der A-weinstein, in kleinerer Gabe als Brechmittel angewendet. Antimonweinstein (Brechweinstein, Tartarus stibiatus s. emeticus, C8H4O10, KO, SbO3), gleiche Theile gut ausgewaschenes Antimonoxyd (s. u. Antimon), gereinigter Weinstein u. destillirtes Wasser werden zu einem Brei zusammengerührt, eine Stunde digerirt, mit dem Fünffachen siedenden destillirten Wassers vermengt, filtrirt, krystallisirt, aus der abgegossenen abgedampften abermals Krystalle gewonnen, sämmtliche erhaltene Krystalle abermals aufgelöst, in 15 Theilen Wasser filtrirt u. krystallisirt, dann sein gerieben. Er hat einen herben metallischen Geschmack. Man gebraucht den Brechweinstein als Brechmittel in Wasser aufgelöst, mit Zusatz von etwas Amylum, od. in Pulver mit Amylum u. Ipecacuanha; als Ekel erregendes Mittel (s. Ekelcur); als gelind auf die Unterleibsorgane, die Haut u. die Schleimhäute wirkendes Mittel, gegen rheumatische u. a. Fieber, Entzündungen, Katarrhe. Brechweinsteinpflaster, aus gleichen Theilen Brechweinstein, Wachs u. Harz bereitet, erregt einen blatterartigen Ausschlag. Brechweinsteinsalbe (Unguent. e tartaro stibiato), aus 21/2 Theilen Brechweinsteinsalbe, 6 Theilen gemeiner Salbe, Autenriethsche Salbe, doch auch in anderen Verhältnissen mit Fett bereitet; kräftiges, einen blatterartigen Ausschlag erregendes äußeres Mittel, gegen Keuch- u. a. Krampfhusten in die Magengegend, bei Wahnsinn in den abgeschorenen Kopf einzureiben. Pulvis antimonialis (Jamespulver, James powder), aus 1 Theil Schwefelantimon, 2 Theilen geraspeltem Hirschhorn mit einander geglüht u. sein gerieben bereitet, phosphorsauren Kalk u. Antimonoxyd enthaltend. Plummers alterirendes Pulver (Pulv. alterans Plummerii). aus Calomel u. Goldschwefel gleichviel, u. Zucker zusammengesetzt, eine zwar nach chemischen Grundsätzen fehlerhafte, aber vielfach als sehr wirksam bewährte Composition. Antimonmorsellen, (Spießglanzmorsellen, Morsuli antimoniales), nach Kunkel Schwefelantimon u. Gewürze mit Zucker zur Morsellenform gebracht. Antimonsalpeter (Nitrum antimoniatum), vor Zeiten das, aus den Aussüßwassern des weißen Antimonoxyds durch Krystallisiren gewonnene Salzgemisch, aus schwefel-, salpeter- u. salpetrigsaurem Kali ohne Beimischung von Antimonsalzen bestehend. Antimonzinnober wurde bei der älteren Bereitungsart der Antimonbutter, aus Quecksilbersublimat u. Spießglanz erhalten, u. unterscheidet sich nicht von dem gewöhnlichen Zinnober; s. u. Antimonzinz nober. Schweißtreibendes Spießglanz- (Antimonium diaphoreticum), a) ungewaschenes (A. d. non ablutum), die durch Verpuffen u. Glühen von 4 Theilen Schwefelantimon u. 10 Theilen Salpeter erhaltene, weiße, wohl auch durch Eisenoxyd gelbe, durch Mangansäure grünliche, scharf alkalisch schmeckende, an der Luft feucht werdende Masse, wird zur Bereitung von b) gewaschenem S. O. (s. Antimon A) a) cc) benutzt. Brechmost (Sapa vomitaria), ein sonst gewöhnliches Brechmittel, 1 Theil Antimonium ward mit 12 Theilen Weinmost übergossen u. zu 1/2 eingekocht. Brechbecher, aus Antimonglas (Vitrum antim.) gefertigte Becher, in die man Wein goß u. sich dessen, nachdem er eine Zeit lang darin gestanden hatte, als Brechmittel bediente.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.