Arsenik


Arsenik

Arsenik, I. (Mineralogie), bildet nach einigen Mineralogen eine Gruppe der Mineralien mit den Geschlechtern: gediegen A., Realgar, Arsenikblüthe u. Auripigment. A. kommt natürlich vor A) gediegen (Näpfchen- od. Schirlkobalt, Scherbenkobalt, Fliegenstein, Rhomboëdrisches A.), gehört zum hexagonalen System, ist rhomboëdrisch krystallisirt; Härte 3,5; spec. Gewicht 5,7 bis 5,8; zinnweiß, läuft an der Luft leicht an; Bruch uneben, von seinem Korn, spröde, enthält außer A. 3 Antimon, bisweilen etwas Gold, Silber u. Blei, gibt beim Erhitzen starken Knoblauchsgeruch, erscheint gewöhnlich kugelig, traubig, nadelförmig, plattig, derb u. eingesprengt im Ur- u. Übergangsgebirge in Sachsen u. a. Gegenden Deutschlands, Frankreich, Ungarn etc. Mit anderen Metallen, als A-silber, A-nickel, A-wismuth, A-kobalt, A-kies: wird in der Glasmalerei benutzt. B) Als Kiese, als Arsenikkies, grünweiß, gelb angelaufen, wiegt 61/2, krystallisirt als Rhomboëder in Nadeln, enthält Schwefeleisen etc.; getheilt in: a) prismatischen Akies (Weißerz, Edlen A-kies, Mißpickel), Krystallsystem rhombisch, kommt meist kurz säulenförmig u. tafelartig vor, von silberweißer Farbe, oft gelb od. grau angelaufen; Zusammensetzung: Fe S2 + Fe As mit 19,9 Schwefel, 46, 53 A. u. 33,57 Eisen, ist härter als Apatit, weicher als Quarz, findet sich derb, eingesprengt od. krystallisirt auf Gängen u. Lagern in Sachsen, Frankreich u. England etc., dient zur Anfertigung von Auripigment, wird auch auf Silber gebaut; b) Axotomer A-kies (Arsenikalkies, Arseneisen), weiß, ins Stahlgraue, durch das Anlaufen dunkler werdend; Härte 5,5; spec. Gewicht 7–7,3, enthält Eisen, A., etwas Schwefel, findet sich in Kärnthen, Steiermark, Schlesien, wird zur Fertigung des Weißen A-s benutzt. C) Als Blende (bei Mohs als Schwefel), u. zwar: a) als Gelbe A-blende (Auripigment, Rauschgelb, Operment), rhombisch, citronengelb bis orangegelb; halb durchsichtig bis durchscheinend; chemische Zusammensetzung: As Sa, mit 61 A. u. 39 Schwefel, fettglänzig, findet sich krystallisirt, traubig, nierenförmig etc. in Ungarn, Tyrol etc., brennt mit Schwefelgeruch, dient in der Malerei u. Medicin; b) Rothe A-Blende (Realgar, Rothes Rauschgelb, Sandarach, Hemiprismatischer Schwefel), monoklinoëdrisch; Bruch kleinmuschelig u. uneben; morgenroth, Strich gelb; Härte 1,5–2; spec. Gewicht 3,5–3,6, AsS2, mit 70 A. u. 30 Schwefel, fettglänzig, findet sich mit A. in Ungarn, Sachsen, am Harz, in Westindien, Japan etc., dient auch zur Malerei. Mit anderen Schwefelmetallen verbunden bildet der Schwefel-A. die Mineralien Lichtrothgültigerz, Fahlerz u. Polybasit. D) Als Säure, A-blüthe (Oktaëdrische Arsenige Säure, Natürlicher A-kalk), Grundgestalt in Oktaedern, löset sich schwer auf, enthält AsO3, mit 75 A. u. 25 Sauerstoff, ist weiß, seiden- auch glasglänzig, zerreiblich, schmeckt zusammenziehend, dann süßlich, findet sich traubig, nierenförmig, als Überzug mit Arsenik zu Andreasberg, Joachimsthal. E) Als A-säure, As Os, findet sich das A. mit Basen verbunden in den Mineralien Haidingerit (A-saurer Kalk), Pharmakolith (A-saurer Kalk mit 6 At. Wasser), Skorodit (A-saures Eisenoxyd), Nickelblüthen. Kobaltblüthe (A-saurer Nickel u. Kobaltoxydul), Köttigit (A-saures Zinkoxyd), Mimetesit (A-saures Bleioxyd).

II. (Chemie), s. Arsen.

III. (Hüttenkunde). In den Arsenikwerken werden folgende Arsenikpräparate gewonnen: A) A-mehl (Giftmehl), s. Arsen; B) Schwarzer (auch Grauer) A., s. Arsen; C) Weißer A. (A-glas), s. Arsen; D) Gelber A. (Auripigment u. Rauschgelb) u. Rother A. (Sandarach), s. Arsen.

IV. (Technologie). Zu technologischen Zwecken wird der A. angewendet: als A-platin (s. Arsen), mit Kupfer u. Zinn od. mit Messing u. Kobalt zusammengeschmolzen, wodurch ein weicheres u. härteres Metall erhalten wird, s. Weißkupfer u. a. Legirungen; zu optischen Instrumenten, Metallspiegeln etc.; mit Blei zur Bereitung des Schrotes[767] u. der Bleikugeln, in Glashütten als arsenige Säure (s. Arsen), um die Glasmasse schneller in Fluß zu bringen u. zu entfärben, in Stahlfabriken zum Putzen des Stahls, als Arseniksaures Kali (s. Arsen), als Gelber A-schwefel (Auripigment od. Operment, s. Arsen), als Arseniksaures Kupferoxyd (s. Arsen) im Schweinfurter Grün. Wegen seiner Eigenschaft, thierische Theile vor der Verwesung zu schützen, hat man es auch zur Aufbewahrung anatomischer Präparate, ja ganzer Leichen empfohlen. Ferner wird er als Gift gegen Ratten u. Mäuse, auch zur Abhaltung u. Tödtung von Insecten (Fliegen, Filzläusen etc.), auch in Naturaliensammlungen benutzt; über letzteres s. Arsenik (Med. u. Pharm.).

V. (Pharmacie). In Apotheken ist der A. in folgenden Formen aufgenommen, die Zubereitungen desselben s. unter Arsen. A) roh, a) metallisch als Schwarzes od. Metallisches A. od. Fliegenstein od. Scherbenkobalt (Arsenicum nativum s. metallicum), künstlich als ein Gewebe schwarzer, glänzender Blätter mit Höhlungen; das Decoct (nicht ohne Gefahr) zur Vertilgung der Läuse bei dem Rindvieh u. mit Zucker vermischt zur Tödtung der Stubenfliegen (Fliegenwasser) angewendet; b) als Weißes A. (Arsenicum album s. Acidum arsenicosum), in großen, glänzend weißen emaillirten, frisch durchsichtigen Stücken, vergl. Arsenik VII. u. Arsen; c) als Gelbes A. (Auripigment, Ars. sulfurat. citrinum); d) als Rothes A. (Sandarach, Ars. sulfurat. rubrum). B,) In Zubereitungen zum Arzneigebrauch, die aber nach den verschiedenen Pharmakopöenverschieden zubereitet u. daher nicht gleichförmig sind: a) zum inneren Gebrauch wird meist der weiße A., od. auch das arsenigsaure Kali od. Natrum in Auflösungen benutzt. Bekannt sind als solche: aa) Jacobi's, Lesebüre's, Brera's A-auflösungen (Solutio arsenici, Jacobi etc.). Fowler's Mineralauflösung (Liquor kali arseniosi), nach der preußischen Pharmakopöe werden: weißer A., kohlensaures Kali, von jedem 64 Gran mit 8 Unzen destillirtem Wasser durch Kochen aufgelöst, der erkalteten Flüssigkeit Unze zusammengesetzer Angelikageist u. so viel Wasser zugesetzt, daß das Ganze 12 Unzen beträgt; 3 Drachmen enthalten 3 Gran arsenige Säure; bb) Harleß flüssiges arsenigsaures Natrum (Liquor antipyreticus Harlessi) u. Arseniis potassae liquidus Pharm. Bavar., enthält auf 100 Theile 1 Theil arsenige Säure; cc) Arsenikpillen (Pilulae arsenicae). nach Bartons Angabe: 1 Gran weißer A., 4–8 Gran Opium u. Seife od. Honig, so viel, daß 16 Pillen daraus werden; eine unpassende Form, den A. innerlich zu verordnen; dd) Arsenikseife (Sapo hepato-arsenicalis), von Desgranges aus 1 Unze weißen A-s, 1 Unze Schwefelantimon in 4 Unzen ätzender Kalilauge aufgelöst, u. nach Durchseihen u. Abdampfen bis auf 2/3 mit 12 Unzen Mandelseife als Pillenmasse vorgeschlagen, in dieser Form aber nicht zu empfehlen; b) zu äußerem Gebrauch: aa) nach Becoeurs Angabe aus 8 Theilen weißen A-s, 3 Theilen Pottasche, 1 Theil ungelöschten Kalks, 8 Theilen Seife u. 2 Theilen Kamphers, mit Wasser zu einer dünnen teigigen Masse verbunden; dient bes. in Naturaliencabineten trocken aufbewahrten thierischen Körpern zum Schutz gegen Insecten; doch bedarf ihre Anwendung der Vorsicht; bb) Cosmisches, auch Bernhardtsches Mittel od. Pulver, von Fra de Cosmo od. Cosme (vgl. Baseilhac) mit großem Erfolg gegen den Krebs, bes. im Gesicht, angewendete Mischung aus 8 Gran Zinnober, 12 Gran gebrannten Schuhsohlen, 2 Scrupel von jedem Drachenblut u. weißes A., welche als Pulver zu 6–15 Gran täglich 1–2mal aufgestreut od. in einer Salbe aufgestrichen wird. Anstatt dieses Pulvers hat Carmichael Arseniksaures Eisenoxyduloxyd als äußerliches Mittel empfohlen, ce) Arseniksalbe (Unguentum arsenici albi), wird einfach aus 4 Gran weißen A-s, 6 Drachmen ungesalzener Butter, 2 Drachmen weißen Wachses bereitet; zusammengesetzte (Ung. ars. compositum), aus dem Cosmischen Pulver u. der nöthigen Butter; dd) Arsenikleber (Hepar arsenici), unpassend so v.w. Arsenigsaures Kali, auch als flüchtige (Hep. sulph. volatile), arsenigsaures Ammonium, s. Arsen. Die arsenige Säure wird von pflanzenfressenden Thieren in großen Gaben, vom Pferde zu 1/2 Drachme u. darüber, ohne Nachtheil genommen, ja es werden diese, wenn A. dem Futter beigemengt wird, wohlbeleibt dabei, daher solches Roßkämme, Cavalleristen etc. benutzen, um Pferden ein besseres Aussehen zu geben, Doch hat dies, zu häufig angewandt, später Abzehrung des Thieres, Ausfallen der Haare, Geschwülste etc. zur Folge. Auf Fleischfresser wirkt sie schon in kleinen Mengen heftig. Da sowohl der weiße, als auch der gelbe A. von sehr heftiger, leicht gefährlicher, selbst tödtlicher Wirkung ist, so ist sogar bei äußerlicher Anwendung stets die größte Vorsicht zu empfehlen.

VI. (Medicin). Der A. gehört in geringen Gaben zu den kräftigsten u. eindringendsten Heilmitteln. Schon Dioskorides kannte den äußeren Gebrauch des gelben A-schwefels, so wie Avicenna den der arsenigen Säure. Innerlich ward es erst in der neueren Zeit angewendet, wirkt so, unter nöthiger Vorsicht, allgemein erregend, besonders auf die vegetativen Verrichtungen u. die Thätigkeit der Muskeln u. greift kräftig in die Organisation der Theile ein. Man empfiehlt es gegen Krebs, hartnäckige Wechselfieber, Epilepsien, Veitstanz u. andere Nervenkrankheiten, gegen Schlangenbiß, Hundswuth, hartnäckige Rheumatismen, chronische Ausschläge, Gicht u. andere veraltete Krankheiten. Die Gabe des weißen A-s ist 1/20 bis höchstens 1/8 Gran täglich einmal, bei nahrhafter leichter Diät, u. mit schleimigen einhüllenden Getränken, mit Vorsicht, daß, sobald heftige Wirkungen erfolgen, es sogleich ausgesetzt wird. Hektisches Fieber, große Abspannung der Kräfte u. Nervenschwäche untersagen seine Anwendung. Man gibt gewöhnlich die arsenige Säure in Auflösung, od. auch in ihrer Verbindung mit Alkalien als arsenigsaures Kali (Towlers Tropfen) od. Natron. Äußerlich wird die arsenige Säure in größeren Gaben als Ätzmittel angewendet, u. theils auf diese Weise, theils schwächer gegen den Krebs, vorzüglich Gesichtskrebs, wie auch andere bösartige Geschwüre, auch Ausschläge in Pulver, Auflösung od. als Salbe benutzt. A. wird auch von der Homöopathie in den kleinsten ihrer üblichen Gaben als ein sich oft heilsam bewährendes Mittel bei Abzehrungen, Wassersuchten, Brand, Krebs, Geschwüren etc., vorzüglich bei bleichem, erdgrauem od. leucophlegmatischem Ansehen u. bei brennenden Schmerzen gerühmt. Daß in gewissen gebirgigen Gegenden von Österreich,[768] Steiermark, Salzburg u. Tyrol die Bewohner häufig A. u. zwar oft mehr als 4 Gran zu sich nehmen, um beim Bergsteigen einen leichten Athem zu haben u. ein gesundes u. wohlbehäbiges Aussehen zu bekommen; auch in der Walachei u. Moldau einzelne Volksstämme A. als Verdauungsmittel genießen, zeigt, daß der Organismus sich an A. gewöhnen kann. F. Harleß, De arsenici usu in med., Nürnb. 1811; Hink, Über A. in oryktognostischer, chemischer, pharmakologischer u. medicinisch-praktischer Hinsicht, Wien 1820; E. von Bibra, Die Genußmittel u. der Mensch, Nürnb. 1855.

VII. (A. als Gift). Arsenikvergiftung ist unter allen Vergiftungen wegen der Leichtigkeit, den A. zu verbergen, u. der nachtheiligen Einwirkung auf das thierische Leben, welche er schon in kleinen Gaben u. in allen seinen Formen hat, die häufigste. Schon das metallische gediegene A. wirkt, sein gepulvert, wegen seiner leichten Oxydirbarkeit giftig, weniger nachtheilig jedoch in grob gepulvertem Zustande u. in größeren Stücken, weil nur die Oberfläche zur Wirkung kommt. Die giftige Wirkung ist im Verhältniß des Grades der Oxydation; die des A-suboxyds, wird daher schon sehr durch die der arsenigen Säure übertroffen; die stärkste ist die der reinen arsenigen Säure od. des weißen Arseniks. Aber auch die arsenikalischen Verbindungen, bes. auch der Gelbe u. Rothe A-schwefel (letzterer jedoch weniger), wirken nachtheilig; am gewaltigsten unter allen Präparaten aber das A-wasserstoffgas. Meist wird, zu absichtlichen Vergiftungen, die arsenige Säure (Weißer A.), innerlich angewendet. Noch heftiger als in den Magen gebracht, wirkt eine Auflösung desselben in die Blutgefäße eingespritzt; weniger energisch vom Mastdarme aus. Auch der, längere Zeit fortgesetzte äußere Gebrauch kann Vergiftungsfälle herbeiführen, obgleich es an Beispielen (nach Tschudi u. von Bibra) nicht fehlt, daß Menschen sich an größere Dosen arseniger Säure gewöhnt haben u. bei täglichem Gebrauch sich wohl dabei befinden (s. Arsenik VI.). Die Wirkung ist nach Umständen, bes. aber verschieden, je nachdem kleine od. große Gaben von 1–10 Gran genommen wurden. Im 1. Falle folgt langsame chronische, im 2. schnelle acute Vergiftung. Hier entstehen sogleich heftige brennende u. reißende Schmerzen im Magen u. Schlunde, bald im ganzen Unterleibe, fortwährendes Würgen u. Erbrechen von schleimigen, galligen, blutigen od. schwarzgefärbten Massen, unauslöschlicher Durst, kalte Schauer durch den ganzen Körper, unbeschreibliches Angstgefühl, kalter Schweiß im Gesichte bei innerer Hitze, blutige u. faulige Excremente, Brustbeklemmung, schnelles keuchendes Athmen, schneller, sehr kleiner u. unregelmäßiger Puls, die größte Hinfälligkeit, allgemeines Zittern der Glider, Convulsionen, kalter Schweiß, vollkommene Gleichgültigkeit gegen Alles, was den Kranken umgibt, dagegen ängstliche Sorgfalt für sich selbst, Verzweiflung, dann, nach vorausgegangenen Zeichen der Lähmung u. des Brandes, der Tod. Nach großen Gaben von 10–20 u. m. Grauen folgt bisweilen der Tod in einer od. ein Paar Stunden. Nach dem Tode findet man im Magen bisweilen eine blutige Flüssigkeit, gewöhnlich Überreste des Giftes, ihn selbst stellenweise geröthet, entzündet u. brandig, Herz u. Venen mit schwarzem halbflüssigem Blute überfüllt. Bisweilen fehlen, zumal bei schnell eintretendem Tode, alle Zeichen der Entzündung. Die Leichen verbreiten zwar bald einen Verwesungsgeruch, trocknen aber später gewöhnlich mumienartig aus. Nur schleunige Hülfe kann retten. Alles kommt darauf an, das Gift schnell wieder aus dem Körper zu entfernen, durch Brechmittel od. durch Kitzeln des Schlundes, wenn das Erbrechen nicht schon von der Natur bewirkt wird; sodann das Gift abzustumpfen, durch schleimige Mittel, Zucker-, Honigwasser, Milch, Eiweiß, arabischen Gummi, Abkochungen von Reiß, Stärkemehl, Hafergrütze, Leinsamen, Seifenwasser etc. In neuester Zeit hat sich das von Bunsen in Heidelberg u. Berthold in Göttingen empfohlene Eisenoxydhydrat vielfach bei, an Thieren angestellten Versuchen u. bei A-vergiftungen als bewährt erwiesen, u. es ist daher in den meisten Ländern den Apothekern zur Pflicht gemacht worden, dasselbe vorräthig zu halten. Es wird, mit Wasser angerührt, in großen Gaben gereicht. Nach einer A-vergiftung folgen der Heilung immer noch langwierige Nachkrankheiten, wie Magenentzündung, Verdauungsschwäche, Lähmung. Der gerichtliche Arzt hat nach den, durch den A. im Leben bewirkten Zufällen, nach den Ergebnissen der Leichenöffnung u. nach der A-ausmittelung zu bestimmen, ob Vergiftung dadurch Statt gefunden hat. Letzteres geschieht, indem das, im Magen u. Darmkanal od. ausgeleert vorgefundene Gift seinen physikalischen u. chemischen Eigenschaften nach vom Gerichtsarzte mit Hülfe eines verpflichteten Apothekers od. Chemikers dargestellt wird. Das im festen Zustande vorgefundene Gift verrathen manchmal schon seine äußeren Merkmale, doch nur unsicher. Gewisser wird es angezeigt, wenn es, auf glühende Kohlen geworfen, dichte, weiße, stark nach Knoblauch riechende, polirtes darüber gehaltenes Kupferblech meist belegende Dämpfe entwickelt, die in ähnlicher Art kein anderer Körper verbreitet. Zuverlässiger ist die Prüfung durch Reagentien, s. u. Arsen. Liegt das Gift aufgelöst vor u. ist es nicht durch die Wirkung störender Dinge verunreinigt, so können diese sogleich darauf angewendet werden. Erfolgt keine od. zu schwache Wirkung, so muß die Flüssigkeit durch Abdampfen concentrirt werden. Vorgefundenes, festes A. wird in destillirtem Wasser aufgelöst u. dann der Prüfung unterworfen, darin unauflösliche Formen desselben werden durch Verpuffung mit Salpeter dazu fähig gemacht. Hüllen verschiedene organische Substanzen das Gift so ein, daß es die Reagentien nicht erreichen können, so muß es von diesen durch Zerstörung od. Entfernung jener getrennt werden, indem entweder die vorhandene od. durch Zusatz von destillirtem Wasser erhaltene Flüssigkeit mit Kali gesättigt, bis zur Trockne abgedampft, mit gleichem Gewicht Salpeter versetzt u. dann verpufft wird, worauf das gewonnene Pulver in Wasser aufgelöst u. mit verdünnter Schwefelsäure gesättigt wird u. nun die Reagentien namentlich die Arsenikprobe von Marsh (s. Arsen A) b) zur Anwendung kommen, od. indem das flüssige Gift mit Salpetersäure gekocht wird, mit, nachheriger Neutralisation durch Kali, od. mit Ätzkali u. nachheriger Neutralisation durch Essigsäure. Fände sich dann bei Anwendung der Reagentien kein Gift, so müßten Magen u. Darmkanal, überhaupt alle Weichtheile sein zerschnitten, zerstoßen, mit destillirtem Wasser ausgekocht u. auf die obengenannte [769] Weise mit Salpetersäure od. Kali behandelt werden. Über die wichtigsten Reagentien s. oben unter Arsen. Auf folgende Gefahr der A-vergiftung bringende Dinge ist aufmerksam zu machen: Zuckerwerk od. Spielwaaren mit Schweinfurter, Scheelschem od. Wiener Grün, Operment od. Königsgelb gefärbt, alle aus Arsenkupfer (Weißkupfer) bereitete Gegenstände, so wie auch auf Kochgeschirr, in deren Masse A. sein könnte. Die Hüttenarbeiter in A-werken, Kobalthütten, Weißkupferfabrikanten, Farbenbereiter u. alle, welche mit A. zu thun haben, müssen sich hüten, dem Rauche od. Staube desselben lange sich auszusetzen. Nach Tschudi sollen Arbeiter in den Arsenikhütten sich durch Arsenikgenuß (täglich 1/8 Gran bis nach u. nach zu mehreren Granen) gegen das Gift schützen können. Der Director einergewissen A-hütte soll täglich 3–33/4 Gran Arsenik u. zwar des Morgens zum Kaffee zu sich nehmen.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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