Asbest


Asbest

Asbest (v. gr., d.i. unverbrennlich), nach Leonhardt Gattung aus der Gruppe Magnesium, nach neueren Beobachtungen nur eine Verbindung von langen, nadel- od. haarförmigen, zarten Krystallen des Augits od. der Hornblende u. ihren Varietäten, bei Mohs als Augitspath bezeichnet, bei Naumann feinfaserige Varietäten des Grammatits (Tremolits) u. Aktinoliths od. Strahlsteins; die Krystalle sind oft biegsam u. leicht trennbar. Man unterscheidet.: a) Amiant (Reifer A.), grünlichweiß, derb, seine haarförmige Krystalle, von Perlmutterglanz, Bruch sehr zart, undurchsichtig, sehr weich, mild, biegsam, leicht u. sein theilbar; in Serpentin-, auch in Urgebirgen; wurde bes. zu Leinwand verarbeitet. b) Gemeiner A. (Schillernder unreifer A.), lauch- u. berggrün, derb, in gröberen Fasern, unbiegsam; kommt häufig in Serpentin, auch in Erzlagern vor. c) Bergholz, holzbraun, derb in Platten, wenig biegsam; kommt nur bei Sterzing in Tyrol vor. d) Bergkork (Schwimmender A.), grau-gelblich u. röthlichweiß, in Platten (Bergleder), od. zellig auf der Oberfläche (Bergfleisch), undurchsichtig, sehr weich, mild, schwer zersprengbar, leicht; im Erzgebirge, in Böhmen, Mähren, Dannemora etc. Manche rechnen den Bergkork auch zu den wasserhaltigen Silicaten, da er aus 53,75 Kiesel-, 3,47 Thon-, 11,15 Talkerde, 4,47 Mangan-, 12,91 Cisenoxydul[797] u. 14,59 Wasser besteht. Frühere Unterschiede des A-s b) c) d), in reifen u. unreifen, unechten (Federweiß), od. Stern-, Strauß- od. Büschel-A., Ähren-A., sind aufgegeben. Die Kunst, den A. zu spinnen u. ein unverbrennliches dichtes Gewebe (Asbestleinwand) daraus zu bereiten, war schon den Griechen bekannt; die Römer, die ihre Todten verbrannten, wickelten die Leichen darein, um ihre Asche rein zu erhalten. Beim Spinnen des A. taucht man die Finger in Öl, um die Haut gegen Verletzungen zu schützen. Auch wird stets ein Flachsfaden mit zwei Amiantfäden zusammengedreht. Man webt das Gespinnste ohne Zuschlag, Öl u. Flachs wird dann ausgebrannt u. endlich das Ganze mit Kalilauge in der Sonne gebleicht. Durch das Brennen wird der A. weißer u. reiner, ohne daß dadurch die aus ihm gewebten Tücher leiden. Nach Plinius brauchte man dergleichen Gewebe auch zu Tischtüchern; Karl V. hatte deren, die zur Reinigung nach dem Gebrauch in das Kaminfeuer geworfen wurden. Man bediente sich auch daraus gefertigter unverbrennlicher Dochte. Noch jetzt werden in den Pyrenäen u. in der Levante solche kleine Gewebe verfertigt, in Rußland Mützen, Beutel u. dgl. Lena Perpenti in Como fertigte mittelfeine Zwirnspitzen daraus, Aldini schlug sie zur Bekleidung der Feuerlöschungsmannschaft vor u. in Frankreich etc. wurde sie auch wirklich mit Vortheil dazu verwendet. Vor Erfindung der Phosphorfeuerzeuge wurde auch der A. häufig mit Schwefelsäure zur Füllung chemischer Feuerzeuge angewendet. Auch als Arznei wurde der A., u. zwar in Salben benutzt, um einen Hautreiz hervorzubringen.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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  • Asbest — Асбест …   Wikipédia en Français

  • Asbest — werden in der Technik feinfaserige Abarten der Hornblende und des Serpentins genannt, die indes je nach ihrer Zugehörigkeit zu dem einen oder andern Mineral verschiedene Beschaffenheit besitzen. 1. Hornblendeasbest (Amianth, Bergflachs,… …   Lexikon der gesamten Technik

  • Asbest — Sm feuerfester Faserstoff erw. fach. (12. Jh.) Entlehnung. Entlehnt aus l. asbestos, dieses aus gr. ásbestos unauslöschlich, unzerstörbar , PPP. von gr. sbennýnai auslöschen mit negierendem gr. a (a ). Das Wort bezeichnet im Griechischen den… …   Etymologisches Wörterbuch der deutschen sprache

  • Asbest — ( ru. Асбест) is a town in Sverdlovsk Oblast, Russia, named for its asbestos industry. The town is located on the Bolshoy Reft River (right tributary of the Pyshma) on the eastern slopes of the Urals, 70 km north east of Yekaterinburg at… …   Wikipedia

  • asbest — ASBÉST s.n. v. azbest. Trimis de baron, 13.09.2007. Sursa: DEX 98  asbést s.m. – Minereu fibros de culoare albă. – Mr. azveste var . fr. asbeste, din gr. ἀσβέστης. Cuvîntul mr. reproduce pronunţarea din ngr. Trimis de blaurb, 18.06.2006. Sursa:… …   Dicționar Român

  • Asbest — (v. griech. asbéstos, »unverbrennlich«). Mineralien, die dick oder feinfaserige, elastisch biegsame Aggregate von weißlicher, grünlicher oder bräunlicher Farbe darstellen, oft seidenartigen Glanz zeigen, teils fettig, teils mager anzufühlen sind… …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Asbést — (grch., »unverbrennlich«), Mineral, meist eine faserige, eisenfreie oder eisenarme Varietät der Hornblende, seidenglänzend, biegsam. Beim Bergkork (Bergleder, Bergpapier) sind die Fasern verfilzt; holzbraune Fasern mit astähnlichen… …   Kleines Konversations-Lexikon

  • Asbest — Asbest, siehe Amianth …   Damen Conversations Lexikon

  • Asbest — Asbest, griech., bedeutet unverbrennlich; Krystalle der Hornblende (des Strahlsteins und Temolits), bisweilen, jedoch seltener, des Augits, Diopsits und Sahlits; sie verlaufen sich nicht selten in zarte, nadel und haarförmige, öfters biegsame,… …   Herders Conversations-Lexikon

  • Asbest — »mineralischer, feuerfester Faserstoff«: Das Fremdwort ist eine mhd. Entlehnung aus griech. lat. á sbestos (líthos) »Asbeststein«. Das zugrunde liegende griech. Adjektiv á sbestos »unauslöschlich, unzerstörbar« ist eine mit Alpha privativum (vgl …   Das Herkunftswörterbuch