Athen [3]


Athen [3]

Athen (Gesch.). I. Athen unter Königen, 1800 bis 1068 v. Chr. Als der älteste König von Attika wird Aktäos od. Ogyges (1800 v. Chr.) genannt; Kekrops, ein Ägyptier aus Sais, soll 1580 (1550) v. Chr. eine Colonie nach Attika geführt, die zerstreuten Bewohner des Landes in 12 Flecken (Demen) vereinigt u. eine Burg auf einer Höhe, die er Kekropia (später die Akropolis von A.) nannte, errichtet haben. Er führte die Ehe u. Gesetze, die Todtenbegrabung etc. ein u. errichtete Gerichtshöfe, nach Ein. sogar den Areopag. Diese Einrichtungen verknüpfte er mit religiösen Instituten. Die Mythe sagt hierüber: da die Stadt erbaut war, stritten Athene u. Poseidon, wer Schutzgottheit der Stadt sein u. derselben den Namen geben sollte; auf Befehl des Zeus sollte jeder der beiden etwas für die Stadt schaffen u. welches Geschenk am nützlichsten befunden würde, dem sollte die streitige Ehre werden. Poseidon schuf das Pferd, Athene den Ölbaum; da ward der Athene der Preis ertheilt. Andere erzählen: Als die Götter sich Sitze ihrer Verehrung in Attika wählen wollten, kam zuerst Poseidon, stieß mitten in die Akropolis seinen Dreizack in den Boden, worauf der See Erechtheis entstand; Athene kam später u. pflanzte einen Ölbaum. Kekrops sollte hierüber Zeugniß vor den 12 Göttern ablegen, u. er sagte aus, Athene sei früher gekommen, worauf ihr die Götter den Besitz zusprachen. Da der Sohn des Kekrops, Erysichthon, kinderlos starb, so wurde Kranaos sein Nachfolger; von seinem Eidam Amphiktyon, Deukalions Sohn, verdrängt, ging er außer Land. Gleiches erfuhr Amphiktyon nach 10 Jahren durch Erechtheus I. od. Erichthonios, Sohn des Hephästos u. der Athene, nach welchem alle folgenden Könige bis Aphidas (s. unt.) Erechthiden genannt wurden. Unter ihm soll der Name A. aufgekommen u. die Panathenäen eingeführt worden sein. Ihm folgte sein Sohn Pandion I.; während seiner 40jährigen Herrschaft wurde Acker- u. Weinbau in Attika eingeführt. Dem Pandion folgte sein Sohn Erechtheus II.; von den Eleusinern bekriegt, erhielt er ein Orakel, er werde nach Opferung einer seiner Töchter siegen. Die jüngste, Orithyia, opferte er, die übrigen 3 (Prokris, Kreusa, Chthonia) sich selbst; er schlug hierauf die Feinde, erlegte aber dabei den Immarados, Sohn des Eumolpos, worauf ihn Zeus mit dem Blitze tödtete. Nach Diodor war Erechtheus, ein Ägyptier, der zur Zeit einer Dürre Getreide aus Ägypten nach Attika brachte, wofür ihn die A-er zum König machten u. worauf er die Eleusinien stiftete. Sein Nachfolger war sein Sohn Kekrops II., der nach 50ähriger Regierung das Reich seinem Sohne Pandion II. hinterließ. Diesen vertrieben die Metioniden (Söhne Metions) vom Throne; er ging deshalb nach Megara zu Pylas, der ihm Megara u. seine Tochter Pylias in die Ehe gab; von dieser wurde er Vater von Ägeus, Pallas, Nisos u. Lykos. Diese Söhne (Pandioniden) vertrieben die Metioniden wieder u. theilten sich in das Reich; Ägeus erhielt die Oberherrschaft, Nisos bekam Megara. Eigentlich sind Kekrops II. u. Pandion II. später eingeschoben, u. nach der gewöhnlichen Geschichte folgte auf Erechtheus II. Xuthos, Sohn des Hellen, welcher dem Erechtheus gegen die Eleusinier beigestanden u. dafür die Hand der Kreusa, der Tochter des Königs, u. die Herrschaft erhalten hatte. Andere verbinden beide Angaben u. lassen Xuthos den Zwist der beiden Söhne des Erechtheus dahin entscheiden, daß er das Reich dem Kekrops zusprach, deshalb aber von den übrigen genöthigt ward, das Land zu verlassen. Unter Ägeus kam Androgeus, Sohn des Minos von Kreta, nach A.; da ihn Ägeus aus Eifersucht tödten ließ, belagerte Minos A. Bei einer damals ausgebrochenen Pest wurden die Töchter des Hyakinthos für das Wohl der Stadt geopfert, aber vergebens; A. ward erobert u. mußte jährlich 7 Knaben u. 7 Mädchen als Tribut nach Kreta schicken. Der berühmteste der athenischen Könige war Theseus, Sohn u. Nachfolger des Ägeus, welcher es dahinbrachte, daß alle Bürger der übrigen Demen (Marathon, Phaleron, Eleusis, Dekelea, Kephissia, Brauron, Thorikos, Kythéros, Sphettos, Epakriä u. Aphidnä) zugleich Bürger A-s wurden, u. dadurch A. zu einem gemeinschaftlichen Centralpunkt erhob; u. obschon die übrigen Bürger an ihren Orten blieben, zogen doch obrigkeitliche u. a., vom Feldbau nicht lebende Personen, zahlreich nach A., wodurch die Stadt sehr vergrößert wurde. Die Bürger theilte Theseus in 3 Stände: Cupatridä (Vornehme), Geomoroi (Grundstücksbesitzer) u. Demiurgoi (Handwerker); aufgenommene Ausländer hießen Metoikoi. Diese Verfassung behielt A. bis auf die Persischen Kriege; nur daß durch Einwanderungen, bes. der Joner, die Stadt an Einwohnern u. Wohlhabenheit gewann. Während Theseus auf Abenteuer auszog, hatte Menestheus, Urenkel des Erechtheus, die Herrschaft an sich gerissen. Theseus floh zu Lykomedes nach Skyros, um von dort unterstützt wieder nach A. zurückzukehren, aber Lykomedes tödtete den Gastfreund [878] Indeß auch Menestheus erfreute sich nicht lange seiner Herrschaft, er fiel vor Troja, u. nun kam das Land wieder an die Nachkommen des Theseus. Zuerst an seinen u. der Phädra Sohn, Demophoon, dann an Oxynthes u. zuletzt an dessen Sohn Aphidas. Da dessen Sohn Thymötes beim Einfall der Dorier in Attika einen, von dem Böoter Xanthos vorgeschlagenen Zweikampf abgelehnt hatte, so versprach Aphidas Demjenigen die Herrschaft, welcher mit Xanthos kämpfen u. denselben besiegen würde. Der Messenier Melanthos, Sohn des Neleus, bot sich dar, besiegte den Xanthos durch List u. wurde König. So kam in A. statt des Geschlechtes der Erechthiden ein fremdes Geschlecht zur Regierung. Auf Melanthos folgte sein Sohn Kodros. Unter diesem fielen die Dorier, verbunden mit Herakliden u. unterstützt von den Lacedämoniern, in Attika ein. Ein Orakel hatte verkündigt, daß die Partei siegen würde, deren König gefallen wäre. Da entschloß sich Kodros, sich für das Vaterland zu opfern; als Holzhauer verkleidet ging er in das feindliche Lager, fing Händel an u. ward von einem Dorier erschlagen. Als die Dorier unter dem schlechten Kleid die Königsinsignien erkannten, flohen sie, u. A. war gerettet.

II. Von Einsetzung der Archonten bis zur Herrschaft des Pisistratos, 1068–561 v. Chr. Die Athener, meinend, daß sie das Andenken des Kodros nicht besser ehren könnten, als wenn sie ihm keinen Nachfolger gäben, wählten keinen König, sondern an seiner Stelle Archonten, 1068 v. Chr., s. Athen (Ant.) I. B) a). Von den 2 Söhnen des Kodros wurde der ältere, Medon, zum Archonten gewählt; der jüngere, Neleus, führte eine Colonie Joner aus Attika nach der Küste Klein-Asiens. Die Archonten waren Magistrate auf Lebenszeit u. die Würde war erblich, nach Medon wurden sie Medontiden genannt; solcher Archonten regierten 13. 752 v. Chr. ward die Verfassung dahin geändert, daß der Archon nur 10 Jahre regieren, dann ein anderer an dessen Stelle treten sollte; aber auch diese Einrichtung gefiel nicht lange, u. seit 684 wurden allemal 9 Archonten gewählt, deren Amt nur 1 Jahr dauerte. Der letzte der lebenslänglichen Archonten war Alkmäon gewesen, dessen Nachkommen (Alkmäoniden) bes. seit 600, abwechselnd an der Spitze A-s standen. Die jetzigen Archontenverhältnisse hatten mancherlei Mißliches; da der Staat eines dauernden Oberhauptes entbehrte, so bedurfte es vieler Gesetze, um so mehr, da die Eupatriden im Besitz des ganzen Landeigenthums waren u. die übrigen Bürger meist zu Schuldnern hatten, die nach den Gesetzen ihrer Gläubiger mit ihrem Leibe haften mußten. Durch das Streben des Volks nach größerer Freiheit u. besserer Lage u. das starre Festhalten der Eupatriden an den alten Verhältnissen, wurden bedeutende Zerrüttungen des Staats veranlaßt. Daher erhielt Drakon 624 v. Chr. den Auftrag, eine neue Verfassung zu geben. Er beschränkte sich auf eine Criminalgesetzgebung; aber seine Gesetze hatten keine Dauer; weil er fast auf alle Vergehen die Todesstrafe gesetzt hatte, so sagte man von ihnen, sie wären mit Blut geschrieben gewesen. Er mußte vor der Wuth des Volkes nach. Ägina fliehen u. starb in der Verbannung. Da Drakon keine Ordnung u. Ruhe hatte herstellen können, so versuchte es Kylon auf andere Weise. Er erwarb sich dadurch, daß er seine Schuldner milder behandelte u. den Unbemittelten Getreide u. Lebensmittel schenkte, unter der niederen Klasse eine große Partei u. versuchte die aristokratische Partei der Alkmäoniden zu stürzen u. sich zum Tyrannen aufzuwerfen. Er nahm, unterstützt von seinem Schwiegervater, dem Tyrannen Theagenes von Megara, 612 v. Chr. die Akropolis ein, wurde aber dort von den Aristokraten unter Anführung des damaligen Archonten Megakles belagert, u. als er mit den Belagerten capituliren wollte, wurden die Seinigen zwischen den Altären der Götter niedergehauen; er selbst mit seinem Bruder entkam. Wegen jenes Mordes an heiliger Stätte wurden die Alkmäoniden als Beleidiger der Götter verflucht u. verbannt. Die Ruhe A-s blieb gestört, bis Solon, ein Nachkomme des Kodros, 594 v. Chr. erster Archon wurde. Durch ihn wurden nicht blos die Mörder Kylons zur Verantwortung gezogen u. Epimenides zur Entsühnung des Staates von der Kylonischen Blutschuld aus Kreta gerufen; sondern A. verdankt ihm auch die Eroberung der für A. höchst wichtigen Insel Salamis. Denn da wegen der großen Verluste bei den Eroberungsversuchen auf jene Insel das Gesetz gegeben war, daß der des Todes sterben sollte, welcher einen neuen Feldzug in Salamis in Vorschlag brächte, so stellte sich Solon wahnsinnig, bestieg den Rednerstuhl u. declamirte ein Gedicht, in welchem er den Athenern Feigheit vorwarf u. sie von Neuem gegen die Megarenser, die damaligen Herren von Salamis, reizte. Jetzt zogen die Athener gen Salamis u. nahmen es ein. Nach And. soll Solon durch Einschiebung zweier Verse in die Ilias (2,557 s.) A-s Ansprüche auf die Insel geltend gemacht u. durchgeführt haben. Inzwischen hatten sich in A. 3 Parteien gebildet die eine wollte eine strenge Oligarchie, die andere eine vollkommene Demokratie, die dritte eine gemischte Verfassung. Zur Schlichtung der Kämpfe dieser Parteien erhielt Solon 594 v. Chr. den Auftrag, dem Staate eine neue Verfassung zu geben. Die Grundlage der Solonischen Verfassung war demokratisch, indem alle Freie Theil an der Verfassung hatten; aber gemindert wurde die Macht der Demokratie durch den Census, durch den organisirten Areopag u. dadurch, daß die unbegüterte Klasse nur Stimmrecht in der Volksversammlung u. Antheil an den Gerichten erhielt, aber keine obrigkeitlichen Würden bekleiden konnte. Solon theilte die gesammte Volksmasse nach Maßgabe des Census in 4 Klassen (s. Athen [Ant.] I. A) a). Die Entscheidung behielt die Volksversammlung, den höchsten Einfluß aber übte der von Solon geschaffene Staatsrath (Bule, s. ebd.), da er alles zuvor zu berathen hatte, was vor die Volksversammlung kommen sollte; der Areopag erhielt auch politische Bedeutung (s. ebd.) u. wurde ein heilsames aristokratisches Gegengewicht gegen das demokratische Element. Die Archonten blieben, doch war ihre Macht bedeutend geschmälert. Besoldung erhielten die Beamteten nicht. Wichtig vor Allem war die Veränderung, die Solon im Schuldenwesen vornahm. Er strich zum Theil die Schulden ganz, zum Theil verminderte er sie (Seisachtheia) dadurch, daß er das Geld leichter machte, u. die Anleihen wurden in dem leichteren Gelde zurückgezahlt; vorzüglich verbot er, daß die Schuldner dem Gläubiger mit dem Leibe hafteten. Außerdem aber bezweckte Solons Gesetzgebung noch Erhöhung politischer u.[879] häuslicher Tugenden, Aufblühen der Künste u. Wissenschaften, des Handels u. der Gewerbe, Bildung der Bürger nicht blos zum Krieg, sondern auch zur Humanität. Diese Gesetze ließ Solon auf drehbare Tafelsäulen schreiben, u. zwar die das bürgerliche Recht enthaltenden auf die Axones, welche viereckig waren, dagegen die das öffentliche Recht u. die für die religiösen Gebräuche auf die Kyrbeis, welche dreieckig u. von weiß angestrichenem Holz waren. Aufgestellt waren diese Gesetztafeln ursprünglich auf der Akropolis, zur Zeit des Demosthenes wurden sie auf den Markt in das Rathhaus, später in das Prytaneion versetzt. Nachdem Solon seine Gesetze durch das Delphische Orakel hatte auctorisiren u. von den Bürgern schwören lassen, daß sie innerhalb 10 Jahren nichts daran ändern wollten, machte er eine Reise ins Ausland. Indeß da er zurückkehrte, fand er, daß sie Veränderungen an seinen Gesetzen vorgenommen hatten. Aus Verdruß darüber u. weil sein eigener Verwandter Pisistratos nach der Oberherrschaft strebte, verließ er A. u. verlebte den Rest seiner Tage auf Kypros (wie man sagt), wo er starb.

III. Von Pisistratos bis zum Verlust der Hegemonie A-s durch Sparta, 561–404 v. Chr. Die Solonische Verfassung vermochte indeß nicht die Gemüther der Athener zu beruhigen, die alten Parteien blieben geschieden. Nach Solon stand an der Spitze der Aristokraten Lykurgos, an der Spitze der Alkmäoniden Megakles, die Volkspartei führte Pisistratos, ein wohlthätiger, beredter u. darum populärer Mann, der seinen Ursprung auf Kodros zurückführte. Er erhielt 561 v. Chr. mit Hülfe der ärmeren, aber zahlreicheren Bürger eine mit Keulen bewaffnete Leibwache (Korynephoroi) zum Schutz gegen angebliche Nachstellungen der Aristokraten, u. nachdem er sich durch sie der Akropolis bemächtigt hatte, die Herrschaft über A. Megakles suchte durch alle Mittel zu siegen: erst verband er sich mit Lykurgos u. vertrieb so 560 den Pisistratos aus der Stadt; indeß veruneinigte er sich mit Lykurgos u. nun rief er 558 den Pisistratos wieder zurück, nachdem er ihm die Tyrannis versprochen hatte. Indeß da Pisistratos seine Tochter nicht heirathen wollte, vertrieb er ihn 551 nochmals, u. erst 538 gelang es dem Pisistratos mit fremder, bes. thebanischer Hülfe, nach A. zurückzukehren, worauf er bis zu seinem Tode 528 v. Chr. die Tyrannis behielt. Die Alkmäoniden entwichen nun mit den mißvergnügten Athenern nach Macedonien, u. machten von dort mehrere Versuche zur Wiedereroberung A-s. Pisistratos beschützte Solons Gesetze u. wandte sie an; er suchte den Müßiggang zu verbannen u. bes. den Ackerbau emporzubringen, förderte Industrie, Künste u. Wissenschaften; schmückte A. mit öffentlichen Gebäuden, baute bes. die Tempel des Pythischen Apollon u. des Olympischen Zeus, u. ordnete Homers Gesänge. Auf Pisistratos folgten seine Söhne Hippias u. Hipparchos. Beide regierten gelind u. besaßen die Liebe des Volkes; aber da Hipparchos den Harmodios u. dessen Schwester beleidigt hatte, machte dieser mit Aristogiton u. anderen Jünglingen im Jahre 514 eine Verschwörung gegen die Tyrannen, dieselben am Feste der Panathenäen zu ermorden. Hipparchos fiel von ihren Dolchen, Hippias behielt die Herrschaft. Aber je härter u. grausamer er nun wurde, desto mehr entfremdete er sich die Herzen der Athener, u. so gelang es den Alkmäoniden, in Verbindung mit den Spartanern unter Kleomenes, den Hippias 510 zu vertreiben. Da nun Klisthenes, an der Spitze der Alkmäoniden, die Regierung an sich zureißen suchte, stellte sich Isagoras an die Spitze der Aristokraten, bat die Spartaner um Hülfe u. setzte es beim Volke durch, daß Klisthenes vertrieben ward. Als aber Isagoras die alte Verfassung ganz umzustürzen drohte u. die Spartaner, obgleich Klisthenes vertrieben war, dennoch unter Kleomenes einen Einfall ins Gebiet von A. machten, griffen die Athener zu den Waffen, belagerten Isagoras u. Kleomenes auf der Akropolis, nöthigten diesen zur Ergebung u. vertrieben jenen aus dem Lande. Klisthenes kehrte zurück u. blieb an der Spitze des Staates. Er führte Solons Gesetze u. Staatsverfassung wieder ein u. gab der Macht des Volkes eine größere Ausdehnung, indem er dasselbe, statt in 4 Phylen, in 10 theilte (s. Athen [Ant.] I.), u. jede berechtigte, 50 ihrer Mitglieder in die Bule zu wählen, die er von 400 Räthen auf 500 vermehrte. Auch dem Ostrakismus gab Klisthenes den Ursprung. Übrigens war die Regierung des Klisthenes sehr unruhig, denn die Spartaner unter Kleomenes kamen mit ihren peloponnesischen Bundesgenossen bald wieder nach A., nachdem sie auch die Böoter u. Chalkidenser zum Krieg gegen A. gereizt hatten. Aber Kleomenes wurde mit dem Heere nach Hause berufen u. die Böoter u. Chalkidenser wurden von den Athenern geschlagen. Sowohl die demokratische Herrschaft als auch die wachsende Macht A-s hielt indeß den Verdruß u. die Eifersucht der Spartaner gegen die Athener stets wach; sie riefen auch, um in A. die Alleinherrschaft wieder einzuführen, den Hippias aus Kleinasien nach Griechenland zurück. Indeß ihr Plan scheiterte an dem Widerstand der Peloponnesier. Da wendete sich Hippias an Artaxerxes, den persischen Satrapen in Sardes, u. bat ihn um Hülfe gegen A. Dieser schickte auch Gesandte nach A., mit dem Befehl, daß sie den Hippias wieder als ihren König aufnähmen. Die dadurch beleidigten Athener unterstützten dagegen den von den kleinasiatischen Jonern 503 v. Chr. gemachten Aufstand gegen die Perser mit 20 Schiffen, zogen aber bald zurück, da sie den Persern keinen Widerstand leisten konnten. Nach Unterdrückung dieses Aufstandes wollte sich der Perserkönig Darios an A. rächen u. aus diesem Racheplane entstanden die Persischen Kriege (s.d.) 490 bis 449. In diesen zeichneten sich die Athener vor allen Hellenen aus, durch ihre Feldherren Miltiades, Aristides, Themistokles u. durch die von ihnen entschiedenen Land- u. Seesiege bei Marathon, bei Salamis u. Platää; bei Artemision war der Sieg unentschieden, bei Mykale halfen die Spartaner zum Sieg. 480 wurde A. von den Persern verbrannt. Beendigt wurden diese Kriege durch Kimon 449. Während der Persischen Kriege fielen in A. manche Veränderungen vor, wie durch diese Kriege A. eine ganz andere Stellung zu Griechenland einnahm u. den Grund zu seiner nachherigen Größe legte. Zuvörderst erlangten, nach der Schlacht bei Platää 479, die Thetes, bes. durch die Unterstützung des Aristides, Antheil an Staatsämtern, von denen sie durch die Solonische Gesetzgebung ausgeschlossen waren. Im Jahre 478 befestigte Themistokles den Hafen Piräeus, da der frühere Hafen Phaleron[880] bei der wachsenden Macht zu klein wurde, u. stellte auch die Mauern um den Piräeus wieder her, ungeachtet des Widerspruchs der Spartaner. Zugleich gründete er einen Bund der griechischen Staaten, um sich gegen etwa erneute Angriffe der Perser vertheidigen zu können. Da die Spartaner ursprünglich den Oberbefehl in diesem Bunde gehabt hatten, so erhielt, da die Bundesgenossen von dem Stolze des Pausanias beleidigt, nicht mehr unter den Spartanern stehen wollten, A. unter Aristi des 476 den Oberbefehl über die hellenische Flotte u. somit die Hegemonie in Griechenland. Die Sorglosigkeit der Bundesgenossen benutzend, verwandelte A. die von den Bundesstaaten bewilligten, zur Bildung eines gemeinschaftlichen, auf Delos niederzulegenden u. von den Athenern zur Fortsetzung des Krieges mit Persien zu verwaltenden Bundesschatzes bestimmten Geldbeiträge in eine willkührliche Besteuerung u. brachte durch Verbindung demagogischer Kunstgriffe mit Strenge in Kurzem sämmtliche Inseln des Ägäischen Meeres, nebst den Küstenstädten Thraciens u. Kleinasiens, in solche Abhängigkeit, daß die meisten als eigentliche Unterthanen betrachtet u. behandelt wurden. Hiermit stand die für A. eben so vortheilhafte, als für die übrigen Staaten drückende Meeresherrschaft im ganzen Ägäischen Meere in der genauesten Verbindung. Die Stimmung der Athener gegen die Spartaner wurde immer übler, bes. auch wegen der Rücksendung eines von den Spartanern im Jahre 461 gegen die Messener erbetenen u. unter Kimon geschickten Hülfsheeres. Dies nahmen die Athener so übel, daß sie sich mit Spartas Feinden, den Thessaliern u. Argivern, verbanden. Damals lag A. auch mit Ägina u. Korinth in Streit; 459 ward Ägina blockirt u. die Korinther von Myronides geschlagen; aber gegen die Spartaner waren sie in Böotien unglücklich, indem sie unter Tolmides 458 bei Tanagra besiegt wurden. Diese Niederlage rächte Myronides an den Böotern, Phokern u. Opuntischen Lokrern, welche den Spartanern geholfen hatten u. sich nun, Theben ausgenommen, den Athenern unterwerfen mußten. Auch Ägina ward gänzlich bezwungen, mußte seine sämmtlichen Schiffe ausliefern u. sich zu Tributzahlungen verpflichten. Die Athener verstärkten ihre Seemacht. auch noch dadurch, daß sie auf Kimons Rath die Häfen Phaleron u. Piräeus durch eine Mauer mit der Stadt verbanden. Von nun an beschränkte sich der Krieg auf Verheerungen, welche die athenische Flotte unter Tolmides u. Perikles an den Küsten des Peloponnes anrichtete; beendigt ward er 454 durch einen von Kimon auf 5 Jahre geschlossenen Frieden. Kimon hob A-s Seemacht auf 3000 Schiffe, unterstützte den Handel u. die Gewerbe u. verschönerte die Stadt, namentlich machte er die Akademie zu einem Lieblingsplatze der Athener. Er st. 449 nach einem Doppelsieg über die Perser bei u. auf Cypern. Perikles, schon bei Kimons Lebzeiten dessen Nebenbuhler, vermochte nach dessen Tode noch 20 Jahre lang Alles in A., vom Volke wegen seiner Uneigennützigkeit verehrt. Seine Politik ging bes. dahin, für A. die Hegemonie in Griechenland zu bewahren, u. dazu vergrößerte er nicht nur die athenische Seemacht, sondern sorgte auch dafür, daß kein anderer Staat Griechenlands nur irgendwelche Macht zur See erhielt. Unter keiner Staatsverwaltung erreichte A. den höchsten Grad der Macht u. des Reichthums u. wurde Mittelpunkt der Wissenschaften, Künste u. Gewerbe in Griechenland, ja der civilisirten Welt. Er füllte, mit dem öffentlichen Schatze A-s u. der Bundesgenossen nach Belieben schaltend, die Stadt u. a. Orte mit Meisterwerken der Kunst, einer Menge von Tempeln, öffentlichen Gebäuden, Statuen etc., an. Durch Phidias, Iktinos, Kallikrates u. a. Künstler, die er überallher rief, ließ er u. a. das Parthenon, die piräische Mauer, das Odeion, die Propyläen erbauen. Er veranlaßte eine Menge neuer Erwerbarten, breitete Wohlstand u. Betriebsamkeit unter alle Klassen der Bürger aus, führte die Besoldung der Gerichtsbeisitzer u. der Theilnehmer an den Volksversammlungen ein, theilte unter arme Bürger Gehalt aus, damit sie das Theater besuchen konnten, besoldete sie im Kriege, wies ihnen eroberte Ländereien an u. feierte Feste mit nie gesehener Pracht. Und doch verdreifachte er durch weise Maßregeln u. Erhöhung der Abgaben der Bundesgenossen die Staatseinnahmen. Nachtheilig aber wirkte er dadurch, daß er die Bundesgenossen hart drückte, welche dadurch zum Haß gegen die Athener gereizt wurden, u. daß er, um selbst mehr Macht zu üben, dem Volke größere Gewalt verschaffte u. die Macht des Areopagos als Oberrevisionssenates brach. 447 führten die Athener wieder einen Krieg gegen Sparta, indem sie sich der Phoker gegen die, von den Spartanern unterstützten Delphier in einem Streite wegen des Vorsitzes bei den Delphischen Spielen annahmen. Tolmides eroberte Chäronea, aber bei Koronea wurde er geschlagen, u. in Folge dieses Unfalls verloren die Athener nicht nur die Herrschaft über Böotien, Phokis u. die Lokrer, sondern auch Euböa u. Megara fiel ab. Die Spartaner schickten ein Heer unter Plistianax gegen Attika, welches aber Perikles durch Bestechung ablenkte, u. nun bekamen die Athener Zeit, sich gegen Euböa zu wenden, welches sie auch 445 wieder unterwarfen. Mit den dorischen Stämmen, worunter die Spartaner, ward nun ein Waffenstillstand auf 30 Jahre geschlossen. In dem Thracischen Chersones machte Perikles an mehreren Orten glückliche Landungen, plünderte die Städte an der Seeküste, drang selbst tief ins Land hinein; schlug die Sikyonier bei Nemea, segelte dann nach der Mündung des Acheloos u. durchstreifte Akarnanien. Später schiffte er nach dem Pontos, um die hier gelegenen griechischen Städte für A. zu gewinnen u. den Barbaren A-s Macht zu zeigen; er züchtigte die Samier, welche A-s Befehl, gegen Milet die Waffen niederzulegen, nicht befolgt hatten, führte daselbst statt der aristokratischen Regierung die demokratische ein, u. als sie sich wieder erhoben, besiegte er ihre Flotte, eroberte die Stadt nach neunmonatlicher Belagerung, riß die Mauern nieder, legte ihnen Geldstrafe auf u. nahm ihre Schiffe mit sich fort (im Jahre 441). Endlich forderte er alle Griechen auf, Deputirte nach A. zu senden, bes. um Maßregeln zu verabreden, wodurch auf immer die Sicherheit der griechischen Meere u. die Erhaltung des Friedens unter den Staaten Griechenlands begründet werden könnte. In den entfernteren u. abhängigen Staaten gehorchte man, aber in näheren, bes. den peloponnesischen, nahm man diese Einladung kalt auf, u. dieser Ehrgeiz der Athener, der auch förmlich vom ganzen Griechenland als Haupt anerkannt werden[881] wollte, erregte den Unwillen Aller, u. es bedurfte nur einer Veranlassung, um die Peloponnesier gegen A. zu bewaffnen, welche zunächst Potidäa gab, worauf der Peloponnesische Krieg (s.d.) 431 v. Chr. entflammte. Als 430 die Pest in A. ausbrach, erhielt Perikles zwar den Muth u. zwang abermals durch eine nach dem Peloponnes geschickte Flotte die in Attika eingefallenen Spartaner zum Rückzuge, indeß wurde er gleichsam als Urheber der Krankheit (weil er fast alle Umwohner in die Stadt aufgenommen u. durch die Überfüllung die Verbreitung der Seuche herbeigeführt hatte) seines Amtes entsetzt, u. wiewohl er bald wieder zum Anführer gewählt wurde, st. er doch schon 429. Nach Perikles wurde Kleon, ein gemeiner u. leidenschaftlicher Demagog, von dem niederen Volke, welches er durch allerhand Vergünstigungen gewonnen hatte, an die Spitze des Staates gestellt. Er wieß die Bitte der Spartaner um Frieden (425) ab, stellte sich an die Spitze des Heeres, siegte zwar durch Demosthenes über dieselben, aber in einem 2. Feldzug wurde er 422 bei Amphipolis gänzlich geschlagen u. blieb selbst. Nun ward Friede zwischen A. u. Sparta auf 50 Jahre geschlossen. Aber schon 415 begann der Krieg wieder; in einem Kampfe der Segestaner gegen die Syrakusaner unterstützten die Athener die Ersteren, die Lacedämonier die Letzteren; Alkibiades, der nach Kleon seit 420 an der Spitze des Staates stand, hatte seine Mitbürger dazu veranlaßt. Das Unternehmen war unglücklich; in Griechenland kämpften die Athener mit abwechselndem Glück gegen die Spartaner (s. Peloponnesischer Krieg), als Lysander von den Spartanern zum Befehlshaber der Flotte gewählt wurde. Die Schlacht bei Ägos Potamos 405 brach die athenische Macht, u. Lysander segelte sofort nach A., welches sich 404 den Spartanern ergab. Die Friedensbedingungen waren hart: die Mauern des Piräeus mußten geschleift, die Schiffe bis auf 12 ausgeliefert, die Ansprüche auf auswärtige Besitzungen aufgegeben, die Aristokraten zurückgerufen u. eine andere, von Sparta vorgeschriebene Verfassung angenommen werden.

IV. Von dem Verlust der Hegemonie bis zur Unterdrückung der Freiheit Athens durch Philippos von Macedonien, 404–338 v. Chr. Nach der neuen Verfassung standen an der Spitze des Staates 30 Männer (Dreißig Tyrannen), großentheils Athener, unter ihnen Kritias, die Seele des Regiments, Theramenes, Charikles, Châreteos, Äschines, Aristoteles, Euklides, Aresias, Drakontides etc., zu denen sie, zur Theilnahme an der Staatsverwaltung, 3000 Bürger, meist ihre Creaturen u. ihre Leibwache, gesellten. Nach einem Hoffnung versprechenden Anfange griffen sie (bes. Kritias) Leben u. Vermögen ihrer Mitbürger an. Nachdem der wohlwollende Theramenes, der sich den Ungerechtigkeiten der Übrigen widersetzte, zum Tode verurtheilt worden war, wurden alle Demokraten nicht blos aus A., sondern aus ganz Griechenland verwiesen (auch Sokrates u. Alkibiades unterlagen ihren Kabalen). Wegen der Willkührherrschaft der Dreißig heißt die Zeit ihrer Regierung die Anarchie; doch dauerte sie nicht ganz 1 Jahr; denn die Spartaner hatten bereits durch Härte die neuen Unterthanen empört, u. Theben, Argos u. Megara öffneten den Fliehenden willig die Thore. An deren Spitze stellte sich nun Thrasybulos, setzte sich mit 30 seiner Gleichgesinnten in Phyle, einem Castell an der böotischen Grenze, fest, versammelte dort mehrere um sich, griff dann den Piräeus an u. befestigte Munychia. Vergebens kämpften die 30 gegen die tapfere Schaar; Kritias fiel, die andern Tyrannen flohen nach Eleusis, u. Thrasybulos wurde Herr der Stadt 403 v. Chr. Die Anarchie endigte durch den Volksbeschluß, daß die Gesetze der Tyrannen aufgehoben sein u. fernerhin nur die des Euklides, des damaligen Archonten, gelten sollten. Auch sollte keiner wegen seiner frühern Unbildenverklagt od. angefeindet werden (Amnestie, s.d.). Der Held der athenischen Geschichte wird nun Konon. Dieser schlug mit einer persischen Flotte 394 die Spartaner bei Knidos, während seine Landsleute mit Thebanernn. Lokrern gegen die Spartaner zu Lande kämpften, zwar nicht ganz glücklich, denn sie wurden von Agesilaos bei Koronea geschlagen, allein derselbe konnte seinen Sieg nicht verfolgen, denn Konon kam mit der Flotte an die Küste des Peloponnesos u. that dort nicht nur grossen Schaden, sondern erregte auch mit persischem Gelde den Spartanern viele Feinde. Darauf kehrte er nach A. zurück u. stellte die Mauern u. Hafen von A. wieder her. Der Antalkidische Friede 387 endigte auch für A. den Krieg mit Sparta; A. erhielt nach demselben die Inseln Imbros, Skyros u. Lemnos. In dem darauf folgenden Kriege Spartas mit Böotien blieben die A-er neutral, wenigstens war die Unterstützung, die sie zuletzt den Spartanern angedeihen ließen, nicht ernstlich gemeint. Gs folgte nun 358 der Bundesgenossenkrieg, ein Krieg, den Byzanz, Chios, Kos u. Rhodos gegen A. wegen Bedrückung unternahmen. In diesem Kriege waren Chabrias, Timotheos, Iphikrates u. Chares die Feldherren der Athener, aber es fiel nichts Bedeutendes vor, weil sich die Streitkräfte ziemlich gleich waren. Mehrere Unglücksfälle für A., wie der Untergang der Flotte bei Chios u. die unglückliche Schlacht bei Samos, verschuldete Chares, der aber die Schuld auf Iphikrates u. Chabrias schob, welche deshalb um große Geldsummen gestraft wurden. An dem nun folgenden Heiligen Kriege (356–346) nahmen auch die Athener Theil u. unterstützten mit den Spartanern die Phoker gegen die Delphier. Der durch Macedoniens Vermittelung für die Phoker unglückliche Ausgang dieses Kriegs hatte zwar unmittelbar keine nachtheiligen Folgen für A., aber desto größre dadurch, daß Macedonien nun einen allgemeinen Einfluß auf Griechenland gewann, u. weil A. gewohnt war, Griechenland, wenigstens Hellas zu repräsentiren, so war A. die nächste Macht, auf welche sich Macedonien warf, um die längst gewünschte Hegemonie über Griechenland zu erlangen. Damals war Philippos König von Macedonien, der schon längst die athenischen Besitzungen an der macedonischen Küste durch Gewalt an sich gebracht hatte; nun suchte er in allen griechischen Staaten durch Bestechung der Parteihäupter sich eine Partei zu gewinnen: auch in A. Den Plan des Philippos hatte der, als Redner berühmte Demosthenes durchschaut u. bot alle Mittel auf, den Einfluß des Macedoniers auf die griechischen Angelegenheiten zu schwächen; allein sein politischer Gegner Äschines nahm Partei für Macedonien, u. als die Athener nach der Besetzung Elateas durch die Macedonier sich mit den Thebanern gegen dieselben verbanden, wurden sie bei Chäro[882] nea geschlagen (338). Durch diesen Sieg erhielt Philippos von Macedonien Einfluß auf alle griechischen Staaten.

V. A. unter macedonischer und römischer Herrschaft. Um seine Macht zu befestigen, schlug Philippos einen allgemeinen Feldzug gegen Persien vor. Aber er starb (335) vor. der Ausführung des Plans; nun versuchte A., wie alle griechische Staaten, sich von dem fremden Einfluß frei zu machen; aber die Zerstörung Thebens durch Alexander d. Gr. schreckte sie ab. Einen 2. Versuch, sich unabhängig zu machen, machte A. nach Alexanders Tode 323. Antipater, der sich in Lamia (im südlichen Thessalien, daher Lamischer Krieg) festgesetzt hatte, wurde dort von den Athenern unter Leosthenes, in Verbindung mit andern Griechen, außer den Spartanern, Arkadern u. Achäern, belagert. Bei einem Ausfalle der Belagerten ward Leosthenes getödtet, ihm folgte der junge u. unerfahrne Antiphilos im Commando. Antipater, in einem Reitergefecht besiegt, verließ Lamia, verband sich mit Krateros, schlug die verbündeten Griechen bei Kranon (322) u. rückte darauf nach A. Um eine Belagerung abzuwenden, schickten die A-er dem Antipater Gesandte entgegen, welcher denselben folgende Bedingungen vorlegte: die Demokratie wird abgeschafft u. nur die können zu Staatsstellen kommen, welche 2000 Drachmen im Vermögen haben; A. nimmt in den Häfen Munychia u. Piräeus macedonische Besatzung auf, bezahlt die Kriegskosten u. liefert den Redner Demosthenes aus (der jedoch floh u. sich auf Kalauria vergiftete). Damals zogen viele der ärmern, von der Regierung ausgeschlossenen Bürger aus A., u. ihnenwurden Sitze in Thracien angewiesen. Während dieser Zeit, von dem Bundesgenossenkriege bis 318, hatte Phokion großen Einfluß auf die Angelegenheiten A-s. Er hatte den Frieden mit Antipater vermittelt, aber der Verrätherei angeklagt, floh er, wurde ausgeliefert u. mußte den Giftbecher trinken. In die Zwiste der Feldherrn Alexanders wurde fortan auch A. gezogen; es ergab sich 317 dem Kassander, aber 307 dem gegnerischen Demetrios Poliorketes, der, um sich die Herzen der Athener zu gewinnen, die demokratische Regierung wieder einführte. Deshalb wurde ihm nach Niederreißung der Bildsäule des Demetrios Phalereus, des athenischen Commandanten unter Kassander, eine Bildsäule aufgerichtet. Nach der Schlacht bei Ipsos (301) theilte A. meist das Schicksal Macedoniens (s.d. Gesch.) u. des übrigen Griechenlands, mit dem es auch 146 von den Römern nach der Zerstörung Korinths zur Provinz Achaia geschlagen wurde. Die Stadt selbst, auch von Demetrios Phalereus mit herrlichen Gebäuden geschmückt, behauptete unter den Römern ihre Schönheit u. Größe. Aber von Sulla, wegen ihrer von Athenion bewirkten Verbindung mit Mithridates, belagert u. erobert (86 v. Chr.), verlor sie den größten Theil ihrer Bürger, viele prächtige Gebäude, das Arsenal, Schiffslager u. die Mauern, u. wenn sie auch in der Folgezeit schön u. berühmt blieb, u. man die Ehre, ihr Bürger zu heißen, theuer erkaufte, u. sie allgemeine Stätte für Bildung des jungen u. für Erholung des reifern Mannes ward, erhielt sie doch nie wieder den alten Glanz, selbst da nicht, als Herodes Atticus u. bes. Kaiser Hadrian ihre Häfen u. Festungswerke wieder herstellten, sie mit neuen Prachtgebäuden schmückten, u. sie freie Stadt hieß u. eigne Gesetze unter römischer Hoheit hatte. So blieb A. bis auf Arcadius u. Honorius, wo Alarich, im Anfange des 5. Jahrhunderts, die meisten Gebäude zerstörte. Justinian ließ die Schulen der Philosophen schließen. Seitdem war sie fast nur ein Haufen prächtiger Ruinen.

VI. Athen im Mittelalter. Von Griechenland getrennt, ward A. der Sitz einiger lateinischen Fürsten, dann als im 13. Jahrhundert die Lateiner sich des griechischen Kaiserthums bemächtigten, wurden mehrere griechische Provinzen an die vornehmsten Kreuzfahrer vertheilt; damals wurde auch A. ein Herzogthum. Bonifacius, einer der Begleiter Balduins von Flandern, wurde durch die Gewalt der Waffen Herzog von A.; dann war der Burgunder Otho de la Roche, der sich Megas Kyr (Großherr) nannte, Herzog; ihm folgte Walther von Brienne, dessen Sohn Walther von dem Florentiner Rainer Acciajuoli 1364 geschlagen u. gefangen wurde; damals gehörte auch noch Böotien u. Thessalien dazu. Nach Rainers Tode kam A. an die Venetianer, denen es aber 1397 Antonio I. Acciajuoli, Rainers natürlicher Sohn, mit Hülfe der Türken abnahm. Dieser verschönerte A. sehr. Seine Neffen, Rainer II. u. Antonio, von Florenz gerufen, stritten sich nach seinem Tode um die Regierung; Letzterer siegte, doch kam nach dessen Tode Rainer zurück. Aber er war ganz abhängig von den Türken, u. sein Nachfolger Marco Acciajuoli mußte sogar 1456 die Herrschaft niederlegen, u. A. kam unter türkische Botmäßigkeit.

VII. Athen unter den Türken, 1456–1833. Die Türken ließen den Einwohnern von A. viel Freiheit; dieselben wählten sich jährlich 4 Archonten u. der Erzbischof bezog große Einkünfte. 1687 zerstörte die venetianische Belagerung unter Morosini u. Königsmark (wobei A. eingenommen wurde, jedoch nur bis 1688 in christlicher Gewalt blieb u. dann von den Türken zurückerobert wurde) viele Alterthümer, u. eine Bombe, die ein im Parthenon angelegtes türkisches Pulvermagazin sprengte, vernichtete auch großentheils dieses Denkmal. Viele andre Alterthümer wurden durch Fremde, bes. unter Lord Elgin, weggeholt, noch mehr durch die Gewohnheit der Griechen, Trümmern zu neuen Bauten zu brauchen, zerstört. 1821 brannte ein Theil von A. ab. Im Griechischen Freiheitskrieg wurde A. 1822 von den Griechen blockirt u. die Akropolis durch Hunger eingenommen, doch belagerten es die Türken 1826 u. 1827 wieder, u. die Besatzung mußte sich nach mehreren mißlungenen Entsatzversuchen am 5. Juni 1827 an Reschid Pascha ergeben.

VIII. Athen in neuster Zeit. Nach der Ankunft des Königs Otto von Griechenland ward A. Theil des neugriechischen Reichs u. am 1. April 1833 von den Türken geräumt. Im Decbr. 1834 wurde die Residenz von Nauplia nach A. verlegt, u. seitdem wird die, durch den Krieg u. mehrere vorhergegangene Belagerungen ganz zerstörte Stadt nach einem neuen Plane wieder aufgebaut (s. Athen [Geogr.] 2). Vom 14. zum 15. Septbr. 1843 Militäraufstand, in dessen Folge die Constitution gegeben wurde, s. Griechenland (Gesch.); 19. Aug. 1844 neuer Aufstand (s. ebd.). Im Febr. 1854 brach hier eine revolutionäre Bewegung gegen die Pforte aus, in deren Folge sich griechische Freischaarenzüge bildeten u. am 26. Mai A. von Franzosen[883] besetzt wurde (s. ebd.); die Besatzung zog erst 28. Februar 1857 wieder ab.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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