Ausdehnbarkeit


Ausdehnbarkeit

Ausdehnbarkeit (Dilatibilität od. Extensibilität, Phys.), Fähigkeit der Körper, einen größeren Raum einzunehmen, ohne ihre Aggregatform aufzugeben. Sie kommt allen Körpern zu u. wird bes. durch Erhöhung der Temperatur (s. Wärme), bei einigen Körpern auch durch mechanische Spannung bedingt, während Erkaltung u. Druck eine Zusammenziehung bewirken. Die A. läßt sich durch die Annahme erklären, daß die Atome der Körper nicht in unmittelbarer Berührung mit einander stehen, sondern durch Zwischenräume getrennt sind, u. sich zwar unter einander anziehen, außerdem aber von Wärmeatmosphären umgeben sind, d.h. von Hüllen des Wärmeäthers, welche sich gegenseitig abstoßen u. so die Anziehungskräfte der reizbaren Atome zum Theil aufheben, u. zwar desto mehr, je höher die Temperatur ist. Die Ausdehnung der festen Körper steht mit der Zunahme der Wärme in ziemlich geradem Verhältnisse. Die Längenausdehnung eines Körpers bestimmt man dadurch, daß man das eine Ende desselben gegen einen festen Körper anstemmt u. das andere auf den kürzeren Arm eines Winkelhebels wirken läßt. Hierauf beruht das Platinpyrometer von Guyton de Morveau (s. Pyrometer). Die Ausdehnung der elastisch-flüssigen Körper findet man durch Erwärmung einer mit Scala versehenen, in ihrem unteren kugelförmigen Theile mit dem zu untersuchenden Gas gefüllten u. mit Quecksilber gesperrten Thermometerröhre. So haben Gay-Lussac u. nach ihm Dulong u. Petit gefunden, daß alle permanenten Gasarten, bei gleichem Luftdrucke u. bei gleichen Temperaturveränderungen, sich um gleich viel ausdehnen, u. daß diese Ausdehnung der Wärmezunahme proportional ist, so lange die Gase dem Punkte nicht nahe sind, bei dem sie durch die Kälte tropfbar flüssig werden. Die A. der tropfbar-flüssigen Körper findet man entweder durch denselben Apparat, wobei jedoch die Volumvergrößerung des Gefäßes durch die Wärme zu berücksichtigen ist, od. indem man 2 verticale, unten durch eine Röhre communicirende Glascylinder zum Theil mit einer Flüssigkeit füllt u. nun den einen Cylinder erhitzt, während man den anderen eiskalt erhält. Damit nun die erwärmte Flüssigkeitssäule der kalten das Gleichgewicht halte, muß sie nach dem hydrostatischen Gesetze von den communicirenden Röhren im Verhältniß ihrer geringen Dichtigkeit höher sein, u. hiernach berechnet man ihre A. Hat man auf diese Art die Ausdehnung des Quecksilbers gefunden u. durch Erhitzung eines mit Quecksilber vollgefüllten Glasgefäßes aus der Menge des verdrängten Quecksilbers berechnet, um wie viel geringer die Ausdehnung des Glases ist, so kann man hiernach die jeder anderen Flüssigkeit berechnen. Das Wasser hat seine größte Dichtigkeit bei 4° C. u. dehnt sich von hier an sowohl bei weiter Erkältung als bei Erwärmung aus. Verschieden von der A. ist die Dehnbarkeit (Ductilität) fester Körper (s.d.), worunter man die Fähigkeit derselben versteht, durch mechanische Kräfte ausgedehnt od. überhaupt in andere Formen übergeführt zu werden, ohne zu zerreißen.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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