Ausstopfen von Thieren


Ausstopfen von Thieren

Ausstopfen von Thieren. Um ein todtes Thier auszustopfen, wird die Haut desselben am Unterleibe, bei Wasser- u.a. Vögeln auf dem Rücken aufgeschnitten, u. bei größeren 4füßigen Thieren ganz, bei kleineren u. bei Vögeln nur so weit abgezogen, daß Kopf, Schienbeine u. vordere Flügelknochen in dem Thiere bleiben; alle fleischige u. markige Theile werden sorgfältig weggenommen, bei vierfüßigen Thieren auch das Fell mit einem Päleisen, nach Art der Gerber, bestoßen, die innere Seite der Haut mit ungelöschtem Kalk. Alaun u. Kobalt, od. mit einem andern, aus stark riechenden u. giftigen Dingen, am besten aus einer Arsenikauflösung bestehenden Mittel bestrichen, Glasaugen, auf welchen die Iris mit Ölfarbe gemalt ist, in die ausgeleerten Augenhöhlen gesetzt, ein von Holz, Werg, Leinwand, Tuch gebildeten den wirtlichen Körper des Vogels nachahmender Körper in den Balg gebracht u. an diesen bei größeren Thieren Eisen, bei kleineren Draht, welche in die Füße, Flügel u. an den Kopf des Thiers reichen u. diesen beiden Theilen Festigkeit geben, befestigt; der übrige leere Raum wird mit Baumwolle, Werg, bei größeren Thieren mit Heu ausgefüllt u. dem Thiere eine natürliche, ihm eigenthümliche Stellung gegeben. Statt von Vögeln den ganzen Balg auszustopfen, belegt man den nachgebildeten hölzernen Körper auch blos mit den Federn; dies nennt man aufsetzen. Größere Amphibien stopft man wie vierfüßige Thiere aus; kleineren, wie Fröschen u. Eidechsen, zieht man mit einer Zange den Magen u. die Eingeweide durch den Mund heraus, schneidet dann das Rückgrat von innen bei den ersten Halswirbeln durch, schiebt den Stummel nach dem Mund, kehrt nun den Balg wie einen Handschuh um u. löst alle fleischige u. knorpliche Theile ab. Der Schädel, nach Herausnahme der Augen u. des Gehirns, u. die äußersten Extremitäten bleiben in dem Balg, man steckt Papier u. Wergkügelchen in die Augenhöhlen, darauf stülpt man den Balg wieder um, hilft an schwierigen Stellen durch Hineinblasen nach, füllt den Balg mit seinem Sand u. gibt dem Thier die naturgemäße Stellung, indem man z.B. die Zehen auf einem Bretchen mit Nadeln ausbreitet; nun setzt man statt der Papierkügelchen künstliche Augen ein, trocknet das Thier, ersetzt den Sand durch Baumwolle u. überstreicht den Balg mit Bernsteinernstein- od. weingeistigem Lackfirniß. Schlangen streift man ab, nimmt das Fleisch heraus, bringt in der Mitte des Körpers einen nach der Länge gehenden Draht an u. füllt die Stelle des Körpers mit Sand od. besser mit [63] Werg möglichst fest. Übrigens verfährt man wie bei den vorigen. Fische stopft man aus, indem man durch ein langsames Einschieben u. Bewegen einer Art von Spatel die Haut vom Fleische bis zum Schwanz loslöst u. letzteres zerschnitten, so wie die zerbrochenen Gräten des Rückgrats stückweise heraus nimmt u. nur den gereinigten Schädel darin läßt. Der Balg wird nun durch den Mund mit seinem Sande gefüllt, der später herausgenommen wird; der zurückbleibende hat sich an der festen Fischhaut angelegt u. eine feste Kruste gebildet, weshalb dann kein weiteres A. nöthig ist. Größere Fische schneidet man am Bauch auf, so daß die Flossen nicht verletzt werden, nimmt den inneren Körper wie bei Säugethieren heraus u. füllt den Raum mit Werg aus. Auch die Fische werden mit künstlichen Augen versehen u. überfirnißt. Zuweilen nagelt man den halben der Länge nach durchgespaltenen Fisch nur auf ein Bretchen u. bewahrt ihn so auf. Ausgestopfte Thiere jeder Art werden am besten in einem luftdicht verschlossenen Kasten aufgestellt, od. zur Abhaltung der Insecten mit pulverisirtem Arsenik, Kampfer od. anderen scharf riechenden Dingen bestreut, u. letzteres oft wiederholt. Auch wendet man dazu Naumanns Einstreupulver (bestehend aus in der Luft zerfallenem Kalk u. Tabaksasche) an, od. kocht dasselbe mit gepulvertem Alaun in Seifensiederlauge zu einem Brei u. bestreicht damit die Thiere. Erbleichte Farben an kahlen Stellen frischt man durch Wasserfarben wieder auf u. überstreicht sie mit Leinöl; Warzen, Kämme u. dgl. überstreicht man dagegen mit Firniß od. Gummiwasser u. pudert die Farben auf. Die Kunst Thiere auszustopfen heißt mit griechischem Wort Taxidermie. Vgl. Stein, Handbuch des Zubereitens u. Aufbewahrens der Thiere aller Klassen, Frkf. 1802; Pistorius, Anleitung zum Ausstopfen der Vögel etc., Darmst. 1799; Naumann, Taxidermie, Halle 1815; Richter, Anweisung Vögel auszustopfen, Jena 1829; Klenge, Anleitung zum Ausstopfen u. Aufbewahren der Vögel u. Säugethiere, Gött. 1832; Suckow, Vollständiger Unterricht Säugethiere, Vögel etc. zu sammeln, zu conserviren etc., Stuttg. 1830.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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