Bildhauerkunst


Bildhauerkunst

Bildhauerkunst, die Kunst, aus allerhand festen Stoffen, wie Thon, Erz, Stein Menschen- u. Thiergestalten u. überhaupt Gegenstände, von denen man, sich ein sinnlich wahrnehmbares Bild schaffen kann, zu verfertigen. I. Die B. zerfällt je nach dem Material u. der Weise, wie dasselbe zur Darstellung von Bildwerken behandelt wird, A) in B. im engeren Sinne, welche ihre Werke mittels Schlägel u. Meißel aus festen Stoffen herausarbeitet, in Formkunst, welche weiche Stoffe, die später erhärten, verarbeitet, in Bildgießkunst, welche schmelzbare Stoffe verwendet, in Toreutik (Treiberei), welche dehnbare Metalle mit Hammer u. Punze formt, in Bildschnitzkunst, welche mit schneidenden Instrumenten aus weicheren Stoffen Figuren schnitzt, in Steinschneidekunst, welche mittels der Steinschleife erhabene od. vertiefte Bildwerke auf edlen Steinen hervorbringt, u. in Stempelschneidekunst, welche ähnliche Arbeiten mittels des Grabstichels in Metallen erzeugt. B) Die Schöpfungen der B. im engeren Sinne sind entweder runde, von allen Seiten zu betrachtende Werke, so ganze Körper, Hermen, Büsten, Köpfe, Postamente Vasen u. dgl.; od. halbrunde Figuren, welche nur mit einem Theile der Oberfläche aus einem flachen Grunde hervorragen (Reliefs). Die ersteren sind entweder selbständige (monumentale) Kunstwerke od. sie ordnen sich einem größeren kunstwerklichen Ganzen unter, die letzteren dienen zum Schmucke von größeren Werken der Bau- u. Bilkunst u. stehen zu diesen in einer der in ihnen ausgesprochenen Idee sich anschließenden allegorischen od. symbolischen Beziehung. In der Regel entwirft bei Bildhauer den beabsichtigten Gegenstand im Kleinen, als Skizze in Thon od. Gyps; darnach wird das Modell in der wirklichen, od. bei kolossalen Arbeiten in einer bestimmten Größe über einem Gerippe von Holz u. Eisen in nassem Thon ausgeführt, was man als den eigentlichen künstlerischen Theil des ganzen Herganges zu betrachten hat. Über diesem Modell wird aus Gyps die Form gemacht, in welcher das zur weiteren Ausführung in Holz, Stein od. Erz nöthige Gypsmodell gegossen wird. Indessen bat es zu keiner Zeit auch an Bildhauern gefehlt, die ihre Gestalten frei aus dem Stein gehauen haben. Das Modell wird auf einen Bossirstuhl neben den Steinblock, welcher für die Statue bestimmt ist, gesetzt, dieser aber steht senkrecht auf einem Gestell od. auf einem festen Bossirstuhl, der mittelst des Hebebaumes nach Erfordern umgedreht werden kann. Der Künstler überzieht nun a) im praktischen Verfahren Modell u. Block mit einander durchschneidenden vertikalen u. horizontalen Linien u. verfährt dann wie bei Verjüngung u. Vergrößerung eines Gemäldes durch ein Gitter, indem jedes kleine Viereck der Skizze seine Flächenmasse homogen auf jedem großen Viereck des Blocks anzeigt. Diese leitenden Linien sind indessen nur bei den Hauptverhältnissen der Statue von Nutzen; bei den feineren aber bleibt der Künstler immer seinem Augenmaß überlassen, od. er ist stets in Gefahr,[781] in der Ausführung seiner Werke dem Modell unähnlich zu schaffen od. gar Theile wegzuhauen, die stehen bleiben müssen, u. so das ganze Kunstwerk zu verderben. Überdies hat das Verfahren die Unbequemlichkeit, daß die Linien auf dem Block alle Augenblicke weggehauen werden u. man sie daher oft neu ziehen muß. Dies zu vermeiden, befestigt man b) im akademischen Verfahren über Block u. Modell die Mensur, einen viereckigen Rahmen, von dem nach gleich getheilten Graden Fäden herunter fallen, u. läßt die Fäden durch Horizontalfäden durchschneiden. Da auch dies noch nicht genügte, so erfand c) Michel Angelo ein drittes Verfahren. In einem Kasten, genau von der Größe u. Form seines Marmorblocks, bezeichnete er die Seitenfläche mit Graden u. spannte ein dieselbe auf der oberen Fläche ebenfalls bezeichnendes Netz über denselben. Den Block theilte er, diesen Eintheilungen entsprechend, ebenfalls durch Linien, füllte nun den Kasten mit Wasser u. legte das Modell hinein, so daß nur die höchsten Theile desselben über das Wasser hervorragten; diese bearbeitete er an dem Block, ließ nun etwas Wasser mehr ab, bearbeitete die neu hervortretenden Theile, verfuhr nun nach u. nach mit allen erhabenen u. dann auch den niederen Theilen so. Auf diese Weise erhielt das Bildwerk die erste, aber richtige Form. Indem er von Neuem Wasser in den Kasten goß, bearbeitete er auch die feineren Theile u. erhielt zugleich, indem er das Modell in alle mögliche Richtungen u. auch ins Profil legte u. durch das Augenmaß u. das Richtscheit mit der Ausführung verglich, eine Controle der letztern. Die wirkliche Bearbeitung des Blocks geschieht meist mit dem Meißel, bei Marmor mit ganz stählernen, die mit eisernen Schlägeln getrieben werden, bei weicheren Steinarten mit blos verstählten Meißeln u. hölzernen Schlägeln. Diese Meißel sind indessen der Form nach verschieden, u. man unterscheidet das Spitzeisen, das Zahneisen, den Pickhammer, das Breiteisen, Rundeisen, Zwergeisen (s.u. Meißel); Öffnungen neben schwebenden Theilen, so unter den Armen, zwischen den Fingern, Falten u. dgl., werden mit dem Drillbohrer (Fiedelbohrer) gemacht. Stets wird dem Theil, den man bearbeitet, seine Gestalt im Groben gegeben u. das Feinere nachgearbeitet (ausbossirt). Noch später erhalten die einzelnen Theile Rundung u. Feinheit, wobei der Tasterzirkel, um jedem die Stärke, welche er im Modell hat, zu geben, gebraucht wird, u. endlich werden sie rein gemacht, d.h. die Theile, welche das Nackte, Kleidung etc. vorstellen, geebnet. Letzteres wird mit der Raspel vollendet u. mit ihr auch die feinsten Theile, Augenlider, Nägel etc. ausgeführt u. die noch bleibende Rauhigkeit mit seinem Sandstein abgeschliffen. Den Schluß macht bei Manchen das Poliren mit gepülvertem Bimsstein u. einem seinen Tuche, od. mit Zinnasche, od. mit Schmergel, od. gebrannten u. gepülverten Schafbeinen. Die Alten überzogen ihre Bildsäulen mit einer Art Firniß. Canova hat dies nachgeahmt u. seine Statuen mit einem gelblichen, ihnen ein weiches Ansehen gebenden Überzugetingirt. Die Nachbildung körperlicher Gegenstände aus harten Massen, folgte bald nach dem Bildformen aus weichen Stoffen.

II. Zu den ältesten Denkmälern der B. gehören A) die in Ägypten. Die dortigen Statuen sind von ernstem, strengem, steifem Charakter; doch verstanden ihre Verfertiger manches Technische, z.B. das Poliren, sehr gut. Löwen, Sphinxe u.a. Thiere, scheinen dort gemäß der ägyptischen Religion früher als vollständige Menschenbilder entstanden zu sein, obgleich die Bilder des Memnon, einige Isisstatuen u. andere Kunstwerke auch sehr alt sind; s. Ägypten (a. Geogr.) II. C) b). Der ägyptischen nahe verwandt ist B) die indische B. Die Grottentempel in Indien sind von sehr hohem Alter; in ihnen finden sich kolossale Bildsäulen (s. Elephantine) aus Einem Stück gearbeitet, u. Reliefs mit der größten Sorgfalt ausgeführt, s.u. Indien (Antiq.). Spuren von steinernen Bildsäulen C) in dem übrigen Asien finden sich noch in den Ruinen von Persepolis, aus denen man schließt, daß die Perser keine unbekleideten Figuren darstellten, u. auch auf den Felsenwänden von Bisutun (s.d.) findet man Reliefs, welche der Zeit Darius Hydaspis angehören. Ebenso haben die Ausgrabungen der Ruinen von Ninive ergeben, daß den Assyrern schon die Darstellung plastischer Bildwerke, namentlich Reliefs, bekannt war (s. Assyrien [Ant.]). Die ältesten Werke D) griechischer B. zeugen dafür, daß diese Kunst den Griechen von den Ägyptiern überkommen war. Es waren kunstlose Hermen od. sonst roh in Holz gearbeitete Gestalten; Arme u. Füße von ihnen lagen dicht an einander; den Unterschied der Füße deutete nur eine Furche, Augen u. Mund kleine Schlitze an. Dädalos wird zuerst als ausgezeichneter Bildhauer (wohl noch in Holz) genannt, ihm wird bes. beigelegt, daß er zuerst Statuen mit, dicht am Leib anliegenden Händen u. verbundenen Füßen dargestellt habe. Von ihm an rechnet Winckelmann a) den alten Styl. Außer dem schon im Artikel Bildgießerkunst genannten Künstlern sind in dieser Periode bemerkenswerth: Epeos (Trojanisches Pferd), Malas (gab zuerst marmorne Bildsäulen), Onatas, Polykletes u. A. Bald mischte man auch verschiedene Stoffe, fertigte hölzerne Bildsäulen mit marmornem Kopf u. Armen, od. legte einzelne Theile mit Elfenbein u. Gold aus, gab den Bildsäulen goldene Wimpern, silberne Nägel u. Augen von Edelsteinen, strich sie auch wohl, bes. die Gewänder, mit bunten Farben an od. verfertigte diese aus rothbraunem u. anderem Marmor. Die bei Weitem wichtigeren Werke des älteren Styls sind die unter den Namen der Ägineten bekannten Statuen vom Tempel des Zeus Panhellenios 480 v. Chr., jetzt in der Glyptothek zu München, s.u. Äginetische Kunst. b) Der gewaltige Styl in der, jener folgenden Periode war ausgezeichnet durch Großartigkeit in Idealbildungen von Gottheiten u. treues Halten an der Natur in Darstellung von Menschen; hierher gehören Anthermos, Ageladas aus Argos, Askaros aus Theben, Hegias aus Athen, die Ägineten Glaukias, Simon u. Anaxagoras u. A.; doch bildeten diese meist, nach der Sitte der Zeit, in Erz. Phidias, welcher im Olympischen Zeus einen Gott in der höchsten Würde darstellte, schuf, nachdem die B. durch längere Zeit vervollkommt worden war, c) den hohen Styl. Dieser, in die Blüthe griechischen Lebens fallend, zeichnete sich durch flüssige Umrisse, natürlichere u. gesittetere Stellungen u. überhaupt durch Schönheit, Größe u. Erhabenheit aus, wogegen ihm eine gewisse Härte blieb. Alkamenes, die beiden Polykletos, Myron, Pythagoras von Rhegium u. [782] Praxiteles waren dessen Koryphäen u. schufen in einem halben Jahrb. vielleicht mehr Kunstwerke, als während der ganzen Herrschaft des römischen Reichs entstanden. d) Der schöne Styl beginnt mit Praxiteles u. erlangte durch Lysippos seinen höchsten Glanz. Anmuth u. Vermeidung aller Härte charakterisirten sie. Kephissodoros, Euphranor, Skopas, Agesander, Athenodoros u. Polydoros (Letztere Schöpfer des Laokoon), Apollonios u. Tauriskos (Schöpfer des Farnesischen Stiers) gehören dieser an. e) Im Styl der Nachahmer verfiel die Kunst dadurch, daß man ihr Wesen im Kleinlichen suchte; doch lieferte auch dieser Zeitraum noch manches Treffliche. Unterstützt wurde die griechische B. sehr durch den Sinn der Griechen für Schönheit u. Zierlichkeit in allen ihren Geräthen; Altäre, Dreifüße, Vasen, Schilde, Kisten, Throne, Grabmäler pflegten mit Reliefs geschmückt zu sein; bes. zeichnete sich hierunter der Thron des Apollon zu Amyklä aus. Die griechische B. erlosch, als Griechenland 164 v. Chr. römische Provinz wurde u. griechische Künstler arbeiteten nun mehr für Rom. In Italien besaßen E) die Etrusker die B. am frühesten, u. die Werke dieses Volkes ähneln sehr den Werken altgriechischer Kunst. F) Zu Rom arbeitete man Anfangs in dem schlechtesten Material, u. erst als Marcellus zur Zeit des zweiten Punischen Krieges Bildsäulen aus Griechenland nach Rom brachte, lernten die Römer, was wahre Kunst sei. Aber obgleich oft das Forum, zum Theater umgeschaffen, mit 3000 griechischen Bildsäulen geschmückt u. 12,000 Statuen um das Capitol herum aufgestellt waren, so wurden doch fast alle neuen Kunstwerke von Griechen ausgeführt. Auch deren Geschmack sank seit Hadrian, u. unter Severus verfiel die B. u. war schon vor Constantin untergegangen, bes. im Byzantinischen Reiche. Das Christenthum, die Einfälle der Barbaren u. bes. die Eroberung Constantinopels durch die Türken, brachte nun selbst über die alten Kunstwerke Zerstörung, u. nur das Technische der B. erhielt sich G) im Mittelalter in Deutschland durch Ausführung von Heiligenbildern u. Grabmälern, in dem rohesten u. eckigsten Style. Doch errang die B. bei dem Aufblühen der deutschen Baukunst allmälig eine höhere Stufe der Ausbildung, wenn sie auch immer nur eine untergeordnete Stellung als Dienerin jener einnahm u. zu keiner Selbständigkeit gelangte. Bischof Bernward von Hildesheim, selbst Künstler, war namentlich für ornamentale Bildnerei in Erzguß thätig, u. im 12. u. 13. Jahrh. gibt sich deutlich der Einfluß der Italiener auf die deutschen Bildner vorzugsweise der sächsischen Schule zu erkennen. Die Bildwerke späterer Zeit, die den gothischen Bauformen eigenthümlich sind, zeugen von einem allmäligen Fortschreiten des Geschmackes u. einer Annäherung an die Natur. Der Strasburger Münster, der Münster zu Freiburg u. der Kölner Dom sind mit Bildwerken verziert, welche von der Kunstfertigkeit der Meister des 13., 14. u. 15. Jahrh. Zeugniß ablegen. Mit dem Wiedererwachen der Künste in Italien im 12. Jahrh., hob sich auch die B. H) zur neuen Kunst, u. es wurde a) die erste Periode derselben begründet. Schon um 1250 strebte Nicolaus von Pisa den Alten nach u. Donatello hob zu Anfang des 15. Jahrh. die Kunst noch mehr, man wurde auf die Schätze des Alterthums aufmerksam; die Mediceer sammelten sie; bald folgten ihnen die anderen Fürsten Italiens; es entstanden Museen u. selbst die schadhaften alten Bildsäulen wurden durch Ergänzung, unter denen sich Tatti, Lorenz Lotto u. della Porta auszeichneten, wieder hergestellt. Am meisten wirkte indessen Michel Angelo, der in seinen Werken denen des Alterthums nahe kommt. Andere berühmte italienische Meister damaliger Zeit waren Verocchio, Rustici, Baccio Bandinelli u. Propertia Rossi. Keiner aber erreichte die Alten, da bei allen Werken der Neueren die Subjectivität des Künstlers hervortritt, statt in dem Werke zu verschmelzen. b) Eine zweite Periode der neueren Kunst begann zu Anfang des 17. Jahrh. in Italien mit Algardi u. Bernini, der, obgleich geschickt, doch durch Streben nach Originalität u. allgemeinen Beifall in Maniererei, Geziertheit u. Unnatur verfiel. Seine Nachtreter verdarben noch mehr, u. die Kunst verfiel zur Verschrobenheit. Raggi, Ferrata, Brunelli u. Algardi folgten, minder glücklich Rusconi u. Zumba. An dem geringen Fortschreiten der B. hatten die Franzosen großen Antheil. Joh. Goujon brachte bei ihnen um 1550 die B. wieder in Aufnahme, Pilon, Jean de Boulogne, Sarassin, die Brüder Anguier, Theodan, Puget, Pierre le Gros, Lamb. Adam, Slodz, Pigalle u. m. schon im Artikel Bildgießerkunst Genannte zeichneten sich bei ihnen im 17. u. 18. Jahrh. als Künstler aus. Doch war ihre Geschmacksrichtung (Zopfstyl) eine durchaus verwerfliche, indem sie bis zur Carricatur verzerrte, mit allerlei ungehörigem Beiwerk, hinter welcher sich die Gedankenlosigkeit verbarg, versehene Figuren u. Gruppen in theatralischer Haltung ausführten. In Deutschland gelangte die B. im 17. Jahrh. zu größerer Freiheit u. Selbständigkeit durch L. Kern, G. Leygebe, Rauchmüller, vorzüglich aber durch Schlüter, der seinem eigenen schöpferischen Talente folgte u. den Einfluß der Geschmacksverirrung von sich fern hielt. In den Niederlanden zeichnete sich Duquesnoy etc., in England Cibber, Gibbons, Wilton u. Rysbrack, so wie mehrere Andere in noch anderen Ländern, aus. e) Eine dritte Epoche der B. begann in der Mitte des 18. Jahrh. durch die Rückkehr zur Antike, Einfachheit u. Naturwahrheit. Winckelmann, von Mengs u. dem Cardinal Albani unterstützt, gab hierzu in der Theorie die erste Veranlassung; Cavaceppi bildete als Künstler den Übergang zu diesem neuen Styl, u. Canova glänzte in demselben als Meister. Später war es der Deutsche Trippel u. vor Allen der Däne Thorwaldsen, welcher in Italien den antiken Vorbildern nachstrebte. Die Anregung, welche von Italien ausging, wirkte bald auf den Kunstgeschmack der Nachbarländer, Deutschland u. Frankreich, ein. In beiden entwickelten u. bildeten sich indeß rasch selbständige Richtungen, u. die Künstler, welche ihnen angehörten, übten nachher eine Rückwirkung auf das Kunstleben Italiens aus. Von den Bildhauern Frankreichs, welche zur Zeit der Revolution den Zopfstyl verließen u. zur Nachahmung antiker Bildwerke übergingen, sind Chaudet, Cartellier, Bosio u. Dupaty zu nennen. Ein freieres Schaffen begann indeß erst, als Canova's Leistungen in Frankreich zur Wirkung kamen u. die Künstler größeren Fleiß auf das Studium des menschlichen Körpers verwandten. Dieser Periode gehören Le Maire, Roman, Dumont u. A. an; sie erreichte ihren Gipfelpunkt[783] in David von Angers, welcher in Bezug auf Naturwahrheit namentlich in Portraitstatuen Ausgezeichnetes leistete. Er wurde der Begründer der romantischen Schule, im Gegensatz zu der classischen, welche sich in Form u. Behandlung die Antike zum Muster nahm, während jene sich von der sklavischen Nachbildung hellenischer Vorbilder freimachte, aber durch das Vernachlässigen strenger Formenreinheit oft in Koketterien u. Spielereien verfiel. Die bedeutendsten Vertreter der romantischen Richtung sind Desboeufs, Rude, Cavalier, Maindron u. Préault. In England wurde der Sinn für antike Bildkunst vorzugsweise durch die von Elgin nach London gebrachte große Sammlung griechischer Sculpturen (im British-Museum) angeregt. Der einflußreichste Vorkämpfer des modern-antiken Styls war John Flaxman, dem sich Chantrey, Nollekens, Wyatt, Macdonald u. A. anschlossen. Unter den Bildhauern der neuesten Zeit leisteten Vorzügliches Mac Dowell, Gibson, Campbell u. Davies. In Spanien begann überhaupt erst gegen Ende des 18. Jahrh. die Sculptur von nationalen Künstlern ausgeübt zu werden; der französische Einfluß ist bei ihnen bemerkbar; Jose Alvarez u. seine Schüler Medina u. Ponzano wirkten hier neben Ant. Sola u. in neuerer Zeit Perez del Valle u. Esteban de Agreda. Der größte schwedische Bildhauer der letzteren Hälfte des 18. Jahrh. war Sergel, der zur Zeit der Wiederbelebung des antiken Geschmacks in Italien sich bildete; nach ihm wirkten Byström u. Fogelberg, die sich beide der Antike anschlossen, aber auch in freien idealen Schöpfungen u. Portraitstatuen im Charakter der Zeit Tüchtiges leisteten. In Deutschland brach Schadow in Berlin der neuen Richtung Bahn u. fand Gleichstrebende an Zauner in Wien u. Dannecker in Stuttgart. Die großen Anregungen, welche von Ludwig I. von Baiern u. später von Friedrich Wilhelm IV. von Preußen zur Förderung der bildenden Künste im Allgemeinen ausgingen, blieb auch für die B. nicht ohne segensreiche Folgen. In München war Schwanthaler u. zwar bes. in Verbindung mit der Erzgießerei thätig, große Werke auszuführen, als die bairischen Fürstenstatuen für den Thronsaal des Saalbaues, die im Feuer vergoldet wurden, die Denkmale für Kreitmayr in München, Goethe in Frankfurt, den Austriabrunnen für Wien etc., vor allen den 80 F. hohen Koloß der Bavaria; außerdem aber in Marmor die Arminiusschlacht an der Walhalla, die Giebelgruppe am Ausstellungsgebäude in München, die Giebelgruppen u. Metopen der Ruhmeshalle, das Kanalmonument, die Evangelisten u. Apostel an der Ludwigskirche etc. Neben ihm werden mit Ruhm genannt Ludw. Schaller, der Meister der Herderstatue, Brugger, von welchem Orlando di Lasso, Widemann, von welchem Gluck (beide Tonkünstlerstatuen in München) u. Bischof Julius in Würzburg herstammt. Neuerdings hat Halbig wegen seiner Bildnißbüsten großen Ruf. In Berlin schuf Rauch (s.d.) eine Menge großartiger Kunstwerke, so die Blücherstatuen in Berlin u. Breslau, das Denkmal auf dem Kreuzberg bei Berlin, seine schönen Victorien für die Walhalla, die Königin von Hannover für ihr Mausoleum, den König Friedrich Wilhelm III. für das seinige, vor allem aber das reiche Ehrendenkmal Friedrichs des Großen mit seinen Kriegshelden etc. Tieck fertigte Apollo als Löwenbändiger für das Museum, Kiß die Gruppe der reitenden Amazone, später die Reiterstatue Friedrichs des Großen für Breslau u. Friedrich Wilhelms III. für Königsberg, Wichmann die Statue Winckelmanns, Drake das Denkmal Friedrich Wilhelms III. für Berlin; Fischer modellirte nach Cornelius Zeichnung das große Schild, das von dem König seinem Pathen in England verehrt worden ist. Bläser, Schievelbein, Möller, Alb. u. Emil Wolf u. Wredow lieferten die Marmorstatuen auf den Pfeilern der Schloßbrücke. In Dresden leistete Außerordentliches in der Sculptur Rietschel, der das Giebelbild des Opernhauses in Berlin, des Dresdner Schauspielhauses u. des Leipziger Universitätsgebäudes mit einem Relief schmückte u. von dem eine tief innige, schöne Gruppe, Maria über dem Leichnam ihres Sohnes, die Statue Lessings für Braunschweig u. das Goethe-Schiller-Denkmal in Weimar herrührt. Hähnel schuf mit großer Meisterschaft das Denkmal Beethovens für Bonn u. das Karls IV. für Prag. In Stuttgart lieferte Wagner die allegorischen Statuen für die Denksäule des Königs u. Hofer arbeitete mehrere Statuen u. Gruppen in Marmor im Auftrag des Königs für den Schloßgarten, u.a. die Rossebändiger. In Frankfurt wirkten Launitz u. Zwerger, in Prag Em. Max, von dem die böhmischen Apostel in der Teinkirche sind, u. ein anderer Max, der Meister der Reiterstatue von Kaiser Franz. Karlsruhe besitzt einen sehr geschickten Bildhauer an Reiche, u. in Rom zeichnen sich unter den deutschen Bildhauern aus Emil Wolf u. Troschel aus Berlin, Achtermann aus Westfalen (dieser durch religiöse Gegenstände), Steinhäuser, welcher das Denkmal von Olbers geliefert hat. Vgl. Overbeck, Geschichte der Plastik, Lpz. 1857.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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