Britannĭa [1]


Britannĭa [1]

Britannĭa, 1) (a. Geogr.), der Name für die östliche der zwei nördlich von Gallien gelegenen Inseln (j. England u. Schottland) im Atlantischen Ocean, die auch von den Kreidefelsen der Küsten Albion (die Weiße) genannt wurden. Diewestlicke[318] kleinere Insel (j. Irland) hieß Jerne od. Hibernia (einheimisch Bergion), war von B. durch das Mare Hibernium getrennt u. bildete mit B. zusammen die Insulae Britannicae. Die Alten hatten von B. nur mangelhafte Kenntniß, sie stellten es sich in Form eines Dreiecks vor. Früh standen zwar die Phönizier in Handelsverkehr mit den Einwohnern, auch Pytheas aus Massilia hatte eine Expedition nach B. unternommen, aber auch durch den zweimaligen Aufenthalt Cäsars daselbst (55 u. 54 v. Chr.) erhielt man wenig Aufklärung über B., u. selbst als Jul. Agricola 84 n. Chr. diese Insel umschifft hatte, blieb die Kenntniß derselben, u. namentlich Hiberniens, mit dessen Einwohnern die Römer nur Tauschhandel trieben, sehr unklar. Daher lauten die Angaben über die Größe beider Inseln sehr verschieden. Der Umfang B-s betrug nach Pytheas 40,000 Stadien (à, 1/40, geogr. Ml.), die Länge 20,000; nach Cäsarder Umfang 2000 Millien (= 16,000 Stadien); nach Diodor 42,500 Stadien; nach Plinius 3825 Millien (= 30,600 Stadien), die Länge 800, die Breite 300 Millien; Hibernia war nach Plinius 600 Millien lang u. 300 breit; nach Cäsar halb so groß als B., nach And. fast eben so groß, nur breiter als lang. Gebirge: im N. von B. barbara der Caledonische Wald (Caledonia Silva), das jetzige Schottische Hochgebirge; Vorgebirge: Promontorium Ocelum, P. Cantium, P. Damnonium od. Ocrinum, P. Anlivestäum od. Bolerium, P. Herculis, P. Octapitarum, P. Ganganon, P. Novantarum, P. Epidium, P. Tarvedum od. Orcas, P. Viruedrum, P. Verubium, P. Täzalorum; in Hibernien: P. Sacrum, P. Isamnium, P. Robogdium, P. Venniculum, P. Boreum, P. Notium. Meerbusen u. Ästuarien: Dunum Sinus, Gabrantuicorum S., Ästuarium Metaris, Ä. Jamesa, Ä. Vexalla, A. Sabriana, Ä. Seteïa, A. Belisama, A. Moricambe, Ä. Ituna, Ä. Jena, Rerigonius S., Vindogara S., Ä. Clota, Lemannonius S., Volsas S., Ä. Varar, Ä. Tuäsis, Ä. Tava. Bedeutende Flüsse: Abus, Tamesa, Sabrina, Novius, Deva, Abravannus, Longus, Itys, Nabäus, Ila, Loxa, Celnius, Tina; in Hibernien: Dabrona, Birgus, Modonus, Oboca, Buvinda, Vinderis, Logia, Argita, Vidua, Ravius, Libnius, Aufoba, Senus, Dur, Jernus. Klima: gemäßigt u. mild, aber viel Regen u. ununterbrochener Nebel; in Hibernien etwas rauher. Bodenbeschaffenheit: meist eben, mit großen Wäldern, Haiden u. Sümpfen, aber im Allgemeinen fruchtbar, auch blühte der Ackerbau auf; in Hibernien gab es vorzügliche Viehweiden u. Triften. Producte: Pferde, Hunde (bes. Jagdhunde), Öl, Wein, Früchte, Holz, Zinn, Eisen, Gold, Silber, Edelsteine u. Perlen. Die Einwohner (Britti, Britanni od. Brittones, vom galisch. brit. d.h. gemalt, weil sie sich, ehe sie in den Krieg zogen, mit blauer Farbe bemalten u. tätowirten) waren celtischen Stammes, u. zwar Kymren, Gälen u. Iberer. Die Kymrer fanden sich zu Cäsar's Zeit am weitesten südlich u. hatten die Gälen mehr nördlich gedrängt. In der Mitte des 5. Jahrh. wurden dieselben von den Sachsen nach Bretagne auszuwandern gezwungen (s.u. Bretagne). Seit dem hieß B. Britannia major, im Gegensatz zu Britannia minor, der Bretagne. Die Briten standen unter eigenen Stammhäuptern (Clanen, s.d.), waren von schlankem, schönem Wuchse, gerader, biederer Gesinnung, bei einem einfachen Leben abgehärtete Leute; ihre Hauptnahrung war Fleisch u. Milch, ihre Kleidung bestand in Thierfellen; sie hatten manche rohe Sitten, tätowirten sich z.B. u. hatten ihre Weiber in Gemeinschaft, gegen ihre Feinde waren sie unmenschlich u. grausam, nahmen aber unter der Herrschaft der Römer von diesen einige Bildung an. In der Schlacht fochten sie, gewöhnlich ohne Helm u. Panzer, zu Fuße od. zu Roß, hatten aber auch Streitwagen; ihre Schilde waren klein u. rund, die sich erhebende Mitte lief in eine Spitze zu. Ihre Wohnorte waren große Verzäunungen in den Wäldern; 10–12 Männer, Väter, Brüder, Kinder, lebten mit eben so vielen Frauen; Derjenige, welcher zuerst die Frau erkannt hatte, nahm sich der Kinder als der seinigen an. Ihre Sprache war ein celtischer Dialekt (s. Celtische Sprachen); über ihre Religion s. Britische Mythologie. Einzelne Völkerschaften in B. waren: Cantier, Rhegner, Belgen, Durotriger, Dumnonier, Silurer, Dubunner, Atrebater, Trinobanter, Icener od. Simener, Catuellaner, Coritavier, Cornavier, Briganten, Novanter, Selgover, Otadiner, Damnonier, Veniconen, Täzaler, Vacomager, Caledonier (Picten u. Scoten) u.a.; in Hibernien: Briganten, Ivernier, Velleborer, Ganganer, Manapier, Nagnater, Dariner, Robogdier u.a. Eintheilung: die Römer theilten B. in Britannia romāna, den eroberten Theil, u. Britannia barbăra od. Caledoniaim N., wo die Caledonier wohnten. Gegen die Einfälle derselben sicherten sie sich die römische Provinz durch zwei große Wälle, den Hadrians- u. Severuswall (s. b.). Unter Kaiser Severus war B. romana in 2 Theile getheilt: Britannia inferĭor (Britannia prima, Britannia septemtrionalis), die älteren Besitzungen im nördlichen Theile, das j. SSchottland, Cumberland, WMoreland, Lancaster, York u. Durham; u. Britannia superĭor (Britannia secunda, Britannia australis), die durch Agricola neu eroberten Länder im westlichen Theile (j. Wales); jede Provinz erhielt einen Prätor. Später wurde B. unter einen Vicarius gestellt, der unter dem Präfectus Prätorio von Gallien stand, u. nach Diocletian in 5 Provinzen getheilt: Britannia prima, der Theil im S., Britannia secunda, westlich von der Sabrina, Maxima Caesariensis, östlich von dem vor. u. nördlich bis zum Abus (Humber), Flavia Caesariensis, nördlich von dem vor. bis jenseits des Hadrianswalles, u. Valentia, von da bis zu Caledonia. Unter den kleineren Inseln, die auch unter dem Namen Insulae Britannicae begriffen werden, waren die bedeutenderen: Vectis, Mona, Ebudae Insulae, Orcades Insulae, Thule. 2) (Gesch.), s.u. England, Schottland u. Irland (Gesch.).


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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