Capland [1]


Capland [1]

Capland (Cap, Capcolonie, Cap der guten Hoffnung, Cap of Good Hope, Kaap de Goede Hoop, Cape Point), früher niederländische, jetzt englische Besitzung im äußersten südlichen Theile des afrikanischen Continent, grenzt im N. an das Gebiet der Hottentotten (von diesem durch den Garipfluß getrennt), im NO. u. O. an das Gebiet der unabhängigen Kaffern (von diesem durch den Knebia [Großer Keyfluß] u. Kraai Rivier [Grey River, Grauer Strom] getrennt), im SO. an den Indischen Ocean, im S. u. W. an den Atlantischen Ocean; erstreckt sich vom 28° 38' bis 34° 51' südlicher Breite u. vom 35° bis 45° östlicher Länge (von Ferro) u. umfaßt einen Flächenraum von ungefähr 10,000 QM. Gebirge, zwischen denen sich oft lange Schluchten (Kloofs) hinziehen, sind im N. die Khamies (d.h. im Hottentottischen Berge) bis zu 5000 Fuß Höhe, weiter südlich die Groote u. Kleene Zwarte- (großen u. kleinen Schwarzen) Berge, die Zwellendammer-, Ouiniqua u. Zuure- (Sauer-) Berge, westlich davon die Hochebenen des Kannalandes u. des Langekloof, im äußersten W. die Roggeveld-, Nieuweveld- u. Sneeuw- (Schnee-) Berge bis zu 10,000 F. Höhe. Höchste Spitzen sind der Ezelskop, 4940 F., u. der Roodeberg, 5150 F. (in den Khamies), der Kuruka od. Wintershoek, 4000 F. u.[659] der Cockscombs-Pic, 4000 Fuß (in den Groote Zwartebergen), der Compaßberg mit einer spitzen Felspyramide auf dem Gipfel, 10,250 Fuß (in den Sneeuwbergen). Isolirt stehende Berge im SO. der Tafel- (3582 F.), Löwen- (1760 F.), Teufelsberg (3315 Fuß). Vorgebirge: Cap der guten Hoffnung (Cape Point, 34° 22' südlicher Breite, 36° 4' östlicher Länge), Nadelcap (Cabo agulhas, gewöhnlich Lagulhas genannt, mit Ausnahme eines kleinen, in der Nähe liegenden, noch etwas weiter nach Süden gehenden Felsenvorsprungs, die äußerste Südspitze des afrikanischen Continents, 34° 51' südlicher Breite, 37° 36' östlicher Länge), ferner Cap Deseade, Cap Donkin, Robben- (Seehunds-) Cap, Cap Infante, Cap Francis, Cap Recif, Cap Padrão (Padrone). Wüste: Karro (d.h. im Hottentottischen hart), eine große Fläche von eisenhaltigem, mit Sand gemengtem Thon, mit rothbrauner, in der trockenen Jahreszeit steinharter Oberfläche. Baien: im W. Tafelbai (groß u. offen, an ihr die Capstadt, vor ihr die Robbeninsel), Saldanhabai, (vielleicht der größte u. sicherste Seehafen der Erde, aber ohne alles Trinkwasser an der Küste, vor ihr die Dasseninsel), St. Helenabai (mit der Paternosterspitze), Rothe Wallbai (nur für kleine Fahrzeuge), Donkinbai, Voltasbai; im S. die große Faselbai mit der Simonsbai, die Mudge-, Walkers-, Struys-, Fisch-, Sebastians-, Mossel-, Plettenbergs-, St. Francs-, Gamtoo-, Algoabai (die größte an der SKüste) u. Waterloobai. Flüsse: Garip (Orange Rivier, Grenzfluß im N.), Großer u. Schwarzer Kei u. Kaai Rivier (Grenzflüsse im NO. u. O.), der Große Fischfluß im O., der Breede Rivier (mit dem Zonderende Rivier), Gaurits, Knysna, Gamtoo, Kromme Rivier, Zwartkop-, Sondag-, Buschmann-, Karreega-, Kowie-, Fisch-, Keiskamma-, Konkay-, Buffalo-Rivier im S., Großer Bergfluß, Olivants Rivier (Elephantenfluß), Groene Rivier (Grüner Fluß), Kausie Rivier. Alle diese Flüsse sind meist unbedeutend, seicht u. zur Schifffahrt nicht geeignet, nur der Garip wird in der Regenzeit bis zu 50 Fuß tief u. zu 4000 Fuß breit u. überschwemmt dann häufig u. plötzlich die umliegende Landschaft, während der trockenen Jahreszeit ist selbst dieser an vielen Stellen nur 1–11/2 Fuß tief. Klima außerordentlich gesund, die mittlere Jahrestemperatur 18–19° R. Der Winter dauert von Mai bis September u. ist die angenehmste Jahreszeit, nur in den höhern Gebirgen zuweilen Eis u. Schnee; Sommer vom September bis April, die Hitze durch die Seewinde gemäßigt, nur in den Thälern des Garip u. seiner Zuflüsse drückend. Im Sommer herrschen Südost-, im Winter Nordwestwinde vor. Bei dem gänzlichen Mangel an Sümpfen ist die Luft außerordentlich rein u. klar, epidemische Krankheiten höchst selten, nur zuweilen die Blattern u. in den Hochebenen Rheumatismus. Der Regen tritt im Winter weder regelmäßig noch anhaltend ein u. fehlt im Sommer bisweilen mehrere Monate lang gänzlich. Geognostische Beschaffenheit: Oberfläche größtentheils horizontal geschichteter eisenhaltiger Sandstein mit Resten großer vorweltlicher Saurier (z.B. des Dicynodon), aus ebendemselben bestehen auch, mit Ausnahme der Khamies, sämmtliche Bergketten; unter dem Sandstein silurischer Thonschiefer, an andern Stellen Granit mit Gneis u. Glimmerschiefer, im O. Mergelerde, im S. noch jüngere Kalkformationen, im W. ältere (wahrscheinlich silurische) Kalksteinformation. Producte des Mineralreichs: Salz im Überfluß (namentlich an der Algoa- u. der Sebastiansbai), Kupfer, Eisen, silberhaltiger Bleiglanz (im District Ujtenhage), Mangan (im District Albany), große Ablagerungen fossiler Muscheln (im District Ujtenhage), werden gebrannt u. liefern guten Kalk, Kreidekalk (im District Albany) liefert gutes Baumaterial. Pflanzenreich: trotz der allgemeinen Dürre u. Einförmigkeit des Bodens doch reiche u. eigenthümliche Flora, die zu 12,000 Arten geschätzt wird, vorzüglich vertreten sind die Familien der Proteaceen, Diosmeen, Restiaceen, Polygaleen, Irideen, Mesembryanthemum-, Oralis- u. Pelargoniumarten. Wälder sind selten u. finden sich nur in den tiefern von Bächen durchschnittenen Thälern der Districte George u. Ujtenhage u. am östlichen Abhange der Kuruka. Unter den Waldbäumen finden sich Laurus bullata (Stinkholz), Podocarps elongata (Gelbholz), Erythrina Corallodendron, Olea Capensis; Obstbäume u. Obststräucher fehlten ursprünglich fast gänzlich; Wiesen nur an den Hügelketten im O. in den Districten Ujtenhage, Albany u. Victoria. Zu bemerken sind noch baumartige Farren, viele Aloearten (Aloe arborescens, A. ferox, A. lineata u.a.). Myrica cordifolia, Elythropappus (Stoebe) rhinocerotis (Rhinocerosstrauch), Portulacaria Afra. Seit Einwanderung der Europäer werden cultivirt: Äpfel-, Birnen-, Kirschen-, Maulbeer-, Orangen-, Wallnuß- u. andere Obstarten, namentlich auch Wein (der berühmte Capwein), Dattelpalmen, Kaffebäume, Thee- u. Baumwollenstaude, Kartoffeln, Roggen, Weizen u. fast alle europäischen Getreide- u. Gemüsearten Thierreich: Elephanten (von Jahr zu Jahr seltener werdend), Flußpferde, Rhinoceros, wilde Schweine, Antilopen, Zebras (heerdenweise in den Hochebenen) Paviane, Cercopithecus Erythropyga, (eine kleine Affenart, die einzige Quadrumane des Caplandes), gefleckte Hyänen, Löwen, Leoparden, Walfische, Strauße, Leguans, Krokodile, viele giftige Schlangen, eine große Anzahl verschiedener Fische, Muscheln, Austern, Rindvieh, Schafe, Pferde u. andere europäische Hausthiere sind in großer Menge durch die Colonisten eingeführt worden. Die Gesammtzahl der Bevölkerung belief sich im Jahre 1856 auf 270,000 Seelen, theils Ureinwohner, theils Colonisten; jene sind Anaquas (gewöhnlich Hottentotten genannt), Amakosa-, Fingu- u. Amatemkaffern u. Bassoubetschouanen; die Hottentotten zerfallen in die 4 Stämme: Colonialhottentotten, Nama, Korana u. Saab. Von den Eingewanderten sind die Bewohner der westlichen (älteren) Districte vorwiegend holländischer (Africanders), in den östlichen (neueren) dagegen englischer Abstammung, auch haben sich in beiden Provinzen deutsche Kolonisten angesiedelt; ferner finden sich noch Asiaten, namentlich Malayen (meist Fischer, Handwerker u. Dienstboten, treu u. geschickt, aber jähzornig u. rachsüchtig), u. Afrikaner (Neger aus den aufgefangenen Sklavenschiffen hierhergebracht). Eintheilung: das eigentliche Kronland mit europäischer Administration u. Gesetzen zerfällt in die West u. Ostprovinz. A) Die Westprovinz umfaßt das Land vom Atlantischen Ocean im W. bis zum Gamtoofluß im O., also ziemlich das im Jahr 1814 von Holland an England abgetretene Gebiet, u. darum auch vorwiegend von holländischen Abkömmlingen[660] bevölkert; sie wird außer dem Weichbild der Hauptstadt (Capstadt, Cape Town) in 7 Districte od. Counties (früher Drosteien genannt) eingetheilt: Capdistrict 170 QM., Stellenbosch 109 QM., Worcester 952 QM., Clan William 1053 QM., Zwellendam 362 QM., George 192 QM. u. Beaufort 650 QM. B) Die Ostprovinz, der vom Gamtoofluß östlich gelegene Landstrich, erst seit der englischen Besitznahme cultivirt u. vorzugsweise von englischen Abkömmlingen bewohnt, wird in 8 Districte od. Counties eingetheilt: Ujtenhage 428 QM., Albany 85 QM., Graaf Reynet 381 QM., Somerset 190 QM., Cradock 238 QM., Colesberg 555 QM., Albert u. Victoria (diese beiden letztern erst 1847 organisirt u. noch nicht genau vermessen); außerdem stehen noch unter britischer Herrschaft British Kaffraria u. Orange River Sovereignty, gehören aber nicht zum eigentlichen Kron-Caplande. Verfassung u. Verwaltung. An der Spitze der Executive steht ein Gouverneur (im Jahr 1857 Sir George Grey), der zugleich Oberbefehlshaber der Truppen ist; er übt seine Gewalt im Namen der Krone England, regiert mit fast unumschränkter Macht, erläßt Verordnungen, erhebt Steuern, regulirt den Verkauf der öffentlichen Ländereien, hat das Verbannungs- u. Begnadigungsrecht (letzteres bei Mord u. Hochverrath ausgenommen) u. ernennt die Administrativbeamten mit Ausnahme des die Verordnungen des Gouverneurs contrasignirenden Colonialsecretärs, des Generalauditeurs, des Schatzmeisters u. des Directors des Zoll- u. Steuerwesens; diese werden von der englischen Regierung eingesetzt u. stehen dem Gouverneur als eine Art Geheimrath (Executive Council) zur Seite. Zur Berathung der Gesetze besteht ein Legislativer Rath (Legislative Council) aus 10 Mitgliedern, zur Hälfte aus höhern Beamten, zur Hälfte aus einflußreichen angesessenen Männern zusammengesetzt, die von der Krone England bestimmt werden. Die von diesem Rath vorgeschlagenen Gesetze gehen zur Bewilligung nach London, doch hat der Gouverneur das Recht, sie vorläufig in Kraft zu setzen; übrigens ist er an keine dieser beiden Corporationen streng gebunden u. hängt zuletzt nur von dem englischen Colonialminister ab. Die Leitung der Ostprovinz steht unmittelbar unter dem Gouverneur selbst, die der Westprovinz unter einem vom Gouverneur abhängigen Vicegouverneur (Lieutenant Governor, im Jahre 1857 Generallieutenant James Jackson), welcher in Grahamstown (District Albany) residirt, ferner erstreckt sich der politische Einfluß des Gouverneurs noch über Kaffraria, die Oranje Rivier Republik (Orange River Sovereignty), u. die Natalische Republik. Für die Rechtspflege besteht in der Capstadt ein höchster Gerichtshof aus vollkommen unabhängigen Richtern; niedere Instanz sind die Landdrosten, in deren Händen auch die Civilverwaltung der einzelnen Districte u. die Polizeigewalt ruht; sie sind vom Gouverneur abhängig u. haben seine Verordnungen zu vollstrecken; ihnen zur Seite steht ein aus 4–8 vom Gouverneur ernannten Mitgliedern (Kemraaden) zusammengesetzter Rath. Die Gesetze selbst sind theils englischen, theils holländischen Ursprungs. Die Finanzen sind in gutem Zustande, im letzten Finanzjahre (1. Juli 1856 bis 1. Juli 1857) betrugen die Gesammteinnahmen 376,990 Pf. St (91,319 Pf. St. mehr als 1855–56), die Gesammtausgaben 350,320 Pf. St., Bilanz 56,670 Pf. St. zu Gunsten der Einnahmen, wie überhaupt nach den officiellen Tabellen der Cape Town Mail der Werth der Colonie sich in den letzten 20 Jahren verdoppelt u. diese namentlich seit 1848 einen raschen Aufschwung genommen hat. Am meisten trug hierzu die Cultur der feineren Wolle bei, die immer eifriger betrieben wird. Die immer mehr zunehmende Einwandernng, die Anlage von Chausseen u. Eisenbahnen (von denen mehrere für die nächste Zeit projectirt sind), wird diesen Aufschwung noch mehr befördern. Die bewaffnete Macht bestand seither aus 3 englischen Linieninfanteriereg., einer Abtheilung Artillerie u. Ingenieure, einem aus Hottentotten bestehenden Jägerregiment zu Pferde (Cape mounted rifles), u. einem englischen Reiterregiment; für den Krieg sollte die dienstpflichtige einheimische Bevölkerung aufgeboten werden. Im Laufe der letzten Jahre ist diese Truppenzahl jedoch bedeutend vermehrt u. auch ein Theil der aus der Krim heimkehrenden, beziehentlich für den Krimfeldzug geworbenen Fremdenlegion dahin verlegt worden. Religion: allgemeine Glaubens- u. Gewissensfreiheit; am meisten verbreitet ist die Holländisch-Reformirte Kirche (vorzugsweise im W.), ferner englische Episcopalen, römische Katholiken, Reformirte, Wesleyaner ua. (namentlich im O,). Bekenner des Islam (un ter den Malayen in der Capstadt u. den Hottentotten), Heiden sind größtentheils die Hottentottenstämme Nama, Korana u. Saab u. die Kaffern, für deren Bekehrung u. Civilisation jedoch in der letzten Zeit zahlreiche englische, holländische, französische u. deutsche Missionen sehr thätig gewesen sind. Für Schulbildung, ist erst in neuerer Zeit (durch die Ordonnanz dem Gouverneurs Sir G. Napier vom Jahre 1829) etwas geschehen, diese vom Staat abhängig gemacht u. organisirt worden. In Folge davon wurden ein Gymnasium in der Capstadt (South African College), u. mehrere Districtsschulen gegründet; außerdem gibt es noch zahlreiche Elementarschulen (meist Freischulen für weiße u. farbige Kinder beiderlei Geschlechts). Gelehrte Gesellschaften: Society for the advancement of civilization and literature, Society for the advancement of Christian Knowledge, Society for the discovery of Central Africa, Agricultural Society (sämmtlich in der Capstadt). Bibliotheken in der Capstadt (gegen 40,000 Bände) u. in Grahamstown (District Albany) Sternwarte u. Botanischer Garten in der Capstadt. Hauptbeschäftigung ist Ackerbau u. Vieh- (namentlich Rindvieh- u. Schaf-) Zucht; der Ackerbau liefert namentlich ausgezeichneten Weizen (den besten im District Worcester), die Schafzucht hat vorzugsweise in den Districten Clan William u. Colesberg durch Einführung sächsischer Merinos in neuerer Zeit außerordentlich gewonnen; im District Zweilendam wird ferner noch mit gutem Erfolg Pferde- u. Mauleselzucht getrieben. Kleinere Grundbesitzer werden seit den letzten Jahren begünstigt, die übermäßigen Weiderechte der größeren Grundbesitzer beschränkt u. nach britischem Colonialrecht ordentliche Erbpächte des Grundeigenthums angelegt; die Viehzüchter nehmen ihre Weide- u.a. Plätze gewöhnlich ebenfalls von der Regierung in Lehn. Von außerordentlicher Wichtigkeit ist ferner der Weinban,[661] namentlich im Capdistrict u. den Districten Worcester u. Stellenbosch; in den östlichen Districten von geringerer Güte. Einzelne Weinbauern erbauen jährlich bis zu 400,000 Flaschen. Fischfang wird trotz des großen Reichthums an Fischen nur wenig getrieben, auch der Walfischfang vernachlässigt (letzterer wird fast nur von europäischen u. amerikanischen Walfischfängern betrieben). Industrie ist noch ziemlich gering, da die Landbewohner, in ihren Ansprüchen sehr bescheiden, sich die meisten Bedürfnisse selbst herstellen. Einigermaßen werden betrieben Seifen-, Wagen-, Stahlwaarenfabrikation u. Hutmacherei. Handel: der Binnenverkehr ist wegen des gänzlichen Mangels an schiffbaren Flüssen u. weil die Regierung nur erst in neuerer Zeit für Wegebauten Sorge zu tragen angefangen hat, bis jetzt noch ziemlich gering, um so bedeutender aber der Seehandel. Ausfuhrartikel sind Wein (jährlich bis zu 50,000 Pf. St.), Häute (ebenfalls bis zu 50,000 Pf. St), Wolle (über 100,000 Pf. St.), Aloë, Talg, Thran, Fischbein, Straußfedern, Elfenbein, Wachs, Butter, eingesalzenes Fleisch, gesalzene Fische, insgesammt über 500,000 Pf. St. jährlich. Einfuhrartikel: Mannufactur-, Glas- u. Stahlwaaren, fertige Kleider, Papier, Farben etc. insgesammt über 800,000 Pf. St. Von Jahr zu Jahr erweitert sich der Handel mehr u. mehr u. hat in der neuesten Zeit auch in der östlichen Provinz einen bedeutenden Aufschwung genommen. Haupthandelsplatz der Westprovinz ist die Capstadt, der Ostprovinz Grahamstown. Münzen, Maße u. Gewichte: Man rechnet wie in England nach Pfunden Sterling zu 20 Schilling à l2 Pence, wobei der früher geltende holländische Rijsdaalder Papiergeld zu 18 Pence festgestellt wurde. Außer den englischen Münzen cursiren noch spanische, holländische u. französische Gold- u. Silbermünzen. Längenmaß: der alte Amsterdamer rheinländische Fuß zu 12 Zoll à 12 Linien (= 0,313 Metre = 1,00029 preußische Fuß), die Elle ist entweder die alte amsterdamer Elle (= 0,687 Metre = 1,0013 preußische Elle), oder die englische Yard (0,914 Metre = 1,371 preußische Elle). Feldmaß: der amsterdamer Morgen zu 600 amsterdamer Quadratruthen à 169 Quadratfuß (= 3,183 preußische Morgen). Getreidemaß: entweder die Mud zu 4 Scheffeln à 4 Vierdevats a 8 Koppen (= 111,256 Litres = 2,024 preußische Scheffel), od. das alte Winchester Bushel zu 8 Gallons à 4 Ougris à 2 Pint (= 35,237 Litres = 0,641 preußische Scheffel), gewöhnlich rechnet man 1 Mud = 3 Winchester Bushels. Flüssigkeitsmaß: entweder (u. zwar vorzugsweise) das alte englische Gallon zu 4 Quarts à 2 Pints à 4 Gills (= 3,785 Litres = 3,305 preußische Quart) od. (jetzt jedoch nur noch selten) das alte amsterdamer Aam zu 4 Anker à 2 Steekkannen à 8 Stoopen à 2 Mengelen, à 2 Pintjes à 4 Mutsjes (= 155,224 Litres = 135,563 preußische Quart). Der Legger hält 152 alte Gallons, die Pipe 110 alte Gallons. Handelsgewicht: Neben dem jetzt vorzugsweise gebräuchlichen englischen Avoirdupoids- u. Troygewicht (s. England, Gewichte), wird auch nach dem alten amsterdamer Pfund gerechnet zu 32 Loth à 4 Drachmen, 100 Pfund = 1 Centner (= 49,409 Kilogrammes = 105,641 preußische Pfund). Die Schiffslast zu 4000 amsterdamer Pfund berechnet od. auch nach englischen Tons, 2 englische Tons zu 20 Hundredweight à 4 Quarters à 28 Pfund à 16 Unzen à 16 Drachmen (= 1816,06 Kilogrammes). Das Pfund Medicinalgewicht zu 12 Unzen à 8 Drachmen à 3 Scrupel à 20 Gran (= 369,125 Grammes). Wechselcourse. Man wechselt in der Capstadt durch Vermittelung des Gouverneurs od. der Navy Office in London mit 1_–3 Procent Prämie; auf Bombay, Calcutta u. Madras zu ± 2 Schilling Sterl. für 1 Company Rupee; auf Amsterdam zu ± 20 Pence Sterl. für 1 Gulden holländisch Courant; auf Paris zu, ± 9 Pence Sterl. für 1 Francs. Privatwechsel etwas niedriger als die der Regierung. Vergl. I. Barrow, An account of travels into the interior of South Africa, Lond. 1801–4, 2 Bde. mit Karte; H. Lichtenstein, Reise im südlichen Afrika in den Jahren 1803–6, Berl. 1811, 2 Bde. mit Kupfern u. Karten; G. Thompson, Travels and adventures in Southern Africa, London 1827, 2 Bände mit Karte; I. Philipp, Researches in South Africa, ebd. 1828, 2 Bde.; Lieutenant Moodie, Ten years in South Africa, ebd. 1835, 2 Bde.; C. Chase, The Cape of Good Hope and the Eastern Province of Algoabay, ebd. 1843; von Meyer, Reisen in Südafrika während der Jahre 1840 u. 41, Hamb. 1843; Lieutenant Col. Napier, Excursions in Southern Africa, including a history of the Cape Colony, Lond. 1849, 2 Bde; I. G. Byrne, Emigrants Guide to the Cape of Good Hope, ebd. 1849, 3. Ausg.; Der jährlich in der Capstadt erscheinende The Cape of Good Hope Almanac and Annual Register, die jährlich dem englischen Parlamente vorgelegten Blaubücher (Blue Books); Moodie, (Cape-Records from 1652–1795, 1. Bd., Capstadt 1856).


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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