Castlereagh [2]


Castlereagh [2]

Castlereagh (spr. Kässetrih), Henry Robert Stewart, Marquis von Londonderry, Viscount C., geb. 1769 zu Mont-Stewart in Irland, bereiste, nachdem er in Cambridge die Rechte studirt hatte, den Continent, wurde frühzeitig Mitglied des Irischen Parlaments, wo er, Anfangs zur Opposition gehörend, zur Regierungspartei übertrat. Als sein Vetter Lord Camden Vicekönig von Irland wurde, ernannte ihn dieser 1797 zum Staatssecretär von Irland. Als solcher suchte er auf die Vereinigung Irlands mit Großbritannien hinzuwirken. Die blutigen Zwangsmaßregeln, welche er ergriff, um die nationale Partei zu unterdrücken, zogen ihm den allgemeinen Haß zu, u. wegen der ungesetzlichen Anwendung der Tortur gegen Angeklagte, wurde er noch 1817 im Parlamente zur Rechenschaft gezogen. In das britische Parlament getreten, suchte er sich die Gunst Pitts zu erwerben, wurde Geh. Rath u. Präsident des Board of Control[752] u. 1803 Kriegsminister, trat jedoch nach Pitts Tode 1806 von diesem Posten ab u. stand nun zur Opposition gegen das Ministerium Fox. Bei der neuen Parlamentswahl fiel er in seinem Wahlbezirk durch, wußte aber in einem anderen verrotteten Borough seine Wahl durchzusetzen. Unter Perceval zum 2. Mal Kriegsminister, gerieth er mit Canning, damals Minister des Auswärtigen, über die gegen Napoleon einzuhaltende Politik in Zwist, da er Cannings Absicht, Österreich mit allen nur möglichen Mitteln im Kampfe gegen Frankreich zu unterstützen, nicht billigte. In Folge der verunglückten Expedition nach Walcheren, von Canning mit verletzender Bitterkeit angegriffen, kam es zwischen beiden Gegnern zum Duell u. dann zu einer Auflösung des Cabinets. Als 1809 C. an Cannings Stelle das Amt des Auswärtigen übernahm, fiel ihm die Frucht der Arbeit zu, welche Canning zum Sturze der napoleonischen Macht unternommen hatte. Er ging 1813 als Bevollmächtigter ins Hauptquartier der Alliirten, wohnte 1814 dem Congreß von Chatillon bei u. nahm an dem Congreß zu Wien Theil. Seine Haltung während des Congresses, auf welchem er sich von Ehrenbezeugungen Seitens der Monarchen überhäuft sah, erfuhr er im Parlamente bittern Tadel, da sie nicht geeignet war, die Interessen Englands zu fördern, indem C. die Gunst der Monarchen durch Concessionen verschiedener Art erwiderte. Inzwischen kehrte Napoleon von Elba zurück, u. C. ergriff nun die umfassendsten Maßregeln, um den Kampf im Verein mit Europa aufzunehmen. Nach den 100 Tagen nahm er an dem 2. Frieden zu Paris u. 1818 an dem Congreß zu Aachen Theil. Hier wie dort verletzte er das englische Nationalgefühl, indem er von den liberalen Institutionen des Landes absehend, dem Absolutismus Vorschub zu leisten suchte. Völlig untergraben wurde sein Ansehen, als er des Königs Pläne gegen die Königin Karolina unterstützte u. das Verlangen nach Linderung der Noth der arbeitenden Klassen mit rauhen Drohungen beantwortete. Das Bewußtsein, daß die öffentliche Meinung sich gegen ihn gekehrt habe, u. die Furcht vor einem nahen Sturze, versetzte ihn in eine immer düstere Gemüthsstimmung. Im Begriff, zum Congreß nach Verona abzureisen, öffnete er sich am 22. August 1822 in einem Anfall von Wahnsinn die Halsader. Sein Tod wurde vom Volke mit Jubel begrüßt, ja sogar in einer Kirche mit Glockengeläute als ein freudiges Ereigniß gefeiert. Seine Reden erschienen gesammelt Lond. 1847–51, 8 Bde.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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