Nikäa [2]


Nikäa [2]

Nikäa (a. Geogr.), 1) fester Ort jm Lande der Epiknemidischen Lokrer, am Fuß des Öta, nahe an den Thermopylen; König Philippos von Macedonien besetzte N. im dritten Heiligen Kriege; j. Ruinen am nördlichen Abhange der Hügel von Pundonitza. [951] 2) Wichtigste Stadt u. Handelsplatz Bithyniens, in fruchtbarer Ebene, an der Ostspitze des Sees Askania; vollkommenes Viereck, mit geraden Straßen; N. war wegen seiner Schönheit eine Zeitlang Hauptstadt Bithyniens u. Residenz der Könige u. Geburtsort des Hipparchos u. Dio Kassios. N. wurde von Antigonos, Sohn des Philippos, an der Stelle des alten Ankora erbaut u. nach ihm Antigonia genannt. Von Lysimachos crhielt sie nach seiner Gemahlin Nike, Tochter Antipaters, den Namen N. In der christlichen Zeit wurde sie Bischofssitz u. später erzbischöflicher Stuhl. Hier 352 das berühmte erste Nikäische Concil, das erste ökumenische, wo die Arianer verurtheilt (s.u. Arius) u. das Nikäische Glaubensbekenntniß aufgesetzt, Meletius (s.d.) unter Belassung seiner bischöflichen Würde zu bischöflichen Handlungen untüchtig erklärt u. Bestimmungen wegen der Feier des Osterfestes (s.u. Ostern) zu Gunsten der römischen Praxis gegeben wurden; vgl. Gelasius, Σύνταγμα τῶν κατὰ τὴν ἐν Νικαίᾳ ἁγίαν σνοδον πραϑντων; H. Cawper, Analecta Nicaeana, London 1857; Ittig, Historia concilii nicaeni, Lpz. 1712. Hier 716 Sieg des Gegenkaisers Theodosius über den Kaiser Anastasius. 727 wurde es von den Sarazenen vergebens belagert; 787 das zweite Nikäische Concil, das siebente ökumenische, wo in Beziehung auf den Bilderstreit bestimmt wurde, daß die gemalten u. in Mosaik gearbeiteten Bilder Jesu u. der Heiligen beibehalten u. zwar nicht angebetet, aber mit Gruß u. Huldigung verehrt werden sollten. 1080 Schlacht zwischen den Griechen unter dem Eunuchen Johannes u. den Türken, durch deren Hülfe sich Nikephoros Melissenos N-s bemächtigt hatte. 1097 wurde N. von den Kreuzfahrern belagert, aber vor der Eroberung von den Türken dem griechischen Kaiser übergeben. Nach der Eroberung Constantinopels durch die Kreuzfahrer, 1204 wurde 1206 aus einem Theil des Byzantinischen Reichs in Asien von Theodor Laskaris I. das sogenannte Kaiserthum N. gegründet, welches sich bis an den Mäander erstreckte. 1222 folgte ihm Johann III. Dukas Vatazes, Gemahl seiner ältesten Tochter Helene; dieser hielt mit den Türken Frieden, bekriegte aber mit Glück den lateinischen Kaiser Robert, die Skythen, Tataren u. Bulgaren u. erweiterte so die Grenzen seines Reichs. Ihm folgte 1255 sein Sohn Theodor Laskaris II., welcher unglück (iche Feldzüge gegen die Bulgaren machte u. 1259 st.; er hatte, da sein Sohn Johann IV. Laskaris noch minderjährig war, ihm den Georg Muzalon als Regenten bestellt, aber diesen tödteten die Großen u. wählten den Michael Paläologos zum Kaiser, welcher den jungen Kaiser blenden u. in ein entlegenes Schloß sperren ließ. Michael bestieg selbst den Thron, eroberte 1261 Constantinopel, stürzte dort das Lateinische Kaiserthum u. vereinigte das Nikäische u. Byzantinische Kaiserthum wieder. 1329 ward N. durch den Sultan Orchan II. belagert u. 1330 eingenommen. Seitdem ist es immer in der Gewalt der Türken geblieben. Hier 1481 Sieg Bajazets II. über seinen Bruder Dschem. Jetzt heißt die Stadt Isnik, mit Ruinen, namentlich von dem Theater. 3) Stadt in India intra Gangem, erbaut von Alexander d. Gr., zum Andenken des Sieges über den König Poros, am Hydaspes. 4) so v.w. Nicäa.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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