Croy [2]


Croy [2]

Croy (spr. Kroy), fürstliche Familie in den Niederlanden, Frankreich u. Deutschland; theilte sich in verschiedene Linien (Arschot, Chimay, Havré, Dülmen, Grafen v. Salern), wovon die erste 1480 den deutschen Reichsfürstenstand erhielt. Für seine auf dem linken Rheinufer verlorenen Güter erhielt der damalige Herzog von C. 1803 durch Reichsdeputationshauptreceß das Amt Dülmen im Münsterschen u. wurde durch den Wiener Congreß der Krone Preußen untergeben. Merkwürdig sind: 1) Wilhelm v. C., Herzog v. Soria u. Arci, Herr v. Chièvres, bekleidete hohe Stellen am Hofe des Kaisers Karl V. u. st. 1521. 2) Philipp, Graf v. Guines u. C., Herzog v. Arschot, wurde vom Kaiser Karl V. als Herzog v. Arschot (welches Herzogthum er erheirathet hatte) bestätigt u. war bei den niederländischen Unruhen treuer Anhänger Spaniens; 1576 von den Ständen zum Befehlshaber der Truppen ernannt, wurde er Statthalter von Flandern u. bewirkte als solcher, meist aus Haß gegen Wilhelm von Oranien, daß der Erzbischof Matthias die Oberstatthalterwürde erhielt. Worte der Strenge bei einem Aufruhr in Gent brachten ihn ins Gefängniß; bald wieder entlassen, mehrte er die Macht seines Gegners, des Prinzen von Oranien, durch sein gesunkenes Ansehen. Später neigte er sich mehr zur Partei der Patrioten u. ging, da er die spanischen Truppen nicht aus den Niederlanden entfernen konnte, nach Venedig, wo er 1595 starb; er war vermählt mit Anna von Lothringen. 3) Karl, Herzog v. C. u. Arschot, Prinz zu Chimay, Sohn des Vor., geb. 1560; studirte in Löwen, trat, als die Niederländer über das Benehmen des Don Juan d'Austria aufgebracht waren, auf ihre Seite u. wurde von Matthias, Statthalter der Niederlande, 1579 nach Köln gesandt, um mit den Spaniern zu unterhandeln. Als er kurz darauf die spanische Partei verlassen hatte u. zur reformirten Lehre übergetreten war, wurde er Gouverneur von Brügge u. 1582 von Flandern. Da er sich aber mit dem Prinzen von Oranien nicht vertragen konnte, trat er wieder zur spanischen Partei über, eroberte 1588 Bonn u. befehligte 1592 mit Alexander Farnese in Frankreich. Nach dem Frieden in Vervins 1598 ging er als Geisel mit nach Frankreich, erlangte von Heinrich IV., daß die Herrschaft C. in ein Herzogthum verwandelt wurde, u. st. 1612, ohne Nachkommen, worauf die Güter an dessen Schwester Anna, Gemahlin des Herzogs Karl v. Aremberg, fielen, weshalb das Haus Aremberg noch jetzt den Titel: Herzog v. C. u. Arschot, führt. Jetzt existiren noch A) Croy-Dülmen, von dieser Linie ist 4) Herzog Alfred Franz, Sohn des 1822 verstorbenen Herzogs August, geb. 22. Decbr. 1789, vermählt seit 1819 mit Eleonore geb. Fürstin v. Salm-Salm; Erbprinz ist Rudolf, geb. 1823; u. B) Croy-Havré, welche mit Herzog Joseph, geb. 1744, gest. 1839, im Mannsstamm ausstarb; als dessen Testamentserbe folgte mit Annahme des Namens C.-Havré 5) Maximilian, 2. Sohn des Prinzen Ferdinand aus dem Hause C.-Dülmen, geb. 21. Jan. 1821.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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  • Croy — (Kroa), altes niederl. Adelsgeschlecht, das jetzt in Deutschland, Frankreich und den Niederlanden angesessen ist, theilte sich in die Linien Arschot, Chimay, Havré, Dülmen. Durch Reichsdeputationsschluß von 1803 wurde ein Herzog von C. für seine… …   Herders Conversations-Lexikon

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