Denis, St.


Denis, St.

St. Denis (St. Denys), 1) (im engern Sinne la France), Arrondissement im französischen Departement Seine; 31/2 QM.; 150,000 Ew. 2) Stadt darin an der Seine, dem Kanal von St. D., welcher die Seine mit dem Ourcqkanal verbindet, u. der französischen Nordbahn (Paris-Brüssel); man fertigt Leinwand, Kattun, Papier, chemische Präparate, Weinessig, treibt Woll- u. Baumwollenspinnerei, Kunstgärtnerei, Obstbau u. handelt mit Schafen, Wolle u. Wein; 10,000 Ew. Hier die Abtei St. D. mit der Kirche der Sta. Genoveva, darin das Erbbegräbniß der Könige von Frankreich; dasselbe enthielt beim Beginnen der Revolution die Leichen von 84 Prinzen u. Prinzessinnen, 10 Königinnen u. 25 Königen, so wie auch die Asche Bertrands du Guesclin u. Turennes; wurde während der Revolution verwüstet u. die Gebeine der Verstorbenen zerstreut u. auf dem nahen Kirchhof eingescharrt. Ludwig XVIII. ließ die noch vorhandenen sammeln, die Gebeine Ludwigs XVI. u. Maria Antoinettens hierher bringen u. die Abtei aufs Neue zur Königsgruft weihen. Nach 1814 unter den älteren Bourbons wurden mehrere Grabmäler mit großer Pracht erneuert, unter andern das des Königs Franz II. u. seiner Gemahlin Claudia, das Heinrichs IV. u. seiner Gemahlin Katharina, das Ludwigs XII. Die alten Statuen sind großentheils er halten, stehen jedoch nicht mehr, sondern liegen auf marmornen Särgen. Hier ist jetzt ein geistliches Capitel des St. Dionysius Areopagita, das aus den Großalmoseuiern (Primicier), 10 Canonikern ersten Ranges (mehr als 60jährigen Erzbischöfen u. Bischöfen) u. 24 zweiten Ranges besteht, u. ein königliches Erziehungshaus für 500 Töchter von Mitgliedern der Ehrenlegion. – St. D. hieß sonst Vicus Catulliacus (Vicus Catholiacensis), nach einer Frau Catulla, welche den Leib des St. Dionysius Areopagita erhielt, hierher begrub u. so den Grund zu der nachmaligen, 613 von Dagobert I. gestifteten Abtei legte, nach welcher auch das bald zu einer Stadt werdende Dorf St. D. genannt wurde. Hier am 10. Novbr. 1567 Schlacht zwischen den Katholischen unter Montmorency (der hier blieb) u. den Hugenotten unter Condé u. Coligny, Letztere Sieger (s. Hugenotten). 1793 wurde die Abtei von den Jakobinern u. dem Volke zerstört, s. oben; 1806 wieder hergestellt; 3) Dorf im Arrondissement Mons der belgischen Provinz Hennegau, mit Baumwollenspinnerei u. 800 Ew.; sonst sehr reiche Abtei. Hier 1768 Schlacht zwischen den Franzosen u. Alliirten; 4) Dorf auf der Insel Oleron im Arrondissement Marennes des französischen Departements Charente inférieure, mit Hafen, Schifffahrt u. 1550 Ew.; 5) St. D. d'Anjou (spr. d'Angschu), Flecken ebendaselbst, im Arrondissement Chateau-Gontier des Departements Mayenne; erzeugt guten Weißwein; 2700 Ew.; 6) St. D. de Gastines (spr. d' Gastihn), Flecken ebendaselbst, im Arrondissement u. Departement Mayenne; 3500 Ew.; 7) St. D. de Villenette (spr. d' Wiljenelt), Dorf ebendaselbst, im Arrondissement Domfront des Departements Orne, mit Hochöfen, Eisenhammer; 500 Ew.; 8) St. D. le Gast (spr. l' Gah), Flecken ebendaselbst, im Arrondissement Coutances des Departements Manche, Papiermühle; 1900 Ew.; 9) St. D. sur Loire (spr. für Loahr), Dorf ebendaselbst, an der Loire im Arrondissement Blois des Departements Loire u. Cher, mit einer dreifachen, sich vereinigenden Mineralquelle; 530 Ew.; 10) St. D. sur Sarthon (spr. für Sarthong), Dorf ebendaselbst, am Sarthon, im Arrondissement Alençon des Departements Orne; Hochofen, Eisenhammer; 1450 Ew.; 11) Hauptstadt der Insel La Réunion (Bourbon), östlich von Madagascar; ist Sitz des Gouverneurs u. höchsten Gerichtshofes, hat ein Collège Royal, öffentliche Bibliothek, einen Garten zur Naturalisation fremden Gewächse, offene Rhede, bedeutenden Handel u. 12,000 Ew.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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