Espartēro


Espartēro

Espartēro, Baldamero E., Graf von Lluchana, Herzog von Vittoria, geb. 1793 zu Granatula in la Mancha, Sohn eines Stellmachers, wurde für den geistlichen Stand erzogen, trat aber, als 1808 Spanien gegen die Franzosen sich erhob, als Freiwilliger in das heilige Bataillon von Toledo, dann in das Cadettencorps u. wurde 1811 Souslieutenant im Geniecorps zu Cadix. Als der Krieg gegen die amerikanischen Colonien Spaniens von dem Mutterlande eröffnet wurde, nahm E. die Vergünstigung an, welche den Rang der am Kriege theilnehmenden Offiziere um einen Grad erhöhte. Er trat in den Stab des Generals Morillo, wurde 1817 bei Cochabamba verwundet u. Major, nahm als solcher Theil an der Schlacht bei Sapachui, erhielt ein Regiment, zeichnete sich noch bei mehreren Gelegenheiten im Peruanischen Kriege ams, u. kehrte, in Folge der Capitulation von Ayacucho, 1824 als Brigadier wieder nach Spanien zurück. Während des amerikanischen Feldzugs durch Spiel reich geworden, heirathete er die reiche Tochter eines Eigenthümers zu Logroño. Als Oberst eines Infanterieregiments war er 1830 einer der Ersten, die sich für die weibliche Thronfolge aussprachen, u. als Isabella den Thron bestieg, wurde er Generalcommandant der Provinz Biscaya, wo er jedoch unglücklich gegen die Carlisten kämpfte. Als bis 1836 die Sache der Christinos weder von Mina, noch von Cordova u.a. Generalen zu einem nennenswerthen Erfolge gebracht werden konnte, erhielt E. interimistisch das Obercommando, verfolgte Gomez auf seinem Zuge[896] durch Spanien, bewahrte durch sein plötzliches Erscheinen Madrid vor einem Handstreich der Carlisten u. übernahm nun definitiv, an Rodils Stelle, im September das Commando der Nordarmee; zugleich wurde er Vicekönig von Navarra u. Generalcapitán der baskischen Provinzen. Er schlug die Carlisten auf den Höhen von Lluchana, begann nun die demoralisirte Armee zu reorganisiren u. erhielt den Titel Graf von Lluchana. An der Spitze der Armee mit Waffenruhm gekrönt, vereinigte E. jetzt eine große Macht in seiner Hand, welche sich bald auch politisch fühlbar machte, als das Ministerium Calatrava den soldatischen Prätensionen einzelner Oberoffiziere die Strenge des Gesetzes entgegenstellte. Über das Verfahren der Minister aufgebracht, führte er, seit 1837 Mitglied der Cortes, den Sturz derselben herbei, schlug aber die Präsidentschaft des Ministeriums u. das Portefeuille als Kriegsminister aus. Im September 1837 rettete er nochmals Madrid, warf die Carlisten über den Ebro zurück u. entsetzte Bilbao. Der Sieg über den carlistischen General Graf Negri am 1. Mai 1838 verschaffte ihm den Rang als Generalcapitän der spanischen Armee. Im December 1838 verlangte u. erhielt er von seinem Hauptquartier aus die Auflösung der Gesellschaft der Jovellanos in Madrid. Von nun an trennte er sich von den Moderados u. ergriff die Partei der Exaltirten. 1839 erholte er für die bei Ramales, Guardamino etc. errungenen Vortheile die Würde eines Grands erster Klasse u. eines Herzogs von Vittoria. Er bewog darauf den General Maroto am 29. Aug. 1839 zum Vertrag von Bergara, durch welchen eigentlich der Krieg beendet u. Don Carlos genöthigt wurde, sich auf französisches Gebiet zu begeben. Auf der Höhe seines Ruhmes u. überall, wo er erschien, mit den größten Ehrenbezeugungen empfangen, war er inzwischen bei der Regentin, der Königin-Mutter Christine, nicht mehr so angesehen, wie ehedem, denn er zeigte immer deutlicher, daß sein Sinn für die Gesetzlichkeit stärker sei, als seine Ergebenheit gegen die Person der Königin. Diese, durch die gegen die Freiheiten der Ayuntamientos (Gemeinderäthe) gerichteten Maßregeln des Ministeriums hervorgerufene Mißstimmung in eine üble Lage versetzt, suchte E. zur Übernahme des Ministeriums zu bewegen; als dieser aber die Zurücknahme des Gesetzes gegen die Gemeinderäthe zur Bedingung machte, zögerte sie u. vollzog das Gesetz. Erst der darüber entstandene Aufruhr in Barcelona, wo E. die Ruhe wieder herstellte, u. an anderen Orten führte zu einer Berufung E-s, welcher die Abdankung der Regentin folgte. E. übernahm nun die Regentschaft Spaniens, die er zum Gedeihen der materiellen Hülfsquellen des Landes, zur Hebung des öffentlichen Credits u. zur Befestigung einer gesetzlichen Ordnung in nationalem Sinne führte. Französischer Einfluß, die Unzufriedenheit der Armee, welche die Reduction des Soldes u. des Truppenbestandes u. die Einführung einer Bürgermiliz nicht verschmerzen konnte, u. die Agitation, welche die extremen Parteien gegen die Regierung E-s schürten, brachten den Herzog 1843 zum Falle (vgl. Spanien [Gesch.]). Von dem Heere verlassen, sah er sich genöthigt, vor den Führern der revolutionären Partei zurückzuweichen, u. entkam über Cadix nach England. Nach seinem Weggang aus Spanien erließ die spanische Regierung ein Decret vom 16. Aug. 1843, wodurch E. aller Titel, Ehren u. Orden verlustig erklärt wurde. Gleichwohl wurde er in England, wo er am 19. Aug. in Falmouth landete, mit allen, ihm als gewesenen Regenten gebührenden Ehren empfangen. Nachdem er in Spanien in seinen Ehren etc. rehabilitirt worden war, verließ er Ende 1847 England, betrat am 4. Jan. 1848 den spanischen Boden bei S. Sebastian, wurde von der regierenden Königin Isabella ehrenvoll empfangen u. nahm am 13. Jan. seinen Sitz im Senat ein. Indeß, entweder in Folge einer Intrigue der Königin Mutter, von welcher er keine Notiz genommen hatte, od. wegen einer Demonstration der Progressistenpartei, verließ er schon Anfangs Februar Madrid u. begab sich nach Logroño. Als die Parteikämpfe in Spanien im Juli 1854 den Sturz des Ministeriums San Luis herbeigeführt hatten, ward E. auf Anrathen der Progressisten zur Bildung eines neuen Cabinets berufen u. langte am 19. Juli in Madrid an. Dadurch daß O'Donnell, das Haupt der Moderados, unter ihm das Portefeuille übernahm, waren zwar die beiden politischen Hauptparteien Spaniens scheinbar zu einer Einigung gelangt, dennoch vermochte E., obwohl er die Zügel der Regierung mit fester Hand ergriff u. sogleich die Einberufung der Cortes anordnete, dem Aufstande nicht vollständig zu steuern. Schon am 21. Novbr. wollte er daher von seinem Posten zurücktreten, doch ließ er sich, nachdem ihn am 28. die Cortes zu ihrem Präsidenten erwählt hatten, bewegen, das Ministerium am 30. Novbr. von Neuem zu übernehmen. Eben so sehr durch eine Opposition der katholischen Geistlichkeit, welche über den Verkauf der geistlichen Güter zur Hebung der Staatsfinanzen aufgebracht war, als durch die Politik Frankreichs angefeindet, welches in ihm ein Hinderniß für den Anschluß Spaniens an den Bund der Westmächte gegen Rußland sah u. an seiner Stelle Narvaez als Minister wünschte, hielt sich E. dennoch während der Dauer des Jahres 1855 u. vermochte auch, wenigstens am Schlusse dieses Jahres, einige Ordnung in die wirren Verhältnisse des Landes zu bringen. Erst als 1856 der spanische Hof wegen der streng constitutionellen Haltung E-s dessen Entfernung wünschen mochte u. die Vorstellungen O'Donnells, die Verfassung gewaltthätig zu ändern, bei der Königin immer mehr Eingang fanden, trat er im Juli 1856 ab u. zog sich wieder ins Privatleben zurück. Vgl. Florez, Espartero, historia de su vida militar y politica, Madr. 1843–45, 4 Bde.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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