Ewald


Ewald

Ewald (altdeutsch, männlicher Vorname, der echt Kräftige, Mächtige). 1) St. E., zwei Brüder aus England (nach der Farbe ihrer Haare der Weiße u. Schwarze E.), gehörten zu den 12 Missionarien, welche St. Egbert zu Ende des 7. Jahrh. aus England zu den Sachsen sendete; sie wurden in Westfalen ermordet. Ihre in die Emschen geworfenen u. von da in den Rhein getriebnen Leichname wurden aufgefischt u. von Pipin in Köln beigesetzt. 2) Johann Joachim, geb. 1727 in Spandau; lebte eine Zeit lang in Berlin, wurde 1757 darmstädtischer Hofrath, ging 1767 nach Rom u. st. dort als Karthäuser; er schr.: Sinngedichte u. Lieder (anonym), Berl. 1755, herausgegeben von K. H. Jördens, Berl. 1791. 3) Johann von E., geb. 1744 in Kassel; trat früh in hessische Dienste, machte den Nordamerikanischen Freiheitskrieg in englischem Solde mit u. kehrte als Hauptmann zurück; er wurde geadelt u. trat als Major u. Chef des schleswigschen Jägercorps 1788 in dänische Dienste, stieg zum Generallieutenant, befehligte 1806 den Cordon gegen das Blüchersche Corps, dann die dänischen u. holländischen Truppen bei Verfolgung Schills 1809, erstürmte hier Stralsund u. st. 1813 in Kiel. Er schr. u.a.: Abhandlung über den Krieg der leichten Truppen, Kass. 1774, Flensb. 1790 u. ö.; Beispiele großer Helden, Schleswig 1797–1800, 2 Bde., u.m.a. 4) Johann, geb. 1743 in Kopenhagen; entlief aus Liebe zur Freiheit der Erziehungsanstalt in Schleswig u. wurde preußischer Soldat, desertirte hier u. wurde österreichischer Tambour, dann Unteroffizier, desertirte nochmals u. studirte in Kopenhagen Theologie; er lebte dann mit der Schönen Literatur beschäftigt u. st. 1784; er schrieb die Dramen: Balder; Hrolf u. Kraki, das Singspiel: die Fischer. Sämmtliche Werke, Kopenh. 1781–91, 4 Bde. 5) Johann Ludwig, geb. 1748 in Dreyeichen im Isenburgischen; wurde Pfarrer im Hanauischen, 1770 in Offenbach, 1781 Hofprediger u. 1791 Generalsuperintendent in Detmold, 1796 Prediger in Bremen u. 1802 Professor der Philosophie daselbst, 1805 Professor der Theologie in Heidelberg, 1807 Kirchenrath in Karlsruhe u. st. 1822. Er schr.: Der Blick Jesu auf die Natur u. Menschheit, Lpz. 1786, 3. Aufl. 1806; Christliches Hand- u. Hausbuch, Hann. 1799, 4 Bde., 2. Aufl. 1806; Die Kunst, ein gutes Mädchen, Gattin, Mutter u. Hausfrau zu werden, Brem. 1798, 2 Bde., 4. Aufl. 1807, 3 Bde.; Vorlesungen über die Erziehungslehre u. Erziehungskunst, Manh. 1809–10, 3 Bde.; Eheliche Verhältnisse u. eheliches Leben, Lpz. 1810 bis 1813, 4 Bde., 2. Aufl. 1821; Biblische Erzählungen, Freib. 1816–18, 28 Hfte.; Christliche Betrachtungen auf alle Abende im Jahre, Frankf. 1818, 2 Bde.; Briefe über die alte Mystik u. den neuern Mysticismus, Lpz. 1821, u. viele ähnliche Schriften. 6) Georg Heinrich August, geb. 16. Nov. 1803 in Göttingen; war Anfangs Lehrer am Gymnasium in Wolfenbüttel; wurde 1824 Repetent der theologischen Facultät in Göttingen, 1827 Professor der Philosophie u. 1835 Professor der Orientalischen Sprachen. Als Theilnehmer der Protestation der Sieben göttinger Professoren vom 18. Nov. 1837 wurde er seiner Stelle entsetzt, ging einige Zeit nach London u. wurde nach seiner Rückkehr 1838 Professor in Tübingen, von wo er 1848 in seine frühere Stellung nach Göttingen zurückkehrte. Er schr.: Composition der Genesis, Braunschweig 1823; De metris carminum arabicorum, ebd. 1825; Das hohe Lied Salomos, übersetzt, Gött. 1826; Kritische Grammatik der Hebräischen Sprache, Lpz. 1827, 6. Ausg. 1855; Über einige ältere Sanskritmetra, Gött. 1827; Vakedii de Mesopotamiae expugnatae historia, ebd. 1827; Commentarius in apocalypsin Johannis, Lpz. 1828; Hebräische Sprachlehre für Anfänger, Lpz. 1842, 2. Ausg. 1853; Abhandlungen zur orientalischen u. biblischen Literatur, Gött. 1832, 1. Thl.; Grammatica linguae arabicae, Lpz. 1831–33, 2 Bde.; Die poetischen Bücher des A. T., Gött. 1835–37, 4 Thle., 2. Ausg. 1839 u. 1840; Die Propheten des A. T., Stuttg. 1841, 2 Bde.; Ein Wort zum Frieden beider Kirchen, Tüb. 1842; Geschichte des Volkes Israel bis Christus, 1843 bis 1855, 5 Bde.; mit Leopold Dukes: Beiträge zur Geschichte der ältesten Auslegung u. Spracherklärung des A. T., 1844, 3 Bde.; Jahrbücher der biblischen Wissenschaft, Gött. 1848 f.; Die 3 ersten Evangelien, übersetzt u. erklärt, ebd. 1850; Über die phönikischen Ansichten in der Weltschöpfung, ebd. 1851; Über das äthiopische Buch Henok, ebd. 1854; Erklärung der großen phönikischen Inschrift in Sidon, ebd. 1856; war auch Mitherausgeber u. [26] Redacteur der Zeitschrift für die Kunde des Morgenlandes.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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  • Ewald [2] — Ewald, Heinr., Theolog und Orientalist, geb. 16. Nov. 1803 zu Göttingen, 1827 Prof. das.; 1837 als einer der »Göttinger Sieben« abgesetzt, 1838 Prof. zu Tübingen, 1848 wieder zu Göttingen, 1868 als heftiger Gegner der Annexion Hannovers nochmals… …   Kleines Konversations-Lexikon

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  • Ewald [4] — Ewald, Joh. Joach., Dichter, geb. 3. Sept. 1727 zu Spandau, Freund E. von Kleists, trat in Italien zur kath. Kirche über, ging 1762 nach Afrika, seitdem verschollen. »Sinngedichte« (1755; neu hg. 1890) …   Kleines Konversations-Lexikon