Fideïcommiß

Fideïcommiß

Fideïcommiß (lat. Fideicommissum), eine letztwillige Verordnung, durch welche der Erblasser (Fideicom mittens) seinem Erben (Fiduciarius, Fiduciarerbe) od. einem andern von ihm letztwillig Bedachten aufgibt, das Ererbte entweder ganz od. eine bestimmte Quote davon, od. auch nur eine einzelne Sache od. eine bestimmte Summe nach seinem (des Erblassers) Tode einem Andern (Fideicom missarius) herauszugeben. Im Gegensatz zu dem Legat, als der altcivilen Form der Vermächtnisse, bildet das F. im Römischen Rechte den Repräsentant der freieren Rechtsentfaltung. Das F. konnte ohne alle Form, auch für solche, welche der civilen Erbrechte unfähig waren, errichtet werden, erhielt indessen in dieser Weise auch erst unter der Kaiserzeit Klagbarkeit. Später verlangte man auch zur Gültigkeitder F-e, daß dieselben entweder im Testamente od. in Codicillen errichtet sein mußten, u. stellte sie so den Legaten immer mehr gleich, bis durch Justinian eine völlige Verschmelzung beider Arten von Vermächtnissen (Exaequatio legatorum et fideicommissorum) stattfand. Über das neuere Recht vgl. Vermächtniß. F. heredi praesenti injunctum (von Einigen auch Oralsideicommiß genannt), heißt ein Vermächtniß, welches der Erhlasser[262] in der Weise errichtete, daß er die Erfüllung desselben dem damit Beschwerten selbst auftrug. In solche Falle kann nach einer besondern Bestimmung des Römischen Rechtes ausnahmsweise, auch wenn der Auftrag ganz formlos erfolgte, der Vermächtnißnehmer doch das F. einklagen, wenn er, nach vorhergeleistetem Calumnieneid dem Belasteten den Eid zuschiebt. Bei dem F. in id quod super erit (d.h. dem Vermächtniß dessen, was Belastete übrig lassen werde) darf der Fiduciar 3 Viertheile nach Belieben, das 4. Viertheil aber nur im Fall der Noth verbrauchen.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

См. также в других словарях:

  • Fideicommiß — Fideicommiß, 1) im röm. Recht: Vermächtniß, das der eigentliche Erbe (fiduciarius) dem Vermächtnißnehmer (fideicommissarius) zu geben hat. Das F. umfaßt entweder die ganze Erbschaft (Universal F.), in welchem Fall der Fideicommissar fast ganz in… …   Herders Conversations-Lexikon

  • Sachsen-Koburg-Gotha [1] — Sachsen Koburg Gotha, ein seit 1826 zu einer Herrschaft vereinigtes, zum Deutschen Bunde gehöriges Herzogthum in Thüringen von 35,843 QM. mit (Ende 1858) 153,900 Ew.; liegt in zwei größeren, abgesonderten Haupttheilen: Koburg (10 QM., 45,600 Ew.) …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Dietrichstein [2] — Dietrichstein, altes, katholisches, theils gräfliches, theils fürstliches Haus, stammt aus Kärnten, nach einer Überlieferung von den Grafen von Friesach u. Zeltschad; der gewöhnlich angenommene Stammvater ist Reingart I. (st. 1004). Zu Anfang des …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Erbrecht — (Rechtsw.), 1) im objectiven Sinne der Inbegriff der gesetzlichen Vorschriften über die Succession in das Vermögen eines Verstorbenen, über die Erwerbung, den Verlust u. die Vertheilung von Erbschaft (Jus hereditarium); 2) im subjectiven Sinne… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Sachsen [3] — Sachsen (Gesch.). I. Sachsen Wittenberg unter den Askaniern als Herzöge u. Kurfürsten von S. 1180–1422. Bernhard von Askanien, welcher von seinem Vater Albrecht das Land um Wittenberg erhalten hatte u., nachdem ihm nach der Auflösung des… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Schulenburg — (von der), ein uraltes, berühmtes Adelsgeschlecht, welches unter Karl dem Großen aus Geldern nach der Mark Brandenburg gekommen sein soll. Der älteste bekannte Stammvater des Geschlechts war: 1) Werner, welcher auf dem ersten Kreuzzuge 1119 zu… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Bentinck — (Geneal.), ursprünglich freiherrliche Familie in der Pfalz, kam im 14. Jahrh. nach den Niederlanden, von wo ein B. mit dem Prinzen von Oranien, dem nachmaligen König Wilhelm III., nach England zog u. dort Ahn der Grafen u. Herzöge von Portland… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Bentinckscher Erbfolgestreit — Bentinckscher Erbfolgestreit. Anton Günther, Graf zu Aldenburg u. Delmenhorst, Herr zu Jever u. Kniphausen, hatte von Elisabeth von Ungnad einen natürlichen Sohn, Anton, geb. 1638, u. da Graf Anton Günther keine ehelichen Nachkommen hatte, so… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Codicill — (lat), 1) kleiner Codex, kleine hölzerne od. elfenbeinerne mit Wachs überzogene Schreibtafel; daher 2) Bittschrift, auch Brief, bes. kaiserliches Handschreiben od. Diplom; 3) eine letztwillige, bes. schriftliche Verfügung, durch welche ein… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Egloffstein — Egloffstein, ein altes, zur ehemaligen reichsunmittelbaren Ritterschaft der Cantone Geburg u. Steigerwald, wie zur Gauerbschaft von Rothenburg gehöriges Geschlecht. Aus den Niederlanden stammend, kamen die E. 975 nach Ostfranken u. gründeten die… …   Pierer's Universal-Lexikon


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