Flachs [1]


Flachs [1]

Flachs, die Pflanze, welche den F. liefert, ist der Lein (s. Linum). I. F. heißt sie erst vom Augenblick ihrer Ernte an. A) Die Ernte des F-es beginnt mit dem Raufen; dasselbe geschieht, wenn es hauptsächlich auf die Bastgewinnung ankommt, bald nach der Blüthe, wenn es aber auf Samengewinn ankommt, nach der Reise der Samen in der Art, daß man die völlig ausgetrockneten Stängel ziemlich weit oben anfaßt, damit das Unkraut zurückbleibt, sie möglich vor Brüchen bewahrt u. alle Wurzelenden nach einer Richtung, regelmäßig auf dem Acker ausbreitet. Hat der F. nun zwei Tage gelegen, so wird er bei günstiger Witterung in Schrägen, d.h. handvollweise so aufstellt, daß sich die Samenenden über einander kreuzen, die Wurzelenden aber 1 Fuß weit von einander stehen. Man setzt die Schrägen von Mittag nach Mitternacht u. schützt sie gegen Umwerfen durch den Wind, indem man auf beiden Endseiten Pfähle einschlägt. Sind die F-stängel in den Schrägen gehötig ausgetrocknet, so können sie zwar gleich nach Hause gefahren werden, nach der Belgischen Flachs-bereitungsmethode setzt man sie aber noch 2–3 Wochen in Kapellen. Der F. wird nämlich so in Bunde gebunden, daß alle Wurzelenden auf Eine Seite zu liegen kommen. Je 4 u. 4 Bündel werden mit den Wurzelenden nach unten, schräg gegen einander geneigt, im Viereck aufgestellt. Ist das Trocknen des F-es u. das Nachreifen der Samen in den Kapellen vollständig erfolgt, so wird er eingefahren u. des Samens beraubt Entweder wird der F. gedroschen od. man wendet die Flachsriffel an, indem der Arbeiter so viel Flachs, als er mit beiden Händen fassen kann, mit der Mitte durch die Riffel schlägt, so daß die Samenkapseln nach auswärts zu liegen kommen, dann sie rück wärts durchzieht u. dieses Verfahren so lange wiederholt, bis alle Samenkapseln abgerissen sind; od. das Bollen; dazu bedient man sich eines platten, 1 Fuß langen, 5 Zoll breiten u. 3–4 Zoll dicken Holzes, an dem ein 3–4 Fuß langer Stiel befestigt ist, u. schlägt damit den Samen ab; endlich kann man auch die Samenkapseln auf einer Häkselbank abschneiden. Nach dem Abbringen der Samen wird der Flachs sortirt, indem man die kurzen, schwarzen, fauligen Stängel für sich legt od. in besondere Bündel bindet u. nach dem Sortiren röstet. B) Die Flachsröste hat zum Zweck, daß sich die Bastfasern leicht von den holzigen Theilen trennen lassen. Es geschieht solches entweder im Thau (Thauröste, Luftröste) wo der abgeriffelte F. dünn u. reihenweise auf Wiesen od. Stoppelfeldern ausgebreitet (auf die Breite gelegt) u. gewendet wird, bis man an der gelben Farbe u. durch Probiren mit den Fingern erkennt, daß sich die Fasern leicht vom Holze trennen (wozu oft 8–9 Wochen nöthig sind); od. auf dem Schnee (Schneeröste), wo der F. auf dem Schnee ausgebreitet wird; od. im kalten Wasser (Kaltwasserröste), wo der F. in Bündeln so lange in einem Fluß, Bach, Teich, od. in eigens dazu gefertigte Kästen od. Gruben (Flachsrösten, Rottegruben) gelegt u. mit Steinen beschwert wird, bis er die erforderliche Beschaffenheit hat, d.h. bis die Holzkörper in Fäulniß übergegangen sind 6 Fuß tiefe, wasserdichte, sonnig gelegene Rottegruben sind die besten; man legt sie gern in der Nähe eines Flusses an, um ihnen Zu- u. Abfluß geben zu können. In die erst wasserleere u. an den Seiten mit Stroh verlegte Grube stellt man die 8 Zoll im Durchmesser haltenden Flachsbündel schräg, daß das Wurzelende auf den Boden zu stehen kommt. Wenn die Grube angefüllt ist, wird sie mit Bretern u. diese mit Steinen belegt, was später, wenn die Gährung eintritt, wiederholt werden muß. Bei einer Temperatur von 16–18° R. reichen 6–8 Tage hin, um den trocken ins Wasser gelegten F. zur Zersetzung zu bringen, wogegen der grün ins Wasser gelegte schon nach 4–5 Tagen gut ist. Lein, der auf verschiedenen Bodenarten gewachsen ist, darf nicht in einer Grube geröstet werden. Das Rösten in fließendem Wasser weicht von dem Rösten in Gruben nicht ab, die fertig gerösteten Flachsbunde werden durch reines Wasser gezogen. Die Thau- u. Schneeröste verursacht zwar die wenigste Arbeit, aber dabei werden die Flachsfasern ra uh, wollig, schwarz, flockig u. verlieren an Haltbarkeit. Das Wasser zum Rösten muß weich sein, darf keine Eisentheile, keinen Kalt, keine gerbstoffhal tigen Baumblätter enthalten. In neuester Zeit ist die Warmwasserröste anempfohlen worden; am gebräuchlichsten ist die Schenksche: der F. wird in 72 bis 96 Stunden fertig geröstet Der Proceß ist der selbe, wie bei der Kaltwasserröste, nur daß er in Folge einer künstlich erzeugten höheren u. sich gleichbleibenden Wärme von 22–25 R. weit schneller u. regelmäßiger verläuft. Der F. wird in Kufen in etwas schräger Richtung gebracht; die Knsen haben durchlöcherte falsche Böden, unter denen Dampfrohre angebracht sind. In die mit F. angefüllten Kufen wird kaltes Wasser gebracht u. in dieses durch die Dampfrohre Dampf aus einem Dampfkessel hineingeleitet. Nach 18–20 Stunden wird der Dampf abgeschlossen, worauf die Gährung beginnt. Die beim Dämpfen u. Gähren entstehenden Dünste müssen aus dem Rösteraum entfernt werden. Noch ein anderes eigenthümliches Rösteverfahren ist das Wattsche: der F. wird ohne alle Gährung geröstet, wozu eine Wal zenmaschine gehört. Nach dein Rösten wird der F. wagerecht hingestellt, u. nachdem das Wasser abgelaufen ist, zum Trocknen in Stauchen gebracht. Nach dem Trocknen in den Stauchen wird der F. auf kurzem reinem Rasen ausgebreitet u. gebleicht, dabei von 3 zu 3 Tagen gewendet. So behandelter F. braucht vor seiner weiteren Verarbeitung nur in der Sonne aufgestellt zu werden. Das übliche Dörren im Backofen ist nicht nur überflüssig, sondern schädlich, indem der F. mürbe u. brüchig wird u. viel ins Werg gibt. C) Die meiste Arbeit macht das Pochen od. Brechen, um die äußere Hülse des F-es zu zerquetschen u. die Fasern aus dem Zusammenhange zu bringen. a) Das Pochen verdient in Bezug auf Arbeitsaufwand u. der bessern Leistung den Vorzug vor dem Brechen; es vermindert alle Nachtheile eines schlechten Brechens, wobei der F. zerknüllt, in seiner Faserlänge verkürzt u. kraftlos wird, ohne von den Schäben befreit zu werden.[324] Man bedient sich dazu des Pochhammers, eines mit einer gebogenen Handhabe versehenen, harten, schweren Holzes, dessen unterer Theil gekerbt ist, u. schlägt damit so lange auf alle Theile des ausgebreiteten F-es, bis er vollständig gebrochen ist. Man hat wohl noch besondere Pochwerke (Flachsmühlen); sie pochen den F. unter mehreren Stempeln, welche durch die Arme einer Welle gehoben u. diese durch die Vorrichtung einer Wasser- od. Windmühle in Bewegung gesetztwerden; eine Person kann 3 Stempel bedienen u. so viel verrichten, wie 10 Personen mit Schlägeln. b) Das Brechen geschieht bei schönem warmem Wetter auf der Flachshandbreche, einem Werkzeug aus zwei Hölzern von ungefähr 3 Fuß Länge bestehend; das untere steht unbeweglich auf einem Gestell u. ist mit 2 durch das Holz gehenden Kerben versehen, zwischen welchen ein dünner Steg ist; das obere Stück Holz hat nun eine tiefe Kerbe, in welche der erwähnte Steg paßt, u. ist an der einen Seite mit einem Griffe versehen, an der andern durch einen Bolzen beweglich an das untere Holz befestigt. Das Brechen geschieht auch durch eigene Maschinen (Brechmaschinen). Die beste ist die Kuthesche; sie wird von 2 Personen bedient, leistet viermal so viel als die Handbreche, u. es findet bei ihr eine weit schonendere Behandlung des F-es statt, indem auch die Spitzen nicht in den Abgang fallen, wie bei der Handbreche. D) Nach dem Pochen od. Brechen wird der F. handvollweise in Körbe gelegt u. geschwungen. Durch das Schwingen, welches entweder mit der Hand od. durch Maschinen geschieht, wird der gebrechte F. von den darin hängenden Schäben befreit, u. die Flachsfasern werden durch das heftige Hinunterschlagen mit dem Schwingbrete besser zertheilt, auch braucht geschwungener F. weniger oft durch die Hechel gezogen zu werden u. er wird deshalb weniger verkürzt. Das Schwingen mit der Hand geschieht mittelst des Belgischen Schwingstocks od. Schwngmessers. Erster ist ein auf einer dicken Bohle senkrecht stehendes Eisenbret, welchem in der Brusthöhe des Arbeiters ein Stück ausgesägt ist. Auf diesen horizontal eingefugten Einschnitt wird der zu schwingende F. gelegt u. mit dem Schwingmesser abwärts geschlagen. Dasselbe ist aus Buchenholz u. besteht aus einem 14 Zoll langen u. 8 Zoll breiten sichelförmigen obern Theile, welcher den Schwung gibt, u. den Heften. Das Schlagen geschieht stets parallel mit dem senkrecht stehenden Brete. Die Schwingmaschinen leisten ungleich mehr u. gleichmäßigere Arbeit als die Handschwingen; die besten sind die Schönwettersche u. die Irische. Statt den F. zu schwingen, kann man ihn auch ribben. Man bedient sich dazu des Ribbenmessers, einer Art stumpfen Messers mit hölzernem Griff. Der F. wird handvollweise auf einem starken Leder, das mit einem Riemen um die Brust gehängt wird, geschabt. Das Ribben erfordert zwar mehr Zeit als das Schwingen, liefert aber gleichmäßigen u. feinen F. E) Nach dem Ribben wird der F. zusammengelegt od. geflochten, auf einen platten abgerundeten Holzklotz gelegt u. mit einem runden Schlägel von hartem Holze geschlagen (gebläut). Nach dem Bläuen wird der F. gehechelt, indem er zuerst durch grobe, dann durch feine Hecheln (Flachshecheln) gezogen wird. Zu diesem Behufe schlingt man den F. um 2 bis 3 Finger, hält ihn in der Mitte fest, zieht ihn mit der Spitze in die Hechel ein u. wieder zurück u. schüttelt die Schäben aus. Das hinter das schief stehende Bret fallende Werg muß öfter gesammelt u. die in der Hechel zurückbleibenden Flachstheile (kleiner F.) so oft als nöthig herausgenommen u. für sich bearbeitet werden. Die besten Hecheln sind die englischen. In neuester Zeit wendet man auch Hechelmaschinen an, welche die Arbeit mehr fördern u. gleichmäßigen F. liefern. F) Nach dem Hecheln kann der F. noch gebürstet werden, um aus ihm alle fremdartigen Theile vollends zu entfernen u. ihn noch seiner zu machen. Zu diesem Behuf wird der F. um einen an einen glatten Brete befestigten hölzernen Nagel gewunden u. mit steifen Bürsten gestrichen. Nach dem Bürsten wird der F. auf Bündel (Kauten) gedreht u. verkauft od. gesponnen; solcher F. heißt Kauten- (Docken-) F. Die Aufbewahrung des F. es geschieht in Kisten an kühlen, weder zu trockenen noch zu feuchten Orten. Um den F. zu verfeinern, hat man verschiedene Methoden. Man kocht ihn in einer schwachen Ätzlauge, legt ihn in ein Bad von alkalischer Chlornatronflüssigkeit u. wiederholt dieses Verfahren so oft, bis er schön weiß u. seidenglänzend ist; od. man bindet den F. in weiße Steifleinwand, umwindet diese mit Bindfaden, läßt ihn 14 Tage in einem feuchten Keller liegen, nimmt ihn aus der Leinwand, bringt ihn unter eine schwere Rolle, rollt u. kämmt ihn dann. Gehechelter F. nimmt mit dem Alter an Güte zu, indem er aus der Luft viel Feuchtigkeit anzieht.

II. Der beste F. wird in Irland, Brabant u. in den russischen Ostseeprovinzen (Badstuben), auch in Schlesien, in der Oberlausitz, im Braunschweigischen u. in Thüringen gebaut. Im Flachshandel, welcher sehr bedeutend ist, kommen von dem Rigaer F. verschiedene Sorten vor; der feinste wird Rakitscher genannt, der gewöhnliche aber Dreiband; zwischen beiden steht der Paternosterflachs mitten inne; Bauernband ist eine Art kurländischer F. Guter F. darf nicht schwärzlich od. grünlich von Farbe, sondern muß gelblich od. hell silbergrau, fein, lang, weich, glänzend u. ziemlich seidenartig sein, auch darf er keine bandförmigen, breiten Theile haben, die aus noch ungetrennten Fasern bestehen. Der Unterschied des F-es von dem Werg (Hede), besteht darin, daß die Fasern des letzteren ungleicher, kürzer u. mehr verwirrt sind. Die Bearbeitung des F-es wird durch die Eigenschaft desselben bedingt; obgleich das Spinnen der Fasern zu einem regelmäßigen u. sehr feinen Faden durch die Länge derselben erschwert wird, so erhält derselbe doch eine sehr große Festigkeit, da nur durch wirkliches Zerreißen der Fasern eine Trennung des Fadens statt findet. Um beim Spinnen die Fasern gleichsam zusammen zu kleben, werden dieselben benetzt, auch wird durch das Benetzen die Steifheit der Faser beseitigt.

III. Das Spinnen des F-es (Fachsspinnerei) u. dessen Abfall, des Werges, geschieht auf zweierlei Weise, mit Hand od. auf Maschinen. A) Bei der Handspinnerei bedient man sich der Spindel (jetzt nur noch in einigen Gegenden Europas) u. des Spinnrades, sonst überall da, wo Flachs gesponnen wird. B) Bei der Maschinenspinnerei wird eine Reihefolge von verschiedenen Maschinen gebraucht, die mehrfach verschieden im Einzelnen, nach Maßgabe der Art des Garns, welches gesponnen werden soll, im Wesentlichen auf gleichen Grundsätzen beruhen, wie sie überhaupt die Maschinenspinnerei im Gegensatz zur Handspinnerei angenommen hat. Denn nicht wie diese, spinnnt die [325] Maschine sofort aus dem aufgelockerten Faserstoff einen feinen Faden, sondern sie bringt den Faserstoff zunächst in Faserbänder, dann in Faserlunten od. Dochte, dann in lockere Fäden u. endlich zu seinem Garn. Man bezeichnet diese 4 Stufenbildungen als Bandbildung, Dupliren u. Strecken, Vorspinnen, Feinspinnen. a) Bandbildung. Um die ausgehechelten Flachsbüschel in Bänder zu bringen, legt man sie in Rinnen u. läßt sie von umlaufenden Hechelzähnen in Reihen ergreifen u. aus diesen wieder durch Walzenpaare herausziehen. Dieses Durchziehen bewirkt nicht allein die Gradlegung der Fasern u. den nöthigen Widerstand derselben, wenn die Walzen rascher ziehen, als die Hecheln laufen, sondern die einzelnen Fasern werden auch noch in die Richtung der Länge zerspalten, verfeinert u. von Unreinigkeiten u. zu kurzen Fäserchen befreit, welche an den Hecheln zurückbleiben, während das reine Flachsfaserband aus den Walzen vorn heraus kommt. Man nennt diese Maschinen zur Bandbildung Band-, Zieh- od. Streckmaschinen, Durchzüge od. Strecken. b) Das Verwandeln der Faserbänder in Lunten od. Dochte. Die Bänder erhalten bei F. nicht, wie bei Baumwolle, einen gelinden Draht, u. diese Luntenbildung ist daher hier mehr eine Verschmälerung u. Ausgleichung des vorgängig erzeugten Bandes durch ein verbundenes Dupliren u. Wiederstrecken der Bänder ohne Drahtgebung. Auf die Ausgeglichenheit dieses draht- u. verbindungslosen Flachsbandes kommt viel an. Sie befördert die Herstellung eines lockeren, gleichmäßigen Vorgespinnstfadens. c) Vorspinnen. Während das Dupliren u. Strecken auf ganz ähnlichen, wenn auch etwas feiner genadelten, mit feineren Hechelzähnen versehenen Maschinen, als das Bandbilden, vor sich geht, weicht die Vorspinnmaschine darin von dieser Zusammenstellung von umlaufenden Hecheln u. Auszugwalzen ab, daß das entstehende noch feinere u. dünnere Flachsband auf Spindeln, die von der Maschine bewegt, an derselben sich befinden, einen gelinden Draht empfängt; die Maschine ist der Spindelbank der Baumwollspinnerei sehr ähnlich. Ein eigenthümliches Vorspinnverfahren geschieht, ohne glle Drehung des Fadens, dadurch, daß das dünne Flachsband durch einen Trog mit heißem Wasser geht, in Folge dessen der Bastleim der Faser erweicht wird u. die Fasern leicht ausgezogen werden können. Ist dies ausreichend geschehen, so geht das Faserband über eine dampfgeheizte Trommel, wo die Fasern wieder zusammen getrocknet werden. d) Das Feinspinnen od. die Verwandlung des dünn ausgezogenen Faserbandes in Garn, wird auf zwei verschiedene Arten bewerkstelligt. Die erste Art besteht darin, daß man die langen Fasern des Vorgespinnstes mittelst Streckwalzen aus einander zieht, ohne Einwirkung auf die Faser an sich. Diese bleibt in ihrer natürlichen Beschaffenheit u. Länge. Die Entfernung zwischen den Zuführ- u. Auszugstreckwalzen (englisch Ratch) muß so groß als die Länge des Flachshaares sein, denn sonst würde es zerreißen. Man spinnt nun entweweder trocken od. naß, in der Regel mit kaltem Wasser; das Band läuft durch Tröge unter Glasstäben hindurch; beim Naßspinnen sind die Riffelwalzen von Messing, die Druckwalzen von Buchsbaum. Auf weitständigen Maschinen (Long ratch) kann man nur bis No. 50 englische No. spinnen. Trocken gesponnene Garne sind wollig, rauh u. schlaff, naßgesponnene glatt, rund u. steif. Die zweite Art des Feinspinnens, dessen man sich jetzt am meisten bedient, ist das Naßspinnen mit heißem Wasser, in welchem Fall die Streckwalzenpaare nur einige Zoll von einander entfernt liegen, kurzständig sind (engl. Short ratsch spinning). Das heiße Wasser löst die aus vielen kurzen Fasern bestehende lange Flachsfaser auf. Erstere können nun aus einander gehen, ohne zu zerreißen, um den feinen Faden zu bilden. Das noch feuchte Garn muß nun rasch getrocknet werden. Nach der zweiten Methode läßt sich sehr seines Garn spinnen. Weil die Faser durch die Einwirkung des heißen Wassers zerlegt wird, so schadet es auch nichts, wenn man die Flachsristen in 2 bis 4 Längetheile zerreißt, was namentlich bei Herstellung feiner u. feinster Garne auf eigenen Maschinen geschieht u. zwar vor dem Hecheln. Man spinnt aus den mittleren Theilen (Coeur de lin) des Flachsbüschels besseres Garn als aus den Kopfenden (Têtes, Tops) u. den Stockenden (Pieds). Ungerissenen Flachs nennen die Engländer Long line, einmal gerissenen Half-cut, mehrmals gerissenen Fine cut. Aus 100 Pfund Hechelflachs spinnt man durchschnittlich 90 Pfund Garn. Die Flachsmaschinenspinnerei kann nur Ertrag geben, wenn man das Abwerg gut zu verwerthen vermag, was am besten durch das Verspinnen desselben auf Maschinen zu erzielen ist, welche im Wesentlichen den Baumwollspinnmaschinen bis zur Vorbereitung des Wergs zu Bändern sehr ähnlich gebaut sind. Von hier an gleichen sie sehr den Maschinen der Flachsspinnerei; das Werg wird zuerst gereinigt, gekrämpelt od. aufgekratzt in eine Watte, Vließ od. Satz vereint, der dann auf bekannte Weise gebandelt, gestreckt u. trocken, naßkalt od. naßheiß vor- u. fein gesponnen wird. Das Werg verliert 20 Proc. zu Garn. Die Maschinenspinnerei des Flachses u. Werges ist erst etwa 50 Jahr alt, u. der Franzos Girard kam in Paris, Wien, Sachsen in den ersten Decennien dieses Jahrh. zu gelungenen Ergebnissen. Die Engländer haben später viele praktische Verbesserungen eingeführt. Zur Beurtheilung des beziehendlichen Verhältnisses des mit der Hand u. auf der Maschine gesponnenen Leingarns dient, daß grobe Sorten nicht wohlfeiler u. auch nicht besser auf Maschinen herzustellen sind, als auf dem Spinnrade bei nicht zu theuren Handlöhnen; je feiner aber die Garne werden, mit desto größerem Vortheil arbeitet die Maschinenspinnerei. Aber die Hand vermag aus schlechterem F. bessere Garne zu spinnen als die Maschine. Aus gutem F. spinnt die Maschine ein gleicheres, reineres u. ansehnlicheres Garn, als es die Hand zu thun vermag. Das feinste Spitzengarn, wenn u. wo solches u. nicht der Baumwollenzwirn noch gebraucht wird, kann mit Vortheil nur mit der Hand gesponnen werden. Das Maschinengarn reißt in der Richtung der Länge nicht so leicht wie Handgarn, aber es schleißt sich, weil es rauher, baumwollartiger ist, etwas leichter ab u. hat auch nicht den Glanz im Gewebe, namentlich nicht das mit heißem Wasser gesponnene Garn. Für glänzende Stoffe, z.B. Damast, ist gutes Handgarn kaum zu entbehren, aber da dieses schwer zu erhalten u. theuer ist, so kommen die alten glänzenden Leinenzeuge mehr u. mehr in Abgang, u. es treten Leinwand von mehr baumwollartiger Oberfläche an ihre Stelle,[326] die aber unter allen Umständen eine viel größere Dauerhaftigkeit besitzen, als die ähnlichen Baumwollzeuge, namentlich wenn diese aus amerikanischer Baumwolle gefertigt sind, die schlechteste Sorte nach der ostindischen. Vgl. Choimet, Theoretische u. praktische Elemente der Maschinenflachsspinnerei, deutsch Weimar; Ch. Coquelin, Nouv. traitement de la filat. mec. du lin et du chauvre, Par. 1846; Poppe, Die Flachsbereitung in ihrem ganzen Umfange, Tüb. 1838; Kurtz, Die Flachsbereitung nach belgischer Methode, Reutl. 1843; Gaultier de Claubrys Flachsbereitungsverfahren, Hann. 1846; Claussen, Die Flachsbewegung, Lpz. 1851; Derselbe, Der Flachsbau, Braunschw. 1851; Einsle, Die Leinenhandspinnerei, Weimar 1852; Byan, Die Flachsbereitung, Braunschw. 1852.

IV. Das Weben, s. Leinwand.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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