Fremdenlegion


Fremdenlegion

Fremdenlegion (Légion des étrangers). in Frankreich den 9. März 1831 aus freiwillig in französischen Dienst tretenden deutschen, spanischen u. italienischen, später polnischen Flüchtlingen errichtete, nach den Beschränkungen der französischen Charte nur zur Verwendung außerhalb des Königreichs u. zwar bes. für den Dienst in Algerien bestimmte u. dahin Ende 1831, 1800 M. stark, eingeschiffte Legion. Sie ist der französischen Infanterie an Sold, Unterhalt u. Ausrüstung gleich. Unter- u. Oberoffiziere sind fast ausschließlich Franzosen. Die F. wurde in Algerien sogleich an den gefährlichsten u. beschwerlichsten Posten verwendet u. verlor daher vor dem Feind (wo sie immer sehr tapfer war) durch Desertion u. in den Lazarethen gleich von Anfang an bedeutend. Trotzdem war ihre Stärke durch Zufluß aus Frankreich fortwährend gestiegen u. betrug schon 1832 in 4 Bataillons 4000 M. u. 1834 durch das Zuströmen der Polen 5200 M. In Folge des Quadrupleallianzvertrags mit der Königin von Spanien wurde sodann die F. durch eine Ordonnanz vom 30. Juni 1835 aus Frankreichs Dienste entlassen u. nach Spanien eingeschifft, um daselbst gegen die Karlisten zu dienen. Nur ein geringer Theil der Offiziere zog es vor, anstatt dieser neuen Bestimmung zu folgen, mit Halbsold nach Frankreich zurückzukehren Am 16. Aug. landete die F. in Tarragona, befehligt vom Oberst Bernette, u. nahm zunächst in der Division des Generals el Pastor rühmlichen Antheil an den Operationen u. Gefechten in Aragonien. Im folgenden Jahre focht sie mit gleicher Tapferkeit unter General Cordova in Navarra, sodann unter dem zum General beförderten Bernette u., als dieser seinen Abschied nahm, unter General Lebeau. Ungeachtet der ausgezeichnetsten Dienste aber, welche die Legion leistete, wurde sie gänzlich vernachlässigt, erhielt weder Sold noch Verpflegung, u. General Lebeau nahm daher wie seine Vorgänger den Abschied. Im Nov. 1836 erhielt nun Oberst Conrad den Befehl über die F., u. obgleich bei der verzweifelten Lage die ganze Truppe nicht nur demoralisirt sein mußte, sondern auch durch Desertion zu den Karlisten (die aus den Überläufern eine eigene F. bilden konnten), durch Verluste in den Gefechten u. durch Krankheiten sehr zusammengeschmolzen war, so daß das Corps nur noch 2300 M. betrug, focht die Legion dennoch unter General Sarsfield mit derselben Tapferkeit wie früher. Durch die schweren Verluste im Gefechte bei Huesca (24. Mai 1837) schmolz die Legion bis auf 600 M. zusammen, u. diese wurden, von den Truppen der Königin im Stich gelassen, bald darauf bei Barbastro bis auf 150 M. niedergemacht. Dieser Rest wurde zu Pamplona gesammelt u. aus dem Depot der Legion wieder etwas verstärkt. Da jedoch weder Bitten noch Drohungen dazu geführt hatten, daß die spanische Regierung ihre Versprechungen erfüllte, so ließ endlich Frankreich ernstliche Mahnungen ergehen u. bewirkte, daß die Legion die Erlaubniß erhielt, nach Frankreich zurückkehren zu dürfen. Im Januar 1839 langten die wenigen Reste der F. unter dem Befehl des Obersten Galant in Pau an. Die Offiziere u. Unteroffiziere wurden zum größern Theile der französischen Armee einverleibt, die Soldaten dagegen der schon seit 1835 in Algerien neugebildeten F., deren Stärke schon 1836 wieder 1000 M. betragen hatte. Diese neue F. erhielt in der Folge vielfache Gelegenheit auf den verschiedensten Punkten in Algier durch Tapferkeit sich auszuzeichnen u. erreichte durch zahlreichen Zufluß die Stärke von 2 Regimentern in 6 Bataillonen, eine Formation, die sie noch gegenwärtig hat. Während des so große Verluste herbeiführenden Krieges mit Rußland in der Krim wurde in Frankreich durch kaiserliches Decret vom 17 Jan. 1855 die Bildung einer zweiten F. anbefohlen, welhe aus einer Brigade zu 2 Infanterieregimentern von je 2 Bataillonen u. einem Bataillon Tirailleurs bestehen, bezüglich des Soldes, der Administration, des Dienstes u. der Ausrüstung wie die erste den französischen Linientruppen gleichgestellt u. nur aus Schweizern angeworben werden sollte. Der schweizerische Oberst Ochsenbein (s.d.) wurde, unter der Erhebung zum Generalmajor, zum Commandeur derselben ernannt, die Offiziere sollten durchgehends aus Schweizern bestehen. Den im Dienst sich Auszeichnenden wurde der Anspruch auf Grund u. Boden in Algerien od. andern französischen Colonien versprochen, die Pensions- u. Versorgungsberechtigung war gleich der in den französischen Truppen. Hauptwerbeplatz für die Legion war Besançon. Jedoch noch vor beendeter Formation kam im März 1856 der Friede zu Paris zu Stande, u. diese zweite F. wurde in Folge dessen wieder aufgelöst.

In England, das oft schon die Kriege mit fremden Truppen geführt hat (1800–15 befanden sich durchschnittlich über 20,000 Mann fremde Truppen in englischem Solde), wurden Anfang 1855 von der Regierung, mit Zustimmung beider Parlamente, ebenfalls Werbungen fremder Truppen angeordnet. Die geworbenen Truppen sollten jedoch nur für die Dauer des Krieges im Orient formirt werden u. keine Ansprüche auf Retraitegehalte erhalten, außer daß bei der Entlassung den Offizieren ein 15monatlicher, den Soldaten ein 12monatlicher Sold ausgezahlt werden sollte. Das Handgeld betrug 6 Pfd. Sterl., die B. züge an Geld u. Verpflegung sollten ganz wie bei den englischen Truppen sein. Fernere Bestimmungen waren: die fremden Truppen dürfen in England nur verweilen, um eingeschifft zu werden, nie dürfen zu gleicher Zeit mehr als 10,000 M. in England anwesend sein u. nie bei Privatpersonen einquartirt werden. Bei Shorncliffe u. Dover waren daher Lager zur Aufnahme der Legionen errichtet worden. Die Werbungen wurden, da Anfangs namentlich der Zufluß von Deutschland sehr gering war, auch auf die Schweiz, Italien, die Türkei u. selbst Nordamerika ausgedehnt. Die Britisch-Deutsche Legion, welche Bezeichnung zur Erinnerung an jene frühere, aus den Trümmern der hannöverschen Armeen gebildete Legion, die 1805–15 in fast allen Theilen der Erde für England mit Auszeichnung gefochten hatte, gewählt wurde, ward auf 10,000 M. bestimmt, die 2 Brigaden bilden sollten u. Helgoland als Werbedepot erhielten. Jede Brigade sollte 1 Jäger- u. 4 Infanterie-Regimenter zählen Die Offiziere waren meist Deutsche, der Commandant ein früherer Braunschweiger Offizier, v. Stutterheim. Reglement u. Kriegsartikel waren die preußischen, die Bewaffnung mit Miniégewehren, die Stellung in 2 Gliedern.[702] Die Jäger waren schwarz, die Infanterie dunkelgrün uniformirt. Das 1. Jäger- u. 1. Infanterieregiment wurden zuerstnach dem Orient gebracht, litten aber daselbst sehr von der Cholera, so daß das erstere bis auf 400 M. zusammenschmolz; das 2. u. 3. Infanterieregiment wurde 1855 u. Anfang 1856 ebenfalls nach dem Orient eingeschifft. Die Werbungen hatten anfangs nur geringen Fortgang gehabt, von Ende 1855 an aber bessern, so daß sie im März 1856 geschlossen werden konnten. Der inzwischen abgeschlossene Frieden zu Paris verhinderte die Theilnahme der Legion am Kriege. Sie ward nach England zurückgebracht, u. soweit sie es nicht vorzog, unter den obenbezeichneten Bedingungen den Abschied zu nehmen, nach dem Cap der guten Hoffnung übergeführt, um daselbst eine Colonie zu bilden. Neuerdings scheint die Legion nochmals Verwendung finden zu sollen gegen die Rebellen in Ostindien. Die übrigen Legionen, velche für England formirt wurden, erhielten nach dem Pariser Frieden sämmtlich ihre Auflösung. Die Schweizer-Legion, geworben in Schlettstadt u. formirt in einem Lager bei Dover, bildete 2 Infanterieregimenter unter Oberst Sulzer u. kam Ende 1855 nach Smyrna. Die italienische Legion unter General Read wurde zu Novara gesammelt u. von den 3 Regimentern derselben wurde das erste zu Anfang März 1856 nach Malta eingeschifft. Die Polnische Legion, vorerst aus den in Bomarsund gefangenen Polen u. Finnen gebildet, dann noch verstärkt durch polnische Flüchtlinge, war unter dem Befehl des Grafen Zamoysky dem Corps des Generals Vivian zugetheilt u. bestand aus 2 Cavallerieregimentern, die auch die Benengung Kosaken des Sultans führten. Die Britisch-türkische Legion, durch Werbungen in den europäischen u. asiatischen Provinzen der Türkei zusammengebracht, bestand aus einem Corps von angeblich 20,000 M. Infanterie unter Vivian u. 2000 M. Cavallerie (Baschi Bozuks, s.d.) unter General Beatson, hatte schon während seiner Bil dung an den Sammelplätzen allerhand Unthaten verübt, sehr durch Desertion gelitten u. befand sich Ende 1855 u. Anfang 1856 in Kertsch, wo sie sich durch ihre vandalische Zerstörungswuth auszeichnete. Die Offiziere waren meist ostindische. Die Absicht, keine Britisch-amerikanische Legion zu bilden, schlug fehl, da die Regierungen der Nordamerikanischen Staaten die Werbungen verhindert hatten.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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