Friaul [1]


Friaul [1]

Friaul, 1) ehemalige Landschaft im österreichischen Kronland Venedig, die jetzige Provinz Udine; 119 QM., 430,000 Ew., in 16 Districte vertheilt; grenzt an die venetianischen Provinzen Belluno, Treviso u. Venedig, an das Adriatische Meer, die Grafschaft Görz, Kärnten u. Tyrol, im Norden u. Osten von Zweigen der Julischen u. Karnischen Alpen, welche die Gebirgspässe von Chiusa di Venzone, Tolmein (Tulmino) u. die Flitscher Klanse bilden, durchschnitten, während im F. eine weite, theils fruchtbare, theils sandige u. an der Küste auch sumpfige Ebene sich ausdehnt. Hauptflüsse sind Tagliamento u. Livenza (Meduna). Das Land ist fruchtbar an Getreide, Obst, Wein, Mineralien u. Heilquellen u. hat beträchtliche Viehzucht. Die Bewohner werden Furlauer genannt u. sind Italiener, aber von eigenthümlichem Charakter u. reden einen eigenen Dialekt. Durch die Provinz geht die Eisenbahn von Triest nach Venedig.

F., nach der alten Stadt Forum Julii benannt, theilte in den alten Zeiten das Schicksal der norditalienischen Grenzländer; Anfangs von celtischen Völkern bewohnt, wurde es nachher römisch u. bei der Völkerwanderung ließen sich Germanen hier nieder. Hier setzten die Longobarden nach dem Eindringen in Italien zuerst einen ihrer Herzöge eiu, u. F. umfaßte damals das Land zwischen dem Tagliamento (nach Anderen dem Flusse Livenza)[712] , den Norischen u. Julischen Alpen u. dem Flnß Formio (Risano). In der fränkischen Zeit, wo F. in eine Mark verwandelt wurde, kamen noch im Osten Istrien u. in Westen mehrere Städte diesseit der Piave dazu. Hauptstadt war Civitas Austriae, das alte Forum Julium. Der erste Herzog, vom König Alboin eingesetzt, war dessen Neffe Grasulf I., 568–588 (590); unter seinem Nachfolger Gisulf brachen 611 die Avaren aus Pannonien in F. ein, er selbst blieb; seine Gemahlin Romilda ergab sich dem Khane der Avaren, der sie aber nachher ermorden ließ. Gisulfs Nachfolger wurde sein Bruder Grasulf als Vormund für seine Neffen Tasso, Cacco, Radoald u. Grimoald, die sich vor den Avaren mit ihrer Mutter gerettet hatten; von diesen traten Tasso u. Cacco die Regierung 621 an; aber weil sie von den longobardischen Königen sich unabhängig zu machen suchten, ließ sie der König Aribald durch den Exarchen Isaak in Ravenna ermorden u. ernannte 635 Grasulf III. zum Herzog, der bis 651 regierte; ihm folgte Azzo; auf diesem um 663 Welf (Lupus), der in der Abwesenheit des Königs Grimoald sich von dein longobardischen Einfluß befreite. Grimoald rief gegen ihn die Avaren zu Hülfe, gegen welche Welf 666 fiel. Statt Welfs Sohn Warnefried wählte der König den Vectaris zum Herzog, einen edlen Vicentiner, der rühmlich bis 678 regierte. Dessen Nachfolger waren Laudaris u. Rodoald, welcher Letztere 694 (695) abgesetzt wurde, worauf der König Kunibert den Ligurier Ferdulf zum Herzog erhob; dieser fiel 705 gegen die Slawen, die er in das Land gerufen hatte, um mit ihrer Niederlage seinen Heldenmuth darzuthun. Sein Nachfolger Corvul saß 706 nur kurze Zeit auf dem Throne, denn König Aribert, den er beleidigt hatte, ließ ihn blenden u. setzte an seine Stelle den tapfern Pemmo, der lange Krieg gegen die Slawen führte. Weil er aber den Patriarchen von Aquileja, Callistus, wegen eines Gewaltstreichs einkerkern ließ, so setzte ihn König Luitprand ab (737) u. gab die Herzogswürde Pemmos Sohn Ratchis. Als dieser 744 König wurde, folgte ihm 745 in F. sein Bruder Aistulf. u. 749 dessen Schwager St. Anselmus, u. als dieser, ein Freund Karls des Großen, vom König Desiderius verdrängt worden u. 751 ins Kloster gegangen war, so wurde ein edler Longobard, Peter, Herzog. Ihm folgte Rotgaud; dieser war Herzog, als Karl der Große das Longobardische Reich stürzte, u. wurde von dem Kaiser als solcher bestätigt. Da er aber des Adelchis Versuch, sich wieder zum König einzusetzen, 776 unterstützte, zog Karl wider ihn; Rotgaud blieb in einer Schlacht u. mit ihm endigen die longobardischen Herzöge in F.

Karl der Große setzte nun den Franken Markar als Herzog ein, u. da dieser zugleich die Mark Treviso mit zu bewachen erhielt, so hießen die Herzöge von F. von da an auch Markgrafen von Treviso. Sein Nachfolger Hunrok I. blieb 799 in der Schlacht bei Tersacz gegen die Hunnen, mit denen er an 8 Jahre Krieg geführt hatte. Ihm folgte bis 819 Cadaloak (Cadolaus), dann Balderich, welcher Niederpannonien u. Kärnten an der Save mit F. verband. Doch da 827 die Bulgaren in der Markgroße Unordnung anrichteten, wurde Balderich abgesetzt, u. diegroße Mark in 4 Grafschaften: Kärnten, Niederungarn, F. u. Istrien, Krain u. Liburnien getheilt; die Statthalter führten um bald den Titel Graf, bald Markgraf, bald Herzog. 846 war Eberhard, Schwager des Kaisers Lothar, Graf, der 868 (869) st.; sein Sohn Hunrok II regierte bis 874, worauf ihm sein Bruder Berengar folgte, dieser wurde 888 König von Italien, u. F. gewährte ihm in seinen langen, unglücklichen Kämpfen gegen Arnulf von Kärnten u. Guido von Spoleto einen sichern Zufluchtsort. Als ihn aber 895 Arnulf aus Italien vertrieben hatte, setzte dieser Walfred als Markgrafen von F. ein. Dieser st. aber schon 896 u. als Berengar 897 Italien wieder eroberte. setzte er Grimoald als Markgrafen von F. ein. Da unter den sächsischen Kaisern auch Istrien von F. getrennt wurde u. die Markgrafen ihre Residenzen wechselten, so bekamen sie ihre Namen von diesen Städten, so die Markgrafen von Verona, von Aquileja, von Treviso etc., F. sank zu einer Grafschaft herab u. blieb Reichslehn, bis 1028 Kaiser Konrad II. dieselbe dem Markgrafen von Aquileja, Poppo, schenkte, dessen Nachfolger sie bis 1415 besaßen, wo die Venetianer F. eroberten u. behielten. Kaiser Maximilian I. eroberte es zwar 1509, doch nahmen es die Venetianer 1515 wieder. Das österreichische F. (die Grafschaft Görz u. Gradisca) war schon früher an Österreich gelangt, indem die Grafen von Görz, denen es seit dem Mittelalter gehörte, ausgestorben waren. Das venetianische F. blieb bis 1797 bei Venedig, kam dann mit diesem an Österreich, 1805 an das Königreich Italien, von dem es mit einem Theile des österreichischen F. das Departement Passerino (53 QM., 290,000 Ew. Hauptstadt Udine) bildete. 1809 kam der übrige Theil des österreichischen zu den illyrischen Provinzen. Beide kamen 1814 wieder an Österreich, dessen Kaiser den Titel als Herzog u. das Wappen (einen gekrönten Adler in blauem Felde) von F. führt. Ein Theil davon gehöre jetzt zu Illyrien.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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