Fuchs [1]


Fuchs [1]

Fuchs, 1) Untergattung der Gattung Hund, mit länglicher Pupille, nicht ausgezackten Vorderzähnen u. langbehaarten, keulenförmigen, gesenkt getragenem Schwanze. Die Arten sind, außer den unter a) bis h) genannten noch: der Nilfuchs (C. niloticus) in Ägypten; der Blaßfuchs (C. pallidus) in Kordofan u. Darfur; der Schmalfuchs (C. famelicus) in Nubien u. Kordofan; der Steppenfuchs od. Karagan (C. melanotus) im Süden der Kirgisensteppe; der Rothfuchs (C. fulvus) in Nordamerika; der Azoras F. (C. Azarae) in Paraguay u. Brasilien; der Kurz [774] öhrige F. (C. microtus) in Nordamerika; der Schwarz- od. Silberfuchs (C. argentens) in Nordamerika; a) Gemeiner Fuchs (Birkfuchs, Canis vulpes L., Vulpes vulgaris). fast 2 Fuß lang (mit dem Schwanze 3 Fuß 4 Zoll), 21 Fuß hoch, von rothgelber (fuchsrother) Farbe, Kehle u. Brust weißlich, Bauch weiß, mit spitziger Schnauze, stark haarigem, geradem, schwarz- od. weißspitzigem Schwanze, an demselben die Viole, eine kleine, etwa eine Hand breit unter dem Anfang des Schwanzes auf dem obern Theil desselben sitzende Drüse, die wie Veilchen riecht. Wenn der F. verwundet ist, fährt er nach dieser Viole. Die Füchsin heißt Fährbetze. Varietäten: der Brand- (Kohl-) F., kleiner u. rother, mit schwarzer Blume, grauer Kehle, meist die Jungen (Kreuz- F.) mit einem schwarzen Kreuz auf dem Rücken; der Schwarze F., schwarz od. (Braun- F.) dunkelbraun; der Graue F., silber- od. wolfsgrau, der ganz Rothe F., der Birk-F., mit weißen Kehlen, Bänchen u. Spitzen der Ruthe. Jägersprache: wie beim Wolf, der Schwanz heißt auch Lunde (Stange), er rennt od. trabt, mauset, schreit wie ein Pfau, bellt (reiht) etc. Verbreitung: in fast ganz Europa, Sibirien bis zum östlichen Ocean u. in Amerika, über die Inselkette, die sich vom Vorgebirge Alaska hinzieht. Er liebt die Wälder vorzüglich in der Nähe der Dörfer, wo er sein Revier hält; doch nie in der Nähe seines Baues jagt. Der F. ersetzt die Stärke durch List, Gewandtheit u. scharfe Sinne; er macht sich Höhlen in die Erde (Fuchsbaue, s.u. Bau); oft wohnt er mit dem Dachs zusammen, beide durch eine gemeinschaftliche Röhre eingehend, der eine rechts, der andre links Der F. frißt Geflügel, Eier, junge Hafen, Igel, Mäuse, Krebse, Honig, Schlangen, in Gesellschaft jagt er auch alte Rehe, frißt auch im Nothfall Früchte; er verspart das von einer Mahlzeit Übrige, begattet sich od. ranzt (rollt, von der Füchsin rennt) im Februar (Rollzeit) u. wölft nach 9 Wochen 3–8 Tagen 14 Tage lang blinde Junge. Man kann Bastarde mit Hunden erziehen u. den F. auch zähmen. Der F. wird von Flöhen geplagt; Krankheiten: Raude, Auszehrung u. Hundswuth; Nutzen: Vertilgung der Feldmäuse u. Maulwürfe, Bälge zu Pelzen, Haare zu Hüten u. dgl.; Schaden: an der Niederjagd, auch an Rehen u. an Federvieh. Er wird 12–15 Jahre alt. Die Fuchsjagd gehört zur niedern Jagd u. wird vom Ausgang Octobers bis zum Februar, od. der Vertilgung wegen das ganze Jahr betrieben Man fängt den F. durch Ausgraben (s.d. 3) mit dem Fuchseisen (s.d.) od. Schwanenhals, dem Tellereisen u. der Fuchsangel (s.d.). Ein Fuchs, der sich in einem schlecht gelegten Eisen nicht hat fangen lassen, heißt verpönt (verprallt), u. ist nun so vorsichtig, daß er sich schwerer fangen läßt. Das Schießen der Füchse geschieht auf dem Anstande, indem man in der Nähe des Fuchsbaues auf einem Baume eine Fuchshütte macht, od. indem man sich auf dem Wechsel anstellt; dann schießt man bisweilen auf das Reizen; od. iudem man sich auf einem Luderplatze (einem Orte, wohin man den F. durch todtes Vieh kirrt) anstellt; gewöhnlich macht man auch hier eine zur Hälfte in die Erde gegrabene Hütte (Luderhütte, Fuchshütte). Auch schießt man den F. gelegentlich bei Treibjagden u. auf der Hasensuche. Das Fuchshetzen (Fuchshatze) mit Windhunden ist in England sehr gewöhnlich. Die Fuchsjäger folgen dem aufgejagten F. u. der Meute zu Pferde; meist sind sie hierzu mit rothen Röcken, weißen Lederbeinkleidern, Stolpstiefeln u. runden Hüten bekleidet. Die Leidenschaft für selbiges ist so stark, daß man in Ermangelung der ziemlich seltenen u. oft vom Continent absichtlich hinüber gebrachten Füchse einen Häringsschwanz, so daß er an der Erde schleift, in den Schweif eines Pferdes bindet u. dieses durch einen geübten Jäger, so wie der F. ungefähr laufen würde, reiten läßt. Diese Spur, die so gut Haken schlägt, als der F. selbst, wird dann mit Hunden verfolgt, bis man den supponirten F. findet. Seltenere Fangarten sind das Ausräuchern, das Ausgießen (s. b.), das Vergiften, wo man pulverisirte Krähenaugen (Nux vomica) in kleine Fleischwürstchen mengt u. diese hinwirft. Kostspielig ist der Fuchsgarten, ein umzäunter Platz, auf welchen man todtes Vieh wirst; in dem Zaune sind hier u. da Öffnungen, vor welche man inwendig Tellereisen od. Schlagbäume stellt; b) Blaufuchs (Eisfuchs, Canis lagopus L., Vulpes arctica, V. alba, Isatis alba), im Sommer schwärzlich, im Winter meist weiß od. blaugrau; Füße unten dicht beharrt; in den Polargegenden Europas, Asiens u. Amerikas, gräbt Löcher, frißt Fische, Vögel, kleine Säugthiere. Beeren; listig u. gesellig; liefert sehr schönes geschätztes Pelzwerk; c) Grisfuchs od. Virginischer F. (C. cinereo-argenteus, C. virginianus). oben grauschwarz melirt, Kopf grauröthlich, Ohren außen, Halsseiten u. Bauch lebhaft gelbroth, Kehle. Wangen u. Brust weiß, Schwanz schwarzroth u. gelb gewässert; Länge 1 Fuß 8 Zoll, Schwanz 1 Fuß; in Nordamerika; d) Amerikanischer Kreuzfuchs (C. decussatus), oben schwarz u. weiß melirt, ein Kreuz über Rücken u. Schultern, so wie Schnauze, Unterbauch und Bein schwarz, Schwanzspitze weiß, übrigens rein fuchsroth; in den gemäßigten Gegenden Nordamerikas; vielleicht nur Abart von Canis fulvus, der schön rein fuchsroth, an Hals u. Bauch weiß, an der Brust aschgrau ist; e) Isatis od. Eisfuchs Asiens (C. Isatis), einfarbig schneeweiß, aschgraulich od. schwärzlich, Ohren eirund, zugespitzt, Schwanz gestreckt, Spitze schwarz; Länge 1 Fuß 5 Zoll 6 Linien; in Nordasien; f) Der Kithfuchs (C. velox), oben fahl röthlichgelb, unten weiß, der Schwanz an der Spitze schwarz; in allen Prairien des oberen Missouri; g) Der Korssak (C. Corssac), oben fuchsröthlich graulich, Seiten u. Hals gelblich, Kinn, Kehle u. Bauch weiß; Schwanz an der Spitze schwarz; Länge 20 Zoll, der Schwanz etwa 1 Fuß; in der ganzen Tartarei; h) Fennec (Canis Zerda, Megalotis Cerdo) u. Großöhriger F. (Canis megalotis). im Lande der Kaffern, s.u. Ohrenthier; 2) eine Abart des Pferdes, s.u. Pferd; 3) so v.w. Rothe Feldtaube, s.u. Taube. 4) (Blaue Kante), einige Tagschmetterlinge aus der Gattumg der Eckflügelfalter: a) Kleiner F., (Kleine Aurelia, Papilio nymphalis phaleratus urticae L., Vanessa urt. Latr.), Flügel braun; schwarz gefleckt, Vorderflügel mit drei schwarzen Punkten u. einer Reihe hellblauer Flecken; fliegt sehr frühzeitig, Raupe (schwarz, gelb gestrichelt) gesellig auf Nesseln; b) Großer F. (Große Aurelia Pap. nymph. ph. polychloros, Vanessa p.), Flügel roth, mit schwarzen Flecken, am[775] Vorderrand einen gelben Streifen mit drei schwarzen, am Rande mehrern blauen Flecken; Raupe schwärzlich, gelbdornig, auf Rüstern, Weiden etc.; c) Schönergroßer F. (P. u. p. xanthomelas), Flügel wie jene, der hintere hat eine blaue Binde, unten braun neblich mit blasserer Mittelbinde; 5) in den Obstbäumen schädliches Insect; der Schmetterling ist groß, braunroth, mit großen schwarzen Flecken auf hellbraungelbem Grunde; die unteren Theile der Flügel sind mit einer Kante eingefaßt; dieser Schmetterling legt seine Eier auf die Kirsch- u. Birnbäume, u. aus diesen kriechen im zeitigen Frühjahr die Raupen aus, die sich zwischen den Zweigen ein großes Nest spinnen u. die Bäume abfressen; zur Abhaltung u. Vertilgung der Raupen umgibt man die Stämme mit Theerbändern u. vertilgt die Nester.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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