Gaēta [1]


Gaēta [1]

Gaēta, 1) Meerbusen u. 2) Seestadt daran, in der neapolit. mischen Provinz Terra di Lavoro, eine starke Festung, auf einem in das Meer hinausreichenden Felsenvorgebirg erbaut, so daß vom Lande her nur ein schmaler, durch mehrere, etagenweise über einander liegende Batterien gedeckter Zugang übrig bleibt; sonst sehr freundlich gelegen u. von vielen Landhäusern umgeben; der Plan der Festungswerke rührte von Karl V., die Details von den Franzosen nach der Eroberung der Stadt durch dieselben 1799 u. 1806; sie sind noch 1852 u. 1853 verstärkt worden; G. hat guten Hafen, Bischof, Kathedrale; 15.000 Ew. In der Nähe der Felsen Spaccata, der von oben bis unten gespalten ist, mit Wallfahrtskapelle. – G. bekam nach der Sage nach Cajeta (s.d.) Amme des Askanios, die daselbst begraben sein sollte, den Namen Cajeta. Auf jeden Fall war es eine alte, vor Rom gegründete Stadt; der sehr besuchte Hafen wurde vom Kaiser Antoninus Pius erweitert. Nach dem Untergange des Römischen Reichs wurde G. ein eigener Staat mit republikanischer Verfassung, der unter den Byzantinischen Kaisern von dem Prätor von Sicilien verwaltet wurde, welcher in G. seinen Sitz hatte. Später kam es unter päpstliche Hoheit, u. Papst Johann VIII. vergab es als Lehn an Pandenuls, Grafen von Capua. Darnach hatte auch G. seine eignen Herzöge, die zugleich den Titel kaiserliche Consuln führten. 877 war Docibitis Herzog, welcher, um sich von Capuas Einfluß zu befreien, die Sarazenen zu Hülfe rief. Diese Verbindung mit den Sarazenen suchten die Herzöge von G. fortdauernd zu erhalten, u. es gelang ihnen auf diese Weise, ihre Unabhängigkeit zu behaupten. 850 wurde das Bisthum von Formiä nach G. verlegt. Um 915 war Johann I. Herzog, u. nach diesein wählten die Gaetaner den Grafen Athenulf von Aquino u., mit Aquino verbunden, vereitelten sie das Bemühen der Fürsten von Salerno, sich G. zu unterwerfen. Um 969 war Johann II, um 1018 Johann III. Herzog, um 1040 Athenulf. der nach seines Bruders Lando Tode auch Graf von Aquino wurde, wodurch G. von Neuem mit Aquino verbunden wurde. 1057 (1063) hatte Richard von Capua G. an sich gebracht; nach dem Tode des capuanischen Fürsten Jordan erhielt G. wieder einen eignen Herzog an Jordans 4. Sohne, Jonathas; da aber dessen Söhne Richard u. Bartholomäus ohne Kinder starben, so wnrde G. meist Sitz apanagirter Prinzen aus dem normannischen Königshause. 1435 nahm König Alfons von Aragonien die Stadt ein u. legte noch mehrere Werke, so die Citadelle, an. Es blieb nun bei Neapel. Am 30. September 1707 stürmten es die Österreicher. Im Spanischen Erbfolgekriege hielt es eine dreimonatliche Belagerung aus u. wurde 1711 noch mehr befestigt. 1734 eroberten es die Spanier u. Sardinier unter Führung des nachmaligen Königs Karl von Neapel nach fünfmonatlicher Belagerung. Im Mai 1790 von den Franzosen u. Republikanern besetzt, wurde die Stadt 5. Juli wieder an den König übergeben. 1806 vertheidigte der Prinz von Hessen-Philippsthal G. gegen die Franzosen auf das Tapferste, u. die Festung ergab sich erst nach einer fast halbjährigen Belagerung, nachdem der Prinz schwer verwundet nach Sicilien übergeschifft war. Am 5. Ang. 1815 capitulirte der neapolitanische Oberst Begani an die Österreicher u. räumte den Platz. Im Nov. 1848 flüchtete Papst Pius IX. nach Gu. residirte hier bis zum Sept. 1849, während welcher Zeit G. der Sammelplatz mehrerer Fürsten, des Königs von Neapel u. des geflüchteten Großherzogs von Toscang, hoher Gesandten u. Diplomaten war. Im Mai 1849 wurde G. von 6000 Spaniern besetzt 3) Mola di G., Flecken ebendaselbst, in der Nähe von jenem, an der Straße von Rom nach Neapel; 2000 Ew.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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