Gibraltar


Gibraltar

Gibraltar, 1) britische Festung im spanischen Königreich Andalusien, an der gleichnamigen Meerenge, welche Europa von Afrika trennt, u. auf dem gleichnamigen Vorgebirge gelegen, dessen Name aus dem arabischen Gebel- (Gibl-) al-Tarik, d.i. Felsen des Tarik, entstanden ist; dasselbe besteht aus Kalkfelsen, hängt durch eine schmale Landzunge von 2700 Fuß mit dem Lande zusammen, bildet die Ostseite der Bai von Algesiras (Bai von Gibraltar), u. ist 14,500. Fuß lang, 4500 Fuß breit, 13–1400 Fuß hoch u. durch Natur u. Kunst gleich stark befestigt. Die ganze Felsmasse fällt von dem schmalen u. sattelförmigen Rücken fast senkrecht steil ab, im S.u. O. gegen das Meer, im N. gegen die Landzunge, an deren Vereinigungspunkte mit dem Festlande von den Spaniern eine Reihe von Schanzen, die sogen. Spanischen Linien (Lager von San Roque, St. Roch), errichtet wurden, jetzt aber in Trümmern liegen; weniger steil ist der Abfall nach W. zu der Bai von Algesiras, wo die Stadt liegt; an dem in drei Kuppen zerspaltenen Felsen, deren mittelste u. höchste das Signalhaus der englischen Flagge trägt, zieht sich eine vierfache Reihe von befestigten Linien etagenförmig über einander hinauf bis etwa zu 1000 Fuß Höhe. Sämmtliche Werke, durch mehr als 1000 Geschütze schweren Kalibers vertheidigt, sind in Felsen gehauen; die hohen Felsengewölbe vermögen die gewöhnliche Besatzung von 4000 Mann bequem zu fassen; die wenigen zugänglichen Punkte der Küsten sind durch starke Batterien vertheidigt, namentlich auch die Südspitze, Punta de Europa, von der aus man das gegenüberliegende Ceuta in Afrika sehen kann. Die Stadt an der Westküste hat einen durch die stärksten Batterien, sowie den alten u. neuen Molo vertheidigten Hafen; sie liegt so steil am Felsen, daß manche Gassen nur in Stein gehauene Treppen sind, u. hat drei Thore, das Water-Port, Land- od. Spanische u. das Süd-Port, welches zu dem Alamedapark führt; die Straßen sind blos chaussirt, die Häuser sämmtlich schwarz angestrichen; ansehnlich ist der Handel, bes. der Schleichhandel nach Spanien. G. ist der Sitz des englischen Gouverneurs (jetzt Sir James Fergusson); 17,000 Ew., worunter 1500 Protestanten u. ebensoviel Juden mit Synagoge. Das Klima ist das wärmste in Europa, aber durch den Einfluß des Meeres sehr gemildert; alle südeuropäischen Culturgewächse gedeihen; Kühe, Ziegen u. Schafe finden immer grünende Nahrung. Auch ist G. der einzige Ort in Europa, wo sich Affen aufhalten; sie leben in den zahlreichen Höhlen u. Schluchten der Kalkfelsen. G. erhält seine hohe Wichtigkeit bes. dadurch, daß es die Meerenge zwischen Europa u. Afrika beherrscht u. dieselbe mit Hilfe einer Flotte gänzlich sperrt. England trennt daher, indem es G. besitzt, die Flotten Frankreichs u. Spaniens. – G. hieß in älteren Zeiten Calpe, lag nicht weit von dem gleichnamigen Vorgebirg u. soll von Hercules, der hier über die Meerenge setzte, als er die Apfel der Hesperiden holte, gegründet u. deshalb Heraclea genannt worden sein. Die Römer schickten eine Colonie hierher u. nannten es Colonia Julia Calpe. 714 landete der arabische Feldherr Tarik daselbst, u. von ihm bekam das Vorgebirg den Namen Dschebel el Tarik, woraus später G. entstand. Die Araber erbauten das Schloß von G. (1149) auf der jetzigen Stelle. 1302 eroberte Ferdinand II. von Castilien G.; die Mauren nahmen es zwar 1333 wieder, doch eroberte es Don Gusman, Herzog von Medina Sidonia, für König Heinrich IV. 1704 nahm es der englische Admiral Rooke, u. obgleich die Spanier, später von den Franzosen unterstützt, G. 1704 u. 1705 (s. Spanischer Erbfolgekrieg) belagerten u. auf das Heftigste beschossen, so hielten sich die Engländer doch u. behielten es auch im Utrechter Frieden. 1727 machten die Spanier abermals durch eine viermonatliche Belagerung einen fruchtlosen Versuch, G. den Engländern zu entreißen. 1731 legten die Spanier das Lager von St. Roch an. Im Juli 1779 begann in dem, durch den Nordamerikanischen Freiheitskrieg veranlaßten Kriege zwischen Spanien, Frankreich u. England die Belagerung, indem die bourbonischen Höfe G. den Briten zu entreißen strebten. Zwar beschränkten sich die Spanier 1780–81 mit 28,000 Mann u. 9 Linienschiffen nur auf eine Blockade, G. wurde aber durch Rodneys u. im April 1781 durch Darbys Flotte verproviantirt. Im November 1781 unternahm der Gouverneur Elliot einen Ausfall u. zerstörte das Lager von St. Roch fast gänzlich. Im [342] April 1782 verstärkte der Herzog von Crillon das Belagerungscorps um 8000 Mann. Am 15. Aug. 1782 wurden die Laufgräben eröffnet u. damit bis zum 8. Sept. fortgefahren. Um diese zeit erschien auch die combinirte französisch-spanische Flotte, 38 Linienschiffe stark, vor G., u. dadurch wurde die Seemacht vor diesem Platze auf 47 Schiffe, welche die Einschließung vollenden u. der britischen Flotte unter Howe den Eintritt verwehren sollten, gebracht. Nach lebhaftem gegenseitigem Feuer erfolgte am 13. Sept. der Angriff durch die Schwimmenden Batterien, welche der französische Ingenieur d'Arçon erdacht hatte. Sie bestanden aus 10 abgetakelten u. durch Lagen von Steinen bombenfest gemachten alten Linienschiffen u. führten zusammen 148 metallene u. 150 eiserne Kanonen. Sie rückten bis 800 Schritt an den alten Hafendamm heran u. begannen ihr Feuer, wurden aber theils von den Engländern mit glühenden Kugeln in Brand geschossen, theils von den Spaniern verlassen u. auch in Brand gesteckt. Die Spanier hatten 1500 Mann, die Briten nur etwa 500 verloren. Trotz dieses Verlustes wurde die Belagerung fortgesetzt, mit den Approchen näher gerückt, hauptsächlich aber Alles auf die Verhinderung der Verproviantirung der Festung durch den Admiral Howe gesetzt. Dieser nahte sich mit 36 Linienschiffen, 8 Fregatten u. 3 Feuerschiffen, ein Sturm zerstreute die sich zur Gegenwehr rüstende alliirte mehr als 50 Schiffe starke Flotte, u. Howe segelte durch die Meerenge u. kam glücklich nach G., wohin er schon früher zahlreiche Transportschiffe gesendet hatte. Die Alliirten hoben hierauf die Belagerung den 15. u. 16. October auf, ließen jedoch ein Corps von etwa 16,000 Mann im Lager von St. Roch zurück. Seitdem blieb G. noch eine Zeit lang blockirt, wurde aber nicht wieder belagert. In dem Kriege Spaniens mit England 1805–1807 wurde G. nur beobachtet, als aber Spanien sich 1808 eng mit England verbündete, wurden die Linien von St. Roch gesprengt, später jedoch nothdürftig wieder hergestellt. G. blieb nach der Wiedereinsetzung Ferdinands VII., bes. aber nach der Invasion der Franzosen 1821, wodurch Ferdinand VII. von Cadix zurückgeführt wurde, der Sammelplatz der spanischen Mißvergnügten, u. von hier aus geschah bes. 1831 die Landung des unglücklichen Generals Torijos. In dem Carlistisch-christinosschen Kriege hat G. den Christinos stets zum völlig sichern Waffenplatz gedient. 2) Meerenge von G. (Straße von G.), Meerenge zwischen Andalusien u. Fez, trennt Europa von Afrika u. verbindet das Mittel- mit dem Atlantischen Meere. Durch sie führt eine Strömung, Folge des Golfstromes, an der Südküste nach O. in das Mittelmeer, ein zweiter an der Nordküste nach W. aus derselben in den Ocean. 3) Campo de G., District in der spanischen Provinz Sevilla am Mittelmeere; Hauptort Algeziras. 4) Postort in der Township Brownston der Grafschaft Wayne im Staate Michigan (Nordamerika), an der Mündung des Detroit River in den Eriesee, Leuchtthurm; 5) (früher Bailey's Harbor), Hauptort der Grafschaft Door im Staate Wisconsin, am Michigansee.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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