Okeănos

Okeănos

Okeănos, ältester Titane, Sohn des Uranos u. der Gäa, von der Tethys Vater der Flüsse u. Quellen u. der 3000 Okeaniden (Okeanĭdes, Okeanīnä), halb schöne Jungfrauen, halb Fische, od. ganz menschlich gestaltete Göttinnen, halten Kränze von Meergras, Korallenschnüre u. Muscheln, reiten auf Delphinen etc. Zur Zeit der Herrschaft der Olympier ist er denselben ein Gegenstand der Achtung, nimmt aber keinen Theil am Weltregiment u. an den Götterversammlungen, sondern lebt in ferner Abgeschiedenheit. Als poetischer Gott erscheint er immer friedfertig u. treuherzig. Er ist die Personification des großen, breiten, tiefwirbelnden Weltstromes, welcher die Erde u. das Meer umfaßt, u. aus welchem alle Fluthen des Meeres, Flüsse u. Quellen entströmen; aus seinen Wogen steigen am Morgen die Sonne u. am Abend Mond u. Gestirne u. tauchen nach vollendetem Laufe über die Erde wieder in jhn. An seinen Gestaden im Süden wohnten die Äthiopen, in Westen die Kimmerier; dorthin kommt kein Sonnenstrahl, sondern ist ewige Nacht, daher jenseit der Eingang in Re Unterwelt, diesseit das Elysium. Erst seit Herodot erscheint O. als erdumsließendes Meer; er galt als schwer od. gar nicht zu beschissen, u. es gingen Sagen von Dunkelheit, Untiefen u. beständiger Windstille auf ihm. Aus ihm strömte in Westen das Mittelmeer durch die Säulen des Herakles, u. in ihn ergossen sich nach der Meinung der Alten das Kaspische Meer in Nordost. Später unterschied man als Theile dieses Weltmeeres den Äthiopischen, Erythräischen, Germanischen, Hyperboreischen, Gallischen etc. Ocean; bei Cäsar ist Oceanus so v.w. Atlantisches Meer.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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