Griechische Sprache


Griechische Sprache

Griechische Sprache. Die G. S. bildet zusammen mit den zunächst verschwisterten italischen (latinisch u. umbrisch-sabellischen) Sprachen eine der sechs (od. acht) Hauptgruppen des großen Indo-germanischen Sprachstammes. Über das Verhältniß des Griechischen zu der Sprache der Pelasger sowie anderer Völker u. Stämme, welche vor Begründung des hellenischen Staatensystems Griechenland, den Peloponnes u. die griechische Inselwelt[644] bewohnten, ist dunkel, doch deutet Vieles darauf hin, daß wenigstens ein Theil dieser Völkerschaften Glieder desselben Stammes waren. In historischer Zeit war die hellenische Zunge bereits das gemeinsame Band, welches die damaligen sämmtlichen Glieder der Nation als einen Familienkreis umschlang u. in dessen Bewußtsein sie jeden Fremden (Βάρβαρος) mit stolzem Selbstgefühl ausschlossen. Außer Griechenland wurde die Sprache in einem großen Theile Kleinasiens, den griechischen Pflanzstädten in Unteritalien u. Sicilien, sowie in jenen Gegenden, wohin sich griechische Colonien verbreitet hatten, gesprochen. Naturlage, Stammverschiedenheit u. eine möglichst große Verschiedenheit in Charakter u. Denkweise hatten auch bei den Griechen, wie anderwärts mehrere geschiedene Dialekte hervorgerufen; dieselben lassen sich in zwei Haupttypen unterordnen, den Dorischen (Doris) u. Ionischen (Jas). Der Dorische Dialekt trennt sich in das engere Dorische u. das von ihm öfters bedingte, überhaupt beschränktere Äolische, während die Ionische Mundart bis zur Festsetzung des Atticismus eine gewisse Einheit erhielt. Jeder dieser Dialekte begriff eine Menge topischer Mundarten u. Idiotismen unter sich. Mit Einrechnung des Atticismus spricht man gewöhnlich von vier Hauptdialekten der G-n S., von denen der Ionische zuerst seine literarische Ausbildung erhielt. Neben u. nach letzterem trat das Dorische u. Äolische in die Literatur ein, bis die Attiker, nachdem die Dialekte gewissermaßen das Maß ihres physischen Daseins erschöpft hatten, sich aller bisher zu Tage geförderten sprachlichen Schätze mit eklektischer Gewandtheit bemächtigten u. das Attische Idiom zur allgemeinen Literatursprache der griechischen Nation erhoben. a) Der Dorische Dialekt (Doris) wurde fast im ganzen Peloponnes, in der Dorischen Tetrapolis, den Dorischen Colonien Kleinasiens u. Unteritaliens (Tarent), in Sicilien (Syrakus u. Agrigent) u. am reinsten bei den Messeniern gesprochen. Er war rauh, hart, breit, besonders durch das vorwaltende lange α statt des E-Lautes, welche Eigenthümlichkeit Plateiasmos (breite Aussprache) hieß. Eine andere Eigenthümlichkeit dieses Dialektes war, besonders in Elis, der Rhotakismos, d.h. der vorherrschende Gebrauch des ρ statt des σ im Auslaut, u. das Digamma. Unter den Schriftstellern haben sich seiner besonders die lyrischen Dichter bedient, deren jeder in einem besonderen Landesdialekt geschrieben; etwas Ganzes in diesem Dialekt ist nur noch in den Gedichten Pindars übrig, auch die Dramatiker nahmen in den Chören, als lyrischen Theilen, dorische Formen auf; von Prosaisten schrieben in diesem Dialekt besonders die Pythagoreer u. Mathematiker u. Philosophen, doch ist davon wenig übrig. Der sicilische Dorismus wurde, in seiner Annäherung an die Weichheit des Ionischen Dialekts, Grundlage des Dialektes der Bukoliker, od. des neueren Dorischen Dialektes, wie ihn die Grammatiker nennen, in Dem Theokritos, Bion u. Moschos schrieben. b) Der Äolische Dialekt (Äolis) wurde gesprochen nördlich des Isthmus mit Ausnahme von Megara, Attika u. Doris; ferner in den äolischen Colonien Kleinasiens u. auf einigen nördlichen Inseln des Ägäischen Meeres. In Kleinasien u. auf den Inseln wurde er früh sehr verfeinert u. ausgebildet; mehrere der ältesten u. berühmtesten Lyriker dichteten in ihm; doch haben sich nur Bruchstücke des Alkäos u. der Sappho erhalten. c) Der Ionische Dialekt (Jas), ursprünglich in Attika geredet, wurde von den, nach der Westküste Kleinasiens auswandernden Griechen mitgenommen, u. da sich diese Colonien früher als der Mutterstamm ausbildeten, so blieb ihrem Dialekt vorzugsweise die Benennung des Ionischen. Bes. erhielt er Bedeutung dadurch, daß die Homerischen Gesänge in ihm gesungen wurden, daher er zu allen Zeiten als Homerische u. Epische Sprache gebraucht wurde. Er ist wegen der Häufung der Vocale u. fast des gänzlichen Mangels von Contractionen der weichste der griechischen Dialekte. Außer Homer dichteten in ihm Hesiodos, Theognis u. mehrere andere alte Dichter. Bei diesen aber ist das Griechisch noch mehr die alte Sprache Attikas; der eigentliche Ionische Dialekt, welcher sich erst später bildete, tritt bes. in den Gedichten des Anakreon u. in den Schriften des Herodotos u. Hippokrates hervor. Daß die Letzteren, welche doch Dorer waren, sich dieses Dialekts bedienten, beweist, daß die Jas in Kleinasien damals wegen ihrer Ausbildung die gewöhnliche Schriftsprache, außer in Gedichten, war. d) Der Attische Dialekt (Atthis). Das Altattische war, wie eben gesagt ist, von dem Altionischen wenig verschieden. Die eigentliche Atthis wurde bes. seit den Perserkriegen, wo Athen so große politische Bedeutung erhielt, ausgebildet, indem unter dem Schutze schrankenloser demokratischer Freiheit die Beredsamkeit u. das Drama aufblühte u. mit diesen Zweigen der Literatur auch die Geschichtsschreibung u. Philosophie auf ihren Gipfel gehoben wurde. Indem die Form viel galt, mußte die Sprache hohe Bildung gewinnen, s. Griechische Literatur. Der Attische Dialekt zeichnet sich bes. dadurch aus, daß er zwischen der ionischen Weichheit u. der dorischen Härte die Mitte hielt u. eine kraftvolle, klangreiche Sprache zeigte. Mehr aber zeichnet sich der Attische Dialekt vor allen anderen in der Syntax, durch zweckmäßige Kürze, durch wirksames Zusammenstellen der Hauptmomente u. durch eine gewisse Mäßigung im Behaupten u. Urtheilen (Erfolge des seinen Umgangstones) aus. Von dem echten Atticismus, in der Glanzperiode der G-n S.u. Literatur, der sich in Thukydides, in den Tragikern Äschylos, Sophokles u. Euripides, so wie in Aristophanes findet, unterscheidet sich der neuere Atticismus, in dem die jetzt bis auf wenige Fragmente verlorenen Werke der neueren Komödie u. die Redner der philippischen Zeit, bes. Demosthenes, schrieben. Als in der macedonischen Zeit die Attische Sprache Hof- u. Büchersprache in allen griechischen Landen wurde u. dadurch die Reinheit der Sprache gefährdet ward, ja ihre Ausartung schon begann, so fing man an durch grammatische Bestimmung den echten Atticismus zu bestimmen u. festzuhalten. Freilich hinderte man so auch die Weiterbildung der Sprache u. verfuhr allzu pedantisch, indem man selbst Besseres, Natürlicheres u. Bezeichnenderes, wenn es nicht Altattisch war, verwarf. Die als allgemein geltende Sprache hieß die allgemein griechische od. hellenische (κοινή od. ἑλληνική), die Schreibenden in derselben κοινοί od. Hellenes. Zu diesen gehören zuerst die griechisch schreibenden Nichtathener, dann auch Athener selbst, also Aristoteles, Theophrastos, Apollodoros, Diodoros Sikul., Plutarchos u. die[645] übrigen Späteren; echt attisch zu schreiben (daher Atticisten, s. Griechische Literatur) bemühten sich bes. Lukianos, Älianos, Arrianos. Daneben gingen noch andere Dialekte, so e) der Macedonische, welcher, ursprünglich ein dorischer, in der späteren Zeit, da die Macedonier herrschend in Griechenland wurden, seine Eigenthümlichkeiten in das Gemeingriechisch brachte. Auch in Ägypten (s.d. [Gesch.] IV.) wurde eine macedonische Dynastie gegründet u. von dem dortigen Sitze der Herrscher u. der Gelehrsamkeit (s. Griechische Literatur) hieß nun der dortige Dialekt f) der alexandrinische. Auch Barbaren in Asien, wie Juden, Syrer u. dgl., redeten damals griechisch u. mischten ihre Idiotismen in das Griechische; diese hießen Hellenisten, u. daher die mit ungriechischen Formen u. orientalischen Wendungen verderbte Sprache g) die hellenistische. Sie findet sich bes. in den jüdischen Schriftstellern, die griechisch schrieben, in den Siebenzig, in dem Neuen Testament u. mehr od. weniger in den Werken der griechischen Kirchenväter. Unter anderen gehört zu deren Idiotismus der Mangel des Dualis u. Optativus u. der Gebrauch mehrerer eigenthümlicher Formen u. syntaktischer Wendungen, die sich im Altgriechischen nicht finden. Durch neue Barbarismen in Constantinopel, wo nach der Einnahme Alexandriens durch die Sarazenen der Sitz der griechischen Literatur war u. ein Zusammenfluß nördlicher u. germanischer Völker entstand, bildete sich dort h) die Byzantinische Sprache, u. endlich nach dem Sturze des Byzantinischen Reiches durch die Türken bildete sich durch den Einfluß von slawischen, türkischen, italienischen u. vielen benachbarten barbarischen Stämmen das Neugriechische, s.d. Vgl. Maittaire, De linguae graecae dialectis, Haag 1706, 2. A. Lond. 1737; neu herausgegeben von Sturz, Lpz. 1807; Sturz, De dialecto macedon. et alexandr., ebd. 1808; Ahrens, De dialectis graecis Götting. 1839 bis 1843, Bd. 1. 2.

Das Alphabet der G-n S. ist:

Α, α (Alpha) = a

Β, β (Beta) = b

Γ, γ (Gamma) = g

Δ, δ (Delta) = d

Ε, ε (Epsilon, das dünne, kurze e) = ĕ

Ζ, ζ (Zeta) = z

Η, η (Eta od. Ita) = ē od. ī

Θ, ϑ (Theta) = th

Ι, ι (Jota) = i

Κ, κ (Kappa) = k

Λ, λ (Lambda) = l

Μ, μ (My) = m

Ν, ν (Ny) = n

Ξ, ξ (Xi) = x

Ο, ο (O mikron, das kleine, kurze o) = ŏ

Π, π (Pi) = p

Ρ, ρ (Rho) = r

Σ, σ (so im Anlaut, im Auslaut ς, Sigma) = s

Τ, τ (Tau) = t

Υ, υ (Y psilon) = y

Φ, φ (Phi) = ph

Χ, χ (Chi) = ch

Ψ, ψ (Psi) = ps

Ω, ω (O mega, das große, lange o) = ō

Von diesen Buchstaben soll um 1500 v. Chr. der Phönizier Kadmos sechzehn nach Griechenland gebracht haben, nämlich Α, B, Γ, Δ, Ε, Ι, Κ, Λ, Μ, Ν, Ο, Π, Ρ, Σ, Τ, Υ, daher diese auch Kadmeische od. Phönizische, auch, weil sie die Athener lange brauchten, Athenische Buchstaben hießen. Zu diesen sollen Simonides aus Keos u. Epicharmos aus Sicilien zur Zeit der Perserkriege (nach Anderen Palamedes zur Zeit des Trojanischen Krieges) noch Z (Ξ). Ψ, Ε, Ω u. Θ, Ξ (Z), Φ, X hinzugefügt haben. Eigentlich kam das vollständige Alphabet wohl aus Kleinasien, wo es die Jouer (daher Ionische Buchstaben) lange schon brauchten, die Athener in Staatsschriften erst seit dem Archon Euklides (403 v. Chr.). Von den drei dazu kommenden Zahlbuchstaben s.u. Episema. Für w haben die Griechen keinen Laut, für v u. f brauchten die Früheren das Digamma (s.d.), die Späteren in Fremdwörtern β od. ου; h ward durch den Spiritus asper ('), zu Anfang eines Wortes über den Vocal gesetzt, ausgedrückt; alle anderen mit Vocalen beginnenden Wörter erhalten den Spiritus lenis ('), welcher nicht ausgesprochen wird. Man schrieb in der ältesten Zeit von der Rechten zur Linken, dann u. noch zur Zeit des Solon Bustrophedon (s.d.) u. zuletzt, wie noch jetzt, von der Linken zur Rechten. Von den Vocalen sind kurze ε, ο, lange η, ω, zweizeitige α, ι, υ; Diphthongen sind αι, ει, οι, υι, αυ, ευ, ου, Die Aussprache der Vocale u. Diphthongen bei den alten Griechen ist mit Sicherheit nicht mehr nachzuweisen; unter den Neueren haben sich bes. zwei Arten der Aussprache geltend gemacht, nämlich die des Reuchlin u. Erasmus. Jener nämlich, gestützt zumeist auf die Aussprache der Neugriechen, sprach mit seinen Anhängern (Reuchlinianern) η, ει, οι, υ, υι, sämmtlich wie ī (daher seine Anhänger Itacisten, die Aussprachsweise Itacismus), αυ u. ευ wie af u. ef, αι wie ä aus; Erasmus dagegen mit seinen Anhängern (Erasmianern) sprach η wie ē (daher Etaeisten, Clacismus), dann ει, οι, αυ, ευ, αι wie Diphthongen ei, oi, au, eu, ai. Die Consonanten theilt man a) in einfache u. diese in aa) Halblaute, λ, μ, ν, ρ, σ, u. bb) stumme, welche wieder in Aspiratä φ, χ, ϑ; Mediä β, γ, δ u. in Tenues π, κ, τ, zerfallen; u. b) in Doppelconsonanten: ψ, ξ, ζ Wo der Ton auf einem Worte ruht, wird, seit der Alexandrinischen Zeit, durch besondere Zeichen (Accente) angegeben, s.u. Accent. Wörter, welche gar keinen Accent haben, heißen Atona; die ihren Accent auf das vorhergehende Wort zurücklegen, heißen Enklitika. Das Substantivum hat drei Geschlechter u. flectirt sich nach drei Declinationen, die jedoch in den verschiedenen Dialekten sehr verschieden sind; es hat drei Numeri, indem es außer dem Singular u. Plural noch einen Dual hat; die fünf Casus sind Nominativ, Accusativ, Dativ, Genitiv, Vocativ. Das Adjectivum hat theils drei, theils zwei Endungen, in letzterem Falle für das Masculinum u. Femininum eine gemeinschaftliche; die Declination ist genau die der Substantive u. zwar nach allen drei Weisen. Das Adjectivum kann auch gesteigert werden, s. Comparation. Der Artikel ist in der alten Sprache noch mit dem Pronom personal. gleich (vgl. Germanische Sprachen). Von den Pronomina haben die Personalia eine eigene Declinationsweise, in den anderen schließt sie sich an die gewöhnliche des Nomen; alle haben einen Dual. Das Verbum hat drei Genera, indem zum Activum u. Passivum noch ein Medium (s.d.) kommt; die Tempora sind Präsens, Imperfectum, Perfectum, Plusquamperfectum, Aoristus, Futurum; zu den gewöhnlichen Modis, dem Indicativ, Imperativ, Conjunctiv, kommt noch der Optativus (s.d.). Bei der Bildung der Tempora tritt eine den Germanischen Sprachen ähnliche zweifache Conjugation hervor, eine, die den Stammvocal ablautet, u. eine andere, die ihn unverändert läßt (vgl. Germanische Sprachen); außerdem werden[646] für jedes Tempus besondere Endungen angehängt u. die Tempora praeterita erhalten auch am Anfang Zusätze, das Augmentum u. die Reduplication (s.b.). Die Flexion der Endung ist verschieden je nach dem Charakter des Verbums: man unterscheidet hier Verba barytona, d.h. Wörter, die einen Consonanten od. υ zum Charakter u. den Accent nicht auf der letzten Sylbe haben, τύπτω, λύω; u. Verba pura, Wörter, die einen Vocal zum Charakter haben, u. sich also auf – άω, –έω, – όω endigen; bei ihnen wird in dem Attischen Dialekt der Charaktervocal mit dem Vocal der Endung gewöhnlich contrahirt, daher heißen sie auch Verba contracta. Die Verba in μι sind eigentlich Verba pura, die aber ihren Charaktervocal verlängern u. statt der Endung – ω die Endung – μι annehmen, – ημι, –ημι, – ωμι, u. außerdem noch eine Reduplication bekommen, also die Formen ἵστημι, τίϑημι u. δίδωμι für στάω, ϑέω, δόω. Übrigens kommt außer dem Singular u. Plural auch hier der Dualis vor u. jeder Numerus hat drei Personen. Die indeclinabeln Redetheile sind Adverbia (welche zum Theil comparationsfähig sind), Präpositionen (welche bald den Accusativ., bald den Dativ, bald den Genitiv, theils einen allein, theils zwei, theils auch alle drei dieser Casus regieren), Conjunctionen u. Interjectionen. Die Syntaxis ist sehr ausgebildet; die Wortstellung ist, wie bei allen Sprachen mit reichen Nominalendungen, eine freie. Der Anfang des Vater Unser lautet: πάτερ ἡμων ὁ ἐν τοῖς οὐρανοῖς, ἁγιασϑήτω τὸ ὄνομιά σου, d.i.: Vater unser, der in den Himmeln, geheiligt sei der Name deiner.

Die Forschung über ihre eigene Sprache beginnt bei den Griechen mit Untersuchungen über die Redetheile. Die Scheidung derselben bildete sich von Plato an durch Aristoteles, die Megariker, die Stoiker u. durch einzelne andere Philosophen aus u. gelangte endlich durch Aristarchos zur bestimmten Trennung der noch jetzt angenommenen acht Wörterklassen. Dabei lenkte man jedoch schon früh auch die Aufmerksamkeit auf Genus, Numerus, Flexion etc. u. leitete dadurch den Aristarch zur reineren Behandlung der eigentlichen Formenlehre hin. Der Letztere untersuchte namentlich mit Kratos u. Apollonios Dyskolos manche schwierige Punkte der philosophischen Grammatik, während andere wie Herodianos, Moschopulos Chöroboskos, sich mehr mit der Formenlehre beschäftigten u. über Orthographie, Orthoépie, Betonung, Quantität etc. schrieben; vgl. Classen, De grammaticae graecae primordiis, Bonn 1829; Lorsch, Die Sprachphilosophie der Alten, Bonn 1839–41, 3 Bde.; Rud. Schmidt, Stoicorum grammatica, Gött. 1838; Séguier, La philosophie de langue exposée d'auprès d'Aristote, Par. 1838: Lange, Das System der Syntax des Apollonios Dyskolos, Gött. 1852. Die Forschungen der Alexandriner wurden wieder von Späteren compilirt, u. gelangten so zu den Byzantinern u. von diesen nach dem Falle des Oströmischen Reichs durch griechische Flüchtlinge, wie namentlich Chrysolaras, Lascaris u. Theodor Gaza nach Italien. Nachdem bereits in Italien mehrere grammatische Schriften zur Erlernung des Griechischen gedruckt worden waren, wurde die G. S. in Deutschland 1518 grammatisch behandelt; zuerst von Erasmus, Reuchlin u. Melanchthon, dann von Neander, Sylburg, H. Stephanus u.a. Diese ältern Arbeiten waren freilich sehr dürftig u. äußerlich gehalten. Als aber die Philosophie auch ihren Einfluß auf die Grammatik zu üben begann, wurde die Bearbeitung derselben auch wissenschaftlicher u. kritischer. Viel Unterstützung erfuhr dieselbe durch die scharfsinnigen Untersuchungen der Holländer Hemsterhuis u. Valckenaer. Eine Reformation der Grammatik wurde durch G. Hermann's Schrift De emendanda ratione grammaticae graecae (Lpz. 1801) angebahnt. Mit Übergehung der ungemein zahlreichen Schriften aus dem 16. u. 17. Jahrh., unter denen namentlich die von Weller (zuerst Amst. 1696; herausgegeben von Fischer, Leipzig 1750 u.ö., zuletzt 1781), die sogenannte Hallesche (zuerst 1705) u. Märkische (Berlin 1730 u.ö.) Erwähnung verdienen, sind als die besten Arbeiten der neuern Zeit hervorzuheben: die ausführlichen griechischen Sprachlehren von Matthiä (Lpz. 1807, 3. Aufl., Lpz. 1835, 3 Bde.), von Buttmann (bloß die Formenlehre enthaltend), Berl. 1819–27, 2 Bde.; 2. Aufl., mit Zusätzen von Lobeck, 1830–39, 2 Bde.), Fr. Thiersch (Lpz. 1812, 3. Aufl. 1826), Kühner (Hannov. 1834–35, 2 Bde.). Unter den zahlreichen Grammatiken für die Zwecke des Unterrichts zeichnen sich aus die von Buttmann (19. Aufl., Berl. 1853), Matthiä (Lpz. 1808, 2. Aufl. 1824), Rost (Gött. 1844), Kühner (Schulgrammatik, 2. Aufl., Hann. 1843); Curtius (3. Aufl., Prag 1858). Zahlreiche Monographien über die verschiedensten Punkte der Formenlehre u. Syntax liegen bes. in Programmen u. Gelegenheitsschriften vor. Die Syntax im Besondern wurde u.a. von Bernhardy (Berl 1829) u. Madvig (Braunschw. 1847) bearbeitet; einzelne Partien der Formenlehre wurden auf das Eingehendste von Lobeck (s.d.) behandelt. Von höchster Wichtigkeit für die Erkenntniß des griechischen Sprachorganismus ist die vergleichende Grammatik geworden; das Wichtigste auf diesem Gebiete haben bisher Bopp (Vergleichende Grammatik, Berl. 1833 bis 1851, 4 Thle., 2. Aufl. 1855 ff.), Pott (Etymologische Forschungen, Lemgo 1833–35, 2 Bde., 2. Aufl., 1859, 1 Bd.), Benfey Griechisches Wurzellexikon (Berl. 1839, 2 Bde.), G. Curtius, A. Kuhn, Aufrecht u.a. geleistet. Über den griechischen Accent schrieb Göttling (Jena 1835), über Prosodie Spitzner (3. Aufl., Gotha 1829), über Metrik von Leutsch (Gött. 1841) u. Roßbach (Lpz. 1854–58, 2 Bde.). Die griechische Lexikographie wurde von den griechischen Grammatikern selbst begründet, von deren theils allgemeinen theils speciellen Wörterbüchern wir noch eine ziemliche Reihe unter den Namen Lexikon, Glossarium, Etymologicum, Onomasticum u. Synonymicum besitzen. Nachdem Wiederaufleben der klassischen Studien hat vor Allem H. Stephanus durch seinen Thesaurus linguae graecae den ersten Grund zu einem umfassenden griechischen Wörterbuch gelegt; einen Auszug daraus besorgte Scapula Einen wahren Fortschritt in der griechischen Lexikographie in der. 2. Hälfte des 18. Jahrh. durch die von Hemsterhuis begründete Schule, in deren Geiste auch J. G. Schneider das erste größere Griechisch-Deutsche Wörterbuch (Züllichau 1797 bis 1798, 2 Bde., 3. Aufl., Lpz. 1819–21) bearbeitete. Letzteres wurde von Passow seinem Handwörterbuch[647] der G. S. (Lpz. 1819–24, 2 Bde., 4. Aufl Lpz. 1831, 2 Bde.) zu Grunde gelegt. Eine Neugestaltung des Passow'schen Werks haben Rost, Palm, Kreußler, Keil u. Peter (Lpz. 1841 bis 1858, 2 Bde.) zu Ende geführt. Sonst sind außer Rost's Griechisch-Deutschem Schulwörterbuch (Gotha 1820, 4. Aufl., besorgt von Ameis u. Mühlmann, Braunschw. 1852, 2 Bde.), noch die Wörterbücher von Jacobitz u. Seiler (Lpz. 1839 bis 1846, 2 Bde. in 4 Abtheilungen) u. von Pape (2. Aufl., Braunschw. 1850, 4 Bde., mit einem Wörterbuch der griechischen Eigennamen) hervorzuheben. Die umfassendste Arbeit auf dem Gebiete der griechischen Lexikographie ist jedoch die neue Bearbeitung des Thesaurus von Stephanus (Par. 1831–57, Bd. 1–8), welche an Reichthum des Stoffs alle andern griechischen Wörterbücher übertrifft.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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