Gärtner [2]


Gärtner [2]

Gärtner, 1) Karl Wilh. G. von Rohrsdorf, geb. 1700 in Dresden; wurde 1727 Professor der Rechte in Leipzig, 1733 Appellationsrath in Dresden, ging 1749 nach Wien u. st. das. 1760 als kaiserlicher Reichshofrath; er schr.: Institutiones juris criminalis, Lpz. 1729; Westfälische Friedenskanzlei, ebd. 1731–38, 9 Bde.; u. gab den Sachsenspiegel heraus. 2) Karl Christian, geb. 1712 zu Freiberg im Erzgebirge; studirte in Leipzig u. gehörte hier dem Vereine an, welcher die Sächsische Dichterschule bildete. Um 1745 ging G. als Hofmeister[939] nach Braunschweig, wo er 1747 am Carolinum Professor der Moral u. Rhetorik wurde u. 1791 st.; er schr.: Reden, Braunschw. 1761; Die geprüfte Treue (Schäferspiel), ebd. 1768; Die schöne Rosette (Lustspiel), Lpz. 1782, u.a.m.; gab heraus: Giseckes poetische Werke u. I. A. Schlegels Fabeln u. Erzählungen, war Mitherausgeber der Bremischen Beiträge, u. übersetzte mehrere Bände von Rollins Geschichte u. Bayle's Wörterbuch; vgl. Roose, Über K. A. Schmids u. K. Chr. G-s Verdienste um die Deutsche Literatur, Helmst. 1792. 3) Joseph, geb. 1732 in Calw; studirte in Göttingen Medicin, wurde nach mehrjährigen Reisen Professor der Anatomie in Tübingen u. 1768 der Botanik u. Director des Botanischen Gartens in Petersburg; doch kehrte er nach einigen Reisen, bes. in die Ukraine, schon 1770 nach Kalw zurück u. st. 1791. Die von ihm begründete Unterscheidung der Pflanzen nach der Fruchtbildung gab der Botanik eine neue Richtung. Er schr.: De fructibus et seminibus, Stuttg. 1789–91, 2 Bde. 4) Johann Andreas, geb. 1743 in Dresden, widmete sich als Militär in Polen dem Geniewesen, ging dann nach Wien, Berlin u. Paris, vollendete auf Befehl des Kurfürsten Clemens Wenzel von Trier den Bau der Residenz in Coblenz, wurde später Artilleriehauptmann, dann Director der Bauten in Würzburg, 1802 kurbaierischer Architekt u. 1804 Hofbauintendant in München, wo er 1826 starb. 5) Karl Friedrich, Sohn des Vor., geb. 1. Mai 1772 in Calw, widmete sich der Pharmacie in Stuttgart, studirte 1794 in Jena u. 1795 in Göttingen Medicin u. Naturwissenschaften u. ging 1796 nach Calw zurück, wo er die praktische Medicin ausübte. Sich nebenbei mit Naturwissenschaften beschäftigend, stellte er bes. zahlreiche Versuche über die Bastardbefruchtung der Pflanzen an. Er machte 1802 eine Reise durch Frankreich, England u. Holland, wurde später Mitglied des Stadtrathes in Calw u. st. 1850. Er verfaßte 1799 den kryptogamischen Theil von Gmelins Flora sibirica u. den 5. Theil dieses Werkes u. schr.: Vorläufige Nachrichten über die Befruchtung der Gewächse, 1826; Über die Erzeugung von Bastardpflanzen (Preisschrift) 1837, 2. Aufl. Stuttgart 1849; Beiträge zur Kenntniß der Befruchtung der vollkommenen Gewächse, ebd. 1844–49, 2 Bde. 6) Friedrich von G., geb. 1792 in Coblenz, kam mit seinem Vater, einem Baumeister, 1804 nach München, wählte den Beruf seines Vaters u. ging zu seiner Ausbildung 1812 nach Paris, 1814 nach Rom u. Sicilien u. 1819 nach England. Zurückgekehrt, wurde er Professor an der Bauakademie in München, Director der königlichen Porzellanfabrik u. Glasmalereianstalt, so wie Generalinspector der architektonischen u. plastischen Kunstdenkmäler in Baiern, u. widmete sich bis 1828 fast ganz seinen Schülern auf der Akademie; später verwendete er, seitdem er 1829 den Auftrag erhalten hatte, die Ludwigskirche zu bauen, seine Zeit mehrentheils für öffentliche Bauten, bes. in München; er baute u.a. das Bibliothekgebäude, das Blindeninstitut, das Universitätsgebäude, das Erziehungsinstitut für adelige Fräulein, fast die halbe Ludwigsstraße, die Salinenadministration, die Feldherrnhalle, sämmtlich in München. In derselben Stadt entstanden nach seinen Plänen, aber nicht mehr von ihm vollendet, noch mehrere prächtige Bauwerke, darunter der Wittelsbacher Palast, das Siegesthor, der neue Friedhof u. die Villa der Königin vor jenem Thore. Auch außerhalb München entfaltete er in vielseitiger Weiße seine Thätigkeit als Erbauer des Kursaales u. der protestantischen Kirche in Kissingen, des Rathhauses in Zwickau, des Pompejanums in Aschaffenburg, der Befreiungshalle in Kehlheim, der königlichen Villa in Edenkoben. Ferner restaurirte er mehrere alte Baudenkmäler, wie den Regensburger Dom, den Dom in Speier u.a. Das Interesse des Königs Ludwig an dem Wirken u. Schaffen G-s spornte diesen zu einer außerordentlichen Productivität an, von welcher die Menge der Entwürfe, welche er hinterließ, Zeugniß ablegen. Mit dem Könige reiste er 1836 nach Athen, wo nach seinen Plänen 1835 der königliche Palast aufgeführt worden war, wurde, zurückgekehrt, Oberbaurath, 1842 nach dem Rücktritt Cornelius' Director der Akademie der Künste u. st. 21. April 1847. In den meisten seiner Bauten zeigt sich das Bestreben nach Erlangung einer, unserem Zeitalter angemessenen selbständigen Bauweise in dem Wiederaufnehmen des vaterländischen Rundbogenstyles des 11. Jahrh., mit Vermeidung der antiken Reminiscenz; dabei waltet bei den Bauten G-s die Zweckmäßigkeit des inneren Ausbaues vor, während das Äußere mehr imposant u. kräftig als zierlich u. gefällig gegliedert erscheint. Er gab heraus: Ansichten der am meisten erhaltenen griechischen Monumente Siciliens mit erläuterndem Texte, Münch. 1819; Römische Bauverzierungen nach der Antike, 1824; Auswahl von Vasen u. Gefäßen, 1825.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.