Hekăte [1]


Hekăte [1]

Hekăte, eine wahrscheinlich von der nördlichen Küste des Ägäischen Meeres nach Griechenland gekommene Gottheit, eine Titanide, Tochter des Perses (od. Persäos) u. der Asterie, nach Andern des Zeus u. der Demeter od. der Here, od. Tochter des Tartaros etc. Homer erwähnt sie noch nicht; ihr späteres Ansehen erlangte sie erst durch die Orphiker. Sie ist eine Göttin, deren Macht sich auf alle drei Naturgebiete (Himmel, Erde u. Meer) erstreckt; sie verleiht Glück u. Sieg im Kampfe, bei der Schifffahrt, auf der Jagd, gibt Weisheit in den Versammlungen, Gedeihen der Jugend u. Vermehrung der Heerden. Auch wurde. sie bald wie Artemis als Mondgöttin Beherrscherin der Nacht u. seit den Tragikern eine unterirdische Gottheit, als welche sie als Krataïs unter den Schatten der Todten waltet, diese aus der Unterwelt hervorruft u. durch Gespenster die Menschen schreckt. Ihre Gebiete sind nun die dämonischen Erscheinungen der Nacht u. aller geisterhafte Spuk; gefolgt von Geistern der Todten u. von stygischen Hunden treibt sie ihr Wesen in mondbeleuchteter Nacht auf Dreiwegen (daher ihre Beinamen Trioditis, Trivia), auf den Straßen (Enodia) u. an Gräbern (Tymbidia); sie herrscht über die bösen Dämonen, u. die Zauberinnen stehen unter ihrem Schutz, haben ihre Kunst von ihr gelernt u. rufen sie in ihren Beschwörungsformeln an. Es wurden ihr vor od. in den Häusern od. auf Dreiwegen Säulen gesetzt, eine Art kleiner Kapellen u. Bilder. Zu Ende jeden Monats wurden ihr Speisen ausgesetzt, welche die Armen verzehrten. Ihr Cultus war theils geheim, theils öffentlich. Cultusstätten hatte sie in Thessalien, Athen, Theben, auf Samothrake, Lemnos, Ägina, in Pherä etc. Geopfert wurden ihr Hunde, schwarze weibliche Lämmer u. Honig. Dargestellt wurde sie theils eingestaltig, theils dreigestaltig mit drei Köpfen (dem eines. Pferdes, eines Hundes u. eines Löwen; daher Trikephalos, Triceps, Triformis, Trigemina). Attribute: Hunde, Schlangen, Fackeln, Schlüssel, Dolche.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.