Hippokrătes

Hippokrătes

Hippokrătes (gr. Name, d.i. Rossebändiger), 1) H., Bruder des Tyrannen Kleander, von Gela, folgte diesem 498 v. Chr. in der Regierung, war glücklich gegen Zankle u. Syrakus u. gewann Camarina; er st. 491; s.u. Gela. 2) H., athenischer Feldherr, fiel 424 v. Chr. in der Schlacht bei Delion. 3) H. I., Sohn des Gnosidikos, 500 v. Chr.; von ihm rühren wahrscheinlich einige der dem Folgenden beigelegten Schriften ihrem ersten Ursprunge nach her. 4) H. II. (bei den Arabern Bokrath) aus Kos, Enkel des Vorigen, Sohn des Heraklides u. der Phänarete, geb. 470 od. 460 v. Thr. Seinen Unterricht erhielt er in der Schule der Asklepiaden zu Kos, wo außer seinem Vater noch Herodikos, Demokritos u. die Sophisten Prodikos u. Gorgias seine Lehrer waren. Er übte die Arzneikunst eine Zeit lang auf Thasos, in mehreren Städten Thessaliens u. Thraciens, machte Reisen in Kleinasien, Skythien, Libyen, soll auch während der Pest im Peloponnesischen Kriege in Athen gewesen sein u. kehrte endlich nach Kos zurück, wo er die Arzneikunst ebenfalls ausübte u. zugleich lehrte. Er st. um 364 v. Chr. zu Larissa. Sein großer Ruf bildete sich erst in späterer Zeit. Seine Kenntnisse in der Medicin u. seine Lehre schöpfte er theils aus eigener vielseitiger Erfahrung, größtentheils aber auch aus der bisher meist geheim gehaltenen Lehre der Asklepiaden, wobei er die naturphilosophischen u. medicinischen Theorien der älteren griechischen Philosophen u. die Erfahrungen der Gymnasten benutzte. Er führte so die Kenntnisse der Asklepiaden ins Leben ein u. machte sie zu einem Gemeingute. Seine echten, im Ionischen Dialekt geschriebenen u. sich wenig auf Theorien einlassenden [398] Schriften tragen den Stempel treuer Naturbeobachtung u. in seiner Heilmethode folgt er besonders der der heilenden Lebenskraft; dies stnd die hauptsächlichsten Grundlagen der nach ihm benannten Hippokratischen Medicin. Von den Schriften unter seinem Namen sind wenig echt. Mehrere gingen erst aus der Hand seiner Söhne Thessalos u. Drakon u. seines Schwiegersohns Polybos hervor. Als echt werden allgemein das Buch von den Kopfwunden, das von der Diät in acuten Krankheiten, das von der Luft, den Wässern u. Gegenden, die Aphorismen, das Prognostikon u. das 1. u. 3 Buch von den Volkskrankheiten angenommen. Einige ihm zugeschriebene Schriften sind sogar erst im Mittelalter entstanden. Ausgaben seiner Werke erschienen griechisch, Vened. 1526, Basel 1538; mit lateinischer Übersetzung von Mercurialis, Vened. 1588, Fol.; von Foes, Frankf. 1595, 1621, 1645, Genf 1657; von F. Antonides van der Linden, Leyd. 1665, 2 Thle.; von Chartier, Par. 1679, 14 Thle.; von St. Mack, Wien 1743–49 (unvollendet); von de Mercy, Par. 1813; von Kühn, Lpz. 1825–27, 3 Bde.; von A. M. Dornier, Par. 1826; von F. Littré, ebd. 1839 ff.; lateinische Übersetzungen: Rom 1525 u.ö.; vermehrt von Cullmann, Bas. 1558, von Foes, Frankf. 1596; von Haller, Lausanne 1769–71; von I. F. Pierer, Altenb. 1806 f., 3 Bde.; deutsch von Grimm, ebd. 1781–92, 4 Bde. (unvollendet); n. A. von Lilienhain, Glogau 1837, 2 Bde.; Commentare besonders von Foes, Oeconomia Hippocratis, Basel 1561 u.ö. 5) H. III, Enkel des Vorigen, Sohn von Thessalos; nahm Platons Lehre an u. hinterließ auch medicinische Schriften (verloren) 6) H. IV., Enkel von H. 3), Sohn von Drakon; Arzt am macedonischen Hofe, lebte noch 317 v. Chr. Ihm wird das 5. Buch von den Volkskrankhei ten in der Sammlung der Hippokratischen Werke zugeschrieben. 7) H. V. u. 8) H. VI., beide Söhne von Thymbräos. 9) H. VII., Sohn des Praxianax; das Zeitalter der drei Letztern ist unbestimmt 10) H. aus Chios, Mathematiker, im 5. Jahrh. v. Chr., Erfinder der Lunula (s. Lunu la Hippocratis); seine Anfangsgründe der Mathematik sind verloren. 11) H. Hippiater, Thierarzt, wahrscheinlich im 4. Jahrh. v Chr. in Constantinopel; er schr.: Hippiatrica, griechisch, lateinisch u. italienisch von Valentini, Rom 1814; auch lateinisch in Collectio veterinaria, Bas. 1537.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

См. также в других словарях:

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  • Hippokrates — Hippokrates, 1) H. von Chios, griech. Geometer, lebte im 5. Jahrh. v. Chr. zur Zeit des Peloponnesischen Krieges in Athen und soll, weil er für seinen mathematischen Unterricht Geld nahm, aus dem pythagoreischen Philosophenbund ausgestoßen worden …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Hippokrates — Hippokrătes, der berühmteste Arzt des Altertums, geb. um 460 v. Chr. auf Kos, gest. 377 zu Larissa; ward durch seine scharfe Beobachtung, seine einfache diätetische Behandlung der Vater der wissenschaftlichen Heilkunde. Hippokratĭker, seiner… …   Kleines Konversations-Lexikon

  • Hippokrates — Hippokrates, der berühmteste Arzt des Alterthums, der Sohn des Asklepiaden Heraklides und der Phänarete, geb. 460 v. Chr. auf Kos. Er wird auch H. II. genannt, zum Unterschied von seinem Großvater, als erstem H., u. 5 Nachfolgern gleichen Namens …   Herders Conversations-Lexikon

  • Hippokrates — I Hippokrates,   griechisch Hippokrạtes, griechischer Arzt, * auf Kos um 460 v. Chr., ✝ Larissa um 370 v. Chr. Hippokrates, über dessen Leben wenig bekannt ist, gilt als Begründer der Medizin als Erfahrungswissenschaft aufgrund unbefangener… …   Universal-Lexikon

  • Hippokrates — Hip|po|kra|tes (altgriechischer Arzt) …   Die deutsche Rechtschreibung

  • Hippokrates von Kós — Hippokrates Hippokrates von Kos (altgr. Ἱπποκράτης ὁ Κῷος; * um 460 v. Chr. auf der griechischen Ägäisinsel Kos; † um 370 v. Chr. in Larisa, Thessalien) gilt als der berühmteste Arzt des Altertums. Hippokrates stam …   Deutsch Wikipedia

  • Hippokrates von Kos — Hippokrates Hippokrates von Kos (altgr. Ἱπποκράτης ὁ Κῷος; * um 460 v. Chr. auf der griechischen Ägäisinsel Kos; † um 370 v. Chr. in Larisa, Thessalien) gilt als der berühmteste Arzt des Altertums. Hippokrates stammte aus dem Geschlecht der… …   Deutsch Wikipedia

  • Hippokrates (Gesandter Hannibals) — Hippokrates († 212 v. Chr.) war ein antiker griechischer Politiker aus Syrakus. Hippokrates besaß neben dem syrakusischen auch das karthagische Bürgerrecht. Während des Zweiten Punischen Kriegs befand er sich mit Hannibal in Italien und wurde 215 …   Deutsch Wikipedia

  • Hippokrates (Sparta) — Hippokrates (* um 450 v. Chr.; † 409[1] oder 408 v. Chr.) war ein spartanischer Feldherr im Peloponnesischen Krieg. Im Winter des Jahres 412/11 v. Chr. fuhr Hippokrates als Befehlshaber eines spartanischen Kontingents mit zwölf Schiffen, davon… …   Deutsch Wikipedia


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