Händel


Händel

Händel, 1) Georg Friedr., geb. 24. Februar 1685 in Halle a. d. S. Sein Talent zur Tonkunst wurde von seinem Vater niedergehalten, u. nur der Herzog von Weißenfels vermochte den Vater, H. der Tonkunst zu überlassen. Schon als Knabe von 7 Jahren spielte er fertig Clavier u. Orgel u. 9 Jahre schrieb er eine Kirchenmusik. 1698 ging er nach Berlin, wo er Attilio's Unterricht genoß, u. später nach Hamburg; hier setzte er, 15 Jahre alt, seine erste Oper, Almira, u. stand der Oper fünf Jahre lang als Director vor. 1703 ging er nach Italien, wo er für Florenz, Venedig u. Rom neue Opern u. Oratorien herausgab. 1709 wurde er hannöverscher Capellmeister, kam 1712 nach London u. übernahm hier die Direction des Haymarkettheaters. Der Kurfürst von Hannover, als er König von England geworden, war unzufrieden mit H-s früherem Benehmen, doch wußte H. ihn bald wieder zu versöhnen, aber später verlor er wegen seines stolzen u. reizbaren Temperaments die Gunst des Hofes u. der Nation. Um sich ganz unabbängig zu machen, componirte er seine Oratorien, die er, in Großbritannien herumreisend, als Concerte gab. 1751 wurde H. blind, doch componirte u. führte er seine Oratorien bis acht Tage vor seinem Tode auf, er st. 14. Aug. 1759 u. wurde in der Westminsterabtei beigesetzt. H. schrieb 45 Opern. Von seinen 26 Oratorien sind die besten: Der Messias (1741), Judas Maccabäus (1746), Saul (1740), Alexanderfest (1735), Samion (1742). Die englische Ausgabe seiner Werke umfaßt 36 Foliobände; vgl. Victor Schölicher, The life of Handel, Lond. 1857; Chrysander, G. F. Händel, Lpz. 1858, 1. Bd. 2) Johanne Henriette Rosine Händel-Schütz, geb. 1770 zu Döbeln in Sachsen, wo ihr Vater, Schüler, Schauspieler war, trat zuerst als Figurantin beim Ballet in Berlin, dann als jugendliche Liebhaberin in Schwedt u. anderen Orten auf u. erhielt durch Professor Engel, der sie zu sich nahm, den ersten Grund ihrer Kunstbildung. 1786 verheirathete sie sich in Berlin mit dem Tenoristen Eunicke, ging mit diesem 1789 nach Mainz u. 1790 nach Amsterdam, 1794 nach Frankfurt a.M., 1796 nach Berlin zurück, wo sie hochtragische u. sentimentale Rollen mit großem Beifall gab. 1802 verließ sie, von Eunicke geschieden, das Theater, um mit ihrem zweiten Gatten, dem Arzt Meyer, in Stettin sich niederzulassen. Aber auch von diesem trennte sie sich 1805 u. heirathete den dortigen Stadtarzt H., der indeß bald starb. Sie gerieth dadurch in traurige Verhältnisse u. begab sich nach Halle. Hier heirathete sie um 1811 Friedrich Karl Julius Schütz (s.d.) u. machte mit ihm, den Namen Händel-Schütz führend, eine Kunstreise durch die Hauptstädte Deutschlands, Dänemarks, Schweden, Rußland, Holland u. Frankreich, wo sie hauptsächlich mimischplastische Darstellungen meist nach berühmten Gemälden gab u. hierbei eine große Kunst in Mimik, Gruppirung u. Drapirung entwickelte, s. Attitude. Sie kehrte 1818 mit ihrem Manne nach Halle zurück u. verließ 1820 das Theater. 1824 auch von Schütz getrennt u. 1830 gerichtlich geschieden, lebte sie mit den Kindern in Halle, seit 1832 in Köslin, wo sie 4. März 1849 starb. Vgl. J. D. Falk, Über die pantomimischen Darstellungen der Madame Henr. S., Lpz. 1813. 3) Karl. geb. 1791, Sohn des Amtmanns H. in Oberweimar; Ökonom, studirte in Jena, ging 1813 zum zweiten schlesischen Husarenregiment als Freiwilliger u. nahm bei Kulm den französischen General Vandamme gefangen, kam nach Weimar zurück, wurde Geheimer Secretär u. gab als Karl Hälden zahlreiche Beiträge zu der Abendzeitung u. anderen öffentlichen Blättern; er st. daselbst 9. Juli 1844.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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  • Handel — treiben: Geschäfte machen. Der Begriff ›Handel‹ wurde erst im Mittelalter nach ›handeln‹ gebildet. Dieses findet sich schon früh als ›hantolôn‹: mit Händen fassen, dann ›tun, betreiben, verrichten‹. Erst seit dem 15. Jahrhundert auch üblich für… …   Das Wörterbuch der Idiome

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