Imām


Imām

Imām (arab., der Vorsteher), 1) türkischer Priester (vorzugsweise Dogmatiker); die I-s, deren Kenntniß sich gewöhnlich nur auf das Koranverständniß erstreckt, versehen den Gottesdienst in den Dschamis (Moscheen), rufen die Moslems von den Minarets herab zum Gebete, verrichten die Beschneidung etc. Sie werden vom Volke gewählt u. von der weltlichen Obrigkeit bestätigt, unter deren Gerichtsbarkeit sie auch in bürgerlichen u. peinlichen Dingen stehen. In geistlichen Angelegenheiten sind sie unabhängig. Auch können sie ihr Amt niederlegen u. in den Laienstand zurücktreten Sie tragen einen breitern, anders gestalteten Turban, lange Bärte u. Ärmel, genießen besondere Rechte u. können nicht am Leben gestraft werden, ohne der geistlichen Würde entlassen zu sein. Ein Türke verliert die Hand, ein Christ das Leben, wenn er einen I. schlägt. Auch der Sultan heißt als Oberhaupt der geistlichen u. weltlichen Angelegenheiten I. 2) Die 12 I-s von Irak, Nachkommen des Ali u. der Fatime, deren Herrschaft in Medina nach dem Tode Osmans neben dem Khalifat bestand. Ali wurde nämlich nach Osmans Tode nicht allgemein, sondern hauptsächlich von den Persern anerkannt, u. sein Sohn Hassan, der ihm 660 folgte, überließ nach sechs Monaten dem Moawijah das streitige Khalifat u. nahm Hedschas u. zur Residenz Medina. Schon diese beiden werden zu den I-s gezählt. Auf Hassan folgte 670 sein Bruder Hussein, den aber der Khalif. Jezid I. bekriegte u. 680 bei Kerbelah tödtete. Sein Sohn Ali Zein el Ab Eddin, berühmt durch seine großen Tugenden, st. 694, u. sein Sohn Muhammed el Bakir wurde 734 auf Befehl des Khalifen Hedscham vergiftet, dessen Sohn Schaaseres-Sadik, ein weiser, wahrheitsliebender Fürst, st. 765 (774). Er bestimmte seinen jüngeren Sohn, Musaal Kiadhem, zu seinem Nachfolger, aber Harun al Raschid ließ diesen 799 fangen u. in Bagdad umbringen. Dessen Sohn, Ali Ridha, Mitgründer der. Befehle des Sofis, st. 818, vom Khalifen el Mamum vergiftet. Sein Sohn Muhammed el Dschaowad, wurde 833 Nachfolger Mamums, st. aber schon 835. Darauf herrschte sein Sohn Ali Askeri bis 868 u. Hassan al Asker bis 873. Unter seinem Nachfolger Abukasem Muhammed al Mahadi ging das Imamat unter; die schiitischen Perser glauben, daß Abulkasem noch lebe u. am Ende der Welt wieder erscheinen werde. Sie verehren die 12 I-s mit vielem Aberglauben u. setzen ihre Namen auf ihre Münzen. 3) (Zijaditen), die Herrscher von Jemen von 818–1517, s. Arabien (Gesch.) II. b); bes. 4) die Nachkommen des Schems Eddin, im 16. Jahrh. Herrscher in den Gebirgen von Jemen, s. ebd. III.; jetzt noch 5) der Herrscher von Mascat.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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  • Imam — der; s, Plur. s u. e <aus gleichbed. arab. imām, eigtl. »Vorsteher«>: 1. a) Vorbeter in der ↑Moschee; b) (ohne Plur.) Titel für verdiente Gelehrte des Islams. 2. religiöses Oberhaupt (Nachkomme Mohammeds) der ↑Schiiten …   Das große Fremdwörterbuch

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  • Imam — I*mam , Iman I*man , Imaum I*maum , n. [Ar. im[=a]m.] 1. Among the Mohammedans, a minister or priest who performs the regular service of the mosque. [1913 Webster] 2. A Mohammedan prince who, as a successor of Mohammed, unites in his person… …   The Collaborative International Dictionary of English