Iod


Iod

Iod (Iode, Iodine, Iodeum, spr. I-od, von ἰώδης, veilchenblau), I. chemisches Zeichen: I. od. Id., Atomgewicht: 127,1 (H = 1), 1586 (O = 100), zu den Halogenen gehöriges Element, wurde 1811 von Courtois, einem Salpeterfabrikanten in Paris, zufällig in der rohen Soda entdeckt. Es scheint das Chlor in allen seinen Verbindungen zu begleiten, kommt im Meerwasser, mehreren Seepflanzen, bes. Fucusarten, im Badeschwamm, im Steinsalz, mehreren Salzsooten u. Mineralwässern vor; in geringer Menge findet es sich in allen Gewässern, u. geht aus diesen in die Süßwasserpflanzen über, in deren Asche man das I. nachweisen kann. Es erscheint niemals frei, sondern stets gebunden, bes. als Iodkalium, Iodnatrium u. Iodmagnesium, mit Silber verbunden findet es sich als Mineral in Mexico. Man gewinnt das I., indem man die nicht mehr krystallisirbaren Mutterlaugen des Varec od. Kelp zur Trockne verdampft u. aus dem Rückstande durch allmäliges Erhitzen mit Schwefelsäure u. Zusatz von etwas Braunstein das I. sublimirt. Das I. bildet schwarzgraue graphitähnliche Blättchen von metallischem Glanze, kann auch in rhombischen Octaedern erhalten werden. Es hat einen herben, scharfen Geschmack, ein specifisches Gewicht von 4,948, verdampft schon bei niederer Temperatur etwas, schmilzt bei 107°, siedet bei 175° u. verwandelt sich in violette Dämpfe, welche sich an kälteren Stellen als Krystallschuppen wieder ansetzen. Es wirkt giftig, färbt organische Stoffe gelbbraun, bleicht nur schwach, Stärkemehl wird blau bis schwarz gefärbt (s. Iodstärke). Es löst sich nur in 7000 Theilen Wasser, leichter in Lösungen von Iodkalium u. Iodnatrium, in Alkohol, Äther, Schwefelkohlenstoff u. Ätzkali. Verbindungen: Diese sind denen des Chlors u. Broms analog, doch schwächer in ihren Affinitäten; A) mit Sauerstoff: a) Niederjodsäure, I5O19, ist der Unterjodsäure sehr ähnlich u. bildet sich bei der Einwirkung von concentrirter Schwefelsäure auf I. od. bei der Zersetzung von Überiodsauren Alkalien mit Wasser. Die freie Niederjodsäure ist amoph, ockergelb, verändert sich langsam durch Wasser, Alkalien färben die alkoholische Lösung violett, bei 130–150° C. zerfällt sie in I. u. Unterjodsäure. Analog der Unterchlorigen Säure gibt es auch eine Unteriodige Säure = IO; b) Unteriodsäure IO4, ein amorphes schwefelgelbes Pulver, wird durch Zerlegen der Niederjodsäure erhalten; sie zerfällt bei 170–180° C. in I. u. Iodsäure, in kaltem Wasser ist sie unlöslich, siedendes Wasser zerlegt sie auf dieselbe Weise wie trockenes Erhitzen, durch concentrirte Salzsäure bildet sich Chlor u. Iodchlorür; c) Iodsäure (Acidum iodicum s. oxyiodicum) = IO5, durch Zerlegung des iodsauren Baryts (s. iodsaure Salze b) mittelst Schwefelsäure, auch durch Erhitzen von I. mit concentrirter Salpetersäure dargestellt. Sie ist fest, weiß, schießt auch bei langsamem Verdunsten ihrer Lösung in großen, regelmäßigen, durchsichtigen Krystallen an, ist luftbeständig, schmeckt scharf, sauer u. zusammenziehend; löst sich leicht in Wasser, wenig in Alkohol; röthet in wässeriger Lösung Lackmus u. bleicht es nach einiger Zeit, schmilzt in der Hitze u. zerfällt bei 380° in Sauerstoffgas u. Ioddampf. Mit Kohle, Schwefel, leicht verbrennlichen Metallen etc. erhitzt, zersetzt sie sich unter Explosion. Sie oxydirt organische Stoffe, verwandelt Oxalsäure in Kohlensäure unter Abscheidung von I.; mit Morphium od. einem Morphiumsalze färbt sie sich schnell rothbraun. Man kennt zwei bestimmte Hydrate: IO5, HO u. IO5, 3 HO. Sie geht mit andern Säuren sehr innige, krystallisirbare u. zum Theil sublimirbare Verbindungen ein (die mit Schwefelsäure wird selbst durch Baryt nicht zerlegt), welche sehr sauer schmecken u. zum Theil selbst Gold u. Platin lösen, oxydirt auch für sich fast alle Metalle. Mit Basen vereinigt sich die Iodsäure zu Iodsauren Salzen (s.d.). d) Überjodsäure (Acidum periodicum) = IO7, wird dargestellt, indem man durch eine Lösung von 1 Theil I. u. 7 Theilen kohlensauren Natron in 100 Theilen Wasser unter Erwärmen Chlorgas strömen läßt, das gebildete schwerlösliche überjodsaure Natron wird abfiltrirt, in mit Salpetersäure angesäuertem Wasser gelöst u. mit Bleizucker gefällt, das entstandene überjodsaure Bleioxyd mit Schwefelsäure zerlegt u. die in der Flüssigkeit gelöst bleibende Überjodsäure durch Abdampfen zur Krystallisation gebracht. Sie bildet durchsichtige Blätter, schmilzt bei 130° ohne Zersetzung, verliert bei 160° Krystallwasser, zerfällt bei 188°in Sauerstoff u. Iodsäure, zerfließt bei feuchter Luft, löst sich in Alkohol u. Äther, oxydirt Phosphor u. organische Stoffe u. bildet mit Basen Salze. B) Mit Wasserstoff verbindet sich das I. wie Chlor u. Brom sehr leicht, zerlegt die meisten Wasserstoffverbindungen u. bildet Iodwasserstoffsäure (Hydrjodsäure, Acidum hydriodicum) = IH. Man erhält sie wasserfrei, wenn man 9 Theile I. u. 1 Theil Phosphor mit feuchtem Glaspulver bedeckt, erwärmt, u. die gasförmige Säure, da sie sich mit Wasser schnell verbindet u. durch Quecksilber zersetzt wird, durch ein[961] langes, gebogenes Glasrohr auf den Boden einer trocknen Flasche leitet u. von demselben die atmosphärische Luft verdrängen läßt, worauf die Flasche mit gläsernem Stöpsel verschlossen wird. Sie ist ein farbloses, dem salzsauren Gas ähnlich riechendes, weder brennbares, noch athembares, Lackmus röthendes Gas, es zersetzt sich an der Luft, löst Iod auf, sein specifisches Gewicht ist 4,375, wird durch Chlor u. Brom, Salpetersäure, Schwefelsäure u. Eisenoxydulsalzen bei gewöhnlicher Temperatur zerlegt. Mehrere Metalle u. Metalloxyde bilden unter Abscheidung von Wasserstoff od. Erzeugung von Wasser Iodmetalle. Eisenchlorid zerlegt sie unter Abscheidung von I. Die Hydriodsäure verbindet sich begierig mit Wasser zu wässeriger Hydriodsäure, die auch erhalten wird, wenn man Schwefelwasserstoff durch Wasser strömen läßt, in welchem I. od. Iodblei vertheilt ist, durch Zerlegung von Iodkalium mittelst Schwefelsäure kann man sie nicht gewinnen. Sie ist farblos, kann bis zu 1, wo specifischem Gewicht concentrirt werden u. stellt dann ein bestimmtes Hydrat = IH + 11HO dar, welches bei 128° siedet. Die wässrige Iodwasserstoffsäure destillirt unzersetzt über, schmeckt sauer, raucht, wenn sie concentrirt ist, an der Luft, zieht an der Luft Sauerstoff an u. scheidet I. ab, auch mit Salpetersäure behandelt wird I. frei. Mit Metalloxyden bildet sie Wasser u. Iodmetalle (die einzelnen s.u. den betreffenden Metallen), welche zum Theil giftig wirken. Ihre Lösungen, aus denen Schwefel- u. Salpetersäure, Chlor u. Brom I. abscheiden, geben mit Silberauflösung einen käsigen, gelblich weißen, in Ammoniak unlöslichen, mit Quecksilberoxydsalzen einen scharlachrothen, mit Bleioxydsalzen einen pomeranzenfarbenen Niederschlag. Die wässerige Hydrjodsäure kann noch 1 Atom I. aufnehmen u. iodhaltige Hydrjodsäure, od. hydrlodige Säure bilden: dunkelgelbbraune, nach I. riechende, herb u. sauer schmeckende Flüssigkeit, deren heiße gesättigte Lösung beim Erkalten Iodkrystalle absetzt. Auch die Lösungen der Iodmetalle nehmen noch mehr I. auf u. bilden sogenannte hydriodigsaure Salze. C) Mit Stickstoff: Iodstickstoff. Die bekannte explosive Verbindung, welche den Namen Iodstickstoff führt, bildet sich, wenn man zerriebenes I. mit einem Überschuß von Ammoniak digerirt; es bildet sich Iodammonium u. ein schwarzes Pulver, welches durch Filtration u. Auswaschen mit Wasser von dem ersteren getrennt werden kann. Die Zusammensetzung des sogenannten Iodstickstosss ist mit Sicherheit noch nicht ermittelt; am wahrscheinlichsten ist die Annahme, daß dieser Körper Iodamid NH2I sei. I. absorbirt im trocknen Zustande Ammoniakgas u. gibt damit eine schwarzbraune, zähe, metallglänzende Masse, deren Zusammensetzung nach Millon H3NI, nach Bineau 3 H3NI2 ist; sie ist in Weingeist unlöslich u. zerfällt bei Zusatz von Wasser in Iodammonium u. Iodstickstoff. D) Mit Chlor verbindet sich das Iod leicht, indem Chlorgas von Iod reichlich absorbirt wird. Es bildet sich anfangs eine braune Flüssigkeit, das Iodchlorür (Chloriod im Minimum), dann bei fortgesetztem Zuströmen von Chlor bis zur Sättigung des Iods eine starre gelbe Verbindung: Iodchlorid (Chloriodim Maximum), beide sind flüchtig, von stechendem Geruch nach Iod u. Chlor, lösen sich im Wasser mit brauner Farbe. Wässerige Alkalien erzeugen in der Lösung unter Abscheidung von Iod iodsaure Salze u. Chlormetalle; Alkohol nimmt aus der mit Wasser befeuchteten festen Verbindung Salzsäure u. Iod auf u. scheidet pulverige Iodsäure ab, weshalb dieselbe zur Darstellung der letztern benutzt wird. E) Mit Brom bildet das Iod zwei Verbindungen: Iodbromür (Bromiodim Minimum), im rothbraunen, farrenkrautähnlichen Krystallen anschießend, u. Iodbromid (Bromiodim Maximum), dunkelbraune Flüssigkeit, welche mit Wasser Bromiodhydrat, braungelbe, spießige Krystalle bildet. F) Mit Schwefel: Iod (8 Theile) verbindet sich mit Schwefel (1 Theil) durch Zusammenschmelzen zu einer schwarzgrauen, strahlig krystallinischen, dem Schwefelantimon ähnlichen, in Wasser unlöslichen Masse. Ist von Biett als ein kräftiges Mittel gegen hartnäckige Hautausschläge empfohlen worden. Im Schwefelkohlenstoff löst sich Iod mit dunkelrother Farbe auf. G) Mit Arsen, Iodarsen, Arseniodür, erhält man durch Erwärmen von 100 Theilen Iod mit 16 Theilen Arsen; es ist eine ziegelrothe, krystallinische Masse, wird äußerlich angewendet. H) Mit Cyan: Iodcyan entsteht beim Erhitzen von Iod mit Cyansilber od. Cyanquecksilber; es sublimirt als weißer krystallinischer Schnee od. in langen Nadeln; ist in Alkohol u. Wasser löslich, verflüchtigt sich bei 45°. I) Mit Phosphor verbindet sich Iod bei gelindem Erwärmen unter bedeutender Erhitzung u. selbst Entzündung beim Zutritt der atmosphärischen Luft. In schönen rothen Krystallen erhält man Iodphosphor, wenn man 26 Theile Phosphor in dem 35fachen Gewicht Schwefelkohlenstoff löst u. unter starker Abkühlung nach u. nach 203,4 Theile Iod zusetzt. Mit Phosphorwasserstoff verbindet sich nach Labillardière die Hydriodsäure, wenn beide als möglichst trockene Gase zusammengebracht werden in zwei Verhältnissen. K) Einwirkung des Iodes auf organische Verbindungen. Das Iod wirkt auf organische Stoffe in den meisten Fällen ähnlich dem Chlor, d.h. es scheidet aus der organischen Verbindung Wasserstoff aus u. bildet Iodwasserstoff, u. an die Stelle des ausgeschiedenen Wasserstoffs tritt eine äquivalente Menge Iod. Eine große Anzahl organischer Körper in Kali gelöst, liefern, mit Iod versetzt, interessante Oxydationsproducte; so liefert das Kartoffelfuselöl Baldriansäure, das Salicin Salicylwasserstoff, das Amygdalin Bittermandelöl, der Holzgeist Iodoform. Dasselbe Product wird aus Zucker u. Gummi, auch aus citronen- u. äpfelsauren Alkalien mit Iod erhalten. Iod in Iodkalium gelöst u. mit Anis- od. Fenchelöl geschüttelt, veranlaßt die Bildung weißer, in Alkohol unlöslicher, sehr schwer durch andere Agentien angreifbare Körper, welche höhere Oxydationsstufen des in diesen Ölen enthaltenen Stearopleus sind. Guajaktinctur wird durch Iod bleibend blau gefärbt, Reductionsmittel stellen die Farbe wieder her. II. (Pharm. u. Med.). Das Iod ist ein höchst kräftiges, bes. auf das Drüsensystem wirkendes, deshalb gegen entzündungslose Drüsengeschwülste, gegen Kröpfe, verhärtete Gekrösdrüsen etc. innerlich u. äußerlich angewendetes Mittel. Seine Anwendung erfordert die größte Vorsicht, da es nicht allein schon in der Gabe von wenigen Granen giftig, sondern auch bei einigermaßen anhaltendem Gebrauch sehr nachtheilig auf die Verdauung einwirkt u. ein Schwinden drüsiger Theile, namentlich der weiblichen Brüste, verursacht, s. Ioddyscrasie. Gabe 1/2[962] bis 1/3 Gran in vielem Wasser aufgelöst, od. in Tinctur (Iodtinctur): 48 Gran in 1 Unze Alkohol od. Äther gelöst. Gabe 1–2 Tropfen in Wasser. Lugols Iodauflösung enthält in 1 Unze Wasser 30 Gran Iodkalium u. 20 Grau Iod, läßt bei fernerm Vermischen mit Wasser kein Iod fallen u. wirkt milder als die Iodtinctur. Iodhaltiges Iodkalium durch Zusammenreiben von 20 Theilen Iodkalium mit 6 Theilen Iod bereitet, gibt, zu 1–2 Theilen reinem Fett gemengt, eine wirksame Iodsalbe. Iodopodeldoc (Balsamum iodatum, Gelée pour le goitre), 16 Theile Iodkalium werden in 64 Theilen Weingeist von 40 Procent, u. 24 Theile weiße Talgseife in 64 Theilen Weingeist bei gelinder Wärme gelöst, diese beiden Lösungen gemischt, das Ganze mit Rosen- u. Lavendelöl parfümirt u. in Opodeldocgläser gefüllt wo es beim Erkalten gallertartig wird. Bedient man sich hierzu einer Ölseife, so bleibt das Präparat flüssig. Iodglycerinlösung hat man mit Erfolg äußerlich gegen Fungus haemadotes angewendet; man vermischt 1/2 Unze Iodkalium mit 1 Unze Glycerin u. löst darin 1/2 Unze reines Iod auf.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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