Jeremīas


Jeremīas

Jeremīas (eigentlich Jirmejahu, der vom Herrn Erhobene), 1) Prophet, Sohn des Priesters Hithlias aus Anathot, wirkte unter Josias, Joahas, Jojakim, Jechonja u. Zedekia, von 628–570 v. Chr. Schon als Jüngling trat er als Prophet in seiner Vaterstadt auf, ging aber wegen Nachstellungen nach Jerusalem, wo er in den Hallen des Tempels lehrte u. nach dem Sieg des Nebukadnezar zur geduldigen Ertragung der Sklaverei rieth, was ihm bei der gereizten Stimmung des Volkes als Feigheit ausgelegt wurde u. viele Verfolgungen gegen ihn veranlaßte, z.B. von dem Priester Pashur u. von anderen Priestern. Seine Weissagungen, die Baruch im fünften Jahre der Regierung Jojakims aufzeichnete, wurden vom König verbrannt. Er selbst wurde erst durch Nebukadnezar aus dem Gefängniß befreit u. lebte Anfangs in Mizpa, später mit den Exulanten in Ägypten, nachdem der Statthalter Gedalja gestorben war. Die Traditionen über seine letzten Schicksale u. seinen Tod sind sehr verschieden u. seine Steinigung durch das Volk in Taphnis 570 nicht erwiesen. In Jerusalem zeigt man noch eine Grotte, wo er seine Klaggesänge verfaßt haben soll, u. in Kahira sein Grab. Seine übrig gebliebenen Schriften sind: a) Weissagungen, theils an das Jüdische Volk vor (Cap. 1–30 u. 45) u. nach (Cap. 40–44) der Gefangenschaft, theils an auswärtige Völker (daher Prophet der Heiden, genannt), bes. die Ägyptier, Philistäer, Moabiter, Ammoniter u. Edomiter (Cap. 46–51 [Cap. 52 ist historischer Anhang]); b) Klaglieder (in der Septuaginta Threnoi); sie beziehen sich auf die Wegführung des Volkes (Cap. 1), die Eroberung u. Zerstörung Jerusalems (Cap. 2); ferner sind es Klagen frommer Unglücklicher über die eigenen Leiden (Cap. 3) u. Jerusalems Zerstörung (Cap. 4), so wie nach Jerusalems Zerstörung (Cap. 5). Die Klaglieder sind alphabetisch, so daß jeder Vers in den vier ersten Capiteln sich nach der Folge des hebräischen Alphabets richtet. Die Schriften des J. haben unter späteren Händen Veränderungen erfahren, indem die zu verschiedenen Zeiten u. über verschiedene Gegenstände gegebenen Aussprüche ohne Ordnung neben u. unter einander gestellt sind. Die Klaglieder werden noch jetzt am Abend vor dem Gedächtnißtage der Zerstörung Jerusalems in der Synagoge gesungen. c) Trauergesang auf den Tod des Königs Josias (verloren). Die Sprache des J. ist etwas wortreich mit leichten Bildern ohne hohen Schwung, kräftig, wo er gegen fremde Nationen spricht. Über einen Brief des J. s.u. Baruch. Einzeln ist I. von Spohn, Lpz. 1794, herausgegeben; Commentare über die Weissagungen von Michaelis, Götting. 1793, Schnurrer; Tüb. 1793–97, Hensler, Lpz. 1805, F. Hitzig, ebd. 1841, W. Neumann, ebd. 1856; Börmel, Weim. 1781, Löwe u. Wolfssohn, Berl. 1790, Welker; Gieß. 1810, Ziegler, Erl. 1820, K. W. Wiedenfeld, Elberf. 1830, Koch, Mainz 1835, übersetzten die Klaglieder, Erdmann gab dieselben heraus; Neumann, J. Weissagungen u. Klaglied, 1856, 1. Bd. 2) J., geb. zu Akelo am Schwarzen Meere, wurde noch ziemlich jung Metropolit in Larissa u. 1752, nach Abdankung des Metrophanes, Patriarch[789] von Constantinopel, trat 1574 in schriftliche Verbindung mit den Tübinger Theologen wegen einer Union der Lutherischen u. Morgenländischen Kirche, aus welcher jedoch nichts wurde. 1579 kehrte Metrophanes nach Constantinopel zurück, u. J. mußte demselben den Patriarchenstuhl räumen, wurde aber nach dessen Tode, 1580, wieder gewählt; 1583 wurde er, weil er mit dem Papste in Briefwechsel gestanden haben sollte, zum zweiten Male abgesetzt u. nach Rhodus verwiesen. Der Czar setzte ihn in seine alte Würde wieder ein, da aber die Patriarchalkirche in eine Moschee verwandelt worden war, so reiste J. zur Einsammlung von Beiträgen zum Bau einer neuen Kirche nach Rußland; er kehrte 1589 nach Constantinopel zurück u. st. 1594. Von ihm ist die Censura orientalis ecclesiae über die Augsburgische Confession u. mehre Briefe an die Tübinger Theologen in den, Acta et scripta theologorum Würtembergicorum et patriarchiae Constantin Hieremiae, Wittenb. 1534. 3) J. Movila, edler Moldauer, 1595–1600 Woiwode der Moldau.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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