Kreide


Kreide

Kreide, 1) (Creta), ein weißes, erdiges Mineral von feinerdigem Bruch, färbt stark ab, ist leicht zerreiblich, undurchsichtig u. klebt an der feuchten Lippe; sie besteht aus kohlensaurem Kalk u. findet sich sehr verbreitet in der nach ihr benannten Kreideformation (s.d.) auf her Insel Rügen, in Frankreich, England, Holland u. Dänemark. Nach Ehrenbergs Untersuchungen besteht die K. aus den Schalen mikroskopisch kleiner schneckenartiger Korallenthierchen. Man benutzt sie zum Schreiben, in manchen Gegenden dient sie als Baustein; sehr verbreitet ist ihre Anwendung als weiße Farbe zum Anstreichen u. in der Malerei, entweder für sich od. mit andern weißen Farben vermischt; die hierzu gereinigte K. kommt als Wienerweiß, Blanc de Meudon, Blanc de Bougival, Blanc d'Espagne in den Handel; sie dient ferner als Grund zu allerhand Holzverzierungen, welche vergoldet oder versilbert werden sollen, zur Bereitung des Pergaments, zum Putzen von metallenen Gegenständen, zu Kitt u. feuerfesten Schmelztiegeln, gebrannt gibt sie einen guten Mörtel; in der Landwirthschaft benutzt man sie zur Verbesserung von nassem, thonigem Boden; zuweilen dient sie auch dazu, sauer gewordenes Bier wieder trinkbar zu machen. Soll sie eine gleichförmige Beschaffenheit u. ein seines Korn erhalten, so wird sie gemahlen u. geschlämmt u. in Cylinder- od. Kuchenform gebracht (Geschlämmle K., Schlämmkreide). In Deutschland liefert bes. Berlin solche K. Ehemals wurde sie auch gepulvert u. geschlämmt (Creta praeparata) in der Medicin gegen Magensäure etc. gebraucht; Thierärzte brauchen sie bes. bei Durchfällen u. Koliken der Kälber. Die meiste K. kommt von Rügen, auch aus England u. Dänemark als Ballast über die Seeplätze nach Deutschland; 2) mehre andere farbige Erdarten, so: Braune K., so v.w. Kölnische Erde u. Umbererde; Briançoner K., so v.w. Speckstein; Gelbe K., so v.w. Gelberde; Grüne K., so v.w. Grünerde; Holländische K., seine weiße Kreide, wird beim Verfertigen des Siegellacks gebraucht; Lithographische K., eine aus Wachs, Seife, Talg, Wallrath, Schellack u. Ruß bereitete schwarze, fettige Masse, mit welcher man beim Lithographiren auf die Steinplatte zeichnet; Rothe K., so v.w. Röthel; Schwarze K., so v.w. Zeichnenschiefer; Spanische u. venetianische K., so v.w. Speckstein.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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  • Kreide — Kreide …   Deutsch Wörterbuch

  • Kreide [1] — Kreide, kohlensaurer Kalk von weißer Farbe, feinerdig und locker, abfärbend, findet sich als ein wesentlicher Bestandteil der sogenannten Kreideformation. Diese Kreide wird durch Graben gewonnen, in Haufen aufgeschichtet und der Einwirkung der… …   Lexikon der gesamten Technik

  • Kreide — Kreide: Das feinkörnige Kalkgestein, das im Altertum vorwiegend als Puder (z. B. zum Reinigen weißer Wollstoffe) verwendet wurde, hieß bei den Römern creta. Lat. creta »Kreide« ist vermutlich als (terra) creta »gesiebte Erde« zu deuten (zu lat.… …   Das Herkunftswörterbuch

  • Kreide [2] — Kreide, schwarze (Schieferkreide, Schieferschwarz, Noir de Schiste, Slateblack), durch kohlige Teile bläulich bis schwarzgrau gefärbter Tonschiefer, leichtzerreiblich, abfärbend, nur als Zeichenstifte gebraucht, nicht aber als Farbe. Künstliche… …   Lexikon der gesamten Technik

  • Kreide [2] — Kreide (weiße K.), weißer, hellgrauer oder gelblicher, feinerdiger und abfärbender Kalkstein, aus sehr kleinen Scheibchen und Kügelchen von kristallinischem kohlensaurem Kalk (sogen. Kokkolithen, deren organische Abstammung zweifelhaft ist) und… …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Kreide — Sf std. (10. Jh.), mhd. krīde, spahd. krīda, as. krīda Entlehnung. Entlehnt aus l. (terra) crēta gesiebte Erde (zu l. cernere; Konzern). Das d stammt aus der späteren Form crēda, während mndl. crijt, mndd. krite das ursprünglichere t bewahren. In …   Etymologisches Wörterbuch der deutschen sprache

  • Kreide [1] — Kreide (Mus), s. Kraut …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Kreide — Kreide, weißer, feinerdiger, abfärbender Kalkstein, besteht aus mikroskopischen Kügelchen und elliptischen Scheibchen von kohlensaurem Kalk und Schalen von Foraminiferen, findet sich als oberstes Glied der Kreideformation bes. auf Kreta, in… …   Kleines Konversations-Lexikon

  • Kreide — (soll von Kreta den Namen haben), bekanntes Mineral, kohlensaurer Kalk, abfärbend, in der Technik mehrfach benutzt, bildet eine eigene Gebirgsformation …   Herders Conversations-Lexikon

  • Kreide — Kreide, 3. und letzte Periode des Mesozoikums; vor ca. 135–65 Mio. Jahren. Die Angiospermen entfalten sich zu großer Artenfülle, parallel dazu die Insekten. Am Ende der K. kommt es aus noch ungeklärter Ursache zu einem Artensterben. Ammoniten,… …   Deutsch wörterbuch der biologie