Leiche


Leiche

Leiche, 1) todter Menschenkörper, von dem Momente des wirklichen Todes bis zur völligen Aufhebung der Körperform. Zeichen des wirklichen Todes sind, wenn man weder Herz- noch Pulsschlag mehr wahrnimmt, wenn auch der leiseste Athem aufgehört hat, wenn die Haut für Stiche, Kneipen od. andere Reize keine durch Zucken sich andeutende Empfindlichkeit mehr besitzt, wenn die Pupille bei einfallendem Lichte sich nicht zusammenzieht, das Leichengesicht, welches durch Einfallen der Gesichtshaut u. die Leichenblässe sich ausdrückt, zu welchem das Hippokratische Gesicht (s.d.) der Sterbenden schon den Übergang macht. Zugleich wird die Hornhaut der Augen getrübt u. undurchsichtig (s. Brechen der Augen), die Wärme verliert[240] sich immer mehr, auch in der Magengegend u. in den Achselhöhlen; in einiger Zeit bemerkt man auch auf Stellen, wo der Körper aufliegt, also bes. bei horizontaler Rückenlage, auf den Schulterblättern u. in der Hüft- u. Oberschenkelgegend, blaurothe Flecken (Todtenflecke), denen nun bald mehrere, als die ersten Spuren der anhebenden Fäulniß, folgen, deren Fortgang sich dann auch durch faulen Geruch (Leichengeruch), Ausflüsse aus Nase u. Mund, aus dem After etc. verräth. Nächst diesen Zeichen ist eins der sichersten die Leichenerstarrung (Leichenstarre). Dieselbe besteht in einer ziemlich beträchtlichen Auspannung der Muskelgebilde u. bewirkt, daß man die Glieder einer erkalteten L. nur mit großer Anstrengung bewegen kann, auch daß dieselbe, wenn die Glieder frei beweglich bleiben, sich streckt. Sie dauert zuweilen nur einige Stunden, zumal wenn sie früh eintrat; meist aber, nachdem sie einige Stunden nach dem Tode anhub, 36–48 Stunden, bei Kälte od. andern ihr günstigen Umständen zuweilen bis zum 6. od. 7. Tage u. wird in gewöhnlichen Zuständen durch die Fäulniß besiegt, mit der dann die eigentliche Verwesung beginnt. Die Ausstellung der L-n im Sterbehause, eine Zeit lang vor der Beerdigung im Sarge, geschieht zunächst für Freunde u. Bekannte u. ist eine uralte Sitte; vgl. Todtenbestattung; 2) so v.w. Leichenbegängniß; 3) (Buchdr.), größere Auslassungen, welche der Setzer aus Versehen im Satze gemacht hat, s.u. Buchdrucken I.; 4) verkröpelter Nadelkopf.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Leiche — Leiche,die:1.〈KörpereinestotenMenschen〉Leichnam·derTote+Mumie♦gehoben:diesterblicheHülle·diesterblichenÜberreste;auch⇨Verstorbene,⇨Aas(1)–2.überLeichengehen:⇨rücksichtslos(2);wieeine[wandelnde]L.:⇨blass Leiche→Leichnam …   Das Wörterbuch der Synonyme

  • Leiche — Sf std. (8. Jh.), mhd. līch, ahd. lī(c)h f./n. u.ä., as. līk Stammwort. Aus g. * līka n. Körper, Fleisch, Leiche , auch in gt. leik n., anord. lík n., ae. līc n. Das Femininum ist nur deutsch und wohl sekundär. Herkunft unklar. Die sehr komplexen …   Etymologisches Wörterbuch der deutschen sprache

  • Leiche — Leiche: Mhd. līch »Körper, Leib; Leibesgestalt; Aussehen, Teint; toter Körper, Toter«, ahd. līh‹h› »Körper, Leib; Fleisch, toter Körper«, got. leik »Körper, Leib; Fleisch; toter Körper«, aengl. līc »Körper; toter Körper«, schwed. lik »toter… …   Das Herkunftswörterbuch

  • Leiche — [Aufbauwortschatz (Rating 1500 3200)] Bsp.: • Eine Leiche wurde im Wald gefunden …   Deutsch Wörterbuch

  • Leiche — (Leichnam, Cadaver), der tierische und menschliche Körper nach dem Tod, auch wohl die abgestorbene Pflanze. Von den organischen Substanzen, aus denen der tierische Körper besteht, beginnen die leichter zersetzbaren sofort nach dem Tod andre… …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Leiche — Leiche, Leichnam (Cadāver), der abgestorbene tierische Organismus, geht nach dem Aufhören des normalen Stoffwechsels in Fäulnis über, die sich durch bestimmte Erscheinungen (Leichenerscheinungen) kundgibt, durch Gerinnung des Blutes und der… …   Kleines Konversations-Lexikon

  • Leiche [2] — Leiche, im Buchdruck vom Setzer aus Versehen weggelassene Wörter oder Sätze …   Kleines Konversations-Lexikon

  • leiche — leiche, leicht obs. forms of leech, light …   Useful english dictionary

  • Leiche — Leichen getöteter Kommunarden, Paris 1871 Unter einer Leiche oder einem Leichnam versteht man einen toten Körper, insbesondere den toten menschlichen Körper. Für nichtmenschliche Tierleichen gibt es die Begriffe Kadaver, Aas oder Tierkörper. In… …   Deutsch Wikipedia

  • Leiche — bedeutet in der Volkssprache sowohl ›Leichnam‹ als auch ›Begräbnis‹. In der großen Zahl von Redensarten zeigt sich das stark affektive Verhältnis zum Tod, das zuweilen aber auch in zynischen oder groben Witz umschlägt. ›De ganze Woche krank und… …   Das Wörterbuch der Idiome


We are using cookies for the best presentation of our site. Continuing to use this site, you agree with this.