Lobkŏwitz [2]


Lobkŏwitz [2]

Lobkŏwitz, ein altes böhmisches Geschlecht, welches schon 850 unter Fürst Nedau blühte, welcher das Schloß L., 3 Meilen von Prag, baute. Von der Peter-Popelschen Hauptlinie zweigte sich 1440 der Hassensteinsche A st ab, welcher nach dreihundertjährigem Bestehen erlosch. Die Hauptlinie theilte sich mit den Enkeln des Stifters in zwei neue Linien, die jüngere davon zu Bilin, erlosch 1722; die ältere zu Chlumetz, gestiftet von Wladislaw I., erhielt durch dessen Sohn, Wladislaw II., die reichsunmittelbare Herrschaft Neustadt an der Waldnab im Nordgau vom Kaiser Maximilian II.; Zdenko Adelbert, Wladislaws II. Sohn, erhielt 1624 die Reichsfürstenwürde; dessen Sohn, Wenzel Eusebius, erlangte 1641 vom Kaiser Rudolf, daß die Herrschaft Neustadt unter dem Namen Sternstein gefürstete Grafschaft wurde, kam 1653 in den Reichsfürstenrath mit Sitz u. Stimme wegen der Reichsherrschaft Neustadt u. erkaufte vom Kaiser das schlesische Herzogthum Sagan. Seine Enkel verkauften Sagan 1746 an den Herzog Biron von Kurland, so wie Sternstein 1807 an Baiern, worauf der Kaiser die Majoratsherrschaft Raudnitz in Böhmen 1786 zu einem Herzogthume erhob. Die Enkel des Wenzel Eusebius, Philipp u. Georg, gründeten 1715 nach ihres Vaters Tode die beiden noch bestehenden Linien, welche beide seit 1807 den Titel eines Herzogs von Raudnitz u. Fürsten von L. führen; die ältere Linie residirt zu Eisenberg in Böhmen (im Winter in Wien) u. besitzt die Fideicommißherrschaften Raudnitz (39 Dörfer), Bilin, Chlumetz, Liebshausen, Eisenberg, Hochneundorf, Enzowan, Mühlhausen u. die Güter Brosan, Mireschowitz, Schreckenstein, Prziczow, Skreyschow u.a. in Böhmen, die Allodialherrschaften Libethitz in Böhmen, Pfannberg u. das Gut Weyer etc. in Steyermark, zusammen etwa 40 QM. Die jüngere fürstliche Linie besitzt die Herrschaften Drhowle, Melnik u. Kozdialowic, die Güter Sedlec, Cizova, Strazovie, Schopka u. Skuhrov, zusammen 10 QM., u. residirt im Winter in Prag, im Sommer in Horzin bei Melnik in Böhmen; beide Linien sind katholisch. Merkwürdig sind: 1) Bohuslaw v. L., aus der Linie Hassenstein, geb. 1462, Gelehrter u. Dichter, st 1510; Auswahl seiner Oden, Elegien u. Briefe, herausgegeben von Winaricki, Prag 1832; über ihn schr. Cornova, ebd. 1808. 2) Fürst Wenzel [456] Eusebius, vieljähriger u. einflußreicher Minister des Kaiser Leopold I., wurde in den Fürstenstand erhoben; weil er aber 1672, als Ludwig XIV. die Holländer angriff, vom Kriege abredete, kam er in Verdacht eines heimlichen Einverständnisses mit dem Feinde u. wurde 1674 nach Böhmen auf sein Gut verwiesen, wo er 24. April 1677 starb. 2) Fürst Georg Christ., geb. 1702, schloß 1736 die Capitulation von Messina, wurde dann Generalgouverneur von Siebenbürgen u. erfocht mehre Siege über die Türken. Im Österreichischen Erbfolgekriege befehligte er zuerst in Oberösterreich in Böhmen. Er wurde zwar 1742 von den französischen Marschällen Broglio u. Belle-Isle geschlagen, siegte aber bei Braunau u. schloß den Marschall Belle-Isle in Prag ein. Er erhielt dann 1743 ein Commando in Italien u. blieb daselbst bis 1746; er st. 1753 in Wien. Jetziger Chef der älteren Linie ist: 4) Fürst Ferdinand, Herzog zu Raudnitz, Sohn des 1816 verstorbenen Fürsten Franz Joseph, geb. 13. April 1797, ist österreichischer Geheimer Rath, Kämmerer u. Obersterblandschatzmeister im Königreiche Böhmen, seit 1826 vermählt mit der Fürstin Marie von Liechtenstein. Der Erbprinz Moritz ist geb. 1831. 5) Prinz Joseph, Bruder des Vor., geb. 17. Febr. 1803, ist kaiserlicher Geheimerath, Feldmarschalllieutenant u. Generalgestüts- u. Remontirungsinspector. Chef der jüngeren Linie ist: 6) Fürst Georg Christian, Herzog zu Raudnitz, Sohn des 1842 verstorbenen Fürsten August, geb. 14. Mai 1835, succedirte 1842 seinem Vater, unter der Vormundschaft seiner Mutter Bertha geb. Prinzessin von Schwarzenberg. Der Fürst ist unvermählt u. hat auch keine Brüder. Außer dem fürstlichen Hause blüht auch ein Zweig dieses Geschlechts im Freiherrenstand; dieser Zweig siedelte sich zu Anfang des 17. Jahrh. nach Kurland u. von da nach Sachsen u. Baiern über, wurde 1459 in den Reichsfreiherrenstand erhoben u. 1840 in Baiern immatriculirt. Jetziger Chef ist: 7) Freiherr August Alexander Ludwig, Sohn des 1852 verstorbenen baierischen Regierungs- u. Forstraths, Freiherrn Lorenz Ludwig, geb. 1807, ist Hauptmann in baierischen Diensten.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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  • Lobkŏwitz [1] — Lobkŏwitz, Dorf im Bezirk Brandeis des böhmischen Kreises Prag an der Elbe; Schloß, Brauerei. Überfahrt; 370 Ew.; Stammort der Familie gleiches Namens …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Lobkowitz — Lobkowitz, altes böhm. Geschlecht, das früher Ujezd hieß, sich aber im 15. Jahrh. nach dem Schloß L. benannte. 1440 teilte es sich in die Hassensteinsche und die Popelsche Linie; Nachkommen der erstern bilden das freiherrlich Lobkowitzsche… …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Lobkowitz — Lobkŏwitz, altes böhm. Geschlecht, blüht noch in zwei fürstl. Linien, die beide auch den Titel eines Herzogs von Raudnitz führen, und einer freiherrlichen in Bayern. – Georg, Fürst von L., geb. 14. Mai 1835 in Wien, 1865 Mitglied des böhm.… …   Kleines Konversations-Lexikon

  • Lobkowitz — Lobkowitz, altes böhm. Geschlecht, 1624 reichsfürstlich, blüht in 2 Linien, die beide auch den Herzogstitel von Raudnitz führen; die ältere Linie besitzt die Herrschaft Raudnitz, 10 Herrschaften in Böhmen und viele andere Güter, die jüngere 8… …   Herders Conversations-Lexikon

  • Lobkowitz — Lọbkowitz,   Lọbkowicz [ tʃ], böhmisches Adelsgeschlecht, das den Namen nach der Burg Lobkowitz bei Prag führt, 1459 in den Freiherren , 1624 in den Fürstenstand des Reiches erhoben. Nach wiederholten Teilungen nahm eine Linie nach dem Verkauf… …   Universal-Lexikon

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