Papier [1]


Papier [1]

Papier, 1) ein aus unregelmäßig durcheinander liegenden Fäserchen bestehendes.u. dünne Blätter (Bogen) bildendes, zum Drucken, Schreiben, Zeichnen etc. dienendes Kunstproduct. Man verkauft das Papier nach Ballen zu 10 Rieß, das Rieß zu 20 Buch, das Buch Druckpapier zu 25 Bogen, das Schreibpapier hingegen das Buch zu 24 Bogen od. 4 Lagen. Es gibt eine große Menge Sorten P., u. zwar unterscheidet man I. nach den Stoffen: A) Lumpen- (Linnen-)papier; Lumpen von weißen leinenen od. hanfenen Stoffen sind das gewöhnlichste Material zu P., so daß die meisten anderen dazu verwendeten Stoffe nur als Surrogat zu betrachten sind u. mehr zu groben Sorten P, wie Pack- u. Einschlagpapier, genommen werden. Die gewöhnlichste Beimischung zu den Linnenhadern ist Baumwolle, indessen wird das P. dadurch weniger fest u. schlägt leichter durch, wird leichter gelb u. ist nicht so glatt. B) Baumwollen- (Coton-)papier, dessen Grundstoff baumwollene Hadern sind, wird wenig fabricirt; doch waren 1849 in Manchester mehr als 50 Maschinen damit beschäftigt, aus den Abfällen der Baumwollenspinnerei u. der Leinenspinnerei P. bes. für den Zeitungsdruck u. dgl. zu fertigen, welches bis zu 9/10 aus Baumwolle bestand. C) Strohpapier, fertigt man aus Strohhalmen (schon Schäffer in Regensburg um 1800), welche nach dem Auskochen mit alkalischen Laugen sich leicht in seine biegsame Fasern zertheilen lassen, theils mit, theils ohne Zusatz von Hadern; das Strohpapier ist aber, weil es aus kurzen, dünnen u. glatten Fäserchen besteht, hart u. steif, so daß es beim Falten leicht bricht, doch so dicht, daß es selbst ungeleimt als Schreibpapier verwendet werden kann. In neuerer Zeit wird in Deutschland aus Stroh, bes. in Frankreich aus Maisstroh, Packpapier verfertigt (s. V. B) f). Das Stroh wird gereinigt, auf einer Häckselmaschine in 2 bis 3 Linien lange Stücke geschnitten u. die Knoten durch Fegen auf einer Spreumühle entfernt; das geschnittene Stroh wird erst in Wasser, od. in Dampf, dann nach seiner Umwandlung in Halbzeug in Kalkmilch mit Pottaschezusatz gekocht, in Ganzzeug verwandelt u. Bogen daraus verfertigt. Einem Bleichen mit Chlor geht eine Digestion mit Schwefelsäure u. unterchlorigsaurer Magnesia voraus. In ähnlicher Weise kann man aus Heu ein dunkelgrünes festes Packpapier erzeugen. D) Holz- (Hobelspäne-)papier, von verfaultem Fichten- u. Tannenholz od. Hobelspänen od. auch von der Lohe ohne od. mit Zuthat von Lumpenzeug gemacht, ist etwas grau, aber glatt wie Seide, man kann darauf schreiben, ohne daß es geleimt wird, doch taugt es besser zu Pappe u. zu Einschlagpapier. E) Eine Art Binsen, welche man in Frankreich u. Deutschland verwendet, gibt eine Art durchscheinendes Zeichenpapier, Papier de Guimauve od. lucydonique. F) Auch von anderen Pflanzenstoffen, z.B. von Blättern, Stängeln u. bes. von Bast kann man P. bereiten; so Maulbeerbaumzweigpapier; der Bast wird ohne die Oberhaut abzulösen, vom Holze getrennt, gehörig getrocknet u. gemahlen od. gestampft; man erhält daraus ein ziemlich weißes u. feines P., welches sich bes. gut zum Kupferdruck eignet. Lindenbastpapier u. Baumrindenpapier wurde auf ähnliche Weise aus dem Bast der Linde u. anderer Bäume (wie der Pappel) verfertigt. Agavepapier, aus den Fasern der Agave, dessen sich alle Landesbehörden in Mexico laut einem Gesetz von 1828 bedienen sollen. Die Chinesen verfertigen P. aus Bambusrohr, Baumwollenstaudenzweigen, Maulbeerbaumbast, Hanf, Weizen- u. Reisstroh etc.; welche man nach dem Kochen in Kalk od. Aschenlauge in steinernen Mörsern zu Ganzzeug zerstampft; die Formen sind aus zarten Stäbchen, die aus Bambusrohr gespaltet werden, man kautscht nicht auf Filz, sondern auf erwärmte, etwas geneigte Kalk- (Gyps-) flächen u. preßt in Hebel; zum Leimen mischt man in der Bütte einen Absud von Reis, Erbsen u. dgl. unter das Zeug; die Siamer u. Tibetaner aus Baumrinden u. Wurzeln; die Japaner aus der Rinde des Papiermaulbeerbaumes, der Palmen u. gewisser Sträucher; die Hindostaner aus der Sonnenpflanze (Crotolaria juncea); die Indier aus dem Baste des Cocusstammes; in Madagascar aus der Rinde der Pappel Abo. Außerdem sind noch mehre Stoffe als Lumpensurrogate empfohlen worden, u. es werden in Bibliotheken u. Kunstsammlungen oft gegen 100 Proben von P-en aus solchen Stoffen verwahrt; vgl. Schäffer, Muster u. Versuche ohne alle Lumpen od. mit einem geringen Zusatz P. zu machen, Regensb. 1765–67, 5 Bde. G) Wollene Lumpen sind nur zu Schrenz, grauem, dickem Pack-, Düten- u. Löschpapier brauchbar. Auch H) sonstige thierische Stoffe, wie Lederabfälle[616] u. Därme, sind mehrfach zu festem Packpapier u. Pappen verarbeitet worden. Die Hülsen der abgehaspelten Seidencocons werden in China zu P. verarbeitet.

II. Nach der Fabrikationsweise. A) Nach der Art des Schöpfens: a) in Büttenpapier (Geschöpftes P.), welches in gewöhnlichen Papiermühlen durch Schöpfen gefertigt ist, u. bei diesem wieder mit Postformen geschöpftes u. mit Sieb- (Velin-)formen, s. unter Papierfabrik III. A) a); b) in Maschinenpapier (P. ohne Ende), s. ebd. III. B) B) Nach der Art der Herstellung der Weiße: in a) ungebleichtes (Natur-) Papier, wo die Lumpen so verarbeitet werden, wie sie sind, u. b) gebleichtes P., wo auf die halbfertige Masse eine Bleichflüssigkeit od. Chlor einwirkt u. ihnen mehr Weiße gibt; s.u. Papierfabrik II. C). C) Nach dem Leimen: a) ungeleimtes (Fließ-) Papier, welches bes. zum Drucken, u. b) geleimtes P., welches bes. zum Schreiben dient; s.u. Papierfabrik II. E) IV. A); Druckpapier, welches nur durch Durchziehung durch mit Alaun getränktes Wasser eine dem Schreibpapier ähnliche, jedoch nicht Tinte haltende Festigkeit erhält, heißt Alaunpapier. D) Nach dem Glätten: a) ungeglättetes u. b) geglättetes P. (Atlaspapier, Satinirtes P.), s. Papierfabrikation IV. B).

III. Nach der Größe der Bogen. Die deutschen Formate sind (nach Karmarsch) Groß-Elephant (holl. Olifant), 273/4 Zoll hoch u. 421/4 Z. breit (hannöverisch Maß); Klein-Elephant, 26 Z. hoch u. 37 Z. breit; Colombier, 241/4 Z. hoch u. 333/4 Z. breit; Imperialformat, 223/4 Z. hoch u. 311/2 Z. breit; Groß-Regal- (Royal)format, 203/4 Z. hoch u. 301/4 Z. breit; Super-Regal, 20 Z. hoch u. 281/4 Z. breit; Mittel-Regal, 201/2 Z. hoch u. 27 Z. breit; Klein-Regal, 20 Z. hoch u. 251/2 Z. breit; Lexikonformat (Emoisin), 19 Z. hoch u. 241/2 Z. breit; Groß-Medianformat, 181/4 Z. hoch u. 233/4 Z. breit; Mittel-Median, 181/4 Z. hoch u. 221/4 Z. breit; Schmal-Median, 171/4 Z. hoch u. 213/4 Zoll breit; Klein-Median (Register), 161/2 Z. hoch u. 21 Z. breit; Schmal-Register, 161/4 Z. hoch u. 20 Z. breit; Mittel-Register, 153/4 Z. hoch u. 191/2 Z. breit; Propatria (Dicasterial), 151/4 Z. hoch u. 181/2 Z. breit; Kanzlei- od. Concept- (kleines, Schreib-) format, 13–151/4 Z. hoch u. 161/2–173/4 Z. breit; Pandekten, 11 Z. hoch u. 151/4 Z. breit; kleinstes (Cavalier-, Damen-, à la mode-) Format, 10 Z. hoch u. 12 Z. breit. Das größere P., als Imperial, wird auch oft durch englische, französische od. holländische Bezeichnungen angegeben, so wie Zeichenpapier fast stets nach englischen Maßen. Außer obigen Formaten sind in Deutschland für verschiedene Zwecke noch viele andere Formate gewöhnlich geworden, so das hoch Quartformat, worin viele Lexika u. Ausgaben von Autoren gedruckt sind, 14 bis 16 Zoll hoch, 20–22 Zoll breit; das Taschenbuchformat (Sedez), in welchem gewöhnlich die Taschenbücher erscheinen, 18 Z. hoch, 24 Z. breit; das Schillerformat, aus welchem die Schillerschen Werke gedruckt sind, 17 Z. hoch, 23 Z. breit, etc. Zeichnen- u. Kupferdruckpapiere benennt man in Deutschland meist mit französischen od. englischen Namen.

IV. Nach der Bestimmung des P-s unterscheidet man: A) Druckpapier, welches weiß u. nicht geleimt ist u. von diesem: a) eigentliches Druckpapier, für den Buchdruck bestimmt; dieses zerfällt wieder in aa) superfeines Druckpapier, vorzüglich weiß, sein u. fest; sonst, u. bei Schreib- u. Zeichnenpapieren noch jetzt, bekamen dieselben fast von jedem Papierfabrikanten u. Papierhändler besondere Namen u. waren meist Velinpapiere, jetzt ersetzen die guten Sorten des Maschienpapiers ihre Stelle u. werden nach dem Bogenmaß in Zollen u. nach dem Gewicht verkauft; auch das stets ungeleimte Filtrirpapier gehört hierher; bb) Postdruckpapier, feineres Druckpapier, von gerippten Formen; cc) Kanzleidruckpapier, Mittelsorte, von gerippten Formen, ins Graue spielend, sonst sehr häufig, jetzt nur zu Volks- u. Elementarbüchern noch verwendet; dd) Conceptdruckpapier, die schlechteste Sorte, grob, mehr grau als weiß, jetzt nur noch zu ganz geringen Druckarbeiten, Komödienzetteln, Tabaksetiketten u. dgl. angewendet. b) Kupferdruckpapier, zum Druck von Kupferstichen, Velinpapier, von mehr od. weniger seiner Masse, dick, weich u. schwammig; c) Notendruckpapier, dick, mit gerippten od. Velinformen geschöpft; d) Seiden- (od. Gold-) papier, das geringere von gerippten, das feinere von Velinformen, außerordentlich dünn, zum Einwickeln von Goldwaaren u. dgl., zum Einlegen zwischen Kupferstiche etc. B) Notenpapier, starkes u. dickes P., in besonderen Formaten, zum Notenschreiben; daher geleimt. C) Schreibpapier, dasselbe ist geleimt (s. oben) u. dient zum Schreiben. Man unterscheidet: a) Velinschreibpapier, dünner (als Briefpapier verwendet) od. dicker; alle aus seiner Masse bestehenden Sorten heißen Postvelin- od. Velinpostpapier; Velin aus ordinärem Zeuge heißt Velinconcept; b) Postpapier, dünnes, feines u. allerfeinstes P., gerippt; die dünnen Sorten der mittleren u. kleinen Formate werden vorzugsweise als Briefpapier (Briefpostpapier) gebraucht; sind bei Verfertigung desselben durch eine besondere Vorrichtung in der Form hellere (durchsichtigere) Parallellinien in solcher Entfernung angebracht, daß man sich beim Schreiben darnach richten kann, so heißt es Liniirtes P.; e) Propatria- (Cavalier-) papier, feines Schreibpapier von Kanzleigröße od. etwas kleiner; d) Kanzleipapier (Herrenpapier), gerippt, mittelfein u. fein; aus weißen Hadern; e) Conceptpapier, die schlechteste Sorte des vorigen, halbweiß, aus nicht gebleichter Masse, aus grauen, zuweilen mit etwas rothen od. blauen Hadern untermischt. D) Zeichnenpapier, zum Zeichnen wird vorzugsweise Büttenpapier verwendet, von den verschiedensten Qualitäten u. Größen, zu ihm gehört auch das Landkartenpapier, zu Landkarten, meist gröber als das vorige, fast immer Royal- u. Imperialpapier. E) Spielkartenpapier, stark u. meist aus drei anderen Blättern zusammengeklebt (s. Karte III.), zuweilen aber auch Doppelpapier (vgl. Papierfabrik III. B), bes. starkes, oft geglättetes P, das zu Visitenkarten, Anschlägen, welche lackirt bes. lange dauern sollen, u. dgl. verwendet wird. F) Tapetenpapier, geleimtes Velinpapier aus mittelfeiner Masse, nie gebläut, dicker als Schreibpapier, von möglichst großen Bogen, geglättet; auch zu diesem wird P. ohne Ende angewendet. G) Packpapier, meist in großen Formaten u. ziemlich dick, stets geleimt, gewöhnlich halbgeleimt, aus ungebleichtem leinenem, halbbaumwollenem od. halbwollenem Zeuge, selten von Velinformen. Besondere Arten sind: das blaue u. rothe Packpapier, aus blauen u. rothen Lumpen;[617] das braune Packpapier (Brown paper), nach englischer Art aus alten getheerten Seilen od. Werg verfertigt; das durch Blauholzabkochung violet gefärbte Papier zum Einpacken der Leinwand, der Nähnadeln (Nadelpapier), des Tabaks (Tabakspapier), des Zuckers (Zuckerpapier) etc.; endlich manche Sorten Strohpapier. H) Löschpapier (Fließpapier), wenig gepreßt, daher schwammig u. stark wassereinsaugend, stets ungeleimt: zerfällt in a) graues, aus wollenen Lumpen, rauh u. grob; b) rothes, aus rothen, leinenen Lumpen, viel glätter u. sanfter als das graue, oft mit Velinformen geschöpft. c) Schrenzpapier, ist dünnes Packpapier in kleinen Formaten, aus ungebleichten leinenen, zum Theil baumwollenen od. gar wollenen Lumpen, ungeleimt od. halbgeleimt; die besseren Sorten werden auch zu geringen Buchdruckerarbeiten gebraucht.

V. Präparirte Papiere: A) Bunte Papiere in verschiedenen Farben, u. zwar gleich aus Hadern gefärbte (Naturfarbene) P-e, welche die Farbe, welche das P. haben soll, schon haben; bes. sind es rothe u. blaue P-e, welche so gefertigt werden; in der Masse gefärbte P-e, hier werden gleich verschiedene Pflanzen- od. mineralische Pigmente, bes. bei blauen P-en Lackmus, der Papiermasse in der Bütte od. dem Holländer beigemischt u. dadurch die Färbung bewirkt; vgl. Papierfabrikation V.; Angestrichene P-e, wo die Färbung durch Anstreichen der fertigen P-e bewirkt wird u. zwar meistens nur auf einer Seite. Die Verfertigung solcher bunter P-e nennt man Buntpapierfabrikation od. Papierfärberei; sie umfaßt die Darstellung der schlichten farbigen, der mit farbigen Mustern bedruckten u. der gepreßten P-e. a) Schlichte farbige P-e, gut geleimte, rein weiße P-e, am besten von Velinformen, werden mit einer Farbe bestrichen u. zwar weil Saftfarben keine satte u. feurige Farbe geben, am besten mit einer Körper- (od. Deck-) farbe, welche als feines erdartiges Pulver mit einer klebrigen Flüssigkeit, vorzugsweise Leimwasser, angemacht wird. Hierher gehören: aa) schlichte einfarbige P-e, u. zwar: Sandpapiere, mit Körperfarbe, gar nicht od. nur auf der Rückseite geglättet; Taffetpapiere, auf der gefärbten Seite geglättet u. glänzend; Blumenpapiere, zu künstlichen Blumen, auf beiden Seiten mit Saftfarbe gefärbt, auf einer Seite geglättet; gefärbte Postpapiere, zum Schreiben u. Drucken, auf beiden Seiten gefärbt, nicht geglättet, sondern scharf gepreßt; satinirte P-e, Atlaspapiere, auf einer Seite mit hellen Körperfarben gefärbt u. durch Einreiben mit Talgpulver glänzend gemacht; Titelpapiere, zu Titelschildern der Büchereinbände, auf einer Seite mit Körperfarbe u. einem stark glänzenden Firniß überzogen; Perlmutterpapier, perlgraues, satinirtes P., durch Anstreichen mit Perlenessenz u. Glätten mit Perlmutterschimmer versehen; Gold- u. Silberpapier; das echte erhält über einer klebrigen gelben (Ocher) od. weißen (Bleiweiß) Grundfarbe eine Lage von echtem Blattgold od. Blattsilber u. wird geglättet; bei dem unechten nimmt man unechtes Blattgold u. Blattsilber od. bestreicht es mit einer in Leimwasser angemachten gelben od. weißen Metallbronze; zu Chinesischem Silberpapier, mit einem Silberglanz, bestreicht man P. mit einer Mischung aus Leim u. Alaun, streut darauf ein aus einer Mischung von Talg u. Alaun gewonnenes Pulver, u. nachdem der Papierbogen im Schatten getrocknet ist, wird das überflüssige Pulver mit Baumwolle abgewischt; Sammetpapier od. velutirtes P., zeigt eine kurzhaarige, rauhe Fläche, welche dadurch erzeugt wird, daß man starkes Schreibpapier mit einem dicken, schnelltrocknenden, mit Bleiweiß abgeriebenen Leinölfirniß anstreicht u. sogleich mit feingemahlener Scheerwolle durch ein Sieb bestreut. Die Farben werden mit einer lang- u. weichborstigen Streichbürste aufgetragen u. die von der ersten Bürste hinterlassenen Streifen mit einer kleinen Verschlichtbürste entfernt (verschlichtet). bb) Irispapiere, zeigen nebeneinander liegende, parallele, verschiedenfarbige, etwa 1 Zoll breite Streifen; die Farben der Streifen fließen an den Rändern in einander. cc) Marmorpapiere haben unregelmäßig abwechselnde, verschiedenfarbige Flecken, Adern etc., s. Marmoriren. Solche P-e sind: Türkisches P., buntes Marmorpapier, bei Erzeugung mischt man die Farben in der entsprechenden Weise in einer 3–6 Zoll tiefen hölzernen Wanne (Marmorirkasten), indem man sie auf eine Schicht Traganthschleim aufspritzt u. umrührt, den Bogen behutsam u. gleichmäßig auflegt, wieder abhebt, trocknet, auf Gummi- od. Leimwasser auflegt, abhebt u. wieder trocknet u. glättet; Granitpapier, gesprengtes P. u. getupftes Marmorpapier, einfarbig mit aufgespritzten od. aufgetupften Punkten von anderer Farbe; Schildpatpapier, braun mit schwarzen, gelben u. rothen Tupfen; Maser- od. Fladerpapier, ahmt den Maser der Holzarten nach; einfarbige Bogen werden mit schwarzer Farbe bespritzt u. verschiedenartig geneigt, wobei die aufgespritzten Tropfen verlaufen; Herrnhuter P., Kleistermarmorpapier (s.d.) od. wolkiges P., es werden zwei gefärbte, noch nasse Bogen auf einander gelegt u. schnell wieder von einander gerissen; soll das marmorirte P. weiße Flecke behalten, so wird Rindsgalle auf die Farbe gespritzt. b) Bedruckte P-e werden mit Formen bedruckt, wie Kattun (s.d.): aa) Kattunpapiere, mit ein- od. mehrfarbigem Muster auf weißem od. einfarbigem hellem Grunde; die Farben sind Körper- od. Saftfarben; bb) Bedruckte Irispapiere, s.u. Irisdruck; cc) Bedrucktes Gold- u. Silberpapier, mit farbigen Mustern auf schlichten Gold- u. Silberpapieren; dd) Gemustertes Gold- u. Silberpapier, Gold- u. Silbermuster auf farbigem Grunde; die Muster werden mit Gummilösung, Stärkekleister od. einer geeigneten Ölfarbe aufgedruckt od. mit einer Schablone aufgemalt u. mit Blattgold u. Blattsilber belegt, od. mit fein geriebenem Gold od. Silber bestreut; od. man vergoldet einfarbiges P. mittelst Blattgold mit besonderen messingenen Stempeln; ee) Velutirter Druck, man druckt auf farbigen Grund Muster mit Leinölfirniß u. streut Scheerwolle auf (s. oben Sammetpapier a) aa); ff) Kupferstichpapier, einfarbig, mittelst gestochener Kupferplatten mit schwarzer Ölfarbe bedruckt. c) Gepreßte (Gausrirte) P-e. Das Pressen geschieht im schwach feuchten Zustande auf einer nachgiebigen Unterlage durch Kupfer- od. Messingplatten, in welche die Muster eingegraben sind, auf der Kupferdruckpresse (jedoch ohne Farbe), ferner mittelst geätzter lithographischer Platten, in welche das Muster eingeätzt ist, u. welche dann polirt,[618] unter eine der Kupferdruckpressen gebracht werden, auch mittelst gravirter Messingwalzen, welche man dann statt der hölzernen Oberwalze in die Kupferdruckpresse bringt, wie diese wirken. Solche gepreßte Papiere sind: aa) das Maroquin (Saffian-) papier, welches einfarbig den Maroquin nachahmt u. durch eine die Zeichnung des Maroquins darstellende Walze hergestellt wird; die Pressung besteht aus parallelen, sich unter schiefem Winkel kreuzenden Linien; bb) Gaufrirte (Gaufré) Papiere, eigentlich gepreßte P-e von allen Farben u. Stoffen; so werden Iris-, Satiné-, Gold- u. Silberpapiere gepreßt u. zu allen möglichen feinen Papp- u. Buchbinderarbeiten, zu Damenhüten u. Visitenkarten verwendet; cc) Damastpapier (Papiers linge, P. d'étoffe), völlig weißes P., in welches die Muster des leinenen Damasts u. Drells eingepreßt sind; in Frankreich hat man es zu Vorhängen, Tafeltüchern, Servietten etc. angewendet; dd) Briefpapier mit gepreßten Randeinfassungen, mit Stanzen u. Stempeln gepreßt, auf einer Schrauben- od. Kniehebelpresse; ee) Gepreßte Papierborden werden bogenweise zwischen Walzen gepreßt u. in Streifen zerschnitten; ähnlich werden Gold- u. Silbertressen erzeugt, indem man die gepreßten Muster vor dem Zerschneiden vergoldet od. versilbert, od. besser Borden aus Gold- u. Silberpapier preßt; ff) Papierspitzen, sehr feines, weißes od. farbiges Velinpapier mit zartem durchbrochenem Muster, sieht von Weitem wie geklöppelte Spitzen; theils in Streifen, theils in Blättern, dient als Lampenschleier, zum Einschlagen von Bonbons, Einwickeln von Sträußern etc.

B) Für besondere Zwecke: a) Rost- (Metall-, Nadel-) papier, in welches feine Stahlwaaren, Nadeln u. dgl. gepackt werden, um sie gegen Rost zu schützen; es wird entweder mit Blauholz in der Masse gefärbt u. mit Leim ohne Alaun geleimt, od. auch mit fein gepulvertem Reißblei in der Bütte vermischt (Graphitpapier); ein anderes Rostpapier wird aus alten getheerten Schiffstauen verfertigt u. zum Verpacken größerer Stahlwaaren benutzt, welche es durch seinen Theergehalt gegen Rost schützt. b) Polir- (Schmirgel-) papier, mit welchem verrostete (daher auch Rostpapier genannt) Stahlwaaren leicht wieder polirt werden können u. auch Tischler ihre Waaren poliren; gewöhnliches Schreibpapier wird auf der einen Seite mit Leim bestrichen u. durch ein Sieb geschlämmter Schmirgel aufgestreut u. nach dem Trocknen das nicht festgeklebte Pulver abgeschüttelt; od. man bestreicht das P. mit Leimwasser u. trägt nach dem Trocknen den mit Leinöl angerührten Schmirgel in zwei Austrichen auf. Bisweilen wird es auch gefärbt. Auf ähnliche Weise bereitet man Bimssteinpapier, Feuersteinpapier, Glaspapier, Sandpapier. c) Galvanisches P., Packpapier, mit fein gepulvertem Zink (in Gummi od. Steinkohlentheeröl od. in durch Terpentinöl verdünntem Steinkohlentheer abgerieben) angestrichen; soll vermöge seines durch Berührung von Eisen erregten galvanisch-elektrischen Zustandes das Rosten darin verpackter Eisenwaaren verhüten. d) Elfenbeinpapier (Steinpergament), welches den Miniaturmalern das Elfenbein ersetzt, wird bereitet, indem man mehre Bogen Velinpapier mittels Pergamentleim übereinander klebt, mit Glaspapier glatt schleift u. mit einem Anstrich von feingemahlenem, in dünnem Pergamentleim angerührtem Gyps versieht. Ein anderes Elfenbeinpapier (Kreidepapier, Metalliquepapier), auf welches man mit metallenen Stiften, aus 1 Theil Zinn u. 1–3 Theilen Blei schreiben, das Geschriebene aber mit Gummi elasticum wieder wegwischen kann, erhält man, wenn man glattes starkes Velinpapier auf beiden Seiten mit Kalkmilch aus gelöschtem weißem Kalk bestreicht u. glättet, od. geschlämmte Kreide trocken mit Baumwolle in das Papier einreibt. Das eigentliche Kreidepapier für den Kupfer- u. Steindruck, bes. zu Adreß- u. Visitenkarten, erhält man aus glattem Schreibpapier durch einen Anstrich von feinstem Bleiweiß (od. auch Zinkweiß od. Geschlämmte Kreide) in einer klebenden Flüssigkeit (einer Abkochung von Pergamentschnitzeln, Hausenblase u. Arabischem Gummi in Wasser, od. einer Leimlösung); um diesem P. Glanz zu geben läßt man es mit einer polirten Kupfer- od. Stahlplatte durch zwei Walzen gehen. Verwandt ist das Pergamentpapier od. künstliche Pergament, auf welches man mit Bleistift od. Tinte schreiben u. das Geschriebene durch Benetzen wieder entfernen kann; man erhält es aus glattem Schreibpapier, indem man dieses entweder mit einer mit Pergamentleim abgeriebenen Mengung von Bleiweiß, Gyps u. zerfallenem Kalke bestreicht, mit Bimsstein schleift u. mit Leinölfirniß tränkt; od. indem man es erst mit in Leimwasser angemachtem weißem Pfeifenthon, zweimal mit Bleiweiß grundirt, trocknet, preßt u. dreimal mit einer Farbe streicht, welche man erhält, wenn man Leinöl mit Bleiglätte u. Bleizucker zu dickem Firniß kocht u. dazu Copallack u. Terpentinöl setzt u. mit Bleiweiß abreibt; od. indem man es auf beiden Seiten mit einem Lack aus Copal, Leinölfirniß u. Terpentinöl leicht überstreicht u. nach dem Trocknen zwei od. drei Mal mit einer aus Leinöl, Bleiweiß, Bleizucker u. geschlämmtem Bimsstein bereiteten Farbe streicht u. mit Bimsstein u. Wasser abschleift. e) Hydrographisches P., worauf man mit reinem Wasser schreibt, wo dann schwarze Schriftzüge erscheinen, ist mit Galläpfeltinctur getränkt u. nach dem Trockenen mit gepulvertem Eisenvitriol eingerieben. f) Copirpapier (Transparentpapier). Zum Durchzeichnen von Plänen, Zeichnungen, Webereimustern etc. wird meist das sogenannte Calquir- (Kalkir-) papier benutzt, welches entweder aus gehecheltem Flachs od. schäbefreiem Werg, od. aus Stroh dargestellt wird u. gelblich, dünn, stark durchscheinend, von Natur ziemlich steif ist, als ob es halbgeleimt wäre; hierher gehört auch das oben I. E) erwähnte Papier à la Guimauve. Eine andere Art Copirpapier erhält man aus dünnem, weißem Velinpapier od. gutem Seidenpapier durch Bestreichen mit einem feinen Öl od. Firniß u. nennt es daher Ölpapier, Firnißpapier, Glaspapier, auch wohl Strohpapier. Zu dem Copirpapier gehört ferner auch das Pauspapier, welches man erhält, indem man Schreibpapier mit Benzin bestreicht, wodurch es durchscheinend wird u. sich zum Durchzeichnen von Zeichnungen eignet, nach dem Gebrauch verflüchtigt sich das Benzin bes. in der Wärme, u. das P. wird wieder undurchscheinend. Außerdem gibt es noch ein anderes Pauspapier aus feinem Velinpapier, welches auf einer Seite mit Röthel, Indig, Pariserblau od. Schwarzer Kreide überstrichen ist. Wenn man das P. zwischen die Zeichnung u. den weißen Bogen legt u. dann die Zeichnung in den[619] Hauptzügen mit einem Griffel überfährt, erhält man auf dem weißen Bogen die Umrisse der Zeichnung. Solches mit Indig gefärbtes Pauspapier verwendet man auch in den Telegraphenämtern, um das umständliche Copiren der eingegangenen Depeschen dadurch zu umgehen, daß man dieselben beim Niederschreiben zugleich auf ein unter das Pauspapier gelegtes weißes Blatt überpaust. g) Pastellpapier (Papier pumicif), zur Pastellmalerei, ist starkes Zeichnenpapier, zweimal mit klarer Lederleimlösung bestrichen u. mit feinstem Bimssteinpulver gesiebt. h) Traganthpapier, mit Traganthauflösung gut überstrichenes Zeichnenpapier, zum Öl- u. Wasserfarbenmalen. i) Sammetpapier, zu Bleistiftzeichnungen, mittels eines wollenen Lappens mit fein gepulverter Knochenasche abgeriebenes, gutes, dickes Velinpapier, wo die in den Poren sitzen bleibenden Theilchen das P. gelind rauh machen u. das Haften des Bleistifts fördern. k) Ölpapier, durchscheinend, gefärbt, meist grün, zu Kinderspielzeug verwendet, ist dünnes Schreibpapier, auf einer Seite mit grüner, mit Terpentinöl abgeriebener, warm aufgetragener Farbe bestrichen. l) Wachspapier, auch grün, durch Bestreichen des auf einer erwärmten Blechtafel liegenden weißen P-s mit warmem Wachs, worin fein geriebener Grünspan gerührt ist, erzeugt. Will man weißes Wachspapier haben, so verwendet man weißes Wachs ohne Grünspan od. als Surrogat eine Wasserglaslösung. m) Gefirnistes (Wachstuch-, Wachspack-) P., auf der einen Seite mit einer schwarzen Farbe aus Kienruß u. Leimwasser, darüber mit starkem Leinölfirniß, od. statt dessen mit einer mit Terpentinöl verdünnten zusammengeschmolzenen Mischung aus Asphalt u. Leinölfirniß bestrichenes, festes, braunes Packpapier, Surrogat von Wachstuch. n) Wasserdichtes P., mit Öl, Ölfirniß, Wachs od. einem harzigen Firniß getränktes P.; will man das äußere Ansehen erhalten, so versetzt man das Ganzzeug im Holländer stark mit Talgseife, dann mit Alaun u. leimt nach dem Schöpfen wie gewöhnlich mit thierischem Leim. Wasserdichtes P. zu Zeichnungen, Kupfer- u. Steinabdrücken etc. erhält man, indem man das Papier mit einer Lösung von gebleichtem Schellack, Mastix u. Elemi in Weingeist u. Terpentinöl tränkt, nach dem Trocknen auf feinen Kattun legt, welcher mit einer Lösung von Schellack in stärkstem Salmiak u. Wasser getränkt ist, durch heißen Druck beide verbindet, auf der Zeugseite mit fettem Lackfirniß u. irgend einer Farbe bestreicht u. nach dem Trocknen das P. durch Druck glättet: vgl. Papiertuch. o) Fliegenpapier (s.d.). p) Räucherpapier, Schreibpapier, in eine Salpeterauflösung getaucht u. mit einer Tinctur von Benzoe u. Storax, in Weingeist gelöst, bestrichen; angezündet glimmt es langsam fort u. verbreitet einen angenehmen Geruch. q) Zunderpapier (Papierfeuerschwamm, Blätterschwamm, Bogenschwamm) im Holländer zerkleinte Abfälle von Feuerschwamm, als dünne Pappbogen in Papierformen geschöpft; dient als Zunder, bes. zur Verfertigung von Reibzündern; um seine Brennbarkeit zu erhöhen, tränkt man es mit einer Lösung von Salpeter, od. von chlorsauerem Kali. r) Unverbrennliches P., wird durch eine gehörige Behandlung des Asbests erhalten; schwer verbrennliches P. dagegen, welches im Feuer nur verkohlt ohne in Flamme auszubrechen, wird durch Tränken gewöhnlichen Papiers mit einer Lösung von borsauerem od. phosphorsauerem Ammoniak dargestellt; man braucht es zu Patronen, wo zu befürchten ist, daß die Umgebungen zünden, zu Tapeten, Theaterdecorationen, Rouleaux u. dgl. s) Sicherheitspapier herzustellen, welches die Verfälschung von Urkunden unmöglich macht, indem es alles Radiren u. Behandeln mit chemischen Stoffen auffällig verräth, ist noch nicht gänzlich gelungen, da die dazu angewendeten verschiedenen Arten der Färbung des Papiers nicht genügend sichern od. technisch zu schwierig sind. Eine andere Art von Sicherheitspapier verwendet man z.B. zu Banknoten, um deren Nachahmung zu verhüten; hierzu wird gewöhnliches Papier mit Zeichnungen bedruckt, deren Hervorbringungsart u. Beschaffenheit eine völlig getreue Nachbildung unmöglich machen soll. 1848 machte C. Pül in Leipzig den Vorschlag, das Papier mit, auf Kupferplatten übertragenen Krystallgestalten zu bedrucken; Millet dagegen schlug (1854) vor, das Papier zu den Banknoten mit einem sehr unregelmäßige Gebilde enthaltenden Wasserzeichen zu versehen. Auch die Nachahmung durch lithographischen Überdruck (s. Lithographie II. A) d) od. anastatischen Druck hat man durch Anwendung eines Sicherheitspapieres unmöglich zu machen gesucht; bei dem 1851 für Henry Glynn u. Rudolph Appel (aus Schlesien) patentirten Verfahren wird das Papierzeug mit salpetersauerem od. schwefelsauerem Kupfer (gegen anastatischen Nachdruck) gemischt, durch Alkali im Überschuß das Kupfer niedergeschlagen, im Wasser ausgeschlagen, das Papier in eine fettige Seifenlösung (gegen Überdruck) getaucht u. mit thierischem Leim geleimt. Auch das fertige P. kann man so behandeln. t) Tabakpapier, aus Tabakstängeln u. Tabakblattrippen bereitet, als Umblatt, selbst als Deckblatt zu Cigarren verwendet. u) Blaupapier, zum Bläuen der Wäsche, gewöhnliches Schreibpapier, mit abgezogenem, durch Eindampfen concentrirtem u. mit Stärke versetztem Indig bestrichen; läßt den blauen Farbestoff in Menge fahren, wenn es in Wasser gebracht wird. v) Schieferpapier, s.u. Pappe u. vergl. Schieferpergament unter Pergament.

VI. Das älteste P. ist das aus Seidencoconabgängen gefertigte Seidenpapier der Chinesen. Eigentliches P. aus dem Alterthum ist nur das Ägyptische P. (Charta papyracea, Papyrus), bereitet aus der Staude Papyros od. Byblos (Cyperus papyrus, s.d.). Der unter der Schale liegende Bast (Byblos) wurde in seinen einzelnen Lagen gelöst (je weiter nach innen, desto feiner wurden sie); die einzelnen abgelösten Streifen (griech. Selides) wurden nun unter Benutzung von Nilwasser zusammengeleimt, in der Weise, daß der eine Streifen 1–2 Finger über den andern zu liegen kam. Die so geleimten Blätter wurden gepreßt u. dann an der Sonne getrocknet. Die Verfertigung solchen P-s geht in Ägypten bis in die älteste Zeit zurück, später war Alexandrien in Fabrikation dieses P-s berühmt. Die Römer hatten eine Menge Sorten Papier (Charta), namentlich seit der Kaiserzeit, sie waren nach dem Gebrauch od. der Sorte verschieden benannt, so Charta augusta, Ch. livia od. liviana, Ch. claudia, nach den Kaisern Augustus u. Claudius u. der Livia genannte feine, weiße Papiere; Ch. fannia, schön mit Thierzähnen geglättet (auch Ch. dentata); Ch. hieratica, worauf Ritualbücher, [620] Annalen u. was sonst von Priestern besorgt ward, geschrieben wurde; Ch. salutatrix, Briefpapier, Ch. emporetica, Packpapier; Ch. macrocolla, dessen Blätter im Verhältniß sehr lang waren; Ch. nigra, schwarzes P., worauf mit weißer od. farbiger Schrift geschrieben wurde etc. Die Römer bezogen das ägyptische P. bes. aus Alexandrien; auch Tyrus sandte viel nach Italien u. Griechenland. Nach Frankreich kam es schon im 5. u. 6. Jahrh., aber schon im 5. Jahrh. wurde der Gebrauch des P-s durch darauf gelegte Abgaben sehr gemindert. Im 12. od. 13. Jahrh. kam es außer Gebrauch, indem es vom Baumwollenpapier verdrängt wurde. Das Baumwollen- od. Seidenpapier (Charta bombycina, Ch. bombacina, Ch. gossypina, Ch. cotonea, Ch. damascena, Ch. serica), wurde seit dem 8. Jahrh. von den Arabern, welche es in der Bucharei kennen lernten, aus roher Baumwolle verfertigt. Die Araber brachten die Kunst des Papiermachens im 11. Jahrh. nach Spanien, wo man auch anfing P. aus baumwollenen Lumpen zu machen u. wo man wahrscheinlich auch schon im 12. Jahrh. linnene Hadern unter die Masse zu nehmen versuchte. Hier, wo die Wassermühlen bekannt waren, kommen auch die ersten Papiermühlen vor, welche dann im 14. Jahrh. nach Italien (wo 1340 eine bei dem Schlosse Fabriano in der Mark Ancona erwähnt wird), nach Frankreich (wo in der Mitte des 14. Jahrh. solche Mühlen in Essonne u. Troyes vorkommen) u. nach Deutschland verpflanzt wurden; in letzterem Lande legte die erste bekannte Papiermühle der Senator Ulmann Stromer in Nürnberg an, welche 1390 erwähnt wird. Die Beimischung linnener Hadern zur Baumwolle führte zur Erfindung des P-s aus Lein od. Hanf allein, welche ebenfalls den Arabern zugeschrieben wird; dieselben hatten Papierfabriken in Xativa, u. das älteste Document auf P. ist ein Friedensvertrag zwischen Aragonien u. Castilien aus dem Jahre 1178. Die älteste Urkunde auf Linnenpapier in Deutschland findet sich in dem Hospitalarchiv der Stadt Kaufbeuren u. ist vom Jahre 1318: u. seit der Mitte des 14. Jahrh. verdrängte das Linnenpapier, welches damals in den Kanzleien der kaiserlichen u. päpstlichen Notare eingeführt wurde, das weniger haltbare u. leicht brüchige Baumwollenpapier. In anderen europäischen Ländern wurden zuerst Papiermühlen errichtet: in der Schweiz 1470 zu Basel, in Holland um 1500, in Schweden 1523 vom Bischof Brask zu Linköping, in Siebenbürgen 1546, in England 1588 von einem Deutschen Spielmann zu Dartford, wo aber bis 1690 nur Packpapier gefertigt u. die anderen P-e von Holland eingeführt wurden. Einen neuen Schwung bekam die Papierfabrikation durch die Erfindung der Siebform, wodurch das Velinpapier hergestellt wurde, um 1785 durch die Gebrüder Montgolfier zu Annonay in Frankreich (n.And. schon 1783 durch Leger-Didot). Seitdem hat die Erfindung der chemischen Bleiche mit Chlor u. des Maschinenpapiers diesen Industriezweig noch mehr gehoben. Die Papiermaschine erfand der Franzose Louis Robert, Arbeiter in der Papierfabrik zu Essonne, verkaufte aber das 1799 erlangte französische Patent an den Besitzer der Papierfabrik, welcher sie 1801 nach England verpflanzte, wo 1811 die erste eigentliche Maschinenpapierfabrik errichtet wurde. 1815 kam die Erfindung wieder nach Frankreich u. 1819 nach Deutschland, wo in Berlin u. in Weida im Großherzogthum Weimar die ersten Maschinenpapierfabriken errichtet wurden, die bes. in Süddeutschland, in Baden (Pforzheim), Württemberg (Heilbronn) u. in Sachsen (Sebnitz, Penig), Nachahmer fand. In Österreich wurden schon 1821 Patente darauf gelöst. Der in vieler Beziehung höchst wichtige Übergang von dem Hand- zu dem Maschinenbetrieb fällt aber in Deutschland u. Frankreich vorwiegend in die Jahre 1837–40. Früher rechnete man in England u. Wales 700, in Schottland 80 Papiermühlen, in Irland sehr wenig; Holland betrieb zuerst die Papierfabrikation großartig u. lieferte mit 150 Mühlen bes. Post-, Druck- u. Packpapier, England überflügelte es später. Frankreich hatte 250 Papiermühlen, bes. im Departement Charente, Deutschland gegen 900 Papiermühlen, die Schweiz etwa 50 Papiermühlen, Spanien 400, Italien etwa 200, Dänemark 15, Schweden u. Norwegen 90. Vortheilhafteste Bezugsquellen rücksichtlich der Güte u. Billigkeit sind für Schreibpapier u. zwar für Kanzleipapier: Pfullingen, Hainsberg bei Dresden (ehemals Thade, jetzt Actiengesellschaft), Halle (Keferstein u. Sohn), Sebnitz; Concept: Hainsberg, Halle u. einige kleinere Fabriken Schlesiens; Briefpapier: Düren bei Aachen; diese liefern auch Maschinenpapier mit Wasserzeichen; für Druckpapier: Leipzig (Ferd. Flinsch, hält das bedeutendste Lager); für Zeichnenpapier: die Fabriken in Westfalen, liefern das beste Büttenpapier; für Tapetenpapier: Schlesien, Wurzen; für in der Masse gefärbte P-e: Hanau (Fues); für Gold- u. Silberpapier: München, Augsburg, Fürth; für Luxuspapiere: für farbige: Paris, Aschaffenburg; für bedruckte: Baiern; für gepreßte: Aschaffenburg; für weiße u. Papeterien: Berlin; für Rostpapier: England, Westfalen; für Wachspackpapier: Chemnitz.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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