Wettrennen


Wettrennen

Wettrennen (Wettlauf, Preislauf), das Laufen, Reiten u. Fahren über eine gewisse Strecke od. in einer bestimmten Zeit, nach einem gegebenen Ziele, wobei dem zuerst am Ziele Anlangenden ein Preis zuertheilt wird. I. Geschichte der W. Die W. zum Zweck der öffentlichen Belustigung, als Prüfung sowohl der körperlichen Gewandtheit, als der Leistungsfähigkeit der Pferde, finden sich schon bei den ältesten Völkern, namentlich u. in ihrer höchsten Entwickelung in jeder Gestalt bei den Griechen, wo diese W. bei Festen, so bei Leichenfeierlichkeiten der Häuptlinge, an den Panathenäen in Athen u. bes. in den allgemeinen öffentlichen Spielen, den Olympischen, Isthmischen, Pythischen u. Nemeischen, ausgeführt wurden. Die älteste Art war der Wettlauf, welcher später zum Waffenlauf erhöht wurde; dazu kam seit Olymp. 25 (680 v. Chr.) das Wagenrennen mit einem Viergespann (Tethrippon, Harmata) von Rossen, später das Reiterrennen (wo die Pferde Keletes hießen), seit Olymp. 70 (500 v. Chr.) das W. von Mauleseln (Apenä) u. seit Olymp. 93 (408 v. Chr.) das W. mit einem Zweigespann von Rossen (Zeugos). Die Beschreibung dieser W. s. oben S. 143 f. Die Preise, welche den Siegern (Olympionikä, Isthmionikä, Pythionikä, Nemeonikä) von den Kampfrichtern (Agonothetä, in Olympia Hellanodikä) zugesprochen wurden, bestanden in Blätterkränzen (in Olympia von dem heiligen Ölbaum, auf dem Isthmus von Eppich, später von der Fichte, in Nemea von Eppich od. Olivenblättern, in Delphi von Lorbeerblättern) u. in Palmen; dazu erhielten sie das Recht in Olympia ihre Statuen aufstellen zu lassen, ihr, ihres Vaters u. ihres Vaterlandes Namen wurden öffentlich ausgerufen, sie wurden in Siegesliedern (Epinikia) besungen (deren sich noch von Pindaros [s.d.] erhalten haben) u. bei ihrer Rückkehr in die Vaterstadt mit einem feierlichen Einzug u. Festen geehrt. Auch unterhielt man öfters die[893] Sieger, wie die siegreichen Pferde, deren Namen, Alter, Farbe u. Geburtsland in die Register eingetragen wurden, auf Staatskosten u. errichtete ihnen Monumente. Bei den Olympischen Spielen gelangten die W. zu einer solchen Bedeutung, daß ihnen die Nachmittage der fünf Festtage gewidmet wurden; aus ganz Griechenland u. aus den griechischen Colonien aller Länder strömten mit der Zeit die Concurrenten u. Zuschauer herzu. Von den Stuten glaubten die Griechen, daß sie schneller im Laufe als die Hengste seien, u. unter den olympischen Siegern sind mehr Stutennamen aufgezeichnet. Ein den Reitern (Anabatä) auf Stuten offenes Rennen hieß Kalpe, doch wurde dabei von den Reitern ein Theil der Strecke zu Fuß durchlaufen. Die Reiter bestiegen indeß am liebsten nur Hengste. Vorbereitet wurden die Pferde durch eine dreißigtägige Übung, welcher ein sechsmonatliches Einexercieren von Reitern u. Pferden vorausgegangen sein mußte. Fürsten u. Könige betheiligten sich mit ihren Pferden an den W. u. mußten sich dem Urtheil der Richter unterwerfen. Hiero, König von Syracus, trat als Sieger in die Schranken; Archelaos u. Philippos von Macedonien zeichneten sich gleichfalls bei den Olympischen W. aus, wie Pausanias von Lacedämon, u. später ausländische Fürsten, so Mithridates, König von Pontus, u. mit einem Sechsgespann der Kaiser Nero. Miltiades, Kimon u. Alkibiades hielten Rennpferde, der letztere die größte Zahl, er siegte mit sieben Gespannen zu gleicher Zeit; selbst die Philosophen Pythagoras u. Empedokles thaten sich auf dem Hippodrom hervor. Auch Frauen concurrirten in den frühesten Zeiten, später wurde ihnen aber der Zutritt zum Stadium untersagt. Kyniske, Schwester des lacedämonischen Königs Agesilaos, errang den Preis mit einem Viergespann. Das bedeutendste Denkmal von griechischen W. u. dem herrschenden Geschmack für Pferde sind die Friese des Parthenon von Phidias, eine Darstellung der Wettrennen an den Panathenäen, jetzt im Britischen Museum zu London. Ähnlich den griechischen W. waren die W. bei den Etruskern, man kämpfte meist mit Viergespannen. Aus Etrurien ließen sich nachher die Römer Pferde u. Wagen zu W. kommen, so wie Etrusker selbst an den W. zu Rom Antheil nahmen. Die römischen Pferderennen soll schon Romulus mit den Consualien, später den Circenischen Spielen, eingeführt haben; bestimmt ist, daß Tarquinius der Ältere den Circus maximus als Kampfplatz für W. anlegte. Die W. der Römer, eine Nachahmung der griechischen u. lange nicht so großartig, bestanden nur in Wettreiten u. Wettfahren (Cursus equestris), s. die Beschreibung oben S. 144, dort auch die bei den Wagenrennen gebildeten, nachher politisch gewordenen Factionen. Unter den Kaisern stieg die Liebhaberei für die W. in Rom auf ihren Gipfelpunkt u. ahmte man das Beispiel der Griechen nach das Andenken der Sieger mit Bildsäulen zu ehren. Die mit der Zeit gebräuchlich werdenden Reiterkämpfe (Certamina equestria) auf den sogenannten Rennpferden (Equi celeres) sind jedoch mehr Reiterspiele als wirkliche W. Nach der Theilung des Römischen Reichs entwickelte sich unter den oströmischen Kaisern dieselbe Liebhaberei für die W., man zollte den Siegern eine gleiche Auszeichnung, so wurden sie z.B. an die kaiserliche Tafel gezogen. Constantin vollendete in Constantinopel den von Severus begonnenen Hippodrom, 1200 Fuß lang u. 350 Fuß breit, von den Türken als ihre Rennbahn (Atmeidan) benutzt (s.u. Constantinopel S. 381 u. 386). Während der Regierung dieses Kaisers traten sich die Factionen (s. oben S. 144) feindselig entgegen, es brachen blutige Händel aus u. die Rennbahn wurde ein Schauplatz für politische Umtriebe u. blutige Kämpfe; so stand Kaiser Justinian auf Seite der Blauen, die Kaiserin Theodora auf der der Grünen; die Factionen fielen über einander her u. mordeten sich schaarenweise. Um die Mitte des neunten Jahrh. zeigte sich darauf der Verfall der oströmischen W. u. nicht lange darauf zog man ihnen wie im übrigen Europa die Turniere u. Reiterspiele vor.

Arabien, die Wiege der Pferdezucht, ist gleichzeitig als eine Pflanzstätte der W. zu Pferde zu betrachten, wo die Wettkämpfe auf ungesattelten u. gesattelten Pferden in den frühesten Zeiten der Geschichte dieser Länder eine Rolle spielen. Das edelste Product der Wüste wurde durch W. u. Wettkämpfe in seiner Schnelligkeit geprüft u. danach geschätzt. Muhammed, welchem der Erzengel Gabriel die göttliche Stute Borak im Traume vorführte, reizte unter seinen Anhängern die dem Araber innewohnende Liebe für das edle Pferd noch mehr an, seine Stuten stammten vorgeblich aus den Marställen des Königs Salomo, u. heute führen die Araber wiederum in genauen Stammbäumen ihre edelsten Geschlechter auf die Stuten des Propheten zurück. Den auf die Geschwindigkeit des Pferdes gelegten Werth drückte der Araber mit Preisen aus, er wettete um Kameele od. Pferde u. prüft seine Pferde heute noch im Einzellauf gegen Zeit od. Wettlauf gegen ein od. mehre Pferde, wo dann häufig das besiegte Pferd dem Sieger zur Beute fiel, wie ein Gedicht erzählt über ein W. zur Zeit der Kreuzzüge zwischen Onfray von Monslignei aus der Normandie u. dem Sohn des Bey von Bassorah. Die Kalifen hielten die Vorschriften des Propheten für Züchtung u. Behandlung des edlen Pferdes streng aufrecht u. schätzten das in W. erprobte Vollblut hoch. Harun al Raschid sandte dem Kaiser Karl dem Großen mehre ausgezeichnete Renner zum Geschenk. Gegenwärtig haben die W. der Araber an Bedeutung verloren, wie auch das einst für treffliche Reiterei berühmte Numidien nicht mehr den Schatten seiner einstigen Größe bewahrt hat.

Nach einer Übergangsperiode von mehren Jahrhunderten, welche durch Turniere, Ritter- u. Reiterspiele, durch ein allmäliges Aufblühen der Gestüte, die Züchtung des englischen Vollbluts u. die Entwickelung der Reitkunst ausgefüllt wurden, kamen die W. wieder zur gegenwärtigen Bedeutung u. Ausbreitung. Die Aufnahme der W. in ihrer heutigen Form verdankt man den Engländern, welche sich ihrer als Prüfungsmittel der vorhandenen Pferderacen, bes. ihres eigens gezogenen Vollbluts, bedienten, ehe sie bei irgend einem anderen Volke der Neuzeit eingeführt waren. Die alten Celten trieben die Pferdezucht mit Fleiß u. mochten eine Art von W. kennen; die Neigung dafür übertrugen sie auf die eingewanderten Sachsenstämme, u. Alfred der Große u. Athelstan machten sie näher mit dem Wesen derselben bekannt. Doch erst mit Wilhelm dem Eroberer (1066–87) lernten sie gründliche Pferdezuchtprincipien u. Reitkunst von den Normannen kennen. Um 1121 importirte Heinrich I. nachweislich den ersten arabischen[894] Hengst, u. um die Mitte des 12. Jahrh. traten die W., anfänglich auf dem Smithfield bei London abgehalten, mehr in den Vordergrund. Die folgenden Könige fuhren fort sich die Verbesserung der Pferdezucht u. Einführung fremder Hengste angelegen sein zu lassen. Jacob I. (1603–25) organisirte die W., welche von nun an zu Croydon bei London, in Chester u. einigen anderen Plätzen regelmäßig von Jahr zu Jahr wiederkehrten. Unter der Regierung dieses Königs lebte auch der um die Reitkunst verdiente Herzog von Newcastle, welcher mehre Rennpferde besaß. König Karl I. (1625–1649) verlegte die fashionabelsten Rennen nach dem Hyde Park in London u. dem von einer weiten Grasebene umgebenen Städtchen Newmarket in Cambridgeshire. Unter Cromwell (1653–58) trat wieder ein Stocken in ihrem. Betrieb ein. Karl II. (1649–85) war ein großer Pferdefreund u. Beschützer der W., er hielt selbst Rennpferde, ließ sich in Newmarket ein Haus erbauen u. zur Verbesserung der Zucht mehre Stuten (Royal Mares) aus Arabien schicken. Auch Jacob II. (1685–88) that das Seinige zur Anregung der W., zu seiner Zeit kam der Beyerley Turk nach England, von welchem theilweise das beste Rennblut abstammt Wilhelm III. (1688–1702) bewilligte die bis jetzt erhaltenen königlichen Rennpreise (King's Plates), um welche ohne Einsatz concurrirt wird. Unter der Königin Anna (1702–14) brach eine neue wichtige Epoche für die englischen W. an, indem die Königin nicht allein das Interesse dafür wach erhielt, sondern unter ihrer Regierung ein zweites für die Rennzucht bedeutsames Vaterpferd, der Darley Arabian, aus Arabien eingeführt wurde. Den dritten arabischen Stammvater des englischen Vollbluts, den Godolphin Arab, erwarb England zur Zeit Georgs II. (1727–60). Georg I. (1714–27) vermehrte die Kings Plates, unter Georg III. (1760–1820) wurde am 1. April 1764 bei einer Sonnenfinsterniß das berühmteste Rennpferd, der Eclipse, geboren. Georg IV. war als Prinz-Regent ein leidenschaftlicher Verehrer der W., unterhielt einen Rennstall, zerfiel aber mit dem um das Jahr 1770 begründeten Jockeyclub, welcher seit seinem Bestehen die Rennangelegenheiten des ganzen Landes regelt u. mit seinen Bestimmungen die Norm für alle W. auf flacher Bahn gegeben hat. Später schenkte dieser Fürst als König (1820–30) den W. zwar wieder seine Zuneigung, betheiligte sich jedoch nicht mehr persönlich an ihnen. Seit dem Regierungsantritte der jetzigen Königin Victoria haben nun die W. in England eine Ausdehnung erlangt, wie sie sie nie zuvor in irgend einem Lande besaßen. Ihr weiteres Emporblühen verdanken sie den Anstrengungen des Jockeyclub u. mehrer Rennreformatoren, wie des Lord George Bentinck u. des Admiral Rous. Es existiren nahe an hundert größere Rennplätze, auf denen im Jahre 1864 nachweislich 1780 Rennen gelaufen wurden, um welche sich 1948 verschiedene Pferde bewarben. Die Summe, welche vom Staate, von Communen u. Städten, durch Subscriptionen u. Geschenke für Rennpreise (in baarem Gelde od. Gold- u. Silbergeschirr) aufgebracht wird, erreicht jährlich über eine Million Thaler u. der Betrieb hat so an Umfang gewonnen, daß von der höchsten Aristokratie herab bis zum Professionisten, alles, wenigstens durch die, bis zur Leidenschaft werdende Wettlust, an ihnen theilnimmt. Die größten Rennplätze sind gegenwärtig Newmarket, der Sitz des Jockeyclubs, wo ein Preis von 2000 Guineen für dreijährige Pferde, wie die Cesarewitch- u. Cambridgeshire-Handicaps (s. unten S. 896) gelaufen werden; Epsom bei London, für die Derby u. Oacksrennen (das erstere für dreijährige Hengste u. Stuten, letzteres nur für dreijährige Stuten) die werthvollsten W. des Landes; Doncaster mit dem St. Leger-Rennen für dreijährige Pferde, Chester, Ascot, Goodwood, York, Liverpool etc. mit ihren großen Pokalrennen (Cup-races). Die erbliche Vorliebe der Engländer für die W. hat dieselben nach allen ihren Colonien übersiedelt, die Bewohner der Nordamerikanischen Freistaaten, von Canada u. Mexico, die Briten in Ostindien, China, Australien, Neuseeland u. am Cap der guten Hoffnung pflegen die W. mit der Passion des Mutterlandes. In allen diesen Himmelsstrichen wird das englische Vollblut, das arabische Pferd u. in einzelnen auch das eingeborene veredelte zu den W. benutzt u. durch dieselben in seinem Leistungsvermögen geprüft. In England u. Amerika finden außer den W. im Galopp noch die im Trabe statt, für welche ein eigener Schlag, die Traberrace, gezogen wird, entstanden aus der Vermischung des englischen Vollbluts mit dem einheimischen Pferde. Die Amerikaner übertreffen hierin die Engländer. Auch Wettläufe zu Fuß (Pedestrianism) sind in England u. Amerika gewöhnlich u. der amerikanische Indier Deerfoot that sich durch seine merkwürdige Schnelligkeit u. Ausdauer hervor, indem er 1863 während eines Besuches in England einigemal die Strecke von 12 englischen (27 deutschen) Meilen in einer Stunde zurücklegte.

Von den Engländern sind die W. auf die übrigen europäischen Nationen übergegangen, obwohl sie in Frankreich, u. zwar auf dem Platten Lande der Bretagne, in einem kleinen Maßstab bei Gelegenheit von Freuden- u. Familienfesten seit alten Zeiten bestanden haben. Dort widmete Karl der Große der Pferdezucht seine Aufmerksamkeit, Heinrich II. (1547–1559) errichtete die erste Reitschule, half der Reitkunst durch Caroussels u. Reiteraufzüge auf u. ebnete damit der Liebhaberei für W. die Bahn. Heinrich IV. (1589–1610) u. Ludwig XIII. (1610–43) thaten viel für die veredelte Pferdezucht durch Anlage von Gestüten, welche Ludwig XIV. (1643–1715) aber wieder etwas in Verfall gerathen ließ, wenn er auch eine Gestütsadministration einsetzte. Das Jahr 1662 ist eines großen Caroussels wegen bemerkenswerth, welches dem Place du Caroussel in Paris (s.d. S. 683) seinen Namen gegeben hat. In demselben zeigte sich ein Anklang an die englischen W. Mit der verfeinerten Reitkunst u. der Luft an der Parforcejagd erwachte endlich unter den Franzosen der Sinn für die englischen W. 1776 ließen einige Große des Landes zum ersten Mal auf den Plaines du Sablon Vollblutrennpferde nach englischem Muster laufen, u. bald darauf hielt man auch W. zu Vincennes u. Fontainebleau ab. Pausen traten mit der Revolution u. Restauration ein. Napoleon I. wollte nach einer eingeleiteten Gestütsreform auch die W. wieder einführen, kam aber nicht dazu. 1819 erließ Ludwig XVIII. eine Ordonnanz zur Abhaltung von W., denen Karl X. seinen Schutz angedeihen ließ. 1833 traten die hervorragendsten Rennstallbesitzer mit den Herzögen von Orleans u. Nemours u. mit dem Oberstallmeister Grafen d' Aure zusammen[895] u. begründeten den französischen Jockeyclub unter dem Namen einer Société d'encouragement de la race chevalière du pur sang en France. Dieser Gesellschaft traten bald zahlreiche Mitglieder bei, sie zählt deren jetzt über 500 u. verfügt über bedeutende Capitalien zur Aussetzung von Rennpreisen. Unter ihrer Autorität stehen sämmtliche französische W., welche eine Ausbreitung ähnlich der in England angenommen haben, an welchen sich aber im Gegensatz zu den englischen ausschließlich französische Pferde, von englischem Vollblut abstammend, betheiligen dürfen. Auch die Trabrennen haben in der neuesten Zeit, vorzüglich in der Normandie, Anklang gefunden, wo eine gute Traberrace gezogen wird. Die für Rennpreise ausgesetzte Summe betrug 1863: 426,666 2/3 Thlr., wozu der Kaiser 20,000 Thlr., der Staat 106,586 Thlr. u. der Jockeyclub 52,000 Thlr. zuschossen. Die größten Rennplätze sind im Bois de Boulogne (Longchamps) bei Paris, Chantilly, Marseille, Bordeaux etc. Seit 1863 wird auf dem Longchamps ein Preis von 100,000 Fr. (Grand prix de Paris) ausgesetzt, welcher allen Pferden offen steht. Die Franzosen haben die W. in Algier eingeführt, wo sie auf die Verbesserung der einheimischen Berberrace, Abkömmlinge der Araber, wohlthätig einwirken. Eine eigenthümliche Klasse von W. sind die dort gebräuchlichen Fantasias, den maurischen Reiterspielen entlehnt.

Nächst England u. Frankreich werden die W. am großartigsten in Deutschland u. den österreichischen Kronländern Ungarn, Galizien u. Siebenbürgen betrieben, wo während des Mittelalters u. der Neuzeit die Fürsten das Ihrige zur Erhaltung der Pferdezucht u. Einführung des englischen Vollbluts gethan haben. Österreich, Preußen, Hannover, Württemberg, beide Mecklenburg, Hamburg, in jüngster Zeit auch Frankfurt a. M. u. in Sachsen Leipzig (früher die Elbherzogthümer) bieten den W. eine Stätte. In Baiern beschränken sie sich auf Bauernrennen. Die älteste deutsche Renngesellschaft ist der 1828 entstandene Berliner Verein für Pferderennen u. Pferdedressur, u. als die W. in Preußen u. den angrenzenden Ländern genau nach dem Vorbild u. der Vorschrift der Engländer in Aufnahme kamen, erließ die preußische Regierung 1846 eigene Renngesetze. Es bildete sich ein Jockeyclub für Norddeutschland mit dem Motto: Pro republica est, dum ludere videmur (d.i. für den Staat ist es, indem wir zu spielen scheinen) u. in Österreich ein Verein für österreichische Pferderennen u. Pferdezucht. Die Jahre 1848–49 waren für die deutschen W. von mannigfachen Störungen begleitet, doch seitdem haben sie wieder einen mächtigen Impuls erhalten. So hielt man 1863 an 36 größeren Plätzen u. 126 Tagen W. ab. In 428 Rennen liefen 2820 Pferde, welche sich einschließlich der Einsätze in 256,213 Thlr. u. 173 Ehrenpreise theilten, zu denen die verschiedenen Staaten 41,075 Thlr. beitrugen, während von den Vereinen 46,793 Thlr., vom Jockeyclub 4501 Thlr. u. der Rest durch Subscriptionen aufgebracht wurden Die bedeutendsten Rennplätze sind: Berlin, Wien, Hamburg, Breslau, Stettin, Pesth, Pardubitz in Böhmen, Harburg, Schwerin, Dobberan, Königsberg etc. Baden-Baden steht mit seinen Rennen exceptionell da, der Spielpächter Benazet erhält sie ganz allein, gibt dazu jährlich 20,000 Thlr. u. macht sie allen Pferden zugänglich. Dort tritt das französische Vollblut in den Vordergrund, welches dem englischen fast ebenbürtig, dem deutschen sehr überlegen ist. In Belgien, Rußland, auch in Spanien, Italien, selbst in der Türkei u. in Kairo in Ägypten werden die W. seit dem letzten Jahrzehnt mit mehr Eifer aufgenommen, zum Theil von den Regierungen ansehnliche Zuschüsse zu Preisen bewilligt u. den W. auf jede Weise Vorschub geleistet. Die beiden erstgenannten Staaten besitzen bereits ihr selbst gezogenes Vollblut; in Spanien, abgesehen von den englischen W. in Gibraltar, beschäftigt man sich mit der Hebung des einst berühmten spanischen Pferdes, welches seit dem Fall der Maurenherrschaft verkommen ist. In Italien ist Victor Emanuel ein Förderer der W.; neben den englischen W. hat man auch noch die althergebrachten Trabrennen von Padua auf dem Corso u. die römischen Rennen zur Carnevalszeit mit freien Pferden, welche durch allerhand Reizmittel zum Laufen angestachelt werden. Diese W. gehören zu den Volksfesten. Der Sultan interessirt sich für die neuorganisirten, Rennen zu Constantinopel u. der Vicekönig von Ägypten ist nach Kräften bemüht Kairo zu einem großen Rennplatz zu erheben.

II. Die Technik der W. A) W. auf flacher Bahn (Flachrennen, Courses plats, Flat-races), nach dem Muster der englischen im Galopp haben den Zweck, die Leistungsfähigkeit des Vollblutes im letzten Grade der Erschöpfung zu prüfen. Da ein gutes Rennpferd das vollständigste Ebenmaß in seinem Körperbau, die höchste Kraft u. Ausdauer, eine gesunde Constitution u. einen normalen Organismus besitzen muß, so geben die W. dem Züchter des Vollblutes, die Urquelle für die Verbesserung der gesammten Pferdezucht, den einzigen zuverlässigen Anhalt für die Beurtheilung eines zu Zuchtzwecken verwendbaren Beschälers od. einer Mutterstute. B) Zum Zweck öffentlicher Belustigung, doch bei nur geringem Nutzen für die Pferdezucht, gibt es noch: a) W. über vier bis sechs auf der Rennbahn aufgestellte Hürden (Hürdenrennen, Courses de haies, Hurdle-races); b) W. im unebenen Terrain über natürliche od. künstlich angelegte Hindernisse (Courses d'obstacles, Steeple-chases, eigentlich Thurmrennen, weil sie früher von einem gewissen Punkte aus auf einen Thurm zu geritten wurden); c) Trabrennen (Courses au trot, Trotting-races), im Sattel u. im Geschirr, denen die Amerikaner u. theilweis auch die Engländer u. Franzosen die Hauptzwecke der W. unterbreiten, wenn sie auch nur als Prüfungen für das Halbblut gelten.

Bei diesen verschiedenen Arten von W. ist die Technik im Wesentlichen dieselbe, u. es sind den Gesetzen, nach welchen sie vorgenommen werden (Renngesetze, Rules of racing), nur noch specielle Bestimmungen hinzugefügt, während allen die vom englischen Jockeyclub abgefaßten u. aufrecht erhaltenen Renngesetze zu Grunde gelegt sind. Die Aufforderung zu Rennen an einem od. mehren bestimmten Renntagen von dem, die Rennen veranstaltenden Verein festgesetzt (Meeting), geschieht in einem Rennprogramm mit seinen Rennpropositionen. Diese letzteren bilden, als Vertragsbedingungen, die Grundlage aller Entscheidungen. Eine Proposition wird durch Unterzeichnung (Anmeldung, Nennung) eines Theilnehmers bindend angenommen, u. der Unterzeichner unterwirft sich nebenbei stillschweigend den[896] Bestimmungen der Renngesetze. Eine Proposition enthält: die Höhe des für das bezeichnete Rennen festgesetzten Preises, den Betrag der Einzahlung (Einsatz, Entrée, Entry), um daran Theil zu nehmen; die Conventionalstrafe, falls der Theilnehmer sein Pferd nach der Anmeldung aus dem Rennen zurückzieht (Reugeld, Forfait, Forfeit); dann die Bestimmung, welches Gewicht einschließlich seines Reiters ein Pferd in dem bezüglichen Rennen zu tragen hat (Pold, Weight); die Entfernung, über welcher das Rennen stattfindet (Distanz, Distance); endlich den Tag u. Ort, an welchem für das Rennen zu unterzeichnen u. das Pferd zu nennen ist (Nennungsschluß, Declaration, Closing of stakes). Außerdem bestimmt die Proposition zuweilen, welchen Preis das zweite u. dritte Pferd erhält, u. an welchem Datum ein niedrigeres Reugeld erklärt werden kann. Die Unterschrift erlischt mit dem Tode des Unterzeichners.

Die Concurrenzen finden gewöhnlich unter folgenden Bedingungen statt: a) Nach Gewicht für Alter, d.h. daß die darin zu prüfenden Pferde desselben Alters ursprünglich ein u. dasselbe Gewicht zu tragen haben. Hiernach können die Pferde, für welche das Rennen ausgeschrieben wird, entweder von demselben od. von verschiedenem Alter sein. Das Alter eines jeden Vollblutpferdes wird vom 1. Jan. desjenigen Jahres an gerechnet, in welchem das Pferd geboren ist, so daß ein zwischen dem 1. Jan. u. 31. Dec. des einen Jahres geborenes Pferd in der ganzen Zeit vom 1. Jan. bis 31. Dec. des zunächst darauf folgenden Jahres ein Jahr alt (einjährig) ist. Die Rennen für Einjährige, welche früher vorkamen, sind allgemein abgeschafft. Den Rennen für Zweijährige wird jetzt zuerst ein junges Pferd unterworfen, u. dieselben kommen namentlich in England u. Frankreich immer mehr in Aufnahme. Die hauptsächlichsten u. für das Vollblutpferd entscheidendsten sind die dreijährigen Rennen, für welche auch die werthvollsten Preise bestimmt sind, wie in England das Zweitausend-Guineen-Rennen (Two thousand), das Derby (für Hengste u. Stuten), die Caks-stakes (für Stuten), das St. Leger in Doncaster (für Hengste u. Stuten); in Frankreich der Prix de Diane (für Stuten), der Prix du Jockey-Club u. der Grand prix de Paris (für Hengste u. Stuten); in Deutschland das Welfenrennen, bisher in Celle, seit 1864 in Harburg, der große Kaiserpreis von 1000 Ducaten in Pesth, die Union in Berlin, das Hansarennen in Hamburg, das St. Leger in Baden-Baden, der Nord- u. Süddeutsche Preis in Pardubitz etc. Vierjährige Rennen gibt es nur in England u. Frankreich (Port, Claret-stakes). Nach diesen Rennen für eine Altersklasse gibt es deren für Pferde jedes Alters, wo dann das Gewicht nach dem Lebensjahr bestimmt ist u. dabei gewöhnlich die folgende Scala gilt: zweijähriges Federgewicht (d.h. jedes Gewicht, mit welchem der leichteste Jockey in den Sattel steigt, jedoch in England auf 70 Pfund Zollgewicht [5 st. 7 Pfd.] normirt), dreijährige 103 Pfd., vierjährige 120 Pfd., fünfjährige 128 Pfd., sechsjährige u. ältere Pferde 132 Pfd.; Stuten u. Walache tragen 3 Pfd. weniger als Hengste. Um auch in diesen Rennen den weniger guten Pferden neben denen, welche sich bereits als Sieger ausgewiesen haben, die Möglichkeit des Laufens zu gewähren, wird den Siegern außerdem ein Extragewicht (Gewichtserhöhung) von 3 bis 14 Pfd. auferlegt u. den minder Befähigten öfters eine Gewichtserleichterung bewilligt. Doch selbst diese Gewichtsdifferenz reicht nicht immer aus Pferde desselben od. verschiedenen Alters zusammenzubringen, u. demgemäß würden nur die besten Pferde die Preise gewinnen, wobei aber kein Vollblutszüchter bestehen könnte, abgesehen daß die Luft zum Rennen ersterben müßte. Man hat deshalb eine zweite Art von Gewichtsrennen, das Handicap. Dies ist ein solches, in welchem die Pferde durch die Gewichtszutheilungen des Handicappers (der Person, welche das von jedem einzelnen Pferde zu tragende Gewicht festsetzt) nach Fähigkeiten u. bisherigen Leistungen so beschwert werden, daß ihnen allen die Möglichkeit des Siegens gelassen ist, ja daß sie womöglich zu gleicher Zeit das Ziel erreichen (todtes Rennen, Dead heat). Eine dritte Weise, wonach sich der Besitzer des Rennpferdes selbst handicappt, ist das Verkaufsrennen; in diesem ist das Gewicht nach dem Alter bestimmt u. wird der Sieger zu dem festgesetzten Kaufpreis an einen anderen, welcher ihn zu kaufen wünscht, überlassen. Bei jeder niedrigeren Überlassungssumme tritt eine danach bemessene Gewichtserleichterung ein. Ist bei einem Rennen keine Gewichtsbestimmung ausgesprochen, so reiten die Reiter, wie sie in den Sattel steigen (Catch weight).

Die Rennen werden ferner classificirt: b) nach den Distanzen, u. zwar in kurze von 1/2 bis 1 englische Meile, mittlere von 1 bis 2 engl. Meilen, u. in lange über 2 bis 5 engl. Meilen. Auf diesen verschiedenen Entfernungen prüft man die verschiedenen Altersklassen. c) Demnächst nach der Epoche, in welcher die Anmeldung geschieht. Vor der Geburt meldet man Pferde, d.h. das Product einer belegten Stute zu Zuchtrennen (Poules des produits, Produce-stakes) an; im ersten Jahre der Geburt zu bestimmenden Altersconcurrenzen, wie das Derby, Oaks, St. Leger etc.; zu Rennen, welche von denselben Pferden in mehren, hintereinanderfolgenden Jahren zu laufen sind (zwei Jahre hintereinander Biennial, drei Jahre Triennial). d) Rennen, welche auf verschienen Rennplätzen zwischen denselben Pferden veranstaltet werden, heißen Ambulante, zwischen Pferden, welche noch nicht gesiegt haben, Maiden-stakes; zwischen zwei Pferden Wette od. Matchs. e) Man nennt die ausschließlich von Herren gerittenen Rennen Gentleman-races, im Gegensatz zu den von professionellen Jockeys gerittenen. f) Rennen, in denen ein Pferd mehr als einmal siegen muß, heißen Heats. Nach einem todten Rennen zwischen zwei od. mehren Pferden gibt ein Entscheidungslauf den Ausschlag, wenn sich die Besitzer nicht vorher über die Theilung des Preises einigen wollen. Es muß im letzteren Falle eines der Pferde für den Preis die Strecke noch einmal durchlaufen (über die Bahn gehen, courir seul, walk over). g) Nach dem Preise zerfallen die Rennen in Plates, bei denen vom Besitzer kein Einsatz, welcher erst zur Theilnahme berechtigte, eingelegt wird; u. in Sweepstakes; wo ein Einsatz erlegt werden muß. Bei Handicaps gibt es in der Regel zwei Reugelder, ein niedrigeres, welches nach Bekanntmachung der Gewichte zu erklären ist. Auch benennt man die Rennpreise nach dem Geber, z.B. Staats-, Vereins-, Jockeyclubpreise.

[897] Die Vorbereitung eines Pferdes für die W. geschieht durch das Trainiren (Training). In demselben erhält dasselbe durch tägliche Bewegung im Schritt u. Übung im Galopp die für das Rennen erforderliche Schnelligkeit des Laufens, sowie die Ausdauer u. entwickelt dabei allmälig sein Muskelsystem bis zur Vollendung, indem alles überflüssige Fett durch Abschwitzen unter Decken u. Purganzen (Praeparation) beseitigt wird. Die Anstalten, in welchen Rennpferden diese Vorbereitung gegeben wird, heißen Trainirställe; es gibt öffentliche u. private, u. sie stehen unter der Leitung des Trainers (Training groom). In den Rennen selbst reiten diese Trainer für gewöhnlich nicht, sie engagiren hierzu leichte Reiter (Jockeys), welche sich gleichfalls durch tägliche Bewegung u. streng beobachtete Diät, wie Abschwitzen, möglichst leicht an Gewicht u. in vollster Kraft zu erhalten haben.

Die Manipulation auf dem Rennplatze selbst ist etwa diese: Das Comité (Directorium) des Meeting, welches die Erfüllung der Propositionen, Beobachtung der Renngesetze u. Aufrechterhaltung der Ruhe u. Ordnung überwacht, theilt sich in die verschiedenen Ämter, diese werden vertreten durch den Richter, welcher am Gewinnpfosten dem Sieger zu bestimmen hat; den Starter, welcher mittelst Senkens einer Flagge das Zeichen zum Ablauf (Départ, Start) gibt; den Wieger, welcher das Abwiegen der Reiter zu den verschiedenen Concurrenzen gemäß der Gewichtsbestimmungen besorgt u. controlirt; den Protokollführer, welcher den Verlauf der Rennen aufzeichnet; den Secretär, welcher die Geschäfte des Vereins besorgt u. in den meisten Fällen auch den Schatzmeister vertritt, welcher die Einsätze u. Reugelder vor jedem Rennen zu empfangen, sowie nachher den Preis nebst allen Emolumenten an den Sieger auszuzahlen hat. Ein Schiedsgericht, aus drei Directoren bestehend, entscheidet bei Streitigkeiten (Protesten), welche sich richten können: gegen die Qualification des Pferdes, des Besitzers od. des Reiters zur Theilnahme am Rennen. Das Pferd muß sich identificiren können u. das angegebene Alter haben, wozu, wenn ein solches zweifelhaft, eine Untersuchung der Zähne zulässig ist. Der Besitzer darf sich keine gegen die Renngesetze verstoßende od. sonst ehrenrührige Handlung zu Schulden kommen lassen, nicht Einsatz od. Reugeld rückständig geblieben sein u. seinen Einsatz vor dem Rennen erlegt haben; der Reiter muß in Herrenreiten eine unter dem Begriff Gentleman verstandene Persönlichkeit sein u. mit dem richtigen Gewicht abreiten. Nach dem Rennen werden Proteste beim Directorium von einem anderen Theilnehmer im Rennen gegen den Sieger eingelegt, daß derselbe die übrigen Pferde beim Ablauf durch einen Vorsprung übervortheilt habe; daß er gegen ein anderes Pferd während des Rennens angestoßen od. er grade vor ihm gekreuzt (Foul-riding), daß er endlich über die inwendige Grenze (durch Pfosten bezeichnet) hinausgeritten (ausgebrochen) sei, od. einen Pfahl umritten habe. Alle diese verschiedenen Proteste werden geprüft u. schließen entweder von der Theilnahme am Rennen aus od. disqualificiren von Gewinnung des Preises, sobald sie das Schiedsgericht für richtig anerkennt. Proteste werden eingelegt beim Richter od. vor dem Start an der Wage. Die Appellation gegen die Entscheidung geschieht beim Jockeyclub od. obersten Schiedsgericht, selten beim Civilgericht. Zunächst läßt der Theilnehmer im Rennen den Jockey mit dem Sattel auf dem Wiegeplatz abwiegen, damit sein Pferd das richtige Gewicht trägt; darauf wird gesattelt, an der Tribüne vorbei zum Platz des Ablaufs galoppirt (aufgecantert). Dort gibt der Starter das Zeichen zum Start, u. nun liegt es im Bestreben jedes Reiters, daß sein Pferd als erstes das Ziel erreiche. Der Richter nennt den Sieger u. die Entfernungen (ausgedrückt in Pferdelängen) zwischen dem ersten u. zweiten, dem zweiten u. dritten etc. Pferde. 30 bis 50 Ruthen vor dem Ziel steht ein Pfahl (Distanzpfahl); Pferde, welche diesen nicht erreicht haben in dem Augenblick, in welchem der Steger das Ziel passirt, sind dann häufig distanzirt, d.h. sie verlieren das Anrecht während des Meetings noch einmal mitzulaufen. Auch sieht man ein Pferd manchmal als distanzirt an, wenn es eine gewisse Strecke in einer bestimmten Zeit nicht zurücklegt. Jockeys, welche sich ungehorsam gegen den Starter od. einen anderen Aufseher zeigen od. sich des Foul-riding schuldig machen, werden auf Anzeige mit Geldstrafe, bei Wiederholung mit Suspendirung vom Reiten für eine Zeitdauer bestraft. Wissentlich falsche Anmeldungen von Pferden bedrohen den Besitzer u. Trainer mit Verweisung von allen Rennbahnen auf die Dauer des Rennjahres od. auch für immer, wenn ein offenbarer Betrug vorliegt.

Da mit dem Ausfall der Rennen gewöhnlich noch Privatwetten (Betting) zwischen Zwei od. Mehren zum Austrag gebracht werden, so überwacht ein Comité (in England der Verein des Tatterfall, in Frankreich die Gesellschaft des Salon des courses) die Befolgung der Wettgesetze (Betting-laws). Wetten können sein: play or pay, d.h. der auf ein Pferd Wettende verliert, selbst wenn das Pferd nicht läuft; od. Post-Wetten, d.h. solche, welche am Ablaufpfosten abgeschlossen werden. Derjenige, welcher auf ein Pferd wettet, daß es siegen wird, heißt der Backer; der, welcher dagegen wettet, der Leger (Layer, Bookmaker, Buchmacher). Die Chance eines Pferdes gegen alle anderen im Rennen, sowohl der Zahl als der Leistungsfähigkeit nach, wird durch einen danach verhältnißmäßig vervielfältigten Einsatz (Odds) ausgeglichen, welchen dann im Fall des Siegens der Backer vom Layer erhält. 2 zu 1 heißt, daß ein Pferd A zweimal so viel Aussicht zum Verlieren als zum Gewinnen hat. Es erhält deshalb der Backer, falls A siegt, für jeden Point, welchen er auf A gewettet hat, zwei Points etc. Da nun der Layer gegen jedes Pferd im Rennen die Odds legt, so ist es ihm möglich aus den Verlusten der übrigen die Odds an einen Backer zu bezahlen. In England ist das Wetten auf W. ein förmliches Geschäft geworden, von einem jährlichen Umsatz über viele Millionen Pfund Sterling, so daß daraus eine eigene Profession, die des Book-making (Buchmachens) entstanden ist, welches seine regelmäßige Börse abhält u. Vertreter auf allen Rennplätzen hat. Der Raum, in welchem sich die Gesellschaft der Wettenden vereinigt, heißt Ring. Das Nichtbezahlen verlorener Wetten verbietet den Eintritt in den Ring, ein nicht solventer Wettender wird dadurch ein Defaulter (Betrüger), er darf außerdem kein Rennpferd mehr ablaufen lassen. Jedem ihm gehörigen[898] Pferde ist selbst im Besitz eines anderen die Theilnahme an den Rennen untersagt, sobald es etwa Einsatz od. Reugeld schuldig geblieben, wofür unter der Autorität des Jockeyclubs eine eigene Liste (Forfait-liste) geführt u. am Schlusse des Rennjahres veröffentlicht wird. Vgl. Hazzi, Über die Pferderennen als wesentliches Beförderungsmittel der besseren Pferdezucht, Münch. 1826; Burgsdorf, Beweis, daß die Pferderennen in England kein wesentliches Beförderungsmittel der besseren edeln Pferdezucht in Deutschland werden können, Königsb. 1827; Ammon, Über den Nutzen der W. nach englischer Art, Nürnb. 1831; Kloch, Über Wettrenner u. W., Bresl. 1835; Horse-Racing, its history and early records of the principal and other racemeetings, Lond. 1863.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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