Paulicianer


Paulicianer

Paulicianer, christliche gnostisch-manichäische Secte, welche zwischen einem guten u. bösen Princip u. zwischen der Schöpfung des Geistes u. des Fleisches unterschieden, den Judaismus u. das Alte Testament tief stellten u. im Gegensatz zur herrschenden Kirche die Verehrung der Bilder, des Kreuzes, der Heiligen u. Reliquien, ebenso das Fasten, das Mönchsthum, selbst äußere Taufe u. Abendmahl verwarfen, dagegen das wahre apostolische Christenthum zu erneuern suchten. Sie hielten sich streng an das Neue Testament, mit Ausnahme der Briefe Petri, welche sie allegorisch erklärten. Besonders verehrten sie den Paulus, nach welchem sie von ihren Gegnern (nach 1. Cor. 1, 12) genannt wurden. Unwahrscheinlich ist, daß sie um 350 ein Paulus in Samosata, in Verbindung mit seinem Bruder Johannes, gestiftet habe. Als ausgebildete Partei traten sie im 7. Jahrh. auf, unter ihrem Oberhaupte Constantinus, welcher erst im syrischen Flecken Mananalis bei Samosata, dann unter dem Namen Sylvanus (657–84) Vorsteher der Secte zu Cibossa in Armenien war u. auf Befehl des kaiserlichen Beamten Simeon gesteinigt wurde. Dieser aber wurde später ein Hauptvorsteher, unter dem Namen Titus, u. unter Justinian II. mit vielen Andern verbrannt. Indeß fanden die P. unter den Resten der Manichäer viele Anhänger u. hatten unter Leo Isauricus (seit 717) als Bilderfeinde Ruhe. Ihr Hauptsitz war Phanaröa in Pontus. Durch innere Streitigkeiten u. sittliche Laxheit mancher Lehrer, bes. des Baanes um 800, wurde die Secte sehr zerrüttet, bis sie seit 801 unter Tychicus (eigentlich Sergius) einen kräftigen Vorsteher erhielt, welcher eine Art Lehrerversammlung an die Spitze stellte, aber mit seiner Partei von den byzantin. Kaisern seit 811 verfolgt u. 835 ermordet wurde. Die P. wanderten darum in das Gebiet der Araber aus u. gründeten an der Grenze u.a. die feste Stadt Tephrike, von wo sie unter Karbeas die Griechen glücklich bekriegten, bis Kaiser Basilius die Stadt 871 zerstörte u. die P. in die Gebirge zerstreute. Ihre Ansichten verbreiteten sich auch von der Bulgarei aus im Abendlande, wohin sie schon 750, zahlreicher aber durch Johannes Tzimiskes um 970, z.B. in die Gegend von Philippopolis in Thracien, kamen. Von den dasigen P-n gingen unter Alexius Comnenus (seit 1081) viele zur herrschenden Kirche über, andere aber fanden unter den Bulgaren viele Anhänger u. hießen im gewöhnlichen Leben Bogomilen, bis auch hier im 12. Jahrh. unter Alexius Verfolgungen eintraten. In den Thälern des Hämus gibt es noch jetzt Reste der P. u. unter den Bulgaren ebenfalls Bogomilen. Über sie schrieb im 9. Jahrh. Petrus Siculus (s.d.) u. Schmid Historia Paulicianorum, Kop. 1826.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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