Marius


Marius

Marius, 1) Cajus Mar., Sohn eines Land mannes, geb. 156 v. Chr. in Careatä bei Arpinum, wurde Soldat, zeichnete sich zuerst unter Scipio [896] Africanus vor Numantia aus u. schwang sich dann durch Tapferkeit zu den höchsten Stufen bei der Armee empor; 119 wurde er Volkstribun u. gab die Maria lex, wodurch die Abstimmung dem Einfluß entzogen wurde, u. machte sich hierdurch bei dem Volke beliebt, den Patricier aber verhaßt, welche er jedoch wieder gewann, als er Milderung der Lex frumentaria des Gracchus bewirkte; 115 wurde er Prätor u. säuberte im folgenden Jahre als Proprätor Spanien von Straßenräubern. Seinen Ruhm begründete er im Jugurthinischen Kriege als Legat des Q. Cäcil. Metellus, wo er die gelöste Disciplin der Truppen wieder herstellte u. wesentlich zur Besiegung des Jugurtha beitrug, aber die Verdienste des Consuls auf alle Weise verkleinerte. 105 wurde er Consul u. erhielt 105 den Oberbefehl in Numidien (s.u. Numidien, Gesch.). Der Friede aber u. Jugurthas Auslieferung wurden durch seinen Quästor Sulla betrieben, u. dieser als Besieger Numidiens genannt, was zuerst die Eifersucht des M. gegen Sulla reizte. Er wurde 104, noch in Afrika mit dem Kriege gegen Jugurtha beschäftigt, wieder zum Consul gewählt u. ihm der Krieg gegen die gefürchteten Cimbern u. Teutonen übertragen, wozu ihm das Consulat noch auf die drei folgenden Jahre verlängert wurde; er besiegte die Teutonen 102 bei Aquä Sextiä u. die Cimbern 101 bei Vercellä (s. Rom, Gesch.), u. wurde als der Retter des Staates mit den größten Ehren in Rom empfangen u. 100 zum sechsten Mal zum Consul gewählt. Aber nun zeigte er, wie wenig befähigt er zum Staatsmann war: erst hielt er es mit dem Saturninus u. vertrieb den Metellus, dann entfernte er auch den Saturninus, wodurch er die Gunst der Plebejer verscherzte. In Asien, wohin er 99 ging, wollte er den Mithridates zum Kriege reizen, aber der Marsische Krieg rief ihn nach Italien, in welchem er erst Legat, dann Oberbefehlshaber war u. die Marser demüthigte. Alters wegen zog er sich dann von dem öffentlichen Schauplatz zurück. Aber als im Jahre 90 der Mithridatische Krieg ausbrach, strebte M. wieder nach dem Consulat, indeß jetzt Überflügelte ihn Sulla, welcher 88 Consul wurde. Nun suchte M. wieder durch seine alten Ränke seine Absicht durchzusehen; es gelang ihm, durch Veränderung der Vertheilung der Neubürger in die Tribus, die Feldherrnstelle gegen Mithridates Übeltragen zu erhalten; doch da er das Heer des Sulla auf seine Seite ziehen wollte, u. Sulla gegen Rom heranrückte, mußte er aus Rom fliehen u. irrte in Italien umher; in der Gegend von Minturnä warf er sich in einen Morast, wurde jedoch von den verfolgenden Reitern erkannt, herausgezogen u. nach Minturnä abgeführt. Der Senat dieser Stadt beschloß seine Hinrichtung, da aber kein Bürger mit seinem Blute sich beflecken wollte u. ein fremder Soldat (angeblich ein Cimbrer), zum Henker ernannt, durch M'. Anblick u. Anrede erschreckt, das Schwert wegwarf, befreiten ihn die Minturnäer u. setzten ihn auf ein Schiff, welches ihn nach Afrika trug, wo er bei Carthago landete u. seinen Sohn wieder antraf. Inzwischen hatte der Consul Cinna 87 die Partei des M. wieder emporgebracht, u. mit diesem verbunden nahm M. Rom ein, wüthete auf das unmenschlichste gegen die Sullaner u. wurde 86 zum siebenten Male Consul; allein er starb 17 Tage nachher, am 13. Januar (s.u. Rom, Gesch.); Sulla ließ seine Asche nachher in den Anio werfen. M'. Lebensbeschreibung bei Plutarchos, welcher ihn mit Pyrrhos vergleicht; Gerlach, M. u. Sulla, Basel 1856. 2) Cajus (der jüngere M.). Adoptivsohn des Vor., geb. 109 v. Chr., floh mit seinem Vater aus Rom u. fand denselben in Afrika wieder, woher er mit nach Rom zurückkehrte; nach dem Tode seines Vaters war er das Haupt der Marianischen Partei gegen Sulla u. wurde 82 v. Chr. Consul; an Roheit u. Grausamkeit war er seinem Vater gleich; nachdem er eine Niederlage durch die Sullaner in einer Feldschlacht erlitten halte, wurde er in Präneste belagert u., als er vor der Übergabe floh, fand er seinen Tod. 3) Cajus M. Gratidiauus aus Arpinum, durch Adoption in die Mansche Familie gekommen, war Prätor in Rom u. bewirke ein neues Münzgesetz; 82 wurde er durch Catilina ermordet. 4) Marcus M, lebte um 46 v. Chr., hatte bei Pompeji ein Landgut u. stand mit Cicero in fleißigem Briefwechsel. 5) Cajus Amatius (der falsche M), suchte als Sohn (od. Enkel) des M. 1) vom Cäsar anerkannt zu werden, dieser aber entfernte ihn aus Italien. Nach Cäsars Tode lehrte er nach Rom zurück, u. da er das Volt zum Haß gegen Cäsars Mörder aufstachelte, so ließ ihn Antonius umbringen. 6) Publius M. Celsus, commandirte 63 u. Chr. in Pannonien u. diente dann nacheinander dem Galba, Otho u. Vitellius. 7) M., Waffenschmied, schwang sich unter Gallienus zum Feldherrn auf u. war einer der 30 Tyrannen, wurde aber 3 Tage nach seiner Erhebung von einem Soldaten ermordet, s. Rom (Gesch.). 8) M. Victorinus, so v.w. Victorinus. 9) St. M., aus einem edlen Geschlecht von Antun, hatte bei Payerne große Besitzungen, widmete sich dem geistlichen Stande, wurde 573 Bischof von Aventicum u. st. 31. Dec. 593, nachdem er kurz vorher das Bisthum nach Lausanne verlegt hatte; sein Tag früher 31. Dec., später 4. Februar. Er schr. eine Chronik, welche eine Fortsetzung zu Prosper Aquitan. ist u. von 455–581 reicht, herausgeg. in den Sammlungen von Duchesne u. Bouquet, dann in der venetianischen Ausgabe der Bibliotheca veterum patrum u. von Richly im 13. Bd. der Mémoires et documents publiés par la Soiété d'histoire de la Suisse Romande. 10) M. Simon (eigentlich Mayer), geb. 1570 in Gungenhausen, Schüler Tycho's de Brahe, Hofmathematikus in Ansbach; st. 1624; er entdeckte die Jupitermonde u. schr.: Mundus jovialis, Nürnb. 1625.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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