Raimondi


Raimondi

Raimondi, 1) Marco Antonio, geb. um 1475 (1488) in Bologna; Schüler des Raibolini, zuerst als Goldschmied, wobei er in Niello arbeitete u. so zum Kupferstechen überging, copirte mehre Kupfer- u. Holzschnitzwerke von A. Dürer, so das Leben der Maria u. die kleine Passion, ging 1509 nach Venedig u. 1510 nach Rom, wo er eine große Anzahl Zeichnungen Rafaels stach. Nach Rafaels Tode durch Giulio Romano zum Stich von 20 von dessen lasciven Darstellungen beredet, wurde er, nachdem die Platten von Henkershand verbrannt worden waren, gefangen gesetzt u. erst auf Bitten des Cardinals Ippolito von Medici u. des Bildhauers Bacci Bandinelli befreit. Bei der Eroberung Roms durch die Spanier 1527 verlor er seine ganze Habe u. flüchtete nach Bologna; er st. 1539 (1550). Man schlägt die Zahl seiner Blätter auf 383 an, welche aber in keiner Sammlung vollständig angetroffen werden. Die vollständigsten Sammlungen sind zu Paris, in der k. k. Bibliothek u. bei dem Erzherzog Karl zu Wien. Der Werth dieser Blätter besteht in der treuen Auffassung des Charakteristischen in der Zeichnung des Meisters, vornehmlich im Umriß, welcher nur durch einfache Schattenlagen verstärkt ist. 2) Pietro, geb. 1786 in Rom, wurde auf dem Conservatorium della Pietà de' Turchini[801] in Neapel in der Musik ausgebildet, 1830 Director des Conservatoriums in Palermo u. 1848 Kapellmeister des Capitels der St. Peterskirche in Rom, wo er 1853 starb. Er componirte u.a. das große Oratorium Giuseppe.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.