Redekunst


Redekunst

Redekunst, die Kunst Worte u. Sätze zu einer Rede (s.d. 4) nach bestimmten Regeln zu verbinden. Die R. gehört mit der Dichtkunst zu den Schönen Künsten, bei ihr ist aber das Schöne nur Nebenzweck, indem sie das für den Verstand Berechnete durch eine schöne, ästhetisch vollendete Form auch dem Gemüth des Zuhörers zuführen, ihm mehr Nachdruck geben u. so leichter Eingang verschaffen will. Die R. bezieht sich aber nicht allein auf Reden als feierliche Vorträge vor Versammlungen, sondern auf alle Arten prosaischer, auch nicht zum mündlichen Vortrag bestimmter Aufsätze, als Briefe, geschichtliche u. philosophische Abhandlungen, Gespräche etc., u. dadurch unterscheidet sich die R. von der Rednerkunst, welche letztere es mit dem Vortrag u. der äußeren Darstellung einer Rede zu thun hat. Die Rhetorik od. die Theorie der R. od. Beredtsamkeit lehrt a) im Allgemeinen: aa) welche Anforderungen an eine Rede gemacht werden, wenn sie ein schönes Geistesproduct sein, also innere Schönheit besitzen soll (Klarheit, Lebhaftigkeit, Größe der Gedanken, Wahrheit, Gewißheit, Anwendung von Redefiguren, Ordnung, Wohlklang, Numerus, Rhythmus, Sprachrichtigkeit, logischer, ästhetischer u. mechanischer Periodenbau, Styl); bb) wenn sie ein schöner Vortrag sein, auch äußere Schönheit besitzen soll (Declamation u. Geberden u. die Verbindung beider zu einem Ganzen); b) im Besonderen, wie die einzelnen Arten der Rede zu einem schönen Ganzen verbunden werden, gibt also die Requisite von Lehrvorträgen, geschichtlichen Schriften, Lebensbeschreibungen, Charakteristiken, Briefen, Geschäftsaufsätzen, Gesprächen u. eigentlichen Reden an. Die älteste Schrift über die R. ist von Aristoteles, doch bezog sich die Theorie nur auf eigentliche Reden; auf alle Theile der prosaischen Rede hat erst die neuere Zeit die Rhetorik ausgebreitet. Über die R. schrieben bei den Griechen außer Aristoteles noch Dionysios aus Halikarnassos, Hermogenes, Alios Aristides, Apsines, Lukianos (Gespräch: der Lehrer der Rhetoren); unter den Römern: Cicero (Rhetorische Schriften), M. Annäus Seneca, Quintilianus, Rutilius Lupus, Aquila Romanus, Jul. Rufinianus, Fortunatianus, Marius Victorinus, Sulpitius Victor, Aurel. Augustinus, Rufinus, Priscianus, dann Cassiodorus, Beda, Isidorus Hispalensis, Marcianus Capella. Nach dem Wiederaufleben der Wissenschaften beschäftigte man sich bes. in Frankreich, Italien u. Deutschland häufig mit Anweisungen zur Rhetorik, z.B. W. Fichet, M. Delphus, I. Sturm, F. Robertelli, Taläus, P. Ramus, auch Melanchthon; unter den Neueren: H. A. Schott (Entwurf einer Theorie der Beredtsamkeit, Lpz. 1816), Maaß (Grundriß der Rhetorik, 4. A. von K. Rosenkranz, Halle 1829), H. Richter (Lehrbuch der Rhetorik, Lpz. 1832). Vgl. Meierotto, Abschnitte aus deutschen u. verdeutschten Schriftstellern zu einer Anleitung der Wohlredenheit, Berl. 1794.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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