Rio de Janeīro


Rio de Janeīro

Rio de Janeīro (spr. Riu Dschaneïru), 1) eine der 13 brasilianischen Provinzen der östlichen Abdachung; 860 QM.; grenzt an den Atlantischen Ocean u. die Provinzen Espiritu Santo, Minas Geraës u. Sao Paulo; Gebirge: Serra do Mar, Serra dos Orgâos, Macacu, Mantiqueira etc.; Vorgebirge: Cabo Frio, S. Thome etc.; Flüsse: Parahyba u. Maccahe; See: Araruama; Baien: Rio Janeïro (früher Nitherohy, mit dem Berge Zuckerhut [Pao d'açucar] u. mehren Inseln, darunter die Schlangeninsel [Cobras], u. Forts), Angra etc.; Klima: angenehm u. gesund; Boden sehr fruchtbar; Producte: Zucker, Kaffee, Baumwolle, Indigo, Reis, Mais, Gemüse, Obst, Edel- u. Farbehölzer, Arzneikräuter, Balsam, Gewürze (von Ostindien hierher verpflanzt), Thee etc., Handel von großer Bedeutung (namentlich in der Hauptstadt), Industrie erst im Beginn, aber immer mehr zunehmend. Die Eisenbahnen von der Hauptstadt R. de J. nach Belem u. von R. de J. nach Petropolis durchschneiden die Provinz; 440,000 Ew. (od. nach den Angaben des officiellen Relatorio von 1856: 600,000 Ew., worunter über 100,000 Sklaven), darunter noch einige, aber von Jahr zu Jahr schwächer werdende Indianerstämme (Coroados, Tamajos, Garnthos, Goeytacas) etc. 2) (S. Sebastao do R. J.), Hauptstadt Brasiliens, auf einer Halbinsel am westlichen Ufer der gleichnamigen Bai des Atlantischen Oceans gelegen, amphitheatralisch von hohen Bergen umgeben; besteht aus der eigentlichen Stadt (Altstadt) u. der, nach Verlegung der königlichen Residenz von Lissabon hierher, erst angelegten Neustadt. Den nur 5000 Fuß breiten Eingang der Bai schützen die Festung de S. Cruz, am steilen Berge Pico auf der östlichen Landzunge, u. die gegenüber liegenden Batterien S. Joao u. S. Teodosio, so wie ihn die Kanonen des Forts auf der Ilha da Lagera bestreichen. Im Inneren sind das Fort de Villa Gagera u. das der Ilha de Cobras, im Nordwesten der Stadt selbst das Fort da Conceiçao u. im Südosten die Batterie von Monte, die Bucht von Bota Fogo decken die Linien von Praga vormalho. R. de J. ist Residenz des Kaisers, Sitz der obersten Landesbehörden, der Ständeversammlung u. eines Bischofs u. war früher Residenz des Vicekönigs. Die Altstadt liegt zwischen der östlichen (Punta da Calabouco) u. nördlichsten Spitze (des Armazem do Sol) der gegen Süden mit dem Festlande zusammenhängenden Erdzunge in der Richtung von Nordwest nach Südost in Gestalt eines länglichen Viereckes von acht geraden, ziemlich engen parallelen Straßen durchschnitten, welche durch viele rechtwinkelige Querstraßen in Quadrate getheilt sind; ein großer Platz (Campode Sta. Anna) im Westen trennt sie von der größtentheils seit 1808 entstandenen Neustadt. Die Stadt mißt in ihrer größten Ausdehnung über 1/2 Meile, die Häuser sind mehr tief als breit, aus Granit, im oberen Stock von Holz u. mit Ziegeln gedeckt, die Straßen mit Trottoirs versehen u. mit Granit gepflastert. Freundliche Anlagen, so wie zahlreiche Paläste hat die Stadt in neuerer Zeit erhalten; mehre freie Plätze, wie der Schloßplatz u. der Campo de Sta. Anna, beide mit schönen Brunnen, der vor dem Theater u. vor dem öffentlichen Spaziergange (Passeio publico). Der Passeio publico ist der Hauptspaziergang, nahe am Meere. Paläste: das Schloß, die Münze, das Zeughaus, der Bischofspalast, Börse, Museum, das Zollhaus; viele Kirchen, darunter die da Candelaria, de S. Francesco de Paula, Nossa Senhora da Gloria, seit 1845 auch eine deutsch-evangelische u. zahlreiche Klöster. Wohlthätigkeitsanstalten: ein großes Hospital (Misericordia), mehre kleinere, Militärhospital, Waisenhaus; Unterrichts- u. gelehrte Anstalten: Universität (in neuester Zeit nach dem Vorbild der deutschen organisirt), Sternwarte, Schule der Medicin u. Chirurgie, Militärakademie, Schifffahrts- u. Handelsschule, Seminarien von S. Joaquim u. S. Joze, mehre andere Schulen, kaiserliche Bibliothek, Naturalien- u. Mineraliensammlung, Botanischer Garten, Academia Imperial das Sciencias, Brazilian Historical Society u. Sociedas Auxi liatoria de Industria Nacional. Der Hafen von R. de J. ist einer der bestgelegenen u. gesuchtesten Häfen der Erde u. bildet den Hauptstapelplatz für Südamerika u. einen Ruhepunkt für die Schifffahrt nach Südafrika, Ostindien u. den Stillen Ocean. Die Industrie, bes. in den auf die Schifffahrt u. Appretur von Colonialwaaren bezüglichen Zweigen hat sich in neuester Zeit sehr gehoben. Der Handel, sowohl Binnen- u. Küsten- als überseeischer Handel ist von großer Bedeutung; die hauptsächlichsten Ausfuhrartikel sind Naturproducte, die wichtigsten Einfuhrartikel europäische Manufacturwaaren u. afrikanische Neger (obgleich der Sklavenhandelgesetzlich verboten ist). Das Trinkwasser kommt durch eine 1740 beendete prächtige Wasserleitung von 80 in doppelter Reihe stehenden Bogen (zum Theil 150 Fuß hoch), 1200 Klaftern lang, von Corçovado, einem waldigen Gebirge im Süden u. Südosten der Stadt, herab in eine Cisterne u. wird von da in die verschiedenen Stadttheile geführt. R. ist durch Eisenbahnen mit Belem u. Petropolis verbunden, Bevölkerung nach dem officiellen Relatoriovon 1856: 296,136 Ew. In der Nähe liegen die kaiserlichen Luftschlösser Boa Vista, Bota Fogo, u. S. Cristovas.[181] _– Diaz de Solis lief 1515 zuerst in der Bai von R. ein, ihm folgte Magelhaens 1519, dann ließen sich Franzosen unter Nicolas Durant hier nieder, welche Mem de Sa 1560 wieder vertrieb u. hier die Altstadt gründete. 1710 wurde es von den Franzosen eingenommen u. seitdem die Bai von allen Seiten befestigt. Indessen hob sie sich nur allmälig u. hatte bis 1808 erst 50,000 Ew., meist Portugiesen u. deren Abkömmlinge; mit der Übersiedelung des Hofes wanderten allein 24,000 Portugiesen ein, so wie eine Menge Leute anderer europäischer Nationen bald folgten, so daß die Zahl der Bewohner 1817 schon auf 110,000 gestiegen war. Hier 27. Aug. 1828 Friedensschluß zwischen Buenos Ayres u. Brasilien; 22. Juli 1840 Aufstand, worauf 23. Juli Pedro II. für volljährig erklärt wurde, s. Brasilien B). Am 24. März 1856 brannte das Theater San-Pedro Alcantara ab. Vgl. Ebel, R. de J. u. seine Umgebungen, Hamb. 1829; Schlichthorst, R. de J. wie es ist, Hannov. 1829; Rango, Tagebuch meiner Reise nach R. de I., Ronneburg 1852; Burmeister, Reise nach Brasilien, durch die Provinzen von R. de J. u. Minas Geraës, Berl. 1853; Mahlmann, Karte der Provinz R. de J., ebd. 1848; Theremin, Sandades do R. d. J., ebd. 1841.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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