Schablone


Schablone

Schablone, 1) Modell, Form, Lehre (Leere), Muster, wornach etwas gebildet wird; Breter, Bleche, Pappe od. Papier, die nach dem Profil der Oberfläche des zu bearbeitenden Gegenstandes ausgeschnitten sind, z.B. bei Simsen, Säulen, bei Verfertigung der Glockenform, der Theile des Gewehrschlosses, bei Drechsler- u. Metalldreh-, Klempner-, Töpferarbeiten, Verfertigung von Spielwaaren etc. Der Maler u. Tüncher bedient sich Schablonen, bei welchen die Umrisse von Figuren, Blumen u. dgl. in Pappe od. Papier ausgestochen od. ausgeschnitten sind; die S. wird im letztern Falle an die Wand gehalten u. aus einem kleinen Beutel Kohlenstaub darauf gepocht, wodurch der Umriß auf der Wand dargestellt wird etc. Daher über die S. arbeiten, Theile eines oft wiederholten Ganzen so nach der S. bearbeiten, daß er an den entsprechenden Theil der übrigen stets paßt. Wahrscheinlich kannten sie die Römer schon, indem sie S-n zur Blechschreibekunst auf Papier legten u. über die Einschnitte flüssige Farbe strichen; Justinian besaß ein Goldblech, worein sein Namenszug eingeschnitten war, womit er auf die angegebene Weise seinen Namen unterzeichnete; spätere Fürsten hatten ähnliche Vorrichtungen. Kurz vor u. zur Zeit der Erfindung der Buchdruckerkunst verfertigte man ganze Bücher so. Noch später wurden Choralbücher durch Blechschreibekunst angefertigt, u. noch jetzt bedient man sich der Blechschablonen zum Zeichnen von Waarenballen, Kisten, zum Zeichnen von Wäsche, zum Beschreiben von Zeichnungen. Auch zum Malen u. Coloriren, z.B. von buntem Papier, Spielkarten, Blumen, Bildern u. dgl. wendet man S. an (Schablonenmalerei), indem man den einzelnen Farbentönen, Schattirungen etc. besondere S-n gibt u. sie nach einander aufsetzt. Zum Stechen von S-n für Weißwaarenstickerei bedient man sich der Schablonenstech- od. Stüpfelmaschine, deren Zweck darin besteht, einen Griffel, worin eine Nadel auf- u. niedergeführt wird, auf den Linien einer Musterzeichnung so fortzuführen, daß dieselben durch schnell u. eng aufeinanderfolgende Nadelstiche durchlöchert, sowie gleich auf mehre Papierunterlagen übertragen wird. Die Construction ist im Allgemeinen die, daß von einem mit dem Fuße in Bewegung zu setzendem Schwungrade aus durch Schnuren ohne Ende, über Leitrollen an einem Balancier hingegeführt, eine im Griffel befindliche Schnurscheiben mit dieser eine excentrische od. Kurbelscheibe in Umdrehung versetzt wird, welche letztere die damit verbundene Nadel auf u. nieder bewegt. Die S-n werden dann in der Weise verwendet, daß mittelst eines Filzwischers ein mit Farbstoff versetztes, seines Harzpulver durchgerieben u. auf dem Stoffe durch eine heiße Plattglocke fixirt wird. Auch für andere Zwecke bildet die Schablonenstechmaschine ein vortheilhaftes Übertragungs- u. Vervielfältigungsmittel. 2) das Formenbret der Glockengießer, s.d.; 3) der vierte Theil eines Brunnenkranzes, s.u. Brunnen 1) B); 4) in bildlicher Bedeutung, so v.w. starre Form; daher nach der S. arbeiten so viel heißt als[43] nach ein u. derselben Form verschiedene Verhältnisse ohne Rücksicht auf deren inneres Wesen behandeln.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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  • Schablōne — Schablōne, jedes ausgeschnittene Muster zum Nachbilden andrer Gegenstände, z. B. aus Brettern, Blech, Papier, Pappe etc. Sie sind entweder an der Kante so ausgeschnitten, daß die Oberfläche eines Gegenstandes danach bearbeitet werden kann (z. B.… …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Schablone — Schablōne, Muster zur Nachfertigung gleichgestalteter Gegenstände, ein Blatt aus Holz, Blech oder Pappe, in welchem das Muster ausgeschnitten ist, um es auf Flächen zu übertragen (wie beim Malen der Zimmerwände), oder welches das Muster in seinen …   Kleines Konversations-Lexikon

  • Schablone — Schablone, ein meistens aus Holz oder Blech, seltener aus Papier gemachtes Musterblatt, welches den Umfang eines zu fertigenden Gegenstandes angibt. Die S. wird auf die Fläche des zu bearbeitenden Materials gelegt und ihr Um sang auf dieser… …   Herders Conversations-Lexikon

  • Schablone — Sf Form, Schema erw. fach. (18. Jh.) Entlehnung. Entlehnt aus mndd. schampelūn, dieses aus frz. échantillon m. Muster .    Ebenso nndl. sjablone, sjabloon, nschw. schablon, nnorw. sjablon. Das französische Wort ist unter dem Einfluß von afrz.… …   Etymologisches Wörterbuch der deutschen sprache

  • Schablone — »ausgeschnittene Vorlage, Muster«, auch übertragen gebraucht im Sinne von »vorgeprägte, herkömmliche Form, geistlose Nachahmung«: Das seit dem 18. Jh. zuerst als »Schablon« bezeugte Substantiv geht zurück auf mnd. schampeliōn, schaplūn (=… …   Das Herkunftswörterbuch

  • Schablone — Vorlage; Template (engl.); Nachahmung; Abklatsch; Kopie; Imitation; Klischee; Nachbildung; Attrappe * * * Scha|blo|ne [ʃa blo:nə], die; , n: 1 …   Universal-Lexikon

  • Schablone — Zeichenschablone Eine Schablone (abgeleitet aus dem frz. échantillon) ist ein ausgeschnittenes Muster zur Herstellung gleichgestaltiger Dinge, zum Beispiel aus Holz, Blech, Stoff oder Pappe, entweder an der Kante so ausgeschnitten, dass die… …   Deutsch Wikipedia

  • Schablone — (Wie) nach der Schablone arbeiten: gedankenlos arbeiten, stereotype Nachahmung eines Arbeitsvorganges.{{ppd}}    Die Bearbeitung von Glas, Stoff, Leder erfolgte oft nach Schablonen, die nach Vorzeichnungen ausgeschnitten und auf das jeweilige… …   Das Wörterbuch der Idiome

  • Schablone — Scha|blo|ne auch: Schab|lo|ne 〈f.; Gen.: , Pl.: n〉 1. ausgeschnittene od. ausgestanzte Vorlage; ZeichenSchablone 2. Muster 3. 〈fig.〉 übliche, herkömmliche, erstarrte Form; er hält sich stets an die Schablone; nach der Schablone arbeiten, handeln… …   Lexikalische Deutsches Wörterbuch

  • Schablone — die Schablone, n (Aufbaustufe) ausgeschnittenes Muster, mit dem man die Umrisse beliebig oft auf verschiedene Materialien übertragen kann Synonym: Vorlage Beispiel: Er legte die Schablone an das Papier an und begann zu zeichnen …   Extremes Deutsch