Schütze [2]


Schütze [2]

Schütze, 1) (Schießspule, Weberschiff), Werkzeug, mit welchem beim Weben der Zeuge der Einschlagfaden od. Schuß in das aus den Kettensäden gebildete Fach eingezogen wird. Der S. hat die Gestalt eines kleinen Kahnes, ist von glattem Holze, Knochen od. Elfenbein, die hölzernen sind wohl auch an den Spitzen mit Messing u. an der Außenseite mit Horn belegt. In der Mitte der Seitenwände ist ein viereckiges Loch, in welche ein Stift (die Seele, Schützenzwecke) gesteckt wird; auf diesen Stift wird eine Spule mit dem Schußgarn gesteckt; an der Seite des Schiffes ist ein mit Glas gefüttertes Loch, aus welchem der sich abwickelnde Einschlagfaden herausgeht u. zwischen die Kette sich legt. Bei den Seidenwebern ist der S. meist von Elfenbein u. nur 2–3 Zoll lang, bei den Tuchmachern 7–8 Zoll. Wenn der Weber den S-n mit der Hand abwechselnd von der rechten zur linken Seite u. umgekehrt durch die Kette hindurch wirst, wie dies sonst allgemein gewöhnlich war, so heißt der S. Handschütze. Da bei der Anwendung des S-n der Weber mit den Händen nach beiden Seiten über die Ränder der Kette hinaus langen können muß, so arbeiteten sonst bei sehr breiten Zeugen zwei Arbeiter zugleich an einem Stuhle (zweimännische Webstühle), von welchen jeder den S-n nur von einer Seite durch die Kette warf. Jetzt bedient man sich fast allgemein des zu Ende des 18. Jahrh. in England erfundenen Schnellschützen, welcher nicht geworfen, sondern auf einer Unterlage fortgestoßen wird; derselbe ist 8–20 Zoll lang, 1–3 Zoll breit; seine symmetrischen Spitzen sind mit Eisen od. Stahl beschlagen, wenn nicht der ganze S. aus Eisen ist, in welchem Falle die Spitzen verstählt u. gehärtet sind; aus der Bodenfläche des Schnellschützens stehen zwei quer eingelegte sehr leicht bewegliche Rollen od. Walzen aus Buchsbaum, Weißbuche, Messing od. Eisen ein wenig hervor, auf welchen der S. fortrollt u. zwar auf einem horizontalen Bretchen (Schützenbahn) der Lade; rechts u. links an den Enden der Bahn ist ein kastenförmiges Behältniß (Schützenkasten) für den S-n u. in diesem ein in Nuthen od. auf einem horizontalen Drahte bewegliches Klötzchen (Schneller, Treiber, Vogel); von jedem Schneller läuft eine Schnur aus u. beide Schnuren (die Peitsche) vereinigen sich in der Mitte des Stuhles in einem Hefte, welches der Weber in der rechten Hand hält u. durch kräftige Züge den S-n bin u. her treibt. Bei den mechanischen Webstühlen für Baumwolle haben die Schnellschützen gewöhnlich keine Rollen, sondern sie laufen auf Drähten, welche aus der Bodenfläche entlang derselben hervorstehen. Beim Weben mit verschiedenfarbigem Schuß verwendet man zwei ad. drei S-n, welche in einer Wechsel- od. Doppellade so angebracht sind, daß sie abwechselnd in Gebrauch genommen werden können. Beim Weben gemusterter Zeuge gehen die S-n manchmal nicht über die ganze Breite des Zeugs; vgl. hierüber Musterweberei B). Bei den Bandmühlen gebraucht man eben so viele S-n, als zu gleicher Zeit Bänder gewebt werden; die S-n stecken an einem Drahte zwischen zwei Haken, welche verhindern, daß sie aus ihrer Bahn kommen; von dem Rechen werden die S-n hin u. her gestoßen; der Rechen selbst wird von einem Krummzapfen hin u. her bewegt. 2) (Drahtweberei), hölzernes, an seinen Enden gabelförmiges, auf den Seitenflächen rinnenförmig ausgehöhltes Stäbchen, auf welches der als Schuß zu verarbeitende Draht aufgewickelt wird; dieser S. wird durch die getheilte Kette hin u. her geschoben; 3) so v.w. Schutzbret 1); 4) (Bergb.), s.u. Dammbret.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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