Sierra Leone


Sierra Leone

Sierra Leone, 1) der nördlichste District von Oberguinea (Westafrika), das Küstengebiet zwischen dem Cap Verga (10° 5' nördl. Br.) u., Cap Mesurado (6°26' nördl. Br.), im Norden von Senegambien, im Süden vom Körnerdistricte begrenzt, ostwärts ohne bestimmte Grenze. Die Küste ist fast durchgehends flach u. sumpfig, von zahlreichen Flüssen durchschnitten, welche meist in breite u. tiefe Meereseinschnitte ausgehen. Die bedeutendsten Flüsse sind: der Pongas, Sangari, Kissi, Melacuri, der Große Scarcies, Rokelle, Kabanka, Sherbro, Pisson, Monte u. Mesurado. Außer den schon genannten Vorgebirgen befinden sich an der Küste die Caps Shilling, S. L. u. das Cap Monte; der Theil der Küste zwischen den Caps Shilling u. S. L. bildet die Halbinsel S. L. u. hier tritt der Gebirgszug S. L. hoch u. steil abfallend an das Meer heran. Von dem Tosen des Meeres an dieser Steilküste haben das Gebirge u. nach diesem der District den Namen S. L. (d.i. Löwengebirge) erhalten. An der Küste liegen die Torotimah- od. Losinseln, Matarong, die Pisanginseln, die Schildkröteninseln u. die Sherbroinsel. Nach dem Innern zu steigt die Oberfläche des Districts allmälig auf u. zahllose dichtbewaldete Berge, von jedoch nur mäßiger Erhebung, erfüllen das Land; an seinem Ostrande fällt dann das Bergland rasch in die ausgedehnten Ebenen des Nigerlandes ab. Das Klima ist im Allgemeinen ein tropisch heißes, an der Küste u. in den Niederungen sehr ungesund, in den höheren Theilen des Binnenlandes aber zuträglicher. Reich bewässert, ist das Land sehr fruchtbar; die dichten Wälder liefern Bau- u. Farbehölzer in Menge (rothes Camwood, Mahagoni, Tikbaum, Kaffeebaum); das Mineralreich bietet sehr viel Eisen u. auch reichlich Gold; außerdem kommen Häute, Wachs u. Elfenbein von hier in den Handel. Die Bevölkerung ist sehr gemischter Art, theils eingeboren, theils eingewandert, sämmtlich Neger. Zu den Eingeborenen zählt man die Bagos, Foulis u. Nalus, durchgängig Fetischanbeter; zu den Eingewanderten rechnet man vom Mandingostamme die Völkerschaften: Bullom, Vey, Sousou, Timmani, Sulimas u.a., u. dann Fulahs; ein Theil dieser Völker hat sich zum Islam bekehrt u. zeichnet sich dann immer durch Intelligenz u. eine gewisse Cultur vor den heidnischen Stämmen aus. Alle diese Völker bilden kleine selbständige Gemeinschaften od. Staaten, von denen nur die der Bullom, Sousou, Timmani u. Kuranko im Niederlande u. Timbo, Sulimana, Kankan, Balia, Sangara u. Kissi im Binnenlande einige Bedeutung haben. 2) Britische Colonie auf dem Küstendistricte S. L., auf der Halbinsel S. L. von England. im Jahre 1787 gegründet, um den Sklavenhandel zu verhindern u. christliche Gesittung in Afrika einzuführen. Nach u. nach hat sich das Gebiet etwas erweitert u. umfaßt gegenwärtig einen etwa 5 Meilen breiten Küstenstrich zwischen dem Rokelle im Norden u. dem Katas River im Süden. Die Einwohnerzahl beträgt etwa 60,000 Köpfe, meist befreite Neger. Hauptort ist Freetown. Eingetheilt ist die Colonie in einen östlichen, einen westlichen u. einen Bergdistrict. Die Verwaltung der Colonie liegt einem Gouverneur ob, welchem ein Colonialsecretär, ein oberster Richter, ein Advocat, zwei weiße u. zwei schwarze Schreiber zur Seite stehen Für die religiösen Bedürfnisse u. den Unterricht, bes. der befreiten Neger, sorgen Missionäre, namentlich Wesleyaner; in den 62 Schulen des Landes waren im Jahre 1857 nahezu 8000 Schüler, es gab auch eine höhere Lehranstalt, in welcher Lateinisch, Griechisch, Mathematik etc. gelehrt wird. Die bewaffnete Macht besteht aus etwa 600 Negern, welche von einigen weißen Offizieren befehligt sind, u. denen sich ein Milizcorps anschließt. Die Einnahmen der Colonie betrugen 35, 600 Pfd. St., die Ausgaben 34,457 Pfd. St. Im Ganzen ist die Colonie in neuester Zeit im Aufblühen begriffen, doch eignet sie sich wenig zum Landbau, obgleich Baumwolle mit Vortheil cultivirt werden würde; wichtiger ist der Handel (Einfuhr 152,900, Ausfuhr 180,400 Pfd. St.), namentlich werden Lebensmittel u. Kleiderstoffe ein-, Palmöl, Häute, Ingwer, Gold, Gummi, Holz, Elfenbein, Wachs u. Pfeffer ausgeführt. 3) Vorgebirge an der Küste des Gebiets von S. L., 81/2° nördl. Br., auch Cap Tagrin genannt; 4) Fluß hier, auch Salé genannt, so v.w. Rokelle; 5) Halbinsel hier, zwischen den Caps Shilling u. S. L., erfüllt von dem kleinen Gebirgszuge S. L., fällt steil zum Meere ab.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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