Südamerikanischer Revolutionskrieg


Südamerikanischer Revolutionskrieg

Südamerikanischer Revolutionskrieg. Des Druckes ungeachtet, unter welchem die spanischen Kolonien in Mittel- u. Südamerika schmachteten, dachte doch zu Anfang des 19. Jahrh. dort Niemand ernstlich an eine Losreißung vom Mutterlande, denn die wenigen durch die Französische Revolution aufgeregten freisinnigen Männer waren vereinzelt u. fühlten sich immer noch mit festen Banden an ihre bisherige Regierung gebunden. So blieb es auch noch 1808 u. 1809, als die Nachricht von der Besitznahme Spaniens durch Napoleon in den Colonien anlangte; man unterwarf sich ruhig den Verfügungen der Ceutraljunta in Sevilla, obgleich diese blos Gehorsam von den Bewohnern ihrer Colonien verlangte u. weit entfernt war den auf denselben lastenden Druck zu erleichtern. Erst als das Mutterland Spanien, im Kriege mit Frankreich begriffen, die Zügel der Colonialdespotie nicht mehr so straff halten konnte, kam es dahin, daß man an die Möglichkeit der Befreiung glaubte. Das Zeichen zum Aufstand wurde zuerst am 19. April 1810 in Caracas gegeben u. fand in allen spanischen Colonien des amerikanischen Festlandes Anklang.

I. In den Provinzen des Rio de la Plata (Buenos-Ayres). Im Mai 1806 landete der englische General Beresford im La Platastrom, eroberte die Hauptstadt Buenos-Ayres am 2. Juli u. zwang den spanischen Vicekönig Sobremente zur Flucht nach Cordova. Aber die Engländer wurden von einem französischen Offizier Liniers mit Hülfe der Eingeborenen wieder vertrieben u. Beresford mußte capituliren. Inzwischen bildete eine Anzahl Kaufleute, welche mit den strengen Zollmaßregeln unzufrieden waren, eine geheime Gesellschaft, an deren Spitze der Geistliche Zuluega stand u. welche den Plan faßte sich mit Hülfe Englands vom Mutterlande loszureißen. Da aber das englische Cabinet, in Folge der Vorfälle in Europa, seine Politik gegen Spanien änderte, u. der portugiesische Hof zu jener Zeit in Brasilien ankam, so versuchte die Prinzessin-Regentin von Portugal als Schwester des Königs Ferdinand VII. ihre Rechte auf Buenos-Ayres geltend zu machen, u. es gelang ihr auch bald eine Partei für sich zu gewinnen. Der Plan Buenos-Ayres durch einen Handstreich zu nehmen war der Ausführung nahe, als im Mai 1809 Cisneros als neuer spanischer Vicekönig in Buenos-Ayres ankam u. mit Elio, Gouverneur von Montevideo, Alles aufbot das Land für Ferdinand VII. zu erhalten. Aber Cisneros' Verbot, daß nicht spanische Schiffe in die Häfen der Provinz einlaufen sollten, mehrte die Unzufriedenheit der Bewohner mit der spanischen Herrschaft u. als im Mai 1810 die Flucht der Centraljunta von Sevilla nach Cadix u. zugleich die Proclamationen Joseph Napoleons als König von Spanien bekannt wurden, versammelten sich 500 der angesehensten Einwohner von Buenos-Ayres, schien am 29. Mai den Gouverneur förmlich ab u. ernannten eine Regierungsjunta von 17 Mitgliedern (Junta gobernativa), an deren Spitze Cornelio Saavedra als Präsident u. Funes u. Moreno als Secretäre standen. Obgleich die Macht dieser Junta sich Anfangs blos auf das Weichbild der Hauptstadt erstreckte u. Montevideos Beitritt durch Elio hintertrieben wurde (wodurch eine Spaltung zwischen diesen beiden Staaten entstand, welche erst 1828 durch den Frieden von Rio de Janeiro ausgeglichen wurde), so gab die Junta, bes. von Moreno belebt, doch ihre Entwürfe nicht auf, namentlich wurde der Vicekönig Cisneros mit fünf seiner Gehülfen heimlich auf ein Schiff gebracht u. nach den Canarischen Inseln geführt. Bald aber wurde Moreno, welcher mit dem Präsidenten Saavedra durchaus nicht harmonirte, aus der Regentschaft entfernt; er schiffte sich nach England ein, um dieses Land für die Revolution von Buenos-Ayres zu gewinnen, starb aber auf der Reise dahin. Cordova war der Sammelplatz der Royalisten u. der mit der neuen Regierung Unzufriedenen. Dahin wurde der Oberst Ocampo mit einem Corps gesendet; ihm entgegen zog Liniers mit einem Milizregimente, wurde aber an der Grenze des Staates Cordova bei Cabeza del Tigre geschlagen, gefangen u. nebst Concha, dem Mitgefangenen Gouverneur von Cordova, u. zwei spanischen Obersten nach kriegsgerichtlichem Unheil erschossen. Ocampo besetzte nun Cordova, wurde aber, da er durch seine Protestation gegen die Hinrichtung der Gefangenen den Unwillen der Junta erregt hatte, bald durch den Obersten Balcarce abgelöst. Balcarce wendete sich nun im Juli nach den nördlichen Provinzen (Ober-Peru), um diese von Buenos-Ayres zu befreien, schlug die wenigen Royalisten, welche sich unter dem General Niet gesammelt hatten, am 27. Oct. 1810 bei San Jage de Cotagayta u. am 7. Nov. bei Tupiza u. besetzte darauf Potosi, die Hauptstadt von Ober-Peru. Zum Gouverneur von Ober-Peru ernannte die Junta den Dr. Castelli, u. als dieser den spanischen Gouverneur Paulo Saës, den General Nieto u. den Obersten Cordova in Potosi erschießen ließ, zogen sich die Spanier aus den stärksten Stellungen zurück u. zerstreuten sich. So gesichert gegen Peru hatte die Regierungsjunta auch Paraguay zu insurgiren gesucht u. den General Belgrano mit 2000 M. dahin geschickt; dieser kam glücklich bis in die Nähe von Asuncion, der Hauptstadt dieses Landes, aber hier sah er sich Plötzlich von allen Seiten umstellt, erhielt jedoch freien Abzug. Dr. Francia, der Secretär der Provinzialregierung, stand an der Spitze der Vertheidigungsanstalten. Unglücklicher noch ging es der Armee der Patrioten in Ober-Peru; der Graf Abascal, Vicekönig von Peru, schickte ein Heer unter Goyeneche, einem geborenen Peruaner, gegen die Armee von Buenos-Ayres. Castelli u. Balcarce, nicht vorbereitet auf die Annäherung der Feinde, eilten einen Waffenstillstand mit denselben zu schließen, welchen Goyeneche zwar gewährte, aber nicht hielt, sechs Tage vor Ablauf der Waffenruhe, am 10. Juli 1811, griff er bei Huaqui die Armee von Buenos-Ayres an, schlug sie gänzlich u. zwang sie zum Rückzug bis Jujuy. Castelli wurde von der Junta abberufen u. starb bald darauf. Goyeneche aber, welcher in Ober-Peru unter den Einwohnern kräftigen Widerstand fand, verwüstete das Land u. mußte dasselbe endlich aus Mangel an Lebensmitteln verlassen. In Montevideo that indessen der, von den Cortes in Cadix zum Vicekönig der La Plataprovinzen ernannte Elio sein Möglichstes dieselben wieder unter die spanische Herrschaft zu bringen; aber die Junta rief alle Waffenfähigen zum Widerstand auf u. sendete den General Rondeau zur Belagerung von Montevideo ab. Dieser schlug im Juni 1811 bei las Piedras[45] ein spanisches Corps, wobei sich Artigas auszeichnete, welcher kurz vor dem Treffen zu den Patrioten übergegangen war, u. forderte dann die Stadt zur Übergabe auf; Elio versuchte einen Ausfall, erlitt aber eine gänzliche Niederlage. Darauf wurde Montevideo bombardirt, wogegen Elio durch eine spanische Flotille Buenos-Ayres beschießen ließ. Am 12. September erschien ein portugiesisches Corps in der Nähe von Montevideo, u. da weder die Spanier, noch die Patrioten genau die Absichten der brasilianischen Regierung kannten, so schlössen sie einen Vergleich (21. Oct. 1811). in welchem festgesetzt wurde, daß sich die Provinzen des La Platastromes als ein integrirender Theil des Mutterlandes zu betrachten hätten, dagegen aber vollständige Amnestie ertheilt werden sollte. Der Vicekönig machte sich anheischig Buenos-Ayres nicht mehr zu beunruhigen u. gewährte freien Handel. Darauf kehrte Elio nach Spanien zurück u. der Generalcapitän von Chile, Vigadete, trat an seine Stelle. Der Vertrag aber blieb unvollzogen, u. auch die Parteiungen in Buenos-Ayres, welche sich im Laufe des Jahres 1811 gebildet hatten, dauerten fort. Schon am 23. Sept. wurde die Regierungsjunta aufgelöst u. an ihre Stelle eine Vollziehungsbehörde (Poder egecutivo) ernannt, welche aus Manuel Sarratea, Chiclana u. Juan Jose Passo bestand u. sofort die Freiheit der Sklaven u. die gleichen Rechte der Indianer mit den übrigen Einwohnern, wenn sie zur Vertreibung der Spanier mit beitrügen, proclamirte. Aber diese Verfügungen regten die Unzufriedenheit der bevorzugten Klasse so auf, daß es im Decbr. zu unruhigen Auftritten kam, welche jedoch durch die Strenge der Vollziehungsbehörde gedämpft wurden. Die brasilisch-portugiesischen Truppen standen noch immer auf dem Gebiet von Buenos-Ayres, u. als Artis sie im Febr. 1812 bei San Jago geschlagen hatte, wurde der Krieg gegen Brasilien förmlich erklärt. Der spanische General Tristan rückte von Potosi aus vor u. kam bis S. Miguel de Tucuman, wohin sich Balcarce nach der unglücklichen Schlacht von Huaqui (s. oben) zurückgezogen hatte. Hier aber übernahm Belgrano das Commando über das Heer der Patrioten u. schlug am 24. Sept. 1812 bei Tucuman mit 800 M. die 3000 M. des Generals Tristan, verstärkte hierauf sein Corps bis auf 2000 M., verfolgte die Spanier bis nach Salat, erstürmte hier die spanischen Verschanzenden u. nahm das ganze spanische Corps gefangen, entließ es jedoch auf das Versprechen des Generals mit seinem Corps nie wieder gegen die Republik zu dienen. Inzwischen wurde in Buenos-Ayres durch einen Aufstand der Bürgergarden abermals eine Regierungsveränderung bewirkt, die Vollziehungsjunta entsetzt u. eine neue an ihre Stelle gewählt, welche aus Penna, Passo u. Jonta bestand. Diese Junta berief eine Versammlung von Volksrepräsentanten der Provinzen des La Platastromes, welche am 30. Jan. 1813 als souveräne konstituierende Versammlung in Buenos-Ayres eröffnet wurde. Erst jetzt wurde die spanische Flagge u. Cocarde abgeschafft u. die blau u. weiße trat als die der Republik an ihre Stelle. Im Jahr 1812 kam auch Jose de San Martin aus spanischen Kriegsdiensten in Buenos-Ayres an, trat als Oberster in Dienste der Republik u. errichtete ein Regiment Grenadiere zu Pferde, das erste regelmäßige Reiterregiment der Republik. Mit diesen schlug er ein Corps von 300 Mann, welche die Royalisten aus Montevideo zu Schiffe abgeschickt hatten, als sie sich am 5. Febr. bei S. Lorenzo am Westufer des Parana ausschiffen wollten. Die Früchte des Sieges der Patrioten von Tucuman u. der Eroberung von Salta gingen durch Tristans Treulosigkeit, welcher gegen sein Versprechen in der royalistischen Armee unter Pezuela Dienste nahm, wieder verloren. Pezuela, durch die Neste von Tristans Armee bis auf 4000 Mann verstärkt, schlug am 1. October 1813 die Republikaner unter Belgrano bei Vilcapugio u. am 14. November bei Ayoma u. zwang Belgrano zum Rückzug bis nach Tucuman. Aus Beschluß der Nationalversammlung wurde am 31. December 1813 die Vollziehungsjunta abgeschafft u. an ihre Stelle Posadas zum obersten Director mit einem Rathe von sieben Mitgliedern ernannt; dieser entsetzte sogleich Belgrano vom Commando, an dessen Stelle San Martin trat. San Martin hatte schon im März 1814 in Tucuman 4000 M. von allen Waffengattungen mit 14 Kanonen um sich versammelt; dann ließ er unweit der Stadt ein verschanztes Lager auswerfen, während die Guerrillas der Amerikaner die Spanier fortwährend beunruhigten, ihnen die Lebensmittel abschnitten u. so Pezuela zwangen den Rückzug nach San Ingo de Cotagayta anzutreten. Darauf drohte der jungen Republik von Chile eine neue Gefahr. Dort war nämlich der spanische General Osorio von Peru aus gelandet, hatte im Oct. 1814 die spanische Herrschaft in Chile wieder befestigt u. drohte nun in Buenos-Ayres einzudringen. San Martin übernahm den Oberbefehl in der Provinz Cuyo, an der Grenze von Chile, u. verlegte sein Hauptquartier nach Mendoza, dem Sammelplatz der aus Chile geflüchteten Patrioten. Der Krieg gegen Montevideo wurde zu Wasser u. zu Lande fortgeführt; an der Stelle des Generals Rondeau commandirte Oberst Alvear die Landtruppen, während Capitän Brown mit einem Geschwader der Republikaner, aus sechs kleinen Schiffen bestehend, am 17. Mai die spanische Flotille in dem Hafen von Montevideo zerstörte. Jetzt wurde die Stadt auch zur See eingeschlossen u. mußte sich am 20. Juni an Alvear ergeben. Diese Eroberung kam aber der Republik nicht zu statten; denn Artigas, welcher sich zum Oberhaupte der Banda Oriental (Montevideo) aufgeworfen hatte, verlangte die Auslieferung der Hauptstadt, u. obgleich die Regierung von Buenos-Ayres den General Solar als Gouverneur nach Montevideo schickte, so sah sich dieser doch bald durch Artigas so bedrängt, daß er demselben die Stadt übergeben mußte. Der Director Posadas erklärte zwar nun Artigas für einen Staatsverräther u. setzte einen Preis auf seinen Kopf, konnte aber dadurch den kühnen Parteigänger nicht zur Unterwerfung bringen. Der brasilianische Hof glaubte jetzt die Zeit günstig seine Besitzungen bis zum Rio de La Plata auszudehnen u. ließ zu diesem Zwecke 8000 Portugiesen u. Brasilianer unter dem General Lecor in die Banda Oriental einrücken, welcher sich, nach tapferem Widerstände Artigas', am 19. Januar 1817 Montevideos bemächtigte. Von Buenos-Ayres nicht nur nicht unterstützt, ja durch zwei Expeditionen (welche aber mißglückten) sogar bekriegt, blieb den Bewohnern der Banda Oriental nichts übrig als ein kühner Guerrillaskrieg, welcher bald so allgemein wurde, daß sich die Portugiesen auf die besetzten Städte[46] beschränkt sahen. Artigas setzte den Kampf sowohl gegen sie als gegen Buenos-Ayres fort, bis er nach manchen Unfällen in der Provinz Entre Rios eine Zuflucht in Paraguay suchen mußte (1820), wo ihn Francia bis zu seinem Tode (1826) unter strenge Aufsicht stellte. Im Innern der Republik waren indeß mehre Veränderungen erfolgt; Alvear hatte zu Anfang des Jahres 1815 den Director Posadas von seinem Posten zu verdrängen u. sich an dessen Stelle zu setzen gewußt; aber da es ihm nicht gelang die Zustimmung der Armee zu erlangen, welche unter Rondeau gegen Ober-Peru im Felde stand, so sah er sich bald genöthigt abzudanken u. aus dem Lande zu fliehen. Am 16. April 1815 wurde Rondeau zum Director gewählt, u. da er im Felde war, so wurde der Oberst Alvarez u. seinem Stellvertreter ernannt. An die Stelle der souveränen constituirenden Versammlung trat nun eine Beobachtungsjunta (Junta de observacion), welcher es aber an Einheit u. Kraft mangelte. Zu dieser Verwirrung im Innern kam noch Unglück im Kriege, denn nicht nur alle gegen Artigas ausgesandten Corps erlitten Niederlagen, sondern auch Rondeau, welcher mit 3500 M. in Ober-Peru eingebrochen war, wurde am 28. Nov. 1815 von Pezuela bei Sipe-Sipe, zwischen Oruro u. Potosi, u. am 1. Dec. 1815 bei Viluma so geschlagen, daß ganz Ober-Peru wieder unter spanische Herrschaft kam. In dieser Noth berief Alvarez einen neuen Nationalcongreß nach San Miguel del Tucuman, welcher im März 1816 eröffnet wurde, am 9. Juli den General Pueyredon zum Oberdirector der Republik ernannte u. an demselben Tage eine Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Provinzen des Rio de La Plata erließ. Die wenigen Truppen, welche aus den Niederlagen von Sipe-Sipe u. Viluma entkommen waren, wurden unter die Befehle Belgranos gestellt u. der Capitän Brown zum Admiral ernannt. 1817 zählte die Flotte der Republik 11 bewaffnete Fahrzeuge von 8–20 Kanonen u. die Landarmee, welche gegen Ober-Peru stand u. in Tucuman neu organisirt worden war, wieder 4000 Mann. Aber im Juli empörten sich die Stabsoffiziere, setzten ihren General ab u. zerstreuten sich, von kleinen Corps umgeben, in die Provinzen, wo sie sich die Civil- u. Militärgewalt anmaßten. Belgrano, seines Commandos beraubt, konnte die Pläne San Martins durch einen Angriff der Spanier in Ober-Peru nicht unterstützen, er st. 1820. In Buenos-Ayres herrschte indessen Anarchie fort u. führte den Freistaat öfters an den Rand des Abgrundes, aber dennoch wurde von dieser Stadt aus hauptsächlich ein Unternehmen betrieben, welches zu den wichtigsten in der Befreiungsgeschichte von Südamerika gehört, nämlich San Martins Marsch über die Anden, zur Befreiung von Chile (s. unten S. 47).

II. Freiheitskampf in Chile. Bis zum 10. Juli 1810 war in Chile Alles ruhig gewesen, aber an diesem Tage entsetzten die Einwohner der Hauptstadt Santiago den Generalcapitän Carrasco, welchen sie für einen Anhänger des Königs Joseph hielten, seiner Stelle u. erwählten einen Eingeborenen, den Grafen de la Conquista, zum Gouverneur der Provinz. Die Mehrzahl der Einwohner dachte an keine Regierungsveränderung, aber von Buenos-Ayres aus wurde Alvarez de Jonta nach Chile geschickt, u. dieser brachte es, bei der gänzlichen Unfähigkeit des neuen Gouverneurs, dahin, daß schon am 18. Sept. 1810 eine Regierungsjunta (Junta gobernativa), aus sieben Mitgliedern bestehend, in Santiago errichtet wurde. Diese Behörde fand schnell in dem ganzen Lande Anerkennung, u. da nur sehr wenige Spanier in dieser, von jeher wenig beachteten Colonie sich befanden, so ging die Revolution hier ohne alles Blutvergießen von statten. Die Junta handelte u. der Hohe Gerichtshof entschied indessen fortwährend in des Königs Namen u. kein Altspanier, der Gouverneur ausgenommen, wurde von seinem Posten entfernt. Dennoch aber versuchte am 1. April 1811 der spanische Oberst Figuerra den Sturz der neuen Negierung; der Versuch mißglückte jedoch, der Oberst wurde ergriffen u. erschössen. In Folge dieser verunglückten Contrerevolution wurde der königliche Gerichtshof, verdächtig den Obersten Figuerra unterstützt zu haben, aufgelöst u. an seine Stelle eine Appellationskammer (Camera de apelacion) gesetzt. Am 1. Juni 1811 versammelte sich ein Nationalcongreß in Santiago, welcher die Sklaverei aufhob, den Handel frei gab, die Geistlichkeit auf bestimmten Gehalt setzte u. auch Preßfreiheit um so unbedenklicher gestattete, da der größte Theil der Landbewohner nicht lesen konnte u. eine Druckerpresse in Chile nicht vorhanden war. Alles schien dem jungen Freistaat eine glückliche Zukunft zu versprechen, als der Ehrgeiz der drei Brüder Carrera den ruhigen Gang der Revolution hemmte. Diese wußten sich durch ihr einnehmendes Wesen u, ihre demokratischen Grundsätze im Volke eine Partei zu bilden; sie ergriffen am 2. Dec. 1811 das Ruder der Regierung, lösten den Congreß auf u. bildeten eine Junta, an deren Spitze der älteste der Brüder, Jose Miguel Carrera, gestellt wurde. Der gänzliche Mangel an Regierungsfähigkeit dieser Junta hatte jedoch zur Folge, daß an die Stelle der früheren Eintracht sehr bald Spaltung u. Unzufriedenheit unter allen Klassen der Bevölkerung trat; die Brüder Carrera wurden unter einander selbst uneinig, Jose Miguel legte sein Amt sogar nieder, übernahm es jedoch am 12. Oct. 1812 wieder. Der Vicekönig von Peru, Abascal, blieb Anfangs zwar auch mit der demokratischen Regierung in freundschaftlichen Verhältnissen, beschloß aber die Unzufriedenheit der Chilener mit Carrera zur Wiederherstellung der spanischen Herrschaft zu benutzen. Zu diesem Endzweck segelte General Pareja an K Lima ab, landete Anfangs des Jahres 1813 in San Vincente, unweit Talcahuano, u. bemächtigte sich der wichtigen Stadt Concepcion, von wo aus er noch 30 Meilen nordwärts bis an den Fluß Maule zog. Aber hier, bei Yerbas Buenas, überfiel Jose Miguel Carrera mit 6000 Republikanern in der Nacht vom 31. März 1813 die königliche Armee, schlug sie u. zwang sie zum Rückzug nach San Carlos. Auch dort von Carrera angegriffen mußten sich die Königlichen nach einem hartnäckigen Gefechte bis Chillan zurückziehen, wo Pareja starb u. der Oberst Sanchez den Oberbefehl über die Königlichen übernahm. Dieser wendete Alles an, um Chillan zu behaupten, u. zog sogar die Besatzungen von Talcahuano u. Concepcion an sich. Die Republikaner belagerten die Stadt vergebens u. die königliche Armee, mit welcher die Araukaner gemeinschaftliche Sache machten u. die südlichen Gegenden der Republik beunruhigten, befand sich bald wieder im Vortheil. Im Nov. wurden die Brüder Carrera ihrer Würde von der Junta entsetzt u. die[47] zwei bei dem Heere befindlichen nach Santiago beschieden, nachdem an ihre Stelle die Obersten O'Higgins als Oberbefehlshaber u. Mac Kennar als Generaladjutant gewählt worden waren, aber auf ihrer Reise von einer spanischen Streifpartei gefangen u. nach Chillan gebracht. Die eine Hälfte der republikanischen Armee blieb unter Mac Kennar bei Chillan stehen, O'Higgins zog mit der anderen nach Concepcion. Anfangs 1814 langte von Peru der spanische General Gainza mit Verstärkungen in Chile an, u. obgleich am 14. u. 15. März bei Membrillar von den Republikanern geschlagen, ging er doch auf Santiago los u. eroberte die Stadt Talca am Maule. In der Hauptstadt schrieb man diesen Verlust der Nachlässigkeit der Junta zu, hob dieselbe auf u. ernannte den Don Francisco de Lastra zum Director der Republik, welcher den Oberstlieutenant Ciceron mit einem Corps den Spaniern entgegensendete. Dieser wurde zwar bei Cancharayada von Gainzas Vortrab geschlagen, aber als dieser weiter gegen die Hauptstadt vordringen wollte, sah er sich plötzlich durch O'Higgins u. Mac Kennar von den Straßen von San Jago u. Chillan abgeschnitten u. mußte nach Talca zurückweichen, wo er von den Republikanern eingeschlossen wurde. In dieser Noch erschien in Valparaiso ein englisches Kriegsschiff, dessen Capitän, Hillyer, mit Anträgen des Vicekönigs von Peru versehen war, denen zu Folge am 5. Mai 1814 eine Convention zwischen den Spaniern u. Chilenen zu Stande kam. Gainza verpflichtete sich in derselben binnen zwei Monaten Chile zu räumen, die neue Ordnung der Dinge wurde anerkannt, doch sollte die Regierung von Chile Deputirte nach Spanien schicken, um die Oberherrschaft der dortigen, während Ferdinands VII. Gefangenschaft eingesetzten Machthaber anzuerkennen. In Santiago brachen unterdessen neue Unruhen aus. Die Bruder Carrera, aus spanischer Gefangenschaft entlassen, gewannen die Besatzung von Santiago für sich, entsetzten den Director de Lastra am 23. Aug. 1814 seiner Stelle u. ernannten ihren ältesten Bruder, Jose Miguel Carrera, zum Vorstand einer Regierungsjunta. Die Bürger der Hauptstadt riefen nun den Obersten O'Higgins zum Beistand gegen die Carrera herbei, u. schon war der Bürgerkrieg im Begriff auszubrechen, als ihn eine Depesche des spanischen Generals verhütete. Dieser meldete nämlich, daß der Vicekönig von Peru den Vertrag von Talca nicht ratificirt habe u. daß den Insurgenten nichts als unbedingte Unterwerfung unter die Gnade des Königs übrig bleibe. Zu gleicher Zeit erschien von Peru aus der General Osorio mit neuen Truppen, übernahm das Obercommando u. war mit 4000 M. schon bis 42 Meilen von Santiago vorgerückt, bevor in der Hauptstadt obige Nachricht ankam. O'Higgins zog mit 900 M. den Spaniern entgegen u. ihm folgte Carrera mit 1500 M., aber der Erstere wurde am Cachapoal von den Spaniern geschlagen u. mußte sich nach Rancagua zurückziehen. Am 1. Oct. 1814 stürmten die Royalisten diese Stadt u. eroberten dieselbe nach 36stündigem Widerstand; O'Higgins aber schlug sich mit 200 M. durch u. entkam nach der Hauptstadt. Carrera hatte müssig in der Nähe derselben gestanden, seine Truppen aber hatten die Bürger durch ihre Ausschweifungen so aufgereizt, daß diese eine Deputation an den spanischen Geneigt Osorio mit der Bitte sendeten in Santiago einzurücken u. die Ordnung wieder herzustellen. Nachdem dieses geschehen war, zogen 600 Patrioten mit Carrera u. 1400 mit O'Higgins über die Anden nach Mendoza, wo sie von San Martin aufgenommen wurden. Die Spanier verfuhren nun in Chile auf die grausamste Weise; Einkerkerung, Einziehung des Vermögens, Deportirung u. Mord der Gefangenen trat an die Ordnung des Tages, u. die allgemeine Noth stieg noch, als von Spanien Marco del Pont in Santiago ankam, welcher den General Osorio an Grausamkeit übertraf. Obgleich San Martin schon im Sept. 1814 als Gouverneur nach Mendoza geschickt worden war, um dort eine Armee zu bilden, so war es ihm doch erst in der Mitte des Jahres 1816 gelungen 4000 M. dort zu versammeln, mit welchen er einen Versuch zur Befreiung von Chile zu wagen beschloß. Er machte dem General del Pont glauben, sein Plan sei durch die südlichen Andenpässe in Chile einzubrechen worauf dieser seine Macht theilte u. die größere Hälfte derselben aus dem Norden nach Talca u. S. Fernando schickte. Über die Anden führen sechs Pässe, von denen der südlichste, El Panchon, unter 35° südl. Breite, der bequemste ist; während nun Marco del Pont diesen bewachte, trat am 17. Jan. 1817 San Martin den Marsch von Mendoza an u. ging mit der Hauptmacht, aus 2800 M. Fußvolk u. 700 Reitern bestehend, durch den Paß Uspallata (32° 20' südl. Breite) über die Anden, während Freire u. Lemus mit 500 Mann ihren Weg durch den Portillopaß (34° südl. Breite) nahmen. Das Geschütz bestand aus 2 Haubitzen u. 10 vierpfündigen Kanonen. Der kaum für einen Berggänger zugängliche Weg u. die furchtbare Kälte auf der Höhe (von 15–16,000 Fuß) rieben einen großen Theil des Heeres auf, den Rest theilte San Martin in zwei Brigaden, die eine befehligte der General Soler, die zweite der Oberst O'Higgins. Am 7. u. 8. Febr. vertrieb die Vorhut der Patrioten die an den Ausgängen des Passes aufgestellten spanischen Pikets u. besetzte die im Thale Putuendo gelegenen Dörfer Aconcagua u. Sta. Rosa. Zum Schutz der nördlichen Provinzen war der spanische General Moroto mit 3 Infanterieregimentern, 3 Schwadronen u. 8 Kanonen, zusammen etwa 4000 M., zurückgeblieben, welche er bei Chacabuco, auf dem Wege von Sta. Rosa nach Santiago, aufgestellt hatte. Hier griff ihn am 12. Febr. 1817 San Martin an, schlug ihn, zerstreute das ganze Corps u. zog am 14. Februar in Santiago ein. Dieser Sieg entschied Chile's Befreiung. Marco del Pont im Anmarsch zur Unterstützung Morotos, wurde von dem Strom der Flüchtlinge mit fortgerissen u. am 18. Febr. unweit Valparaiso von den nacheilenden Patrioten gefangen. 5000 Spanier erreichten jene Stadt u. schifften sich nach Peru ein, 3600 wurden gefangen, über 600 waren geblieben, der Rest zog sich unter Ordoñez über Concepcion nach dem Hafen Talcahuano zurück u. führte von dort wichtige Unternehmungen aus. San Martin rief in Santiago sogleich einen Congreß zusammen, welcher O'Higgins zum Oberdirector ernannte, u. reiste dann nach Buenos-Ayres zurück, theils um Verstärkung zu holen, bes. aber um eine Expedition nach Peru zu betreiben, von wo aus sonst Chile stets von Neuem durch die Spanier bedroht wurde. O'Higgins begab sich aber nach Concepcion, um die Eroberung von Talcahuano zu betreiben, welches von den Royalisten[48] aufs Beste verschanzt worden war, aber ein am 1. Dec, 1817 von dem Oberstlieutenant de la Heras versuchter Sturm mißglückte, u. als im Jan. 1818 Osorio mit 3600 M. von Peru aus in Talcahuano ankam, sah sich O'Higgins bald auf die Verteidigung beschränkt. Indessen war San Martin von Buenos-Ayres zurückgekehrt, hatte sein Hauptquartier in las Tablas, unweit Valparaiso, genommen, etwa 5000 M. u. 25 Kanonen dort Versammelt u. war zur Unterstützung O'Higgins nach dem Süden aufgebrochen. Am 15. März 1818 vereinigte er sich mit demselben bei San Fernando, bis wohin sich der Director vor der Übermacht Osorios zurückgezogen hatte, u. das Patriotenheer zählte nun 8500 M, u. 35 Kanonen. Ihm entgegen stand bei Talca der spanische General Osorio mit 6000 M. Am 19. März griffen Ordoñez u. Reza in der Nacht die Patriotenarmee an, warfen ihre Vorposten u. trieben den linken Flügel u. das Mitteltreffen nach kurzem Widerstand in die Flucht. Die ganze Artillerie von Buenos-Ayres bis auf 2 Geschütze ging verloren, u. erst in San Fernando gelang es San Martin die Flüchtlinge zum Stehen zu bringen, um den Obersten de las Heras zu erwarten, welcher sich mit 300 M. in Ordnung zurückgezogen hatte, worauf er mit 5000 M. nach Santiago eilte, wo schon am 2 l. März die Nachricht Don der verlorenen Schlacht eingetroffen war, u. die gestörte Ordnung wieder herstellte. Zum Glück für die Patrioten wußte Osorio seinen Sieg nicht zu benutzen; von Talca rückte er langsam gegen die Hauptstadt vor u. erschien erst am 5. April in der Nähe von Espejo am Maypu, wo San Martin eine Meile von der Hauptstadt mit 6500 M. ein Lager bezogen hatte. Am Mittag des 5. Aprils kam es zur Schlacht am Maypu, in welcher die Spanier geschlagen wurden. Osorio entfloh mit etwa 100 Cavalleristen nach Talcahuano; Ordoñez leistete bei Espejo u. dann noch eine Wegstunde weiter rückwärts, einen fruchtlosen Widerstand; die ganze Armee der Royalisten war vernichtet, denn gegen 2000 M. waren geblieben u. 3500, mit ihnen Ordoñez u. Reza, gefangen; die Armee der Patrioten hatte nur 1000 M. verloren. Fünf Tage nach der Schlacht reiste San Martin wieder nach Buenos-Ayres ab, um einen Einfall in Peru von Neuem zu betreiben. Schon 1817 hatte er deshalb der Regierung einen Plan vorgelegt, dessen Ausführung durch die Meuterei in Belgranos Heer vereitelt worden war; jetzt aber verhinderte die Uneinigkeit u. Anarchie, welche in diesem Freistaate herrschte, jedes Unternehmen von Bedeutung. Die Chilenen dachten jetzt auch an die Errichtung einer Flotte, um ein spanisches Geschwader zu vertreiben, welches Valparaiso blockirte. Nachdem eine neugeschaffene Fregatte die 2 spanischen Blockadeschiffe vertrieben hatte, segelte am 9. Oct. 1818 eine Flotte von 4 Schiffen aus dem Hafen von Valparaiso aus u. eroberte kurz darauf bei der Insel Sta. Maria eine spanische Fregatte, welche eine aus Spanien kommende Transportflotte mit Truppen escortirte. Durch O'Higgings Thätigkeit wuchs die Seemacht der Chilenen noch im Laufe des Jahres 1818 auf 13 Schiffe, über welche Lord Cochrane, welcher am 4. Dec. 1818 in Valparaiso ankam, den Oberbefehl übernahm. Er traf sogleich Anstalten zur Blockade der Häfen von Peru u. zur Vernichtung der aus 7 Schiffen bestehenden spanischen Flotte im Stillen Meere. Schon im März 1819 glückten ihm mehre Überfälle an der Küste von Peru, er überraschte u. plünderte fünf Häfen nach einander u. bekam drei Silberschiffe in seine Hände, worauf er zu Anfang Septbr. nach Valparaiso zurückkehrte, um eine gegen Callao, den Hafen von Lima, ausgerüstete Flotte unter sein Commando zu nehmen. Am 30. Sept. 1819 erschien er mit 9 Schiffen vor Callao u. griff diesen Hafen, aber ohne Erfolg, an. Nachdem er im November auch die Bai von Guayaquil besucht hatte, wendete er sich wieder südlich, erschien im Jan. 1820 vor der stark befestigten u. wichtigen Hafenbucht von Valdivia, erstürmte am 3. Febr. die Forts am Eingange der Bucht u. zwang am 4. Febr. die Spanier zum Rückzug ins Innere des Landes. Nach der Schlacht am Maypu war blos noch ein Theil der südlichen Provinz Concepcion in spanischen Händen geblieben. Osorio hatte Talcahuano im Se O. 1818 verlassen u. das Commando über die Überreste der Spanier dem General Sanchez übertragen, welcher mit etwa 2000 M. im Inneren des Landes umherzog; gegen ihn setzte sich zu Anfang d. I. 1819 Balcarce mit 3000 M. Patriotentruppen in Bewegung. Sanchez mußte sich auf das Gebiet der Araukaner zurückziehen u. marschirte darauf nach Valdivia, von wo ihn Cochrane vertrieb. So war das ganze Festland von Chile von den Spaniern befreit, u. es blieb blos übrig die Südgrenze gegen die Einfälle der Araukaner u. Royalisten zu decken, eine Aufgabe, welche der Gouverneur von Concepcion, Ramon Freire, löste. Ein Versus, welchen Cochrane am 17. Febr. 1820 gegen die Insel Chiloe unternahm, scheiterte an der Tapferkeit des spanischen Generals Quintanilla, welcher hier befehligte; diese Insel fiel erst am 15. Jan. 1816 ganz in die Hände des Freistaates.

III. Befreiung von Columbia. Obgleich in den spanischen Vicekönigreichen Neugranada u. Venezuela, welche später die Republik Columbia bildeten, schon in den Jahren 1796 u. 1803, durch die Engländer u. den französischen General Miranda angelegt, einzelne Versuche gewagt worden waren diese Colonien gegen das Mutterland zu empören, so hatten diese Aufreizungen doch keinen Erfolg gehabt, theils weil die Creolen die erwartete Theilnahme nicht zeigten, theils weil die Vereinigten Staaten von Nordamerika sich weigerten ihnen Hülfe zu leisten. Als aber am 14. Juli 1808 die Nachricht von den Vorfällen im Mutterlande durch eine französische Brigg in la Guayra, dem Hafen von Caracas, ankam, entstand in Caracas ein Auflauf, Ferdinand VII. wurde als König proclamirt u. Joseph Napoleon verworfen. Dieselbe Gesinnung zeigte sich in allen Provinzen de L Reiches. Man schlug den verschiedenen Statthaltern die Errichtung von Junten, nach der in Spanien üblichen Art, vor, u. in Quito wurde am 10. Aug. 1809 die erste errichtet; in Bogota aber wußte der Vicekönig, Don Antonio Amas, die Einführung derselben nicht nur zu hintertreiben, sondern er sendete sogar Truppen nach Quito ab, um die dortige auseinander zu treiben, was ihm in Verein mit Abascal, dem Vicekönig von Peru, auch gelang. Ernstlicher aber wurden die Vorfälle, als zu Anfang 1810 die Nachricht von der Flucht der Centraljunta nach Cadix ankam. Die Einwohner von Caracas waren gegen den Generalcapitän Emparan erbittert, welcher blos blinde Unterwürfigkeit forderte, u. beschlossen durch Gewalt zu erlangen, was in Güte nicht zu[49] erreichen war. Der Stadtrath (Cabildo) setzte am 19. April 1810 den Generalcapitän ab u. übernahm mit einer Deputation im Namen Ferdinands VII. die Zügel der Regierung. Die so entstandene Junta suprema, wurde sogleich von fünf Provinzen anerkannt u. nur zwei, Maracaybo u. Coro, blieben der Centraljunta in Cadix treu. Am 20. Juli führte in Bogota ein Zufall ein ähnliches Ereigniß herbei; es wurde dort für das Vicekönigreich Neu-Granada eine Junta, nach dem Muster der von Caracas, gebildet. Auf die Nachricht von diesen Vorfällen erließ die Centraljunta in Cadix am 31. Aug. 1810 eine Kriegserklärung gegen Caracas, erklärte die ganze Provinz in Blockadezustand u. bot, obgleich selbst in Cadix belagert, alle Kräfte auf, um Truppen nach Coro, Sta. Marta u. Panama zu schicken. In Quito hatten seit der Aufhebung der Junta die aus Peru gesendeten Spanier die Oberherrschaft gehabt u. ein Versuch des Volks am 2. August die vielen seit jener Zeit gefangen gesetzten Bürger zu befreien war von jenen blutig zurückgewiesen worden; gegen 4000 Einwohner der Stadt hatten dabei ihren Tod gefunden. Als aber am 5. Sept. 2000 Freiwillige den Unterdrückten zu Hülfe eilten, wurde das Militär zerstreut, der Vicekönig mit seinen Rächen nach Cartagena ins Gefängniß geschickt u. die oberste Junta in Bogota dort anerkannt. Zu Caracas vereinigten sich 1. Juli 1811 die Repräsentanten der vereinigten Provinzen Cumana, Margarita, Neu-Barcelona, Caracas, Varinas u. der Districte Merida u. Truxillo, von den der Centraljunta treu gebliebenen Provinzen Maracaybo n, Coro, u. am 5. Juli erließen sie eine Unabhängigkeitserklärung, in welcher sie auch dem König Ferdinand VII. den Gehorsam auskündigten, weil er eine Verwandte Napoleons habe heirathen wollen. Die Versuche der unter die Cortes aufgenommenen Amerikaner, einen Vergleich zwischen den Colonien u. dem Mutterlande herbeizuführen, scheiterten, trotz der Vermittelung Englands, an dem Stolze der spanischen Regentschaft. Es blieb nichts übrig als die Gewalt der Waffen entscheiden zu lassen. Die Idee einzelne für sich unabhängige Staaten bilden zu wollen, zerstörte die Eintracht unter der republikanischen Partei, welche um so notwendiger gewesen wäre, da es außer den Spaniern auch noch eine zahlreiche Partei von Anhängern des Mutterlandes zu besiegen gab. In Venezuela u, Neu-Granada trat 1811 noch nirgends das Streben nach einer Vereinigung hervor; einzelne Districte von wenigen Tausend Einwohnern wollten oft als selbständige Staaten auftreten; Coro u. Maracaybo erklärten sich für das Mutterland, aber die Districte Merida u. Truxillo trennten sich von ihnen u. republikanisirten sich. Unter solchen trüben Aussichten begann der Befreiungskampf. Schon im Spätjahr von 1810 bemühten sich die Patrioten Coro, den Hauptsitz der Royalisten, zu erobern, aber sie wurden im November geschlagen, u. erst dem General Miranda, welcher kurz darauf aus London nach Caracas zurückkam, war es vorbehalten am 20. Aug. 1811 Neu-Valencia u. kurz darauf Coro zu erobern. Während seiner Abwesenheit von Neu-Valencia brach am 24. Sept. 1811 dort eine Verschwörung aus, welche die Stadt wieder in spanische Hände bringen sollte; die Sache endigte sich aber mit einer Niederlage der Altspanier. Die spanische Besatzung in Maracaybo fühlte sich zu schwach, um angriffsweise verfahren zu können, aber auch Miranda konnte nichts gegen diese Stadt unternehmen, da es ihm an Schissen fehlte. So entstand eine kurze Ruhe, welche die Repräsentanten von Venezuela so wohl benutzten, daß sie schon am 23. Dec. 1811 der Nation eine Verfassung zur Genehmigung vorlegen konnten. Alles versprach den günstigsten Erfolg für die Republik: da zerstörte den 26. März 1812 ein furchtbares Erdbeben die Städte la Guayra, Mayquetia, Merida u. San Felipe gänzlich u. that in Barquisimeto, Valencia u. Vitoria großen Schaden, in Caracas allein kamen 12,000 Menschen ums Leben. Auf diese Schreckensscenen, mit welchen gerade das Vorrücken des spanischen Generals Monteverde von Maracaybo u. die Einnahme von Carora zusammentraf, folgte allgemeine Entmuthigung. Miranda, welcher mit dem Hauptcorps in Valencia stand, zog sich nach Caracas zurück u. übernahm am 26. April als Dictator die Regierung. Aber nicht nur Valencia, sondern auch das starke Fort S. Felipe, am Hasen Puerto Cabello, fiel in spanische Hände. Miranda's Armee lief auseinander u. der Dictator selbst rieth endlich der halbzerstörten Stadt Caracas zu einer Capitulation mit Monteverde. Dieser gestand günstige Bedingungen zu, u. am 29. Juli 1812 fiel Caracas wieder in spanische Hände. Aber die Bedingungen wurden nicht gehalten, u. als Miranda sich mit mehren angesehenen Patrioten nach Cartagena einschiffen wollte, wurden Alle in la Guayra verhaftet, eingekerkert u. die angesehensten nach Cadix geschleppt, wo Miranda 1816 im Gefängniß starb. So kam die ganze Provinz Venezuela wieder unter spanische Botmäßigkeit, aber statt die Einwohner für sich zu gewinnen, verfuhren die Machthaber der siegenden Partei mit Grausamkeit u. Rachgier u. erregten so bald wieder Unruhen. Unterdessen hatte auch in dem westlichen Theile des Königreichs Neu-Granada das republikanische System Wurzel geschlagen. In Cartagena war schon am 4. Febr. 1811 eine Revolution unter der Besatzung ausgebrochen. Das Volk schloß sich an das Militär an, forderte die Unabhängigkeit von Spanien u. berief im Januar 1812 einen Congreß von Deputierten der Provinz, welcher sich zwar durch Bevollmächtigte dem allgemeinen Congreß von Neu-Granada in Bogota anschloß, aber dessen ungeachtet am 14. Juni 1812 eine besondere Konstitution für die Provinz Cartagena bekannt machte. Von hier aus begann die sogenannte Kaperei, welche unter der roth u. grünen Flagge der Provinz Cartagena getrieben wurde u...so lange Zeit den Atlantischen Ocean belästigte. Östlich von Cartagena liegen die Küstenprovinzen Santa Marta u. Rio de la Hacha, wo die Royalisten Herren blieben; von Sta. Marta aus begannen die spanischen Truppen ihre Operationen, u. auch hier brach der Krieg schon Ende 1812 aus. Simon Bolivar hatte sich nämlich von Cartagena (wohin er bei der Meuterei in Caracas [s. oben] mit Hülfe eines englischen Schiffes entkommen war) nach Tunja begeben, wo der Congreß von Neu-Granada versammelt war. Von diesem unterstützt, hatte er 600 Mann gesammelt u. durch eine Menge Flüchtlinge aus Venezuela verstärkt, schlug er die Spanier unter Monteverde in mehren blutigen Gefechten, zwang diesen endlich sich in Puerto Cabello einzuschließen u. zog am 4. Aug. in Caracas ein. Mit ihm vereinigten sich hier der republikanische General Marino, welcher das Innere der Provinz Cumana gegen die Spanier vertheidigt[50] hatte. Indem nun Monteverde zu dieser Zeit in seiner Kriegsführung sehr schonungslos verfuhr u. von Seiten der Republikaner Repressalien angewendet wurden, so entstand jetzt der furchtbare Mordkrieg (la guerra a muerte), in welchem man jede Grausamkeit gegen Feinde für erlaubt hielt u. welchen erst Ende 1820 eine mildere Gestalt annahm. Bolivar stellte den Congreß von Caracas wieder her u. wurde von demselben zum Präsidenten der Republik Venezuela mit unbeschränkter Vollmacht ernannt. Das Glück hatte sich wieder für die Südamerikaner erklärt; bei Agua caliente wurde Monteverde u. am 23. Mai 1814 bei Carababo sein Nachfolger Salomon geschlagen. Puerto Cabello, wohin sich die Royalisten gezogen hatten, wurde nun zu Wasser u. zu Lande eingeschlossen. Inzwischen hatten die realistischen Anführer in Coro u. Maracaybo Guerillas gegen die Amerikaner errichtet, welche meist aus Negersklaven bestanden, denen man die Freiheit versprach. Von den spanischen Generalen Boves u. Puy geführt, zogen 8000 dieser Guerrillas gegen Caracas heran. Bolivar hob die Belagerung von Puerto Cabello auf u. zog ihnen entgegen, wurde aber am 10. Juni 1814 bei la Puerte geschlagen. Die entsendeten Corps unter Urdineta u. Marino hatten dasselbe Schicksal; die Einwohner von Caracas verließen zum Theil ihre Stadt, welche am 14. Juli ihre Thore den Siegern öffnete, u. flüchteten mit der Armee der Patrioten in die Provinz Barcelona. Aber auch dahin folgte ihnen Boves, schlug sie nochmals bei Araguita u. zwang Bolivar sich von Barcelona nach Cartagena einzuschiffen. So war Venezuela wieder in spanische Hände gefallen u. wurde unter eine militärische Regierung gestellt. In dem Vicekönigreich Neu-Granada dauerte indessen der Kampf der Parteien fort; während die Provinzen Tunja, Socorro u. Mariquita der Generalregierung des Congresses anhingen, suchte Nariño in Cundinamarca ein festes, von dem Congresse unabhängiges Regierungssystem zu begründen, u. mehre Provinzen, wie Panama, Iaen, Sta. Marta, Guayaquil, Cuenza etc. ergriffen die Partei der Spanier. Schon im October 1812 kam es zwischen dem Congreß u. Nariño zum Kampfe, Bogota wurde belagert, u. nur das Vorrücken der Spanier unter Samano von Quito her führte eine Vereinigung der beiden Patriotenparteien herbei. Nariño, an die Spitze des Heeres gestellt, trieb die Spanier zurück u. schützte seit 1813 die Republik gegen die Einfälle der Feinde; aber im Juni 1814 ließ er sich verleiten in die Pässe von Pasto (südwestlich von Bogota) einzurücken; hier wurde er von dem spanischen Heer bei Alto de Tuanumbu geschlagen, gefangen u. nach Cadix gebracht. Die Spanier wurden durch die Terrainhindernisse abgehalten weiter vorzudringen, u. die Streitigkeiten der Patrioten begannen von Neuem. Die Provinz Cundinamarca, welche nach Nariños Gefangennehmung Bernard d'Alvarez zum Präsidenten ernannte, weigerte sich fortwährend der zu Tunja bestehenden Generalregierung, an deren Spitze Camilo Torres stand, zu gehorchen. So standen die Sachen, als Bolivar aus Cartagena in Tunja eintraf. Vom Congreß zum Oberbefehlshaber über die Armee von Granada, zu welcher unter Urdineta Flüchtlinge aus Venezuela stießen, ernannt, rückte er vor Bogota, erstürmte es im Sept. 1814 u. zwang es sich der Generalregierung zu unterwerfen, worauf ihn der Congreß zum Generalcapitän von Neu-Granada u. Venezuela ernannte. Aber dieser Ernennung widersetzte sich die Provinz Cartagena, ja als Bolivar gegen Sta. Marta vorrückte, um diese wichtige Seestadt, den Brennpunkt der royalistischen Offensive, den Spaniern zu entreißen, verweigerte Castillo, der Befehlshaber von Cartagena, jede Mitwirkung. Jetzt entbrannte der Bürgerkrieg aufs Neue; im Juni 1815 belagerte Bolivar Cartagena vergeblich, während die Spanier von Sta. Marta aus einen großen Theil dieser Provinz besetzten u. jetzt auch der spanische General Morillo mit 10,000 Mann alter Truppen aus Spanien bei Sta. Marta landete. Bolivar, dessen Heer sehr geschwächt war, überließ es dem General Castillo Cartagena zu vertheidigen u. flüchtete sich nach Jamaika. Morillo erschien schon im Juli 1815 vor Cartagena, begann aber erst im November den eigentlichen Angriff; am 11. Nov. schnitt er die Stadt von den sie beherrschenden Forts ab; bald herrschte in der Stadt große Noth u. am 5. Dec. verließen 2000 Einwohner auf 11 Schiffen die Stadt, trieben das spanische Geschwader zurück, nahmen die Besatzung der Fort K auf u. entkamen nach Hayti. Morillo zog in Caracas ein, u. nachdem er hier ein permanentes Kriegsgericht niedergesetzt hatte, um die zurückgebliebenen Einwohner zu richten, drang er gegen den Süden vor, schlug die ihm entgegengesendeten Truppen des Congresses bei Cachiri u. zog im Juni 1815 in Bogota ein. So standen um die Mitte des Jahres 1816 die Angelegenheiten Columbias sehr schlecht, sowohl die Häfen als die größeren Städte des Landes waren alle in spanischen Händen; indeß regte sich an anderen Orten der Geist der Empörung, u. durch Morillos Grausamkeit aufgereizt, bildeten sich überall Guerrillas, welche den Spaniern viel Schaden zufügten. Bes. gefährlich für die Spanier wurde die Insel Margarita, der westliche Theil derselben wurde von dem Guerrillasanführer Arismendi zu Anfang des Jahres 1816 erobert u. hier die Wiege des neuen Freistaates gegründet. Ein kleines Fischerdorf, seit der Befreiung Sparta nuova genannt, wurde befestigt, u. bald hatten sich Tausende von Flüchtlingen dort gesammelt; hier traf auch Bolivar aus Hayti ein, welcher zwei bewaffnete Schiffe, mit Kriegsvorräthen aller Art erfüllt, den Independenten zuführte; er landete mit einem kleinen Heere zwischen la Guayra u. Puerto Cabello, theilte dasselbe in zwei Hälften, u. während er mit einem Theile an der Küste blieb', um die Sklaven militärisch zu organisiren, drang der andere Theil unter dem Schotten Mac Gregor gegen das Innere des Landes vor. Aber Bolivar wurde vom General Morales bei Ocumare geschlagen u. eilte nach Hayti zurück. Mac Gregor dagegen war während der Zeit gegen Neu-Barcelona vorgedrungen, hatte sich mit den Guerrillasführern Piar u. Bermudez verbunden u. am 20. Sept. 1816, 6 Meilen von Barcelona, den General Morillo geschlagen. Der östliche Theil der Insel Margarita war mit der kleinen Festung Pampatas noch in spanischen Händen u. wehrte sich hartnäckig, aber am 2. Nov. sahen sich die Royalisten genöthigt sie zu räumen. Im Dec. 1816 kam Bolivar mit neuen Verstärkungen u. Vorräthen von Hayti an, berief nach Margarita einen Generalcongreß von Venezuela u. errichtete in dem von ihm besetzten Neu-Barcelona eine Provinzialregierung. Zu Anfang des Jahres[51] 1817 griff zwar Morillo Neu-Barcelona wiederholt an, wurde aber jedesmal zurückgetrieben, u. als er sich endlich zurückziehen wollte, wurde er von dem Parteigänger Paëz bei S. Fernando am Apure geschlagen, wodurch das Land bis an den Orinoco in die Hände der Patrioten fiel. Aber diese Vortheile sollten denselben nicht lange bleiben. Bolivar wurde am 10. April 1817 bei Sameno von Morillo besiegt u. zum Rückzug nach Margarita genöthigt; selbst Neu-Barcelona ging wieder verloren u. blos durch Paëz rastlose Streifzüge wurde noch die Hoffnung auf Befreiung auf dem festen Lande Columbiens aufrecht erhalten. Am 13. Juli 1817 landete Morillo mit fast 5000 Mann auf Margarita, sah sich aber, von allen Seiten angegriffen u. fortwährend beunruhigt, nach zwei Monaten zum Rückzuge genöthigt. Kurz nachdem Morillo's Plan hier mißgeglückt war, war die Hauptstadt des spanischen Guayana, Angostura, in die Hände des Guerrillasführer Piar gefallen, u. von hier aus beschloß Bolivar, welcher am Schlüsse des Jahres 1817 von dem auf Margarita versammelten Congreß zum Oberdirector von Venezuela mit dictatorischer Vollmacht ernannt worden war, Venezuela u. Neu-Granada zu befreien. In England ließ er zu diesem Zwecke Briten, Deutsche u. Irländer werben u. nach Angostura einschiffen, u. auch auf Margarita fanden sich viele britische Offiziere ein (English, d'Cvereux, Uslar, Lyster u. A.), welche der jungen Republikihre Dienste anboten. Bolivar begab sich zu Ende des Jahres 1817 selbst nach Angostura u. brach am 31. Dec. 1817 mit 4500 Mann von dort auf, zog dem Orinoco aufwärts u. vereinigte sich mit den Guerrillasführern Cedeno u. Paëz, welche jetzt in dieser Gegend befehligten, da Piar kurz vorher einer Meuterei wegen hingerichtet worden war. Bolivar wendete sich hierauf nördlich u. erschien am 11. Febr. 1818 vor Calabozo, wo Morillo sich verschanzt hatte; hier kam es zu blutigen Gefechten, denen zu Folge die Spanier sich am 15. Febr. zurückzogen. Bolivar verfolgte sie, schlug sie am 17. Febr. bei Sombrero u. zwang Morillo bis nach Valencia zurückzuweichen. Während sich nun Paëz u. Cedeno gegen S. Fernando am Apure wendeten, ging Bolivar nördlich, um seinen Verstärkungen auf Margarita näher zu kommen, aber Morillo warf sich ihm entgegen, u. es kam am 13. u. 17. März bei la Cabrera, Maracay u. la Puerta zu hitzigen Gefechten. Am 20. März vereinigte sich Bolivar wieder mit Paëz u. Cedeno, eroberte am 26. die Höhen von Ortiz, nördlich von Calabozo, u. zwanz so die Spanier zum Rückzuge, auf welchem sie aber Calabozo wieder eroberten. Am 17. April kam es am Rio de los Cojedos zwischen Morillo u. Paëz zu einem blutigen Gefechte, welches unentschieden blieb, in dessen Folge aber noch im April Calabozo wieder in die Hände Bolivars fiel. Während Spanier u. Patrioten in dieser Gegend um ihre Existenz kämpften, zog sich im Nordosten Südamerika's ein neues Ungewitter über die Ersteren zusammen. General Nariño (s. oben S. 50) hatte sich aus seinem Gefängniß in Cadix zu befreien gewußt u. war in Maturin erschienen. Von Trinidad aus unterstützt, bemächtigte er sich des Hafenplatzes Cariaco, u. am 24. Juli 1818 fiel auch der kleine Hafen Guyria in die Hände des republikanischen Admirals Brion, welcher kurz zuvor eine spanische Flotille zerstreut u. mehre Schiffe mit Kriegsmaterial erobert hatte. Paëz streifte bis nach Coro, u. schlug die dortigen Royalisten. Im November brach auch in dieser bisher treu gebliebenen Provinz ein Aufstand aus; die Milizen empörten sich unter Santander gegen die Spanier. In Folge dieser neu auftretenden Feinde sah Morillo sich genöthigt sein Hauptquartier nach S. Carlos, südwestlich von Valencia, zu verlegen, wo Calzada mit 1300 Mann zu ihm stieß, mit denen er die Provinz Varinas besetzt gehalten hatte, die er aber, von Paëz gedrängt, verlassen mußte. So war jetzt nicht nur ein großer Theil von Venezuela, sondern auch die zu Neu-Granada gehörige Provinz Casanare wieder im Besitze der Republikaner, u. der von Bolivar niedergesetzte Regierungsrath zu Angostura erklärte am 20. Nov. 1818 in einer Proclamation, daß Venezuela nie der spanischen Herrschaft sich wieder unterwerfen würde. Bolivar berief einen neuen Congreß für Venezuela nach Angostura, welcher am 18. Febr. 1819 eröffnet wurde; hier legte er seine Dictatur über Venezuela in die Hände des Kongresses u. behielt blos den Oberbefehl über das Heer bei. Übrigens waren die Aussichten für die Republik damals sehr trübe; Morillo hatte nämlich mit Anfang des Jahres 1819 S. Carlos verlassen, den General Paëz in die Stromebenen gedrängt u. dann am 20. Jan. bei S. Fernando den General Nariño geschlagen, wodurch die unmittelbare Verbindung zwischen Angostura u. der Nordküste wieder verloren ging. Nun beschloß er' die republikanische Hauptarmee, welche unter Paëz westlich von Angostura an den Ufern des Arauca stand, von Angostura abzuschneiden. Er war deshalb über den Apure gegangen, aber Mangel an Lebensmitteln u. Paëz' geschicktes Operiren vereitelten seinen Plan u. zwangen ihn sich nach Achaguas, 8 Meilen von S. Fernando, zurückzuziehen. Von hier entsendete er den Obersten Arana mit 1500 M. gegen den Sitz des Congresses, aber dieses Corps wurde von Nariño bei Sta. Cruz vernichtet. Eben so ging es 600 Spaniern, welche zur Verstärkung des Arana'schen Corps abgeschickt worden waren. Dennoch behauptete Morillo mit etwa 6000 M. seine Stellung, u. obwohl im Mai von Bolivar zu ermüdenden Hin- u. Hermärschen gezwungen, wich er doch erst Ende Juni nach S. Carlos zurück, um die Straße nach Puerto Cabello zu decken. Am 14. Juli 1819 eroberte English mit 1200 M. Neu-Barcelona von den Spaniern u. am 20. schlug Paëz eine Abtheilung von Morillo's Truppen. Inzwischen war Bolivar selbst mit einem kleinen Corps über den 11,000 Fuß hohen Bergrücken von Pispo gegangen u. hatte sich am 15. Juni mit Santander in der Provinz Casanare vereinigt. Nach einem beschwerlichen Marsche von 29 Tagen erreichte er mit kaum 1000 M. das Thal von Tunja, schlug aber dennoch 3600 Spanier am 25. Juli bei Pantano de Bargas u. am 7. Aug. nochmals bei Boyaca, südlich von Tunja, u. zog am 10. Aug. in Bogota ein. Während seine Unterbefehlshaber die flüchtigen Spanier nordöstlich bis an den Magdalenenstrom u. südwestlich bis über Popayan hinaus verfolgten, wodurch die Provinzen Neyva, Popayan, Mariquita u. Antioquia befreit wurden, welche sich sogleich dem wiedergeschaffenen Freistaate anschlössen, stellte Bolivar in Bogota Ruhe u. Ordnung her u. kehrte dann nach Angostura zurück, wo er im Dec. 1819 eintraf. Der dort versammelte Congreß decretirte nun am 17. Dec., daß von nun an die Länder Neu-Granada u. Venezuela[52] einen einzigen u. ungetheilten Freistaat unter dem Namen Columbia bilden sollten, dessen Präsident Bolivar bis zur Versammlung eines National-Congresses mit dictatorischer Gewalt bekleidet sein sollte. Dieser Congreß aber sollte sich erst mit Anfang von 1821 in der Stadt Rosario de Cucuta versammeln.

So war zu Ende des Jahres 1819 die Republik Columbia gegründet, aber ihre Befreiung von der spanischen Herrschaft noch nicht vollendet; Bolivar rüstete, um im folgenden Jahre das Wert zum Ziele zu führen. Schon am 24. December 1819 verließ er Angostura, wo Antonio Roscio als Vicepräsident der Regierungsjunta zurückblieb, u. begab sich zu dem Heere, mit welchem Paëz dem General Morillo gegenüber stand. Schon war eine Division aus Neu-Granada unter Soublette zu den Republikanern gestoßen u. von Osten her waren Arismendi u. Bermudez im Marsche gegen Calabozo, um sich mit Bolivar zu vereinigen. Am 5. Februar 1820 fiel diese Stadt, welche der spanische General Morales besetzt hielt, in Bolivars Hände u. am 16. März landeten unter Montillo 1000 M. von Margarita aus bei la Hacha, welches jetzt zu Wasser u. zu Lande eingeschlossen wurde. Hier erhielt Morillo die Nachricht von der in Spanien ausgebrochenen Revolution u. der Einführung der Cortes, auf deren Grund hin er Unterhandlungen mit dem noch zu Angostura versammelten Congreß versuchte. Unter dem 17. Juni lud er denselben im Namen des Königs ein zum Zweck einer Aussöhnung Commissarien nach Spanien zu schicken. Der Congreß erklärte aber unter dem 10. Juli 1820, daß eine Unterhandlung blos auf Basis der Anerkennung des Freistaates stattfinden könne. Während der Zeit hatte Bolivar, dessen Hauptquartier in Achaguas war. von Bogota aus den General Sucre mit 6000 M. über Popayan gegen Quito in Bewegung gesetzt, um die Südgrenze der Republick zu decken, u. auch im Nordwesten ruhten die Waffen nicht. Am 8. Juli fiel der Hafen Sabanilla, zwischen Sta. Marta u. Cartagena, in die Hände des Admirals Brion u. des Obersten Montillo, Cartagena selbst wurde zu Wasser u. zu Lande blockirt u. so das flache Land des Nordens von Neu-Granada für die Sache der Freiheit gewonnen. Ein Schwarzen, Namens Massa, fuhr um dieselbe Zeit mit 8 kleinen Schiffen von Honda aus den Magdalenenstrom hinab, erbeutete in Tenerife 15 spanische Kanonenboote u. sicherte so den ganzen Lauf des Stromes für die Patrioten. Morillo, dessen Truppen zwischen S. Carlos u. Calabozo concentrirt waren, begann neue Unterhandlungen mit Bolivar, welcher im August 1820 sein Hauptquartier nach S. Cristoval verlegt hatte, u. in Folge derselben wurde am 9. September zu Rosario de Cucuta ein Waffenstillstand auf einen Monat geschlossen, welcher aber, da Bolivar vor Allem auf Anerkennung der Republik bestand, zu keinem Resultat führte. Der Kampf begann nach Ablauf des Monats von Neuem, u. zwar von Seiten der Republikaner durch die Eroberung des Forts Cienega, unweit Sta. Marta, welches der Oberst Careño am 11. October 1820 erstürmte, worauf sich am 12. October Sta. Marta ergab. Da sich zu Kiefer Zeit unter den spanischen Truppen eine für die Republikaner günstige Stimmung zeigte u. mehre Milizabtheilungen u. selbst ein spanisches Bataillon zu denselben überging, von den andern Regimentern die Leute aber in großer Anzahl desertirten, so begann Morillo von Neuem Unterhandlungen mit Bolivar, u. es ward am 25. November zu Sta. Anna, einem Dorfe bei Truxillo ein neuer Waffenstillstand auf 6 Monate abgeschlossen. Bolivar u. Morillo verabredeten persönlich die Bedingungen, welche auch treu erfüllt wurden u. so diesen Kampf vorläufig beendigten. Gleich nach Abschluß der Waffenruhe wurde Morillo, nach Spanien zurückberufen; er übergab deshalb den Oberbefehl an la Torre u. schiffte sich am 15. December von zwei columbischen Abgesandten begleitet, welche unter Vermittelung Englands den Frieden unterhandeln sollten, nach Cadix ein. Da indeß die Cortes von Spanien eben so wenig, als der unumschränkte König vorher, geneigt waren die Republik Columbia anzuerkennen, so begann zu Anfang Mai 1821 der Krieg von Neuem. Die spanischen Generale la Torre u. Morales hatten ihre sehr geschwächte Armee zwischen Valencia u. Calabozo gesammelt u. deckten Puerto Cabello; da sie aber durch diese Stellung Caracas unbeschützt ließen, so fiel dieses in die Hände des republikanischen Generals Bermudez, welcher jedoch von Morales nach einigen Tagen wieder daraus vertrieben wurde. Dagegen blieb der Hafen Coro, welcher am 20. Mai 1821 von Urdaneta besetzt wurde, in der Gewalt der Patrioten; Maracaybo wurde durch den Admiral Brion eingeschlossen. Bolivar hatte die Zeit des Waffenstillstandes trefflich benutzt; seine Truppen waren durch britische u. deutsche Offiziere auf europäischen Fuß organisirt u. mit allem Kriegsmaterial reichlich versehen worden. Am 25. Mai vereinigte er bei Varinas sein Heer mit dem Paëzschen Corps, welches meist aus Reiterei bestand, u. rückte nordöstlich gegen Valencia vor. Am 24. Juni kam es bei Carabobo, auf der Ebene von Tinaquilla, zur Schlacht, in welcher die Spanier geschlagen wurden; die Trümmern ihres Heeres flüchteten sich nach Puerto Cabello, welches von den Patrioten sogleich eingeschlossen wurde. Dieser Sieg entschied die Befreiung dieser Landstriche von der spanischen Herrschaft. Schon am 4. Juli, ergab sich die Hauptstadt Caracas, u. bis auf Puerto Cabello, Cumana, Maracaybo u. Cartagena war nun ganz Columbien von den Spaniern befreit. Bolivar rückte jetzt vor Cartagena u. ließ am 3. August das Fort Boca-Chica erstürmen, worauf sich am 26. September diese wichtige Stadt an den General Montillo ergab. Auch Cumana, seit dem 25. September von Bermudez belagert, capitulirte am 16. October.

Während so die spanische Macht gebrochen wurde, war am 1. Mai 1821 der constituirende Nationalcongreß zu Rosario de Cucuta eröffnet worden, welcher die 1819 zu Angostura entworfene Verfassung einer Revision unterwarf. Bolivar wurde zum Präsidenten, Santander zum Vicepräsidenten gewählt u. Bogota einstweilig zum Sitz des Congresses bestimmt. War nun auch der Rest der spanischen Armee nicht mehr im Stande im offenen Felde den Columbiern entgegenzutreten, so that doch Morales, in der Hoffnung von Spanien aus bald Hülse zu erhalten, sein Möglichstes. um das Land für Spanien zu erhalten. Im November 1821 verließ er Puerto Cabello mit einigen Transportschiffen u. beunruhigte die westlichen Küstengegenden durch unaufhörliche Streifzüge. So fiel[53] Maracaybo, welches sich im April 1822 an die Republikaner ergeben hatte, am 5. Juli 1822 in seine Hände u. kurz darauf bemächtigte er sich auch der Stadt Sta. Marta. Da aber Montillo von Cartagena aus gegen ihn anrückte, so schiffte er sich in Coro ein, kam nach Puerto Cabello zurück u. übernahm dort an la Torre's Stelle, welcher nach Spanien zurückberufen worden war, den Oberbefehl. Durch seine Erfolge im Westen kühn gemacht, versuchte er mit 2000 M. gegen Valencia u. Caracas vorzudringen, wurde aber von Paëz am 11. August bei den Höhen von Birgirama geschlagen u. zur Flucht nach Puerto Cabello gezwungen. Trotz dieses Unfalls ruhte Morales nicht. Am 11. September 1822 liefen einige spanische Kanonenböte, von dem Commodore de la Borda befehligt, aus Puerto Cabello aus, zerstreuten das columbische Blockadegeschwader u. nahmen den Befehlshaber desselben, Daniels, gefangen, worauf sich Morales mit einem Theile seiner Truppen nach Maracaybo einschiffte, welches außer Puerto Cabello jetzt der einzige Ort war, welchen die Spanier noch besetzt hielten. Porto Cabello wurde im October 1822 von dem columbischen Commodore Padilla zur See u. von Lyster zu Lande eng eingeschlossen; 1823 begann auch die Belagerung von Maracaybo. Letztere Stadt beschützten die Kanonierboote la Borda's, aber am 22. Juli 1823 mußte der Commodore sich mit seiner Flotille dem Admiral Padilla ergeben, worauf die Stadt am 10. August capitulirte; Morales schiffte sich mit dem Überreste der Besatzung nach der Havannah ein. Die Belagerung von Puerto Cabello unter Paëz ging nur langsam vorwärts, u. obgleich schon im Mai 1823 der Wachtthurm Mirador de Solano überging, so fiel doch erst am 10. November 1823 das zweite Hauptfort S. Felipe u. gleich darauf die Stadt in die Hände der Columbier. So war jetzt das ganze Gebiet der Republik von den Spaniern befreit u. 1824 wurde dieselbe von Großbritannien anerkannt.

Mit Columbien vereinigten sich die Bewohner der Landenge von Panama; sie hatten sich am 28. November 1821 für unabhängig erklärt u. als ein Bestandtheil der Republik angeschlossen. Bei der gänzlichen Zerrüttung, welche in Spanien herrschte, hatte von dorther die Republik nichts zu fürchten; die einzige Gefahr, welche ihr von Außen drohte, kam von Peru her, wo die Spanier noch sehr ansehnliche Streitkräfte versammelt hatten. Deshalb hatte Bolivar schon 1820 den General Sucre mit 6000 M. zur Deckung der Südgrenze abgeschickt u. jetzt faßte er den Plan auch Peru vom Feinde zu befreien. Im Jahre 1822 ging Sucre durch den Paß bei Otacalo u. drang in der Provinz Quito ein, wo der spanische General Murgeon zwischen Pasto u. Quito auf den Höhen von Hualco stand. Am 7. April wurden die Spanier aus ihrer Stellung vertrieben u. Murgeon gezwungen in den Schluchten des Pichincha Schutz zu suchen, wo er an seinen Wunden starb. Die Sieger drangen vor u. erfochten am 24. Mai 1822 an dem Vulkan Pichincha einen entscheidenden Sieg, welcher die Befreiung der Provinz Quito zur Folge hatte. Am 25. Mai ergab sich die Hauptstadt Quito, am 8. Juni S. Pasto; Sucre drang bis an die Grenze von Peru vor u. schlug bei Rio Bamba am Fuße des Chimborasso noch einmal die Spanier, wodurch er die Befreiung Quito's vollendete. Bolivar war am 3. Juni in Quito eingezogen u. hatte sich von hier aus mit San Martin, dem Befreier Chile's, in Unterhandlungen eingelassen, welche die Befreiung Peru's bezweckten. Um diesem näher zu kommen, begab er sich im Juli nach Guayaquil, welche Stadt sich mit der Provinz gleiches Namens schon seit 1820 für unabhängig erklärt hatte u. nun ein Bestandtheil der Republik Columbia wurde. Am 26. Juli 1822 fand zwischen Bolivar u. San Martin eine Zusammenkunft in Guayaquil statt, um sich über die Wahl der Maßregeln zur gänzlichen Befreiung Südamerikas zu entscheiden.

IV. Befreiung Peru's. Der Geist der Uneinigkeit, welcher in den Provinzen des Rio de la Plata herrschte, hatte schon 1817 die Plane des Generals San Martin, Oberperu zu befreien, vereitelt, seitdem hatte er in Chile die spanische Herrschaft zerstört u. nahm nun zu Ende 1819 seine großen Projecte wieder auf. Zu diesem Ende reiste er im Januar 1820 von Mendoza nach Chile u. befehligte auch seine in Mendoza versammelten Truppen dahin. Blos 2 Cavallerieregimenter folgten seinem Befehle u. trafen im Februar 1820 in Rancagua ein, die Infanterie aber zerstreute sich u. schloß sich Parteigängern an od. kehrte in die Heimath zurück. San Martin wurde von der Regierung von Buenos-Ayres zurückberufen, aber er verweigerte den Gehorsam u. schnitt sich so jede Unterstützung von dorther zur Ausführung seiner Plane ab. Um sich indessen die Treue seiner in Chile stehenden Truppen zu versichern, erließ er am 10. März 1820 einen Tagesbefehl an sie, in welchem er ihnen offenbarte, daß in Buenos-Ayres Anarchie herrsche, daß keine Negierung sich länger als höchstens einen Monat halte u. demnach seine Vollmacht als Oberbefehlshaber erloschen sei. Er legte deshalb den Befehl nieder u. ermächtigte die Offiziere der Armee einen neuen Obergeneral zu wählen, wurde aber an demselben Tage wieder einstimmig zum Oberbefehlshaber ausgerufen. Am 16. Aug. 1820 waren in Valparaiso gegen 5000 M. zu Pferde u. zu Fuße versammelt, welche am 21. Aug. mit 12 Kanonen, unter Bedeckung von chilenischen Kriegsschiffen, unter Segel gingen. Am 7. Sept. ankerte die Flotte in der Bai von Pisco, worauf Pisco am 8. September von dem chilenischen Obersten de la Heras besetzt u. hierher am 13. Septbr. San Martins Hauptquartier verlegt wurde. Die Einwohner zeigten sich den Spaniern überall sehr abgeneigt u. die Patrioten, welche vom 5. bis zum 15. October unter Arenales die Küste von Pisco bis Iça u. Changuilla besetzten, wurden überall mit Freude empfangen. Die Chilenoflotte, unter Lord Cochrane erschien am 29. October vor der Callaobai u. blockirte dort die ganze spanische Seemacht des Stillen Meeres, u. Tags darauf verließ auch San Martin mit der Transportflotte Pisco u. segelte in die Bucht Ancon, unweit Callao, von wo aus seine leichten Truppen bis an die Nähe der Hauptstadt Lima streiften. Die kriegführenden Parteien hielten sich indessen beide auf der Defensive, u. obgleich einzelne Peruaner sich zu den Fahnen der Patrioten stellten, so war doch ein Aufstand in Masse gegen die Spanier nicht zu bewirken. Die Regierung von Guayaquil dagegen eröffnete dem General San Martin unter dem 4. November, daß sie sich für unabhängig erklärt habe u. ihre Hülfsquellen zu seiner Verfügung stelle. Auf diese Nachricht[54] begab sich das Hauptquartier der Patrioten am 9. November nach Huaura, welches nur 12 Meilen von Lima entfernt ist. Zu derselben Zeit (5. November) drang der Admiral Cochrane mit 14 Booten in den Hafen von Callao ein u. holte aus demselben das einzige Linienschiff, welches die Spanier im Stillen Meere hatten. Durch diesen kühnen Handstreich wurde die spanische Flotte, welche noch aus 1 Fregatte, 2 Schaluppen u. 40 Kanonenbooten bestand, so eingeschüchtert, daß sie nicht mehr wagte gegen Cochrane zu kreuzen u. dieser so Herr der ganzen Küste blieb. Diese Unglücksfälle verbreiteten Schrecken unter den Royalisten u. die spanischen Befehlshaber, welche eine Kriegsjunta gebildet hatten, entsetzten Ende Januar 1821 den unfähigen Pezuela seines Postens als Vicekönig u. ertheilten denselben dem General La Serna. Ob nun gleich die spanische Macht in beiden Perus sich auf 23,000 M. belief, von denen in Oberperu nur 6000 standen, so war doch die Stellung des neuen Vicekönigs inmitten einer feindlichen Bevölkerung so kritisch u. die Armee theilweise so unzuverlässig, daß auch er sich genöthigt sah am 12. Mai 1821 auf einen Waffenstillstand anzutragen, welcher ihm 23. Mai von San Martin auch auf 20 Tage bewilligt wurde. Nach Ablauf der Waffenruhe nöthigten zahlreiche Guerrillashaufen den Vicekönig am 6. Juli die Stadt zu räumen u. sich in das Innere zurückzuziehen, worauf am 9. Juli San Martin an der Spitze seiner Truppen in Lima einzog, am 28. Juli die Unabhängigkeit Perus proclamirte u. am 13. August zum Protector der neuen Republik erwählt wurde. Obgleich er nun viel Eifer u. Thätigkeit für das Wohl des Staates bewies, so that er doch für die Vertreibung der Spanier nur wenig. Dazu kam, daß zwischen ihm u. Cochrane Streitigkeiten ausbrachen; Cochrane verlangte nämlich große Summen zur Bezahlung seiner Seeleute u. bemächtigte sich, da diese der Protector verweigerte, des spanischen aus Lima den Hafen Ancon geflüchteten Schatzes (250,000 span. Piaster). Auch über die Festung Callao veruneinigten sie sich, indem Einer dem spanischen Befehlshaber General de la Nar günstigere Anerbietungen als der Andere machte. Inzwischen erschien am 9. September der spanische General Canterac mit 4000 M. plötzlich vor der Festung, vertrieb die Patriotenarmee, welche dieselbe blockirte, zog den besten Theil der Besatzung, des Feldgeschützes u. der Munition nebst dem Schatz heraus u. damit wieder ins Innere ab. Am 21. September 1821 wurden endlich die Forts von Callao an San Martin übergeben, die Bedingungen der Capitulation aber von demselben nicht pünktlich erfüllt, worüber es zwischen ihm u. Cochrane wieder zu Streitigkeiten kam, welche der Protector dadurch beendigte, daß er am 26. September kraft einer geheimen Vollmacht der Regierung von Chile dem Admiral Befehl gab die Küste Perus zu verlassen. Dieser verfolgte hierauf einige spanische Schiffe bis Kalifornien u. lehrte dann nach Chile zurück, trat aber im Juni 1822 als Großadmiral des Kaisers in brasilianische Dienste. San Martin, der Regierung von Peru überdrüssig, that weiter nichts, um die Vertreibung der Spanier zu vollenden, u. blos der Uneinigkeit, welche unter den spanischen Generalen herrschte, hatte er den fortwährenden Besitz von Lima zu danken. Er trat, nachdem im Juli 1822 eines seiner Corps bei Pisco geschlagen worden war, mit Bolivar in Unterhandlung u. hatte deshalb mit diesem am 26. d. M. eine Zusammenkunft in Guayaquil. San Martin kam von dort am 19. August nach Lima zurück, legte am 20. September sein Amt als Protector nieder u. schiffte sich nach Chile ein, von wo aus er nach Europa reiste. Nach seiner Abreise wählte der Congreß eine Junta gobernativa, welche aus dem General de la Mar, der aus spanischen Diensten übergetreten war, Felipe Alvarado u. dem Grafen Vista Florida (Salazar) bestand. Die neue Regierung dachte weniger an die Befreiung des ganzen Landes, als nur an die Oberperu's von den Spaniern, wo der spanische General Valdez 6000 Spanier befehligte. Dahin wurde also im November 1822 der General Rudesindo Alvarado mit 4000 M. eingeschifft u. zugleich der General Arenales befehligt, die Spanier, welche im Thale Jauja standen, zu bedrohen u. zu verhindern an Valdez Verstärkung zu schicken. Alvarado landete in Arica u. drang eine Strecke weit im Lande vor, wurde aber am 23. Jan. 1823 bei Tarata, nordöstlich von Arica, von Valdez geschlagen. Als die Nachricht von diesem Unfälle in Lima eintraf u. bei der Armee Arenales' bekannt wurde, welche einige Meilen von Lima unthätig stehen geblieben war, so traten die Generale u. Stabsoffiziere derselben zusammen u. überreichten am 26. Februar 1823 dem Congreß eine, Vorstellung, worin sie auf Absetzung der Regierungsjunta u. auf Ernennung des Obersten de la Riva Aguero zum Präsidenten antrugen. Diesem Verlangen wurde auch am 27. Februar vom Congreß Folge gegeben. Darauf lehrte Arenales nach Chile zurück u. Santa Cruz übernahm den Oberbefehl über die peruanische Armee. Sowohl Riva Aguero als auch Santa Cruz zeigten die größte Thätigkeit, u. da zu Anfang Mais aus Guayaquil 3000 M. columbische Truppen unter Sucre in Lima ankamen, so würden die Peruaner von dem spanischen General Canterac, welcher im Thale Jauja mit 9000 M. stand, nichts zu fürchten gehabt haben, wenn nicht Riva Aguero ebenfalls sein ganzes Streben auf die Befreiung von Oberperu gerichtet hätte. Es wurde eine Expedition von 5000 M. ausgerüstet, mit welcher Santa Cruz am 25. Mai 1823 in Callao unter Segel ging u. am 15. Juni in dem Hafen Iquique landete. Aber kaum war dieses Corps abgegangen, als Canterac aus dem Thale Jauja aufbrach u. über die Anden gegen Lima zog. Die Nachricht von diesem Marsche verbreitete in Lima allgemeinen Schrecken; zwischen dem Präsidenten u. dem Congreß brachen Uneinigkeiten aus, u. Letzter übertrug dem General Sucre den Oberbefehl über die wenigen Truppen mit fast dictatorischer Vollmacht, worauf er sich nach Callao flüchtete, wohin sich auch Sucre mit etwa 5000 M. zurückzog. Am 18. Juni 1823 rückte Canterac mit 8–9000 M. in Lima ein u. ließ am 20. Juni Callao zu Lande blockiren. Am 22. Juni entsetzte der Congreß den Präsidenten Riva Aguero seiner Würde u. befahl ihm das Gebiet von Peru zu verlassen; der Expräsident ließ sich mit seinen Anhängern in Truxillo nieder, u. Sucre blieb nun im ungestörten Besitze der Dictatur. Canterac hatte 3 Bataillone zur Unterstützung des Generals Valdez nach Oberperu geschickt, u. da Santa Cruz damals dort bedeutende Fortschritte machte u. Canterac fürchten mußte abgeschnitten zu werden, so räumte er nach einigen [55] Wochen Lima wieder u. ging über die Anden zurück. Bolivar, welcher von dem Congreß von Columbia die Erlaubniß erhalten hatte nach Peru zu gehen, schiffte sich mit einigen Truppen in Guayaquil ein u. kam am 1. September 1823 in Lima an. In Peru herrschte damals eine große Verwirrung. Bei weitem der größte Theil des Landes war noch unter spanischer Herrschaft, blos der lange 12 Meilen breite Landstrich an der Küste des Stillen Meeres war in den Händen der Patrioten. Aber auch unter diesen waren Uneinigkeiten ausgebrochen. Der Congreß in Callao, welcher nach Canteracs Abzug sogleich nach Lima zurückgekehrt war, hatte den Marquis de Torre Tagle zum Präsidenten erwählt, aber Riva Aguero kam mit seinen Anhängern aus Truxillo nach Callao zurück, eröffnete dort einen Gegencongreß u. zog Truppen zusammen, um seine Gegner zu bekriegen. Da Bolivar nach seiner Ankunft in Lima sogleich die oberste Leitung aller Civil- u. Militärangelegenheiten übernahm, so hatte Peru jetzt einen Dictator, zwei Präsidenten u. zwei Congresse. Der Congreß in Lima gab am 13. November 1823 der Republik eine Verfassung, welche kurz darauf proclamirt u. beschworen wurde, während Bolivar mit einem Truppencorps gegen Riva Aguero auszog, welcher im Norden 3000 M. versammelt hatte. Aguero wurde, nachdem sich die Truppen für die Regierung erklärt hatten, am 25. November 1823 gefangen genommen u. darauf verbannt (er ging nach Europa), seine Truppen nahmen unter Bolivar Dienste, welcher jetzt die umfassendsten Maßregeln zur Vermehrung des Heeres traf. Aber trotz aller Thätigkeit vermochte Bolivar nicht den Verlust der wichtigen Festung Callao zu verhindern, welche in Folge einer am 7. Februar 1824 ausgebrochenen Meuterei in spanische Hände fiel. Die Besatzung, meist aus Truppen von Buenos Ayres u. Chile bestehend, verlangte ihren rückständigen Sold u. freie Überfahrt nach ihrem Vaterlande, u. da der Gouverneur Alverado ihren Forderungen nicht willfahrte, so empörte sich die Garnison u. sperrte die Offiziere u. den Gouverneur ein, befreite dagegen den gefangenen spanischen Obersten Casa Riego am 10. Februar u. übergab demselben den Befehl über die Festung. Am 18, Febr. ließ dieser die spanische Fahne aufpflanzen u. lud den General Canterac, welcher noch im Thale Jauja stand, ein die Festung in Besitz zu nehmen. Dieser schickte den General Monet dahin ab, welcher die Festung am 3. März 1824 besetzte. Am 10. Februar 1824, als sich der Congreß in Lima nicht mehr zu helfen wußte, ernannte er den General Bolivar zum Dictator von Peru u. löste sich auf. Dieser befand sich damals mit 10,000 M. in Huaras, südöstlich von Truxillo. Schon am 27. Februar war Lima von dem kleinen Patriotencorps, mit welchem es der General Nicochea besetzt gehalten hatte, wieder geräumt u. kurz darauf von dem spanischen General Monet besetzt worden, welcher indessen hierauf den Oberbefehl in Callao dem General Rodil übertrug u. ins Thal Jauja zurückkehrte. Dieser neue Unfall schien das Signal zum Abfall einer großen Anzahl von Patrioten zu sein. Zuerst gingen 4 Schwadronen Cavallerie nebst dem Präsidenten Torre Tagle u. vielen Offizieren zu den Royalisten über. Die royalistische Armee hatte im Mai 1824 folgende Stellung: Canterac stand mit 9000 M. im Thale Jauja u. hatte Lima u. Callao besetzt; Valdez u. Olañeta waren jeder mit etwa 5000 M. in Oberperu. Gegen dieses Heer stand Bolivar, welcher zu Ende Mais seine 10,000 M. aus ihren Cantonnirungsquartieren in Huaras zusammenzog, um mit ihnen angriffsweise zu verfahren. Zuerst erhielt General Miller, der Oberbefehlshaber der peruanischen Cavallerie, Befehl über die Anden zu gehen u. über 1500 Montoneros (die peruanischen Guerrillas zu Pferde), welche das Land um Pasco (nordöstlich von Lima) besetzt hielten, den Oberbefehl zu übernehmen. Mit diesen Montoneros, welche in Schaaren von 50–100 M. vertheilt waren, umgab Miller das spanische Corps im Iaujathale, hielt es durch kleine Angriffe fortwährend in Thätigkeit u. schützte so den Bergwerksdistrict von Pasco vollkommen. Im Juli 1824 setzte sich Bolivar mit der Befreiungsarmee von Huaras aus gegen Pasco in Marsch. Die Armee bestand aus 3 Divisionen Fußvolk (2 columbischen, von den Generalen Lara u. Cordova, u. 1 peruanische, vom General la Mar befehligt), aus der peruanischen Cavallerie unter Miller, der columbischen unter Oberst Caravajal u. den Grenadieren zu Pferd von Buenos Ayres unter Oberst Bruiz; General Nicochea befehligte die ganze Reiterei, General Sucre war Chef des Generalstabes. Während dieses Heer seinen beschwerlichen Marsch über eine sehr hohe, rauhe u. steile Andenkette machte, herrschte Uneinigkeit unter den spanischen Generalen; indessen Valdez mit seiner Division gegen Olañeta zog, welcher sich täglich offener gegen den Vicekönig aussprach, stand Canterac, im Vertrauen auf seine Kräfte, ruhig im Jaujathale, ohne der Patriotenarmee die Engpässe zu verlegen, welche dieselbe zu durchziehen hatte. Er brach erst am 1. August aus seinem Lager auf u. marschirte über Tarma auf Reyes, wo er am 4, August anlangte; aber Bolivar hatte schon am 2. August die Ebene nordwestlich von Pasco erreicht. Dann setzten beide Heere ihren Marsch fort; Canterac rückte am 5. August bis Carhuamayo u. zog sich dann auf die Nachricht, daß Bolivar mit der ganzen Macht gegen ihn anrücke, wieder zurück. Aber am 6. August holten ihn die Patrioten auf der Ebene von Junin ein. Canterac ließ sein Fußvolk den Rückzug fortsetzen, während er selbst mit der Cavallerie die der Patrioten angriff u. über den Haufen warf. Da sich die Spanier aber beim Verfolgen derselben zu weit vorwagten u. zerstreuten, so wurden sie von den herbeieilenden peruanischen Schwadronen im Rücken genommen u. geschlagen. Unter den verwundeten Offizieren der Patrioten war General Nicochea, an dessen Stelle General Miller den Befehl über sämmtliche Cavallerie des Bolivarschen Heeres erhielt. Trotz dieses Sieges zog Bolivar sein Heer am 7. August nach Reyes zurück u. folgte von da über Tarma, Jauja, Huancayo, Guanta u. Guamanga dem General Canterac, welcher blos mit 5000 M. Cuzco erreichte, da auf diesem Rückzuge häufige Desertionen aus seinem Corps vorkamen. Bolivar kam am 24. Aug. in Guamanga an, wo er bis zum 18. September blieb; dann brach er gegen Challuanca, südlich von Guamanga, auf u. machte dort wieder Halt; Anfang Octobers verließ er das Heer, übergab dem General Sucre das Commando, mit dem Befehl bei Andaguaylas u. Abancay Cantonnirungen zu beziehen, u. kehrte nach Lima zurück, um die Ankunft der von Columbia erwarteten Verstärkungen[56] zu betreiben. Die Spanier waren indessen nicht unthätig gewesen; auf die Nachricht von dem Gefechte bei Junin hatte der Vicekönig den General Valdez sogleich zurückberufen; dieser hatte am 17. August bei Lamas ein unentschiedenes Gefecht geliefert u. stand, als er den Befehl zum Rückmarsch erhielt, fast 120 Meilen von Cuzco entfernt, brach aber sogleich auf u. zog in Eilmärschen dieser Stadt zu. Dagegen rückte Sucre blos bis Marmara am Oropes. vor u. recognoscirte die Stellung der Royalisten am jenseitigen Ufer des Apurimar. Miller beobachtete 14 Tage den Feind, indem er den feindlichen Vorposten gegenüber eine Linie von Colquemarca bis Tambobamba besetzt hielt. Indessen aber hatte sich Valdez bei Tinta, in der Provinz Cuzco, mit Canterac vereinigt, worauf la Serna die spanische Armee, welche jetzt in 3 Infanteriedivisionen (Monet, Villalobos u. Valdez) u. der Reiterdivision Ferraz, 13 Bataillone Fußvolk, 1500 Reiter u. 24 Kanonen zählte, bei Agcha, südlich von Cuzco, zusammenzog; Sucre dagegen nahm westlicher bei Lambrama eine weitläufige Stellung ein. Mit Anfang Novembers rückten die Spanier von Agcha über die Bergkette von Colquemarca vor, trieben Miller nach Lambrama zurück, wo er am 6. November eintraf, u. bewegen so Sucre sich nach Casinchigua zurückzuziehen. Da in dieser Gegend sehr vortheilhafte Vertheidigungsstellungen anzutreffen sind, so setzte la Serna seinen Marsch in der begonnenen Richtung nicht fort, sondern suchte auf Umwegen den Patrioten in den Rücken zu kommen, um sie so zum Aufgeben ihrer starken Position zu zwingen. Er ging also über Huancaray nach Guamanga, wohin er am 16. November sein Hauptquartier verlegte; von hier marschirte er aber wieder ab, um sich auf der nach Cuzco führenden Straße aufzustellen. Auch Sucre zog sich auf Guamanga zurück, wendete sich aber am 29. November von Chincheros quer durchs Thal von Pomacochas, setzte über den Rio de las Pampas u. überstieg dann die Höhen, wo er am 1. December bei dem Dorfe Matara bivouakirte. Die königliche Armee blieb den Patrioten stets zur Seite, u. am 3. December wurde Sucre westlich von Matara, im Thale von Cortaguayco, von Valdez angegriffen u. verlor 200 M. an Todten, das ganze Gepäck u. alles Geschütz bis aus eine Kanone. Die Patrioten setzten, von den Spaniern verfolgt, ihren Rückzug fort u. erreichten am Abend des 4. Decembers 1824 Congallo; am 6. kamen sie in dem Dorfe Quinua, 4 spanische Meilen von Guamanga, an, während die Royalisten ihre Parallelbewegung nach den Höhen von Pacaycasa fortsetzten. Am 7. wendete sich la Serna nördlich, besetzte Guamanguilla, 2 Meilen von Quinua, u. schnitt so den Patrioten den weitern Rückzug ab. Am 8. December verließ er Guamanguilla u. besetzte die Höhen von Condorkanti in Kanonenschußweite von Sucre's Lager; u. noch an demselben Abend entspann sich ein Tirailleurgefecht, welches die Nacht über fortdauerte u. die Spanier verhinderte während derselben in die Ebene herabzusteigen. Am Morgen des 9. December kam es auf dem Todteufelde (Rincon de los muertos) od. der Pampa Ayacucho zur Schlacht. Als etwa die Hälfte der spanischen Divisionen Monet u. Villalobos sich in der Ebene formirt hatten, ließ sie Sucre durch die Division Cordova u. 2 Cavallerieregimenter angreifen u. Oberst Silva sprengte mit den columbischen Lanzenreitern die Spanier auseinander. Der Vicekönig wurde gefangen, aber auch Silva fiel mit Wunden bedeckt, die Spanier flüchteten die Höhen von Condorkanki hinan. Valdez griff indeß, den linken Flügel der Republikaner an u. brachte 2 peruanische Bataillone der Division la Mar zum Weichen. Ein columbisches Bataillon, welches zur Unterstützung herbeieilte, wurde ebenfalls geworfen, u. schon hatten die Spanier eine Schlucht überstiegen, welche sie von den Patrioten trennte, u. rückten in Sturmschritt gegen die Peruaner vor, als sich Miller mit seinen Husaren auf sie warf u. so den wankenden Sieg wieder befestigte. Die Kanonen von Valdez' Division wurden erobert, die Reiterei zurückgetrieben, das Fußvolk auseinandergesprengt. Die Schlacht hatte nur 1 Stunde gedauert; 2000 Spanier u. gegen 1000 Republikaner waren todt od. verwundet, die Letztern hatten. 15 Kanonen erobert. Im Folge dieses Sieges capitulirten die Spanier in der Nacht vom 9. zum 10. December 1824 u. ergaben sich unter der Bedingung als Kriegsgefangene, daß sie nach Spanien übergeschifft würden. So war jetzt der größte Theil von Peru u. mit diesem von Südamerika von den Spaniern befreit; in Folge der Kapitulation von Ayacucho ergab sich auch die 1000 M. starke u. von Alvarez commandirte Besatzung von Cuzco, welches am 24. December von Gamarra besetzt wurde, zu Kriegsgefangenen; dagegen suchte in dem südlichsten Departement von Peru, in Puño, der spanische General Tristan die Vicekönigswürde an sich zu reißen, was ihm aber nicht, gelang. Im Februar 1825 kam Sucre nach Puño u. vereinigte diese Provinz mit der Republik Peru. Am 25. Februar 1825 legte Bolivar sein Amt als Dictator von Peru in die Hände des neu versammelten Congresses nieder, welcher ihn aber ersuchte dasselbe noch beizubehalten. Er bereiste dann im April, Mai, Juni u. Juli die Küste bis nach Arequipa u. ging von dort über Cuzco nach la Paz in Oberperu. Überall gab er sich Mühe wohlthätige Einrichtungen zu treffen, bes. nahm er sich der schwer gedrückten Ureinwohner an. In Peru hatten die Spanier jetzt blos noch Callao besetzt; General Rodil, welcher in die Kapitulation von Ayacucho mit eingeschlossen war, weigerte sich gleichwohl dieselbe anzuerkennen, u. obgleich seit dem Juli 1824 zur See. von dem Admiral Guise u. zu Lande durch 4000 Columbier unter Salon, blockirt, ergab er sich doch erst am 19. Januar 1826, nachdem alle Lebensmittel aufgezehrt waren, unter der Bedingung eines freien Abzugs nach Spanien. So war also auch Peru von der spanischen Herrschaft befreit.

V. Befreiung Bolivia's od. Ober-Peru's. Der erste bedeutende Versuch zur Befreiung Ober-Peru's (über die frühern s. oben S. 53), wurde im Oct. 1822 von Peru aus unternommen, wo Alvarado mit 4000 M. in die Puertos intermedios abgesendet (s. oben S. 54), aber schon am 23. Jan. 1823 bei Tarata von Valdez geschlagen wurde. Dadurch nicht abgeschreckt, schickte im Mai 1823 Riva Aguero, der Präsident von Peru, den General Santa Cruz mit 5000 M. wieder von Callao aus dahin ab, welcher am 15. Juni bei Iquique landete u. sich sogleich gegen Arica in Marsch setzte, welcher nur gering besetzte Platz sich auch ohne Widerstand ergab; von hier theilte sich das kleine Heer in zwei Theile, die erste [57] Division überstieg am 23. Juli die hohe Cordillera de Iscuchaca u. näherte sich in nordöstlicher Richtung dem Grenzflusse Desaguadero; die andere Division unter General Gamarra wendete sich südöstlich gegen Cicacica u. Oruro. Santa Cruz zog, nachdem er die Inkabrücke bei Concepcion besetzt hatte, am 7. Aug. glücklich in la Paz ein, das von der spanischen Besatzung geräumt worden war. Am 10. Aug. kam Gamarra mit seiner Division in Calamarca an, von wo er den spanischen General Olañeta vertrieb, der mit 1500 M. aus Potosi dahin marschirt war, ohne von den Bewegungen der Patrioten Kunde zu haben. Unweit Oruro, bis wohin Gamarra vordrang, vereinigte sich der Guerrillasanführer Lanza mit 600 M. mit ihm, der sich sechs Jahre lang an den Quellen des Beni gegen alle Angriffe der Spanier gehalten hatte. Die neue Expedition schien mehr Glück als die erste zu haben; der Oberst Urdiminea stand mit 1000 M. bei Jujuy, im Gebiete von Buenos Ayres, bereit in Ober-Peru einzufallen u. die Peruaner zu unterstützen. Indessen war Valdez, welchem Canterac 3 Bataillone Fußvolk, 400 Reiter u. 2 Feldstücke über die Gebirge zu Hülfe geschickt hatte, von Andaguayles u. Sicuani aufgebrochen u. in 57 Tagen hinter der Andenkette weg bis Puño am Titicacasee vorgerückt. Dennoch blieb Santa Cruz ruhig in la Paz u. wies sogar die Hülfe des columbischen Generals Sucre, der am 21. Juli zu Chala u. Quilca gelandet war, ab, weil er allein mit den Spaniern fertig zu werden hoffte; General Gamarra stand eben so ruhig in Oruro. Als Santa Cruz die Nachricht von Valdez' Anmarsch erhielt, verließ er la Paz u. stellte sich an der Inkabrücke auf, um den Übergang über den Desaguadero zu vertheidigen, u. rückte, nachdem er diese stark besetzt hatte, nördlich bis Zepita vor. Hier kam es am 26. August zwischen einem Theil des spanischen u. des peruanischen Corps zu einem unentschiedenen Gefecht, nach welchem sich beide Theile zurückzogen, Valdez nach Pomota, wo er sich am 28. mit dem Vicekönig Laserna vereinigte, Santa Cruz an die Inkabrücke, um seiner zweiten Division näher zu sein, welche noch in Oruro stand. Die Armee des Vicekönigs zählte jetzt 4500 M., Santa Cruz war, die Guerrillas mitgerechnet, gegen 7000 M. stark, aber seine Macht war getheilt. Nachdem er die Inkabrücke stark verschanzt u. besetzt hatte, zog er gen Oruro u. vereinigte sich am 8. September mit Gamarra. Aber am 3. September war auch der Vicekönig bei Calacota über den Desaguadero gegangen u. hatte am 11. September 1823 Cepulturas unweit Oruro erreicht. Hier bezog er eine feste Stellung, um die Ankunft Olañeta's von Potosi mit 2500 M. zu erwarten, der auch am 14. Sept. zu ihm stieß. An demselben Tage trat Santa Cruz seinen Rückzug gegen die Inkabrücke an, in der Hoffnung Sucre's Division noch vorzufinden; verlor aber, von dem Vicekönig rasch verfolgt, Geschütz, Gepäck u. einen großen Theil der Mannschaft. Dazu hatte der Offizier, welcher die Inkabrücke vertheidigen sollte, dieselbe verlassen, u. nun suchte Santa Cruz mit seinen Truppen über Santa Rosa u. Moquegua den Hafen Ilo zu erreichen. Von 5000 M, welche Callao verlassen hatten, kehrten kaum 1000 nach Peru zurück; Santa Cruz begab sich zum Admiral Guise auf das Admiralschiff O'Higgins. Der Oberst Lanza hatte sich bei Cicacica von der flüchtigen Armee getrennt, gegen 1000 M. gesammelt u. sich östlich in die Gebirge vom Cochabamba gezogen; aber Olañeta, der am 24. September la Paz wieder besetzte, suchte ihn auf u. schlug ihn am 16. October bei Alzuri, unweit Oropesa. Sucre, der währenddessen von Quilca bis Puño vorgerückt war, sah sich jetzt ebenfalls zum Rückzug genöthigt, da die Spanier sich gegen ihn wendeten; er erreichte Quilca, wo er sich mit der Infanterie wieder einschiffte, Miller aber mußte sich mit der Cavallerie längs der Küste nach Lima zurückziehen. Valdez blieb mit seiner Division in Süd-Peru, der Vicekönig kehrte nach Cuzco zurück; Olañeta aber beherrschte mit 5000 M. das unter spanischen Scepter zurückgekehrte Ober-Peru mit Strenge. In Folge der Vorgänge in Spanien sagte er sich von dem Vicekönig los, worauf der Vicekönig Truppen unter Valdez gegen ihn abschickte, um ihn zum Gehorsam zu zwingen. Nach der Kapitulation von Ayacucho wurde Olañeta von Sucre unter dem 1. Januar 1825 eingeladen sich den für die royalistischen Truppen so günstigen Bedingungen der Capitulation anzuschließen, aber er würdigte diese Anträge keiner Antwort, u. Sucre ließ deshalb am 3. Januar 1825 seine Truppen aus Cuzco gegen Puño vorrücken, wo er am 1. Februar ankam. Während der Zeit hatten sich die royalistischen Besatzungen der Städte Oropesa, Chuquisaca u. Santa Cruz de la Sierra bereits für die Patrioten erklärt u. der Guerrillasanführer Lanza hatte la Paz besetzt. Aber dennoch bot Olañeta alles auf, um sich in Potosi zu vertheidigen, obgleich seine Truppen durch Abfall u. Desertion schon bis auf 2000 M. geschmolzen waren. Am 12. März setzte sich Miller von la Paz aus mit der peruanischen Division gegen ihn in Marsch u. zog am 25. April in Potosi ein; Olañeta war am 1. April zu Tamasla, südlich von Potosi, in einem Gefecht mit einem Theil seiner eigenen Truppen, welche unter dem Obersten Medina Celi sich gegen ihn empört hatten, tödtlich verwundet worden. Die geringe Anzahl Royalisten, die nach dieser Empörung noch in Ober-Peru übrig waren, wurden nun bald genöthigt die Waffen niederzulegen. Bolivar kam um diese Zeit nach Cuzco u. berief einen Congreß nach Chuquisaca, welcher am 6. August 1825 Ober-Peru als einen unabhängigen souveränen Staat erklärte u. am II. August den neuen Freistaat Bolivia nannte. Vgl. Pet. v. Kobbe, Darstellung des Freiheitskampfs im Spanischen u. Portugiesischen Amerika, Hann. 1822; Outlines of the Revolution in Spanish-America, Lond. 1817; Don I. Torrente, Historia general de la revolucion moderna hispano-americana, Madr. 1829 f., 3 Bde.; C. N. Röding, Der Freiheitskampf in Südamerika, Hamb. 1830; v. Schepeler, Gesch. der Revolution des Span. Amerikas 1808–23, Aachen 1834, 2 Bde.; Don I. Urquiaona y Pardo; Resumen de las causas principales, que prepararon y dieron impulso a la emancipation de la America española, Madr. 1836; Kottenkamp, Der Unabhängigkeitskampf der Spanisch-amerikanischen Colonien, Stuttg. 1838.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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