Südpolarländer

Südpolarländer

Südpolarländer (Antarktische Länder), die Länder, Inseln u. Küsten innerhalb od. in der Nähe des südlichen Polarkreises. Schon im 17. u. 18. Jahrh. hatten die Geographen aus theoretischen Gründen ein großes Land am Südpol vermuthet u. dieses ganz dreist auf Karten verzeichnet, ohne daß es Jemand gesehen hatte. Erst später wurden Reisen dahin unternommen u. wirklich dort Land gefunden. Die Entdeckungsreisen nach dem Südpole (Südpolarreisen, Antarktische Reisen) sind noch schwieliger als die nach dem Nordpole, u. es ist vorauszusehen, daß man sich dem Südpol (Capt. Roß gelangte bis 78° 11' südl. Br.) nie so weit als dem Nordpol wird nähern können. Das Antarktische Festland (Südlicher Continent), soweit es bis jetzt entdeckt u. erforscht ist, erstreckt sich als zusammenhängende Masse etwa unter 65° bis 66° südl. Br. u. zwischen 90° bis 170° östl. L. v. Greenwich, u. hat für einzelne Strecken die Namen: Clarie-, Adele-Sabrinaland erhalten. Neben der Ostgrenze dieses Continents erheben sich die Ballenyinseln, von denen südlich sich das Victorialand befindet, auf welchem zwei Vulkane, Erebus u. Terror, entdeckt worden sind u. welches man als mit dem Festlande zusammenhängend betrachtet. Unter 42° bis 52° östl. L. v. Greenwich erstreckt sich Enderbyland u. im Süden des Cap Horn Grahamsland, ebenfalls größere Küstenstrecken, welche auch mit dem Continente zusammenhängen können. Außerdem befinden sich in unmittelbarer Nähe des Continents auf der westlichen Halbkugel von Osten nach Westen hin die Inseln Joinville u. Louis Philippe, Palmerston, Dreieinigkeit, die Biscoegruppe, dann die Inseln Adelaide, Kaiser Alexander, Kaiser Peter; weiter nördlich, sämmtlich außerhalb des Polarkreises, liegen die Inseln Neu- od. Südgeorgien (König Georgsinseln) unter 53° 57' bis 54° 57' südl. Br., ferner das Sandwichland unter 58° bis 59° südl. Br., die südlichen Orkaden (Orkneys) zwischen 60° u. 61° südl. Br. u. die Südshetlandsinseln zwischen 61° u. 63° südl. Br., welche vom Continente durch die Brandfieldsstraße getrennt sind. Alle diese Länder u. Inseln sind gänzlich unbewohnt u. zeigen die Natur in völliger Erstarrung u. Öde; das Meer füllen Thranthiere, meistentheils eigenthümliche Arten (anstatt des nordischen Wallroß der Seeelephant), das Pflanzenreich wird nur durch Moose u. Flechten, die Thierwelt durch Seevögel u. Fettgänse repräsentirt. Die erste Südpolarreise soll Francis Drake auf seiner Reise um die Erde (1578 u. 1579) nach dem Südpole gemacht haben; allein ohne alle Wahrscheinlichkeit. Sicher weiß man, daß der Holländer Dietrich von Gerrit-Zoon (Dirk Gerritz) im Jahr 1600 in die Eiszone vordrang. 1675 entdeckte der Franzose Laroche das Land Saint Pierre; 1771 fand Cook die Insel wieder u. gab ihr den Namen Südgeorgien. Die Spekulation der Gelehrten über das Südpolar-[65] land, welche bes. um die Mitte des 18. Jahrh. die Aufmerksamkeit auf sich zog, veranlaßte die französische Expedition unter Kerguelen-Trémarec (1769 ff.), welche am 13. Januar 1772 Kerguelens Land (unter 49° südl. Br.) entdeckte. Weiter südlich als seine Vorgänger gelangte Cook, er entdeckte 1775 Sandwichsland. Die Expeditionen der Spanier Manuel de Oyarvido (1790) u. Malespina (1794) waren ohne Erfolge So war alles Land südlich des 60. Breitengrades noch unbekannt, bis 1819 William Smith die Südshetlandsinseln entdeckte u. der Russe Bellingshausen 1820 die Alexander- u. Peterinsel auffand. Die Berichte dieser Expeditionen über den Reichthum von Thranthieren in diesen Regionen veranlaßten nun eine bedeutende Menge von Unternehmungen, welche zunächst des Robbenfanges wegen veranstaltet wurden, doch zugleich auch geographische Forschungen bewirkten. Palmer u. Powell entdeckten 1821 die Südorkneys u. Weddel untersuchte diese Inselgruppe 1823. Ohne hervorragende Resultate blieb die englische Expedition unter Henry Foster (1828). Biscoe, den das Handlungshaus Enderby in London ausgesendet hatte, entdeckte 1831 Enderbyland u. im folgenden Jahre Adelaide u. Grahamsland. Kemp, ein Robbenfänger, entdeckte 1833 eine nach ihm Kempsland genannte Küste unter dem Polarkreise u. 77° östl. L. u. ein anderer Robbenfänger, Balleny, 1839 die nach ihm benannten Inseln u. Sabrinaland. Diese günstigen Resultate der Forschungen führten nun fast gleichzeitig drei wissenschaftliche Expeditionen herbei: der Franzose d'Urville befuhr von 1837–1840 die antarktischen Gewässer u. entdeckte 1838 die Küsten Joinville u. Louis Philippe, 1840 Adele- u. Clarieland; eine amerikanische Expedition unter Wilkes ging 1838–42 nach dem Südlichen Eismeer u. gebrauchte zuerst 1840 nach mehrfachem Auffinden von Küsten den Namen Antarktischer Continent; eine englische Expedition unter Capt. Roß untersuchte diese Regionen 1839–43 u. vervollständigte die Kenntniß der südpolaren Landmassen am meisten, drang auch weiter nach Süden vor (bis 78° 11'), als irgend eine vorhergegangene Unternehmung.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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